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Ist es nicht doof,.. ?

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Bei uns kommen mal wieder die Fragen nach dem abwesenden Vater hoch, und ich weiß immer noch nicht, wie ich damit gescheit umgehen kann... Der Nachwuchs ist jetzt knapp 8, ich habe mich schon in der Schwangerschaft vom Vater getrennt (unüberbrückbare Differenzen bzw. zu unterschiedliche Lebensvorstellung, die sich so erst während der Schwangerschaft herausgestellt haben, außerdem noch eine psychische Erkrankung des Vaters, mit der ich letztlich nicht mehr zu Rande gekommen bin). Der Vater hat mir das nie verziehen und weigert sich, in irgendeiner Weise die Existenz unseres Kindes zur Kenntnis zu nehmen, hat es noch nie gesehen etc.). Jetzt hatten wir zu Weihnachten Fotos beim Fotografen machen lassen, eines ist einfach nur total genial geworden, und das haben wir nun in Groß in einem schönen Rahmen aufgehängt. Beim Aufhängen habe ich gesagt, dass ich direkt stolz auf so ein hübsches Kind bin. Ein bisschen später kam dann vom Kind "es ist doch doof, wenn ER nicht auf mich stolz ist, oder?" ER, das ist eben "mein erster Vater" (mittlerweile bin ich verheiratet, und mein Mann ist der "zweite Papa")... Und hinterher kam dann, dass der Nachwuchs eigentlich doch nicht viel vom Vater wüsste, und der Nachwuchs möchte mal richtig über ihn sprechen (schwierig, wenn ich gerade dabei bin, meine mittlerweile drei Kinder ziemlich spät abends ins Bett zu bringen, seufz! Oder vielleicht nur eine ausrede von mir..?). Ich erzähle schon ab und zu vom leiblichen Vater, gebe aber zu, ich tue mich irgendwo schwer mit dem Thema - vor allem, weil ich ja nichts Negatives über den Vater sagen will - aber dann rede ich so positiv von ihm, dass Nachfragen kommen, wenn er so nett war, warum bin ich denn nicht mehr mit ihm zusammen..?!? Im Grunde sehe ich es ja auch so - irgendwo ist es "doof", sein Kind nicht zu sehen und nicht mitzuerleben, wie es aufwächst und groß wird und man schaut zufrieden zu und strahlt innerlich und ist manchmal sogar stolz wie Oskar... auf der anderen Seite verstehe ich schon irgendwo, dass der leibliche Vater eben psychisch krank ist und nicht mit der Situation klar gekommen ist und meinetwegen auf keinen Fall das Kind sehen möchte, weil er nicht ertragen könnte, mich zu sehen... Wie sag ich solche Dinge denn bloß "kindgerecht" und eben ohne den Kindsvater irgendwie "schlecht zu machen"????


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huhu leena, vermutlich ist es sooo schwierig doch gar nicht. ich denke mit 8 jahren ist ein kind durchaus alt genug, auch "unangenehme" wahrheiten zu verstehen, kindgerecht verpackt natuerlich. du solltest eben diese krankheit des vaters nicht verschweigen, die vielleicht auch zu seiner immer noch ablehnenden haltung fuehrt, da er moeglicherweise immer noch anders "tickt". wurde er denn jemals therapiert und fuer geheilt erklaert? weisst du etwas genaueres darueber? das sind dinge, die ein kind auch in dem alter schon durchaus verstehen kann. auch auf die gefahr hin, dass dann das podest, auf das junior den vater gestellt hat, risse bekommt, und das superhelden-image auf normalmass zurechtgestutzt wird. ich finde es nicht verwerflich, den kindern auch schwaechen zu zeigen, dinge, die nicht "schoen" oder "geschoent" sind, und sie auch darauf hinzuweisen, dass auch schreckliche oder traurige dinge passieren, dass es gewalt, krankheit und tod gibt. letztendlich machst du den KV ja nicht schlecht, wenn du ueber seine krankheit und daraus resultierende unzulaenglichkeiten sprichst. du erzaehlst deinem kind eben DEINE wahrheit, wie DU empfunden hast, und du stellst eben einen menschen da, der halt auch schwaechen und nicht in einem blauroten stretchanzug rumfliegt und die welt rettet und ozeane leertrinkt. und da du dein kind am besten kennst, werden dir sicher die richtigen worte einfallen. ich finde, auch das kind hat ein recht auf die wahrheit, weil das auch zu seiner identitaetsfindung beitraegt. stellst du den vater immer nur makellos und positiv da, wird es doch frueher oder spaeter auf die idee kommen, dass die ablehnung durch den vater in der eigenen person zu suchen ist ("ich bin schuld, dass papa mich nicht liebt"). wenn es aber weiss, da ist etwas "hoeheres", dass der vater auch nicht wirklich beeinflussen kann (z.b. eben diese krankheit), wuerde sich das doch vermutlich auch positiv auf das selbstbild deines sohnes auswirken. lg martina


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Hallo Martina, einerseits denke ich ja auch, das unser Kind ein Recht darauf hat, die "Wahrheit" zu wissen (was immer genau das ist, seufz!), und das eben irgendwie "kindgerecht verpackt"... aber mit den richtigen, kindgerechten Worte tue ich mich noch arg, arg schwer. Wie sagt man sowas?!? Außerdem weiß ich nicht recht, wie es ankommt, der Umgang mit psychischen Erkranungen ist eben doch irgendwo etwas anderes als ein gebrochenes Bein oder so, und vor dem Gedankengang "mein Vater ist verrückt, kann ich denn überhaupt normal sein" habe ich, ehrlich gesagt, irgendwo Angst... Du fragst, ob er denn jemals therapiert und füer geheilt erklärt wurde. Tja, das ist auch gerade so ein Thema... :-( Viel weiß ich ja nicht darüber, nur dass er mehrfach in stationärer Behandlung (incl. sehr heftiger Medikamentation) war, jedes Mal aber wieder "rausgeworfen" wurde wegen mangelnder "Mitarbeit". In einer Kur hat er dann wohl seine jetzige Lebensgefährtin (sind bestimmt schon 6 Jahre oder so zusammen) kennen gelernt, die selbst wohl schwer depressiv ist und alt genug, um in Rente zu sein (er ist Anfang 30),... die Beziehung ist wohl aber auch nicht einfach, aber im Grunde weiß ich da auch nichts darüber. Als ich das letzte Mal etwas über ihn hörte, war er in ambulanter Behandlung, weigerte sich aber, in der Behandlung überhaupt nur zu erwähnen, dass er ein Kind hat... Sorry, ich komme schon wieder vom Hundersten zum Tausendsten, aber irgendwie hat Deine Frage genau den Punkt in mir berührt, mich dem ich mich immer noch so schwer tue... Irgendwie tue ich mich entsetzlich schwer, so eine Wahrheit unserem Kind zu erklären! (Klar, ich habe erzählt, dass der Vater krank ist und sich nicht kümmern kann, da kamen dann erstmal keine weiteren Nachfragen... irgendwie geht die ganze Konversation über IHN nur häppchenweise, eine Frage, eine Antwort - und irgendwann dann die nächste Frage, zu einem ganz konkreten Punkt in meiner Antwort...) Schönen Gruß, Leena


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hallo zurueck - gell, wenn es immer so einfach waere!? irgendwo ist es aber voellig verstaendlich, dass du dich damit etwas schwer tust. das ist doch bei uns auch nicht anders. der vater ist nunmal nicht bestandteil unseres taeglichen lebens. ich meine, er ist ueberwiegend teil MEINER vergangenheit, denn die beziehung war ja, als anna dann kam, so gut wie beendet. mit IHREM leben hat er so gesehen ja gar nix zu tun, weil er nie praesent war und alle entscheidungen das kind betreffend durch mich getroffen werden mussten. die situation ist bei eltern, die sich trennen wenn die kids groesser sind, und wo das umgangsrecht von dem elternteil, bei dem das kind eben nicht ueberwiegend lebt, auch regelmaessig und gerne wahrgenommen wird, ganz sicher wieder eine andere. vielleicht kannst du dich ja erinnern, dass ich vor einem halben jahr erzaehlte, dass der kv und ich uns ueberworfen hatten. mir geht einfach seine art tierisch auf den zeiger: dummheit gepaart mit unglaublicher arroganz, weil er sich scheinbar fuer was besseres oder den gewinner haelt. er ist ja kurz darauf in den irak gegangen, und seitdem beschraenkt sich die korrespondenz auf einige wenige emails zwischen ihm und mir, weil eine kommunikation zwischen ihm und der kleinen per email nicht moeglich ist. selbst wenn anna schreiben koennte, sie redet nicht englisch, er nicht deutsch. als anna irgendwas wegen ihrem vater gesagt hat, ist mir aufgrund dieser vorangegangenen situation irgendwann auch mal der kragen geplatzt und ich habe vor anna mal ziemlich ueber ihn geschimpft. sie hat betroffen geguckt, aber ich habe ihr dann erklaert, dass ich eben sein verhalten ihr und mir gegenueber nicht richtig finde. dass ich denke, er muss sich mehr um sie kuemmern, vor allem weil er ja so selten zu besuch kommt, sollte das anna-zeit sein. ich habe ihr auch gesagt, dass ich einfach kein geld habe, ihn dann mit zu finanzieren, und dass er, wenn wir dann als "familie" etwas gemeinsam machen, noch nicht mal was dazu beisteuert. dass ich es nicht richtig finde, wenn er sein geld fuer bier ausgibt und auch noch in die kneipe gehen moechte, wenn er doch eigentlich mit IHR spielen soll, und von dem geld etwas mit IHR zusammen unternehmen soll (zoo usw.). dass es bescheiden ist, wenn ihm diese andere sachen wichtiger scheinen. ich denke, sie hat es verstanden, dass ich menschlich enttaeuscht von ihm bin, dass er eben entscheidungen trifft, die ich nicht verstehen kann und nicht toll finde, aber dass er sie trotzdem liebt und immer ihr papa bleibt. auch habe ich sie schon so oft dazu angeregt, ihm mal ein bild zu malen, oder auch einen brief zu schreiben (seitdem sie in der schule ist). er selber hat mich mal darum gebeten, und gesagt, es ist ok, wenn es in deutsch ist, er freut sich trotzdem und wird jemanden finden, der es uebersetzt. trotzdem hat sie sich noch nie ueberwinden koennen, etwas fuer ihn zu machen, also kommt er in ihrem leben ja auch nur unmittelbar vor. fragen oder aussagen ueber ihn kommen auch nur selten und voellig unvermittelt... du siehst, auch anderen leuten geht es aehnlich. was bei euch das thema erkrankung des vaters ist, ist bei uns eben das thema "beruf" - er kann toeten und getoetet werden, und ist auch schon aufgrund dieses berufes nicht bei uns etc. etc. aber ich finde, wenn man den knirpsen gegenueber ehrlich ist, kommt man immer noch am weitesten. ich habe auch schon gesagt "das muss jetzt als erklaerung genuegen, du wirst das erst richtig verstehen, wenn du gross bist und eine dicke brust hast" (das ist fuer uns die erklaerung fuer "erwachsen sein") - und das hat eigentlich immer gereicht. lg martina