Mitglied inaktiv
Hallo, irgendwie fühle ich mich mal wieder etwas überfordert mit der ganzen Situation und irgendwie zwischen allen Stühlen, seufz... Kurz zur Vorgesichte: Mein ältester Nachwuchs ist nun schon 8 Jahre alt, ich hatte mich in der Schwangerschaft vom leiblichen Vater getrennt (nach 7 Jahren Beziehung), dieser hat unser Kind aus diversen Gründen nie sehen wollen und jeden Kontakt abgelehnt, wohl vor allem, weil er mir die Trennung absolut nicht verzeihen kann und nichts mit mir zu tun haben will, auch nicht mittelbar (in mancher Hinsicht eine ähnliche Geschichte wie bei vallie hier, für die ersten 8 Jahre). Zumindest haben wir aber Kontakt zur Großmutter väterlicherseits und zu Geschwistern des leiblichen Vaters und deren Familien, was mir immer sehr wichtig war und ist, schon allein, damit unser Kind so wenigstens eine gewisse Verbindung zur anderen Hälfte seiner Familie behält. Kontakt zum Großvater väterlicherseits bestand nicht, die Eltern meines Ex-Partners hatten sich getrennt, lange bevor der Ex und ich uns kennen gelernt hatten, und es bestand über 20 Jahre keinerlei Kontakt zwischen dem Vater und seinen Kindern. Anfang dieses Jahres hat sich dieser väterliche Großvater nun bei mir gemeldet, er wusste vorher nichts von seinem Enkelkind und ist nun ganz aufgeregt und begeistert und alles und zeigt auch deutlich Interesse am Enkel, will sich auch kümmern und den persönlichen Kontakt aufbauen und alles, gibt sich da wirklich Mühe. Es gab auch schon mehrere Treffen und es läuft soweit auch ganz gut. Mein Kind sagte zwar vor dem letzten Besuch, es wusste zwar, dass es einen Großvater haben muss, aber im Grunde denkt es immer noch „Ups!“, dass der plötzlich tatsächlich aufgetaucht ist, und ist unsicher, verständlicherweise, ist halt eine sehr ungewohnte Situation, wenn da plötzlich ein wildfremder Mann auftaucht und der eigene Großvater ist... Am meisten ist es irritiert, dass der „neue“ Großvater alles, was der Nachwuchs sagt oder tut, toll findet und restlos begeisterungsfähig ist – ich habe versucht zu erklären, dass Großeltern eben nicht objektiv sind, hat dem Nachwuchs auch eingeleuchtet... soweit auch alles okay. :-) Was mir nun zu schaffen macht, ist die „Vergangenheitsbewältigung“, die das Ganze mit sich bringt. Wie gesagt, der Großvater hat auch schon seit 20 Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn (lehnt der Sohn strikt ab, für ihn hat der Vater damals die Familie verlassen und das kann er ihm nicht verzeihen), kennt also nur den 11-jährigen Jungen von vor 20 Jahren und nicht den erwachsenen Mann von heute, und ich kannte meinen Ex von 11 bzw. 17 Jahren bis 24 Jahren, auch wieder über 8 Jahre her... Der Großvater hat uns ausführlich von dem Jungen von früher erzählt, Fotos gezeigt, Bilder, dem Nachwuchs von seinem Papa erzählt... Irgendwie kamen mir da schon sehr viele Erinnerungen hoch und ich fühlte mich eindeutig überfordert. Außerdem fragt er natürlich nach der Zeit, in der ich seinen Sohn kannte, wie gesagt, wir waren 7 Jahre zusammen, schon eine lange Zeit. Im Moment fühle ich mich von all den Erinnerungen einfach überfordert!!! Zumal mein Ex immer wieder massive psychische Probleme hatte und ich die Beziehung letztlich beendet habe, weil er schwer manisch-depressiv erkrankt war und ich irgendwann an dem Punkt war, dass ich einfach nicht mehr konnte... Einerseits will ich vieles davon meinem Kind nicht so direkt erzählen, andererseits kommen da natürlich schon Fragen, und auch den Fragen des Großvaters will ich natürlich gerecht werden, auch wenn ich teilweise nicht wirklich damit umgehen kann... Ich fühl mich derzeit restlos überfordert und würde die Vergangenheit am liebsten komplett vergessen – geht natürlich nicht... aber manche Erinnerungen tun auch nach über 8 Jahren noch scheußlich weh. :-(((( (Dabei war ich es, die sich getrennt hat damals, und ich bin auch schon lange mit meinem jetzigen Mann zusammen, haben noch zwei gemeinsame Kinder, er hat meinen ältesten Nachwuchs längst adoptiert... ich versteh mich selbst nicht wirklich!)
ach leena, dass einen ab und zu mal die vergangenheit einholt, ist doch völlig normal. und deine gefühle und gedanken sind verständlich. vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn der grossvater jetzt die "alten" erinnerungen an seinen sohn auspackt, und du hast ihn ja auch in sehr jungen jahren gekannt. wie war er denn in dieser zeit? schon krank? hat sich damals seine erkrankung schon angedeutet oder kam das erst später? jedenfalls hilft das sicherlich, deinem nachwuchs auch ein positives bild vom leiblichen vater zu vermitteln, und dir vielleicht auch, frieden mit der vergangenheit zu schliessen. der kindsvater ist ganz bestimmt nicht "absichtlich" krank geworden, nur um dich zu ärgern oder um sich seiner verantwortung zu entziehen. um dem kind die erkrankung in all seinen facetten zu beschreiben, ist es noch zu jung. aber dass es eben auch krankheiten des gemüts gibt, das verstehen auch kinder. und sicher profitiert auch der grossvater davon, dem kind ein besserer opa zu sein, als er seinem sohn ein vater sein konnte (bzw. durfte, wenn er da so auf ablehnung stiess). und es wird ihm helfen, seinen teil der geschichte zu verarbeiten. im grunde genommen habt ihr doch irgendwie alle etwas von diesem kontakt, oder? auch wenn es jetzt erst mal gefühlswirrwarr bedeutet. aber über kurz oder lang wirst auch du erkennen, dass du vielleicht mit vielen dingen nochmal (und positiver) abschliessen kannst als vorher. liebe grüsse, martina
Hallo Martina, erst mal vielen Dank für Deine Antwort! Natürlich hast Du recht – im Grunde profitieren wir alle jetzt von diesem Kontakt, für den Großvater ist es toll, plötzlich ein Enkelkind zu haben, wieder eine Familie, um die er sich kümmern darf und die Interesse an ihm zeigt... klar! Und für den Nachwuchs ist es auch schön, das da plötzlich noch jemand für ihn da ist, dass sein Großvater sich für ihn interessiert und begeistert und gerührt ist, wenn er den Enkel unterwegs an die Hand nehmen darf... Aber mir war’s erst mal arg viel, ich habe meinen Ex das erste Mal kennen gelernt, als seine Eltern gerade in der „heißen Phase“ der Trennung waren... ich kannte also auch den kleinen Jungen, der da auf den Fotos zu sehen war, ich erinnerte mich, wie wir im Kunstunterricht manche der Bilder gemalt haben, die der Großvater immer noch aufbewahrt... Irgendwie war’s mir übel, damals war er doch noch einfach ein trauriger kleiner Junge, der leidenschaftlich gerne und wunderbar gemalt hat und unglücklich war, weil seine Eltern sich immer mehr gestritten haben, die Mutter sich immer mehr abgeschottet hat und sein Vater immer weniger nach Hause kommen wollte, und jetzt, 20 Jahre später, ist irgendwie so wenig übrig geblieben, mein Ex hat keinen Berufsabschluss, keine Arbeit, lebt immer noch bei seiner Mutter, seit Jahren von Sozialhilfe/Hartz IV, ist regelmäßig in stationärer bzw. ambulanter Behandlung, Änderung nicht in Sicht, ... irgendwie so hoffnungslos! :-((( Seinen ersten „Krankheitsschub“ hatte mein Ex übrigens ziemlich direkt nach dem Auszug des Vaters, da war er mehrere Wochen stationär in Behandlung. Der Vater ist heute noch überzeugt, dass er gar nicht krank gewesen sei, sondern seine Mutter lediglich mit ihm überfordert und sie ihn deshalb „abgeschoben“ hätte, er wäre ja immer ein „empfindsamer Junge“ gewesen, aber doch nicht psychisch krank..! Doch, war er, ich habe damals den ersten „Schub“ ein klein wenig miterlebt, wir gingen ja damals gemeinsam in eine Klasse und waren ein bisschen befreundet, die Lehrer haben uns dann nach seinem Weggang erklärt, dass er krank sei, und später dann, dass er in eine andere Schule ginge – als wir später erfahren haben, was für eine Krankheit es war, hat es von uns Kindern niemanden überrascht... nur sein Vater kann oder will das nicht wirklich glauben... Nach diesem ersten „Schub“ war dann übrigens jahrelang nichts, nichts Merkbares auf jeden Fall, bis dann, so als er 18, 19 war und Schwierigkeiten in der Schule bekam, mehrfach die Schule wechseln musste... später dann noch Schwierigkeiten bei der Ausbildung, dann immer mehr Schwierigkeiten in der Beziehung... irgendwie hat sich dann alles immer mehr zugespitzt... bis es nicht mehr ging... nach unserer Trennung hat er dann seine Ausbildung abgebrochen, war dann auch, nach einem entsprechenden Vorkommnis, ein halbes Jahr in einer geschlossenen Abteilung, ist jetzt, nach 8 Jahren, immer noch in Therapie... natürlich gebe ich mir wahrscheinlich auch irgendwo die Schuld daran, frage mich, ob ich irgendetwas anders hätte machen können oder müssen, frage mich, warum er mich so furchtbar hasst, dass er sein eigenes Kind nicht zur Kenntnis nehmen will... auch wenn ich weiß, zum Schluss hatte ich keine Wahl mehr. Da war von Selbstmorddrohungen die Rede, falls ich ihn verlassen sollte, er drohte damit, wenn ich ihn verließe, würde er dafür sorgen, dass das Kind einen Unfall hätte, da war wirklich genug Sch... ;-((( Liebe Grüße, Leena
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