Mitglied inaktiv
hallo, die meisten werden mich nicht kennen, ich gehöre auch eigentlich gar nicht in dieses forum. ich wollte mir die who-is-who liste anschaun und bin doch glatt hier hängen geblieben. treibe mich für gewöhnlich im aktuell und partnerschaft rum. habe mir hier so einiges zum thema umgang durchgelesen. mich schüttelts jetzt noch, und ich dachte, ich erzähl euch einfach mal: also ich bin nicht alleinerziehen, aber meine mutter war es. ich bin sozusagen ein "gebranntes kind". ich kann mich an trennung und scheidung meiner eltern nicht wirklich erinnern, ich war so zwischen 2-3 jahre alt. ich kann mich noch an einen gerichtstermin erinnern, indem mich ein grosser freundlicher "opa" fragte, wo ich wohnen wollte, und dann bekam ich einen lolli. an den umgang in den ersten jahren kann ich mich auch kaum erinnern, da gab es auch sehr wenig. mein vater ist erstmal weiter weg gezogen. zum geburtstag und weihnachten bekam ich ein geschenk, meist super modern, riesen gross und extrem teuer... eben alles, was mir meine alleinerziehende, arbeitende mutter nicht geben konnte. ja, ich kann mich erinnern, wie ich meinen umgang haben durft, und wie ich geheult habe, weil ich nicht mit wollte. aufgrund der grossen distanz durfte ich dann jahrelang meine ferien bei meinem vater verbringen, dafür dann keine wochenenden mehr. die ferien waren einsam, meine freunde zu hause, ich kannte niemanden und langweiligte mich zu tode. in der schule war ich super, da ich meine ferien mit zusatzaufgaben machen verbracht habe. die aufgaben habe ich vorgeschoben, als flucht um in ruhe gelassen zu werden: "aber ich muss doch für die schule machen!!!" mein vater hat nochmal geheiratet und ich bekam einen kleinen bruder. in meinen ferien war ich dann gut ausgelastet - ich war putzhilfe und kindermädchen: "hast du die wäsche aufgehängt?" - "hol deinen bruder!" - "hol mir dies und das!" - "nimm deinen bruder und den hund und geh spazieren, ich will mich hinlegen!"... von meinem vater hab ich wenig gesehen, der war meist bis spät abends arbeiten. an eine ganz hinterlistige situation erinnere ich mich, als wäre es gestern gewesen: die frau meines vater fragte mich, ob ich blumen mag... was ne doofe frage für ein mädchen, klar mochte ich blumen. als dank dafür durfte ich bei brütender hitze unkraut jähten! "aber du magst doch blumen!!!" und wenn mein vater dann abends von der arbeit kam, bekam ich ein babygläschen und ne dosensuppe in die küche gestellt, und die beiden sind schön abends ausgegangen - tolle ferien! mit 13 oder 14 jahren hab ich mich dann geweigert - kein umgang mehr, keine ferien mehr!!! pünktlich zum 16. geburtstag wurden die unterhaltszahlungen eingestellt, es kam vor gericht. mit 19 hab ich geheiratet und natürlich hab ich meinen vater eingeladen... er ist ja schliesslich mein einziger vater. ich bekam ne absage. ich hab ihn danach nochmal gesehen auf einer grossen familienfeier - die stimmung war "frostig". letztes jahr im september hab ich meine kleine tochter bekommen, ich dachte mir er solle es erfahren, dass er nun opa ist. ich hab ihm eine karte geschrieben und ein bild der kleinen beigelegt, nach 3 wochen kam die karte postwendend zurück. ja, es war sicherlich nicht einfach, auch für meine mutter nicht. ich verbrachte als kind viele nachmittage bei meiner oma, da meine mutter arbeiten musste. meine oma war mir eine wichtige bezugsperson im leben, mein vater nicht. und wenn ich jetzt so mit 28 jahren darüber nachdenke, ich hatte nie wirklich einen vater, und hätte auf das bisschen vater, dass ich hatte (gerichtlich haben musste) sehr gut verzichten können. lg rochen
Danke dass du hier mal diese Perspektive niedergeschrieben hast. Deine Geschichte hat mich sehr bewegt und ich hab eine Gänsehaut. Es ist so traurig, und ich würd mir wünschen, es besser zu machen, damit mein Kind später nicht so fühlt. Bloss ist man halt als Eltern auch so hilflos... ...klar ist alles eine Einzelfallentscheidung und es gibt immer Leute, die auf Kosten der Kinder Beziehungskriege führen... ...dennoch hab ich ab und zu das dumpfe Gefühl, unser Familienrecht haben ein paar Männer am Stammtisch gemacht, sorry... ...wenn ich seh, wie mein Kind leidet und mir gegenüber nicht verbalisieren kann, weshalb, weil sie selbst so überfordert ist, werd ich echt traurig... nachdenkliche Grüße WM p.s.: eines würde mich noch interessieren: konntest du mit 6 genau sagen, was dich bedrückt? oder später? das frage ich mich grad...
also was mich an dieser ganzen umgangsgeschichte wirklich bedrückte darüber kann nichtmal jetzt wirklich sprechen. mit den jahren kam die wut. als kind war ich schüchtern, verschlossen, übergewichtig und habe mich viel in meine phantasiewelt zurückgezogen durch malen und zeichnen. lg rochen
...die ist immer so in sich gekehrt... tut mir Leid, ich wollte da keinen wunden Punkt treffen. ich kann mir gut vorstellen, wie weh das tut... Ralph hat mir ja geraten, mit meiner Tochter zu reden, weil sie ja schon 6 ist und sagen kann, was los ist. Das Ergebnis war nach einfühlsamem Vortasten ohne suggestive Fragestellungen folgendes: "Ich würde lieber einmal nicht hingehen, weil ich mich so schäme, dass ich mich immer in die Hosen mach. aber dann ist er bestimmt traurig" TOLL oder? sehr hilfreich. jetzt weiß ich so viel wie vorher, dass er traurig ist, wenn sie nicht hinmag, hab ICH ihr ja selbst eingeredet, weil ich doch alles gut machen wollte... ich bin im Moment wirklich traurig und überfordert. ich hoffe sehr für dich, dass du glücklich bist und sicher wirst Du deinem Kind eine tolle Mama sein. ich wünsch dir alles glück auf erden. lg wm
Hallo rochen, vielen Dank für diesen Bericht, ich finde es sehr traurig, was Du erleben mußtest! Wir haben diese Situation nicht, da meine Tochter ihren Vater bisher nur 3 mal sehen konnte. Die Unterhaltsverhandlung in drei Wochen hat ihn veranlaßt nun doch einen Kontakt mit seiner Tochter zu 'wollen'. Der Termin ist noch vor der Verhandlung, da hat das Kind gute Chancen ihn wenigstens dieses eine Mal wieder zu sehen. Sie freut sich auf diesen Termin mehr wie auf ihren Geburtstag nächste Woche! Noch lobt sie ihn in den Himmel, aber ich denke, auch sie wird irgendwann mit der Enttäuschung zu kämpfen haben! Ich hoffe, Du hast Deine Enttäuschung verarbeitet und bist glücklich geworden! Lieben Gruß von Cat
Hallo rochen, eine traurige Geschichte für Dich, einerseits. Es läßt sich alles schlecht vergleichen und gegenüberstellen. Wie wäre es für dich gewesen wenn du gar keinen Umgang gehabt hättest, 1. weil der Vater das nicht gewollt hätte oder 2. das Deine Mutter nicht zugelassen hätte? Stand Deine Mutter Deinen Besuchen beim Vater wohlwollend, ermunternd positiv gegenüber? Warum hat Dein Vater dich denn überhaupt zu Umgängen genommen? Es wird sicher sehr schwer bis unmöglich sein, in allen Punkten die ganze, komplexe auch unterbewußte wahrheit bei dem von Dir geschilderten Procedere herauszufinden. MfG Richie
hallo, es ist wirklich schwer, diese fragen zu beantworten. wie gesagt, bei der trennung meiner eltern war ich sehr jung. an ein zusammenleben als familie kann ich mich nicht erinnern. hätte ich also von anfang an keinen umgang mit meinem vater gehabt, ich hätte ihn als vater und gemeinsames familienleben nicht vermisst, weil ich es nicht kenne. meinen vater kenne ich als eine person, die auf seine rechte pocht "ich darf das, also mache ich es" - das ist wohl der grund. wie schon gesagt, ich kann mich vage an das gericht erinnern, dort ging es ums sorgerecht allgemein und wo ich wohnen werde. ich bin froh bei meiner aufgewachsen zu sein, denn bei den zeiten mit meinem vater durfte ich nie kind sein. nicht toben, nicht klettern, nicht rennen... stillsitzen, mund halten und sich wie ein erwachsener benehmen. klingt jetzt vielleicht hart, aber ich bin auch froh, dass sich meine eltern überhaupt getrennt haben, denn den zoff beim abholen und wieder bringen hab ich natürlich mitbekommen. auch wie mein vater meiner mutter ihre erziehungsweisen vorgeworfen hat und mich als "unmöglich" oder auch mal "beschämend" tituliert hat. das vergisst man auch als erwachsener nicht. und genau DAS macht mich heute noch sehr wütend, ich hab mich niemals gut genug gefühlt und das wurde mir auch so gezeigt. zu meiner mutter: ich glaube sie fühlte sich in der pflicht. das gericht hat angeordnet usw. ich war nicht glücklich, hat sie natürlich gemerkt, aber mein vater hatte rechte und sie somit die pflicht. ich hoffe das klärt noch so einiges lg rochen
Hallo rochen, ich will meine Erfahrung nur als Korrektur und Gegenbeispiel anführen: ich habe meinen Vater nie kennengelernt, ihn also auch nach Deiner Lesart nie 'vermissen' können. Aber ziemlich früh, so mit 9-10 Jahren, schwante mir, daß etwas mit mir nicht stimmen könne, stammte ich doch von jemandem ab, der wie ein gestaltloser Unhold in Schweigen gehüllt werden mußte. Ich fühlte mich in meiner mütterlichen Familie wie ein Aussenseiter, wie ein Bastard als Ergebnis eines Ausrutschers. Ich mußte also diese dunkle Seite meines Daseins mit grandiosen Selbstvorstellungen überdecken, wurde aber nie ein tiefes Gefühl der Isolation und Minderwertigkeit richtig los. Erst im Laufe meines Studiums-was hätte es anderes als Psychologie sein können- lernte ich, Licht in die Finsternis meiner Selbstvorstellungen zu bringen und sie einer Besichtigung und Bearbeitung zugänglich zu machen. Dafür habe ich insgesamt an die 20 Jahre gebraucht. So richtig frei von dieser Düsternis bin ich auch erst in den letzten 14 Jahren anhand meiner eigenen Kinder geworden. Ich weiß aber auch, daß unzählige Menschen, die so ein verdunkeltes Verhältnis zu ihren Vätern haben, nie überhaupt einen Schimmer von der Schattenwelt ihres Inneren bekommen und lebenslang an ihrer düstern Minderwertigkeit leiden. MfG Richie
Hallo, soweit man von "zustimmen", "richtig oder falsch" in diesem Zusammenhang überhaupt reden kann. An ein familiäres Zusammenleben kann ich mich auch nur noch sehr bruchstückhaft erinnern, an meinen Vater aber sehr wohl und daran, dass der jahrelange fehlende Kontakt aus mir ein sehr unsicheres Mädchen mit Minderwertigkeitskomplexen und vollkommen ohne Selbstbewußtsein gemacht hat. Später gingen diverse Partnerschaften nach kurzer Zeit in die Brüche, weil ich mich immer über andere identifizieren "mußte", da ich ja selber nie gut genug für irgendetwas war. Erst als ich mit einem verheirateten Mann zusammen war, der im Zuge der Scheidung um das Sorge- und Umgangsrecht kämpfte und mir zeigte wie aussichtslos die Situation der Väter ist, wenn die Mütter nicht wollen, suchte ich erneut den Kontakt zu meinem Vater. Und siehe da: Nach diversen Gesprächen und regelmäßig unregelmäßigen Treffen kann ich heute auf eine langjährige Partnerschaft mit zwei süßen Kindern zurück blicken. Ich ruhe in mir selbst und brauche nichts anderes mehr, um mich "aufzuwerten". Sicherlich gibt es immer zwei Seiten bei solchen Geschichten, aber ich bezweifle absolut, dass generell kein Umgang immer der bessere Weg ist - eher im Gegenteil. Kein Umgang ist meiner Meinung nach nur in ganz ganz seltenen Ausnahmefällen der bessere Weg. Auch in Deinem Fall ist es fraglich, ob es Dir ohne Umgang besser ergangen wäre - immerhin hättest Du ja nicht gewußt wie Dein Vater ist und stattdessen hättest Du Dir vielleicht ein "passendes" Bild von ihm gemacht - und ihn dann doch vermisst.
Hallo Nicole, Dein letzter Absatz trifft genau meine Meinung! Meine Tochter hatte vor 2 Jahren drei kurze Kontakte mit ihrem Vater und wird in der nächsten Woche sechs Jahre alt. Sie träumt sich was zurecht von ihm! Sie wird ihn in zwei Wochen wieder treffen, wahrscheinlich nur dieses eine Mal wieder und sich dann ein altersentsprechenderes Bild machen. Ich bin der Meinung, wenn sie ihn auch nur ab und zu sieht, auch in diesen großen Abständen wird sich ihr Vaterbild immer weiter entwickeln und nicht bei diesen kindlichen Idealvorstellungen hängenbleiben. Klar tut das kurze Treffen dann auch weh und meine ganze Familie versteht nicht, warum ich meinem Kind diese erneute Enttäuschung zumute, aber ich glaube einfach, das ist der richtige Weg! Im übrigen finde ich es sehr gut, dass hier einige so wie Du auch, ihre eigenen Geschichten und Erfahrungen aufschreiben. Ich hoffe, es kommt noch viel mehr davon! Gruß von Cat
Hallo rochen, danke für Dein ehrliches Posting. Grüße, Ulli
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