Ängstliche!
Hallo ihr lieben, meine fast 4 jährige kennt keine Grenze und hört oft nicht. Wenn ich sage "Stopp jetzt ist es genug", dann interessiert sie das nicht. Wie wenn ich nichts sage. Muss dann laut werden, das hilft ab und an, aber auch nicht immer. Will das eigentlich gar nicht. Auch wenn ich sage, "lass das und das "oder "sei leise" oder so, interessiert das sie gar nicht. Auch jeden Tag gefühlt 20x ständig diskutieren mit ihr...mache dann oft kompromisse, das geht schon öfters, aber auch nicht immer. Drohe ihr auch öfters, aber ich weiß nicht ob das der richtige Weg ist, aber es hilft nichts anderes. Mein Mann meint ich müsse das dann auch durchziehen und Taten folgen lassen. Ich bin so müde vom Grenzen setzen und diskutieren,ist das normal in den Alter? Wie macht ihr das?
Hallo, ja, das ist normal in diesem Alter. Es ist sogar umgekehrt: Wenn ein Kind aufs Wort gehorcht, sind Kinderpsychologen alarmiert. Denn ein seelisch gesundes Kind tut das nicht. Bei so einem allzu braven Kind wurde oft der Wille (und auch die Seele) durch zu viel Strenge oder sogar Gewalt gebrochen. Kleine Kinder sind starke Persönlichkeiten. Sie entdecken die Welt, und sie mögen dabei natürlich möglichst keine "Neins" oder Einschränkungen, auch wenn die manchmal sein müssen. Sie spüren auch, dass Mamas Wünsche und ihre eigenen oft nicht übereinstimmen, und halten gegen. Das ist natürlich und gesund. Trotzdem kannst du etwas tun, um die Situation leichter zu machen. Der Hauptjob von Eltern eines kleinen Kindes ist aber nicht das berühmte Grenzensetzen. Das sollte nur eine kleine Rolle spielen. Sondern der wichtigste Job ist jetzt, das Kind in seinem Bedürfnis nach Autonomie abzuholen und trotzdem die eigenen Nerven zu schonen. Und das geht am allerbesten, indem man das Kind im Alltag möglichst viel mitmachen lässt. Deine Tochter kann schon: sich selbst anziehen und mitentscheiden, was sie anziehen will; sich selbst einseifen und abduschen; beim Gemüse- und Obstschnibbeln und beim Kochen helfen; beim Einkaufen helfen und kleine Dinge anreichen oder mit aussuchen; beim Wäschefalten, Putzen und Staubsaugen mitmachen; beim Heimwerken ein bissl mitmachen; mit dem Papa (oder der Mama) in die Autowaschanlage fahren und zugucken (sehr spannend). Es gibt fast nichts, wobei man ein kleines Kind nicht mit einbeziehen könnte. Leider tun wir Eltern das oft nicht so gern. Denn natürlich kostet es mehr Zeit, und das Ergebnis ist sehr unperfekt. Dabei ist das Mitmachen so wertvoll. Denn kleine Kinder wollen nicht immer nur spielen – sie wollen sich in der Familie auch wichtig und gebraucht fühlen. Sie wollen mitmachen bei dem, was die Großen tun. Das macht Kinder stolz, vor allem wenn wir sie dann loben. ("Ich bin so froh, dass du mir hilfst, allein hätte ich das glaube ich gar nicht geschafft.") Und ein Kind, das sich hilfreich fühlt, ist ein zufriedenes Kind. Es ist weniger darauf angewiesen, Aufmerksamkeit für unerwünschtes Verhalten zu erzwingen. Ich fand es bei meinen Kindern wichtig, möglichst selten "Nein" und "Lass das!" zu sagen. Wenn man im Alltag mal genau hinsieht, sind viele Neins nämlich eigentlich gar nicht nötig. Besser ist es, das Kind abzulenken und zu sagen: "Magst du mir beim Staubsaugen helfen?" Kinder sind meist sofort Feuer und Flamme, wenn sie mitmachen dürfen. So kommt man als Mutter aus der Dauerschleife aus "Neins" heraus, weil man das Kind bei seinem Drang nach Aktion und Bewegung abholt, statt es ständig ausbremsen zu wollen. Es gibt halt (leicht übertrieben gesagt) diese zwei Möglichkeiten: Entweder rennt man den lieben langen Tag entnervt hinter dem Kind her und ruft dabei ständig "Nein! Lass das!" Oder man bezieht das Kind in alle Tätigkeiten mit ein und bindet seine Energie auf positive Weise, was beide Seiten deutlich weniger stresst. 🙂 Bei uns hat das extrem gut funktioniert. Wenn du noch besser verstehen willst, wie dein Kind in diesem Alter tickt und warum es sich manchmal "anstrengend" verhält oder nicht hören will, lies mal das wirklich tolle Buch: "Mein kompetentes Kind" des bekannten Erziehungsexperten und Autors Jesper Juul. Es war eigentlich der einzige Erziehungsratgeber, der bei uns wirklich toll funktionierte. LG
Ja, ich finde es auch normal und stimme dem kompletten Beitrag zu. Dein Mann hat insofern recht, dass man zu seinen Aussagen stehen sollte. Also immer gut überlegen, ob man das auch durchziehen wird, bevor man eine Drohung ausspricht. Aber idealerweise sollte man Drohungen nur sehr sparsam einsetzen. Gute Alternativen und Tipps sind ja schon im obigen Beitrag.
Hallo, ja das kann ich alles nachvollziehen, aber was mache ich wenn ich etwas absolut nicht erlaube? Da muss ich ein Nein mal durchziehen und ich finde sie soll auch mal Grenzen lernen. Wenn nein dann halt einfach mal nein, Es kann nicht alles nach ihrem Kopf gehen, so ist es halt. Was mach ich dann? Damit ich nicht 50 x am Tag kämpfe und genervt bin.
wenn du 50 situationen am tag hast bei denen absolut kein kompromiss möglich ist läuft irgendwas massiv schief.
Da geb ich WonderWoman recht. Im Idealfall schafft man sich zu Hause eine "Ja-Umgebung", die einfach kindersicher ist. Also weder Kind kann sich verletzen noch etwas kaputt gehen. Dann muss man gar nicht erst nein sagen und schont die Nerven aller Beteiligten. Wenn Neins nötig sind, dann müssen sie zum einen immer gleich sein. Heute auf dem Sofa hüpfen dürfen, aber morgen nicht ist blöd. Und die Neins müssen gerecht sein. Mein Mann hat Teile seines Hobbys offen in der Wohnung, weil es anders nicht geht. Kind darf dort nur unter seiner Aufsicht ran. Er darf dafür nur in ihrer Begleitung an die Kinderküche. Das klingt bescheuert, weil mein Mann die sicher nicht kaputt macht, während seine Sachen echt in Gefahr sind. Aber es ist fair, weil beide ihr Liebstes schützen dürfen und sie sich so ernst genommen fühlt. Und dann hilft sehr viel proaktives Umlenken mit Einflussmöglichkeit vom Kind. "Du weißt doch, du darfst nicht an Papas Tisch, wenn er nicht zu Hause ist. Ihr macht das später zusammen, ok? Du kannst bis dahin sehr gerne an meinen Tisch. Magst du meine Buntstifte haben?" war z.B. wochenlang Standard hier. Klar, wollte sie dann nicht immer malen, aber Papas Tisch war bis er zu Hause war zumindest wieder weitgehend egal. Er hat sich dann aber auch fast immer die Zeit genommen und mit ihr an seinen Sachen gewerkelt.
Genau so würde ich es auch versuchen. Die "Neins" sollten für Notsituationen vorbehalten sein, zum Beispiel: - Kind nimmt Messer in die Hand - Man ist bei jemanden zu Besuch und Kind zielt mit Ball auf eine chinesische Vase Dann muss man natürlich sofort mit einem deutlichen Nein reagieren. Aber wenn man Zeit zum reagieren hat, bzw. präventiv kann man es anders lösen. Damit die Lösung vom Kind angenommen wird, ist es wichtig, die Beweggründe des Kindes zu verstehen. Konkret zu den Beispielen oben: Kind möchte ans Messer: - Messer nie in Reichweite liegen lassen - Kind um andere Art von Hilfe bitten, Gemüse waschen, Schalen wegwerfen... - Falls es unbedingt ein Messer sein muss, je nach Alter des Kindes mit stumpfen Messer Banane o.ä. schneiden lassen, oder ein richtiges Messer nach Einweisung und unter Aufsicht - kleinere Kinder sind evtl. auch mit der Spielzeugversion zufrieden Kind möchte Ball spielen: - in eigener Wohnung evtl. ermöglichen (Softball besorgen, Zerbrechliches wegräumen) - sonst anderes Bewegungsangebot drinnen (z.B. Parcours bauen) oder draußen - Beim Besuch könnte es weniger um den Ball, als um Aufmerksamkeit gehen, z.B. weil sich die Erwachsenen unterhalten und Kind langweilig ist. Dann wäre das Verhalten ein Zeichen, den Besuch zu beenden. Fürs nächste Mal andere Beschäftigung mitbringen oder Treffen auf einen besser geeigneten Ort verlagern (z.B. ein Cafe im Park) Also es muss keineswegs darum gehen, dem Kind alles zu erlauben, oder dass sich alles ums Kind dreht. Aber wenn du auf die Bedürftnisse des Kindes eingehst, läuft es deutlich entspannter.
@Ängstliche Du hast schon so viele Posts bezüglich deiner Tochter geschrieben. Mir ist aufgefallen, dass es so gut wie nie - eigentlich nie - positive Nachrichten sind. Kann es sein, dass du deine Tochter zu kritisch siehst und schnell genervt bist? Dein Nick lässt diese Vermutung zu. Wie geht denn dein Mann mit ihr um? Natürlich ist Kindererziehung nicht einfach, aber das ist bei jedem so. Ich würde mir für deine Tochter wünschen, dass du mal ihre guten und positiven Eigenschaften heraus stellst. Ich bin sicher, du würdest dich wundern, wie liebenswert dein Kind ist. Ich wünsche dir alles Gute
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