Elternforum Rund ums Kleinkind

Meine Tochter hört nicht und kennt keine Grenzen

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Meine Tochter hört nicht und kennt keine Grenzen

Ängstliche!

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Hallo ihr lieben, meine fast 4 jährige kennt keine Grenze und hört oft nicht. Wenn ich sage "Stopp jetzt ist es genug", dann interessiert sie das nicht. Wie wenn ich nichts sage.  Muss dann laut werden, das hilft ab und an, aber auch nicht immer. Will das eigentlich gar nicht.  Auch wenn ich sage, "lass das und das "oder "sei leise" oder so, interessiert das sie gar nicht. Auch jeden Tag gefühlt  20x ständig diskutieren mit ihr...mache dann oft kompromisse, das geht schon öfters, aber auch nicht immer. Drohe ihr auch öfters, aber ich weiß nicht ob das der richtige Weg ist, aber es  hilft nichts anderes. Mein Mann meint ich müsse das dann auch durchziehen und Taten folgen lassen. Ich bin so müde vom Grenzen setzen und diskutieren,ist das normal in den Alter? Wie macht ihr das?


Jorinde17

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Antwort auf Beitrag von Ängstliche!

Hallo, ja, das ist normal in diesem Alter. Es ist sogar umgekehrt: Wenn ein Kind aufs Wort gehorcht, sind Kinderpsychologen alarmiert. Denn ein seelisch gesundes Kind tut das nicht. Bei so einem allzu braven Kind wurde oft der Wille (und auch die Seele) durch zu viel Strenge oder sogar Gewalt gebrochen. Kleine Kinder sind starke Persönlichkeiten. Sie entdecken die Welt, und sie mögen dabei natürlich möglichst keine "Neins" oder Einschränkungen, auch wenn die manchmal sein müssen. Sie spüren auch, dass Mamas Wünsche und ihre eigenen oft nicht übereinstimmen, und halten gegen. Das ist natürlich und gesund. Trotzdem kannst du etwas tun, um die Situation leichter zu machen. Der Hauptjob von Eltern eines kleinen Kindes ist aber nicht das berühmte Grenzensetzen. Das sollte nur eine kleine Rolle spielen. Sondern der wichtigste Job ist jetzt, das Kind in seinem Bedürfnis nach Autonomie abzuholen und trotzdem die eigenen Nerven zu schonen. Und das geht am allerbesten, indem man das Kind im Alltag möglichst viel mitmachen lässt. Deine Tochter kann schon: sich selbst anziehen und mitentscheiden, was sie anziehen will; sich selbst einseifen und abduschen; beim Gemüse- und Obstschnibbeln und beim Kochen helfen; beim Einkaufen helfen und kleine Dinge anreichen oder mit aussuchen; beim Wäschefalten, Putzen und Staubsaugen mitmachen; beim Heimwerken ein bissl mitmachen; mit dem Papa (oder der Mama) in die Autowaschanlage fahren und zugucken (sehr spannend). Es gibt fast nichts, wobei man ein kleines Kind nicht mit einbeziehen könnte. Leider tun wir Eltern das oft nicht so gern. Denn natürlich kostet es mehr Zeit, und das Ergebnis ist sehr unperfekt. Dabei ist das Mitmachen so wertvoll. Denn kleine Kinder wollen nicht immer nur spielen – sie wollen sich in der Familie auch wichtig und gebraucht fühlen. Sie wollen mitmachen bei dem, was die Großen tun. Das macht Kinder stolz, vor allem wenn wir sie dann loben. ("Ich bin so froh, dass du mir hilfst, allein hätte ich das glaube ich gar nicht geschafft.") Und ein Kind, das sich hilfreich fühlt, ist ein zufriedenes Kind. Es ist weniger darauf angewiesen, Aufmerksamkeit für unerwünschtes Verhalten zu erzwingen. Ich fand es bei meinen Kindern wichtig, möglichst selten "Nein" und "Lass das!" zu sagen. Wenn man im Alltag mal genau hinsieht, sind viele Neins nämlich eigentlich gar nicht nötig. Besser ist es, das Kind abzulenken und zu sagen: "Magst du mir beim Staubsaugen helfen?" Kinder sind meist sofort Feuer und Flamme, wenn sie mitmachen dürfen. So kommt man als Mutter aus der Dauerschleife aus "Neins" heraus, weil man das Kind bei seinem Drang nach Aktion und Bewegung abholt, statt es ständig ausbremsen zu wollen. Es gibt halt (leicht übertrieben gesagt) diese zwei Möglichkeiten: Entweder rennt man den lieben langen Tag entnervt hinter dem Kind her und ruft dabei ständig "Nein! Lass das!" Oder man bezieht das Kind in alle Tätigkeiten mit ein und bindet seine Energie auf positive Weise, was beide Seiten deutlich weniger stresst. 🙂 Bei uns hat das extrem gut funktioniert. Wenn du noch besser verstehen willst, wie dein Kind in diesem Alter tickt und warum es sich manchmal "anstrengend" verhält oder nicht hören will, lies mal das wirklich tolle Buch: "Mein kompetentes Kind" des bekannten Erziehungsexperten und Autors Jesper Juul. Es war eigentlich der einzige Erziehungsratgeber, der bei uns wirklich toll funktionierte. LG