Elternforum Alleinerziehend, na und?

Trennung und plötzlich Traurig

Alleinerziehend, na und?
Trennung und plötzlich Traurig

Glück299G

Wir haben uns vor 9 Jahren kennengelernt, vor 8 Jahren geheiratet und dann ein Kind bekommen. Ich bin für ihn über 300 km gezogen. Aus der Großstadt in eine kleine eingeschworene Gemeinde. Es kam, wie es kommen musste, obwohl es wirklich eine große Liebe war. Ich habe ihm komplett vertraut und mich auf ihn eingelassen, ihn bei allem, wirklich allem, was er gemacht hat, unterstützt. Mit der Geburt unseres Kindes hat es angefangen zu bröckeln. Wir haben nur noch gestritten und es war keine gesunde Beziehung mehr. Als unser Kind 3 Jahre alt war, bin ich mit Kind, Hund und Vollzeitjob ausgezogen. 2 Monate später ist er uns hinterher, hat so vieles versprochen. Nicht mal ein Jahr konnte er sein Versprechen halten und die Streitereien sind nur noch schlimmer geworden. Der gegenseitige Respekt war weg. Er hat mich mit Wörtern beschimpft, die mehr als respektlos sind. Ich wollte wieder in meine Heimat, da ich hier so unglücklich bin. Da er ein Mitspracherecht wegen unserem Kind hat, hat er es nie zugelassen. Nun ist er, da er davon profitiert (der Grund ist kompliziert), damit einvernehmlich, dass wir ausziehen. Ich habe meinen Job gekündigt und eine Wohnung in meiner Heimatstadt gesucht. Da dies in einer Großstadt und in meiner Lage nicht einfach ist, hat es fast ein halbes Jahr gedauert, eine Wohnung in einer guten Gegend zu finden. Ich werde am Wochenende ausziehen, mein Mann hilft mir noch, meine paar Sachen zu transportieren. Danach trennen sich unsere Wege. Selbstverständlich kann er sein Kind jederzeit besuchen kommen. Diese Dinge haben wir geklärt, aber ich wollte diese Trennung so lange, da wir beide so unglücklich in dieser Beziehung waren und jetzt, wo es so weit ist, bin ich unfassbar traurig. Ich bin traurig, dass unsere Familie kaputt gegangen ist, ich bin traurig und wütend, weil er so gleichgültig ist. Im Gegenteil, er ist so genervt und meckert bei jeder Gelegenheit. Ich habe jahrelang an unserer Familie gearbeitet und festgehalten, wollte zur Paartherapie, habe so vieles vorgeschlagen. Er wollte nichts davon. Habt ihr auch sowas durchgemacht? Was hat euch geholfen? Könnt ihr mir Tipps geben?


Zwergenalarm

Antwort auf Beitrag von Glück299G

Das Wissen, dass man den Mut hatte, aus einer ungesunden Beziehung auszubrechen und dass man finanziell mit Kind auf eigenen Beinen steht. Die Entscheidung, dass man mit möglichst guter Laune in das neue Leben startet, und letzten Endes einfach die Zeit, die vergehen wird. Das ist halt jetzt plötzlich ein ganz klarer Schnitt. Du bist noch nicht weg, und das ‚dort‘ ist noch unbekannt. Logo ist man da ein bisschen traurig, weil man das so nicht von Anfang an geplant hätte. Ist jetzt so, und eröffnet dir sicher Möglichkeiten, die du sonst so nicht gehabt hättest. Wird sicher besser werden, wenn du dich dort mal eingerichtet hast. Kopf hoch


Glück299G

Antwort auf Beitrag von Zwergenalarm

Danke für deine lieben Worte. Ja, wahrscheinlich ist es so, weil es jetzt endlich so weit ist, mir noch ein paar schwierige Wochen bevorstehen und ich nun gucken muss, wie es weitergeht. Irgendwie musste das auch so raus, weil ich mit niemandem, der objektiv ist, darüber reden kann. Freundinnen oder meine Familie zb. Ich möchte ihn ja auch nicht schlecht machen. Schließlich wird man sich aufgrund des Kindes noch öfter sehen. Geht diese Traurigkeit denn mit der Zeit weg?


ohno

Antwort auf Beitrag von Glück299G

Sagen wir mal so: Es wird immer einen Wermutstropfen geben. Damit lernst Du aber umzugehen, und er wird Dich wahrscheinlich auch mit der Zeit nicht belasten. Falls Du noch die Möglichkeit hast, lass Dir eine Sorgeverfügung ausstellen. Das Du manche Sachen alleine entscheiden kannst, ohne Zustimmung des Vaters, da Du ja weiter weg ziehst. Das fängt bei der Schulwahl an, geht über Reisen ins nicht EU-Land und medizinische Entscheidungen. Das macht Dein Leben einfacher.


widmerin

Antwort auf Beitrag von Glück299G

Ich glaube, Traurigkeit geht nie ganz weg. Aber sie tritt in den Hintergrund und wird überlagert von so viel Schönem, das noch in eurem Leben geschehen wird. Und so taucht sie immer seltener wirklich bewusst auf. Ich kann dich verstehen. Scheitern ist nie schön. Aber es ist menschlich und du bist in bester Gesellschaft. Du darfst traurig sein und ich finde es wichtig, diese Trauer auch zuzulassen und sie nicht zu verdrängen. Nimm sie ernst und gib ihr den Platz, den sie braucht. Und du wirst merken: Sie wird sich ganz von selber verändern. Hier ein schöner Buchtipp dazu, den du vielleicht auch gemeinsam mit deinem Kind anschauen kannst, denn auch dein Kind wird traurig sein: "Ein Ort für meine Traurigkeit" von Anne Booth und David Litchfield. Uns wurde es geschenkt, als unser zweiter Sohn gestorben ist - und besonders ich und mein grosser Sohn haben viel Trost aus diesem Buch geschöpft.


Zwergenalarm

Antwort auf Beitrag von Glück299G

Ich kann‘s nur aus meiner Sicht sagen. Ich habe verlassen, und ich wurde auch verlassen. Wegen nichts davon bin ich noch traurig. Also ja, ich glaub du wirst nicht ewig traurig sein.