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Geschrieben von maleja am 03.02.2006, 19:50 Uhr

Tchibo Klamotten (&Co)

Heute hab ich das neue Schroth und Korn (die Zeitung aus dem Bioladen) gelesen und darim steht ein Riesenbericht über Tchibo & Co. Ich hatte zwar bereits davon gehört und mir vorgenommen, kene Kleider etc mehr bei Tchibo zu kaufen, aber der Bericht in der ZEitung hat es mir erst wieder klar gemacht. Es ist ein Unding, dass Menschen leiden müssen, nur damit wir billig billig geizig wie wir sind, T-Shirts zu Dumpingpreisen kaufen können. Wir kaufen bei Tchibo unser 30stes Shirt, während diese Arbeiter wahrscheinlich gerade mal eins haben.
Nein, das ist so pervers, es ist eigentlihc kaum zu glauben, oder? Wer kan da noch mit reinem GEwissen solche Kleider kaufen? Ich werde ganz bestimmt keins mehr bei tchibo kaufen. Und ich werde es ihnen mit Begründung auch mitteilen.

So, beim Googlen hab ich folgenden Beitrag gefunden: Er stammt zwar vom Herbst letzten Jahres, aber ich denke, er ist immernoch aktuell:



MONITOR Nr. 539 am 13. Oktober 2005

Schöne, billige Kleidung – und das Elend dahinter
Bericht: Andreas Maus



Sonia Mikich: "Wie schön, wieder mal ist das T-Shirt oder die Wellness-Hose ein paar Euro billiger als im letzten Jahr. Dank der fleißigen Näherinnen irgendwo in der Dritten Welt. Und noch schöner: Mein Gewissen darf ruhig bleiben. Bei der Herstellung ist ja alles anständig zugegangen. Damit werben Textilriesen wie der Hamburger Kaffeeröster Tchibo und andere der Branche. Sie garantieren ordentliche Arbeitsverhältnisse für jene weit entfernten Menschen, die unsere Schnäppchen nähen. Zum Beispiel in Bangladesch, das zu den ärmsten Ländern der Erde gehört. Armut macht die Menschen dort willig, gefügig, mundtot. Wir wollten wissen, wie es vor Ort in den Fabriken aussieht. Wir haben einen Reporter hingeschickt. Andreas Maus über schöne, billige Kleidung für uns … und das Elend anderer."


Billig soll es sein. Und auch schick. Qualität für wenig Geld. Aber was bedeutet das? Die Geschichten dahinter, wir ahnen sie. Es sind häufig Geschichten von Armut und Ausbeutung. Aber sie stehen nicht geschrieben auf dem Preisschild.

Tod eines Textilarbeiters. Am 11. April 2005 stürzt in Bangladesch eine Nähfabrik ein. Wegen Verstößen gegen Baurecht heißt es. 64 Menschen kommen dabei ums Leben. Das Unglück offenbart weitere Missstände. In einer Branche auf der Suche nach immer billigeren Nähfabriken. Oft finden sie die in Ländern, wo Verstöße gegen Arbeits- und Sicherheitsstandards häufig sind. Europäische Unternehmen, auch deutsche, hatten hier in den letzten Jahren nähen lassen, KarstadtQuelle etwa.

Bangladesch, eines der Armenhäuser der Welt. 4.000 Textilfabriken kämpfen um Aufträge. Wer überleben will, unterläuft häufig die geforderten Standards. Auditierungen, das heißt Kontrollen durch die Auftraggeber, sollen das verhindern. Wie war das bei der Unglücksfirma?

Jörg Howe, KarstadtQuelle AG: "Es ist nicht möglich, Produzenten vollständig zu überwachen. Das können auch wir nicht, das können auch die Firmen nicht, die das Auditing für uns machen. So. Die sind natürlich auf ihre Erfahrungen angewiesen und können hier und dort den Finger in die Wunde legen. Aber wir sind nicht in der Lage, sag ich ganz ehrlich, 24 Stunden am Tag dafür zu sorgen, dass alle Vorschriften eingehalten werden, das ist ja selbst in der Bundesrepublik nicht möglich."

Textilriesen wie Karstadt, Tchibo und andere versprechen ihren Kunden, nur mit Zulieferern zu arbeiten, die sich an ihre strengen Standards, den Code of Conduct halten. Ob in China, Indien oder Bangladesch. So seien garantiert:

Die Sicherheit und Gesundheit der Arbeiter,
die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeiten,
dass Arbeiter nicht verbal oder körperlich bestraft werden dürfen,
dass sie sich organisieren dürfen, etwa in Gewerkschaften und
menschenwürdige Arbeitsbedingungen
Nachts in der Hauptstadt Dhaka. Wir treffen zwei Näherinnen. Aus Angst vor Entlassung wollen sie unerkannt bleiben. Sie arbeiten für einen Tchibozulieferer und kennen das Tchibo Label TCM. Und sie erzählen von ihrem Arbeitsalltag.
Frau (Übersetzung MONITOR): "Erst vorgestern haben mich meine Vorgesetzten wegen eines Fehlers beschimpft und ich bin geschlagen worden. Ich kann weder lesen noch schreiben und auch die Zahlen kenne ich nicht, darum mache ich manchmal einen Fehler. Durch den Schlag fiel ich hin. Dann musste ich bis 21 Uhr nacharbeiten. Die Überstunden wurden nicht bezahlt. Der Aufseher sagte, wenn du das nicht machen willst, dann kannst du gehen! Das heißt, er drohte mich zu entlassen. Aber ich bin eine arme, allein stehende Frau mit Kindern, ich muss weiter arbeiten."

Junge (Übersetzung MONITOR): "Kürzlich habe ich einen Fehler gemacht. Erst hat man mich beschimpft, dann musste ich eine halbe Stunde auf dem Tisch stehen. Wenn man verwarnt wird, weil man einen Fehler macht, ziehen sie einem manchmal den Lohn für den ganzen Tag ab."

Die Fabrik, in der Tchibo unter anderem produzieren lässt. Basic Apparel. MONITOR bat die Firma um eine Stellungnahme, worin sie erklärt:

"Arbeiter werden bei Fehlern weder verbal beleidigt oder geschlagen"
und
"Man nehme aber unsere Anfrage zum Anlass, die Arbeitsbedingungen erneut zu überprüfen."

Werbestimme: "Tchibo!"

Flott, nett, und alles für die Familie. Längst macht der Kaffeeröster einen Großteil seines Milliardenumsatzes nicht nur mit der braunen Bohne, sondern mit Kleidung.
Und verspricht:

Werbestimme: "Tchibo, jede Woche eine neue Welt!"

Jeden Tag eine elende Welt. In diesem Slum in Dhaka wollen wir eine weitere Zeugin treffen. Die meisten Näherinnen leben so. Zwanzig bis dreißig Euro im Monat, für mehr als einen Platz hier reicht der Verdienst nicht.

Rina Begum hatte auch für Tchibo genäht, auch bei Basic Apparel. Im August letzten Jahres, sagt sie uns, habe sie es gewagt, mit anderen vor dem Haus des Fabrikbesitzers für mehr Lohn zu demonstrieren. Da sei Polizei die gekommen und habe sie für neun Tage ins Gefängnis gesperrt.



Neil Kearney, Generalsekretär Internationale Textilarbeitergewerkschaft (Übersetzung MONITOR): "Auch die Einkaufspraktiken unserer Textilunternehmen führen dazu, dass der Verhaltenskodex nicht eingehalten werden kann. Bei den Preisen, die sie zahlen, rechnet sich der Auftrag für die Zulieferer nur durch exzessive Arbeitszeiten und die Zahlung von extrem niedrigen Löhnen. Dazu sind die Lieferfristen derart kurz, dass sie überhaupt nur eingehalten werden können, wenn die Maschinen rund um die Uhr laufen, und zwar sieben Tage die Woche."

Vor wenigen Wochen, wieder an der eingestürzten Fabrik. Ein halbes Jahr nach dem Unglück wird hier immer noch Schutt beseitigt. Was von der Katastrophe sonst noch übrig blieb: eine Nähmaschine.

Und in einem Nebengebäude, das wie durch ein Wunder stehen blieb, rattern schon wieder die Maschinen. Das Gebäude, versichert uns der Fabrikmanager, sei absolut sicher.
Frische T-Shirt-Ware für Europa.

 
25 Antworten:

Re: Tchibo Klamotten (&Co)

Antwort von horrend am 03.02.2006, 20:23 Uhr

Hast Du denn beim googeln auch was gefunden, das Hinweise darauf gibt, was man unter Berücksichtigung dessen noch kaufen kann und was hierzulande hergestellt wurde? Bezahlbar für einen Normalverdiener sollte es natürlich auch sein.

LG Ilona

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Gute Frage von horrend! Würde mich auch mal...

Antwort von Jake94 am 03.02.2006, 20:37 Uhr

...interessieren!

Die Leute tun mir auch sehr leid, aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, daß man als Endverbraucher allzuviel ausrichten kann...

LG
Kerstin

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Re: ich glaube auch,.....

Antwort von JoVi66 am 03.02.2006, 21:00 Uhr

....dass dies Problem, gehe jetzt nur mal von Dtl. aus, nur dan irgendwie in den Griff zu bekommen ist, wenn man durch scharfen Boykott hierzulande den Vermarktern Tchibo und Co auf die Beine tritt, doch:
Wenn ich die Zeitung aufschlage, den Fernseher einschallte, mich hier ins Forum einklinke lese ich nur noch "wie komm ich mit meinem ALG2 über die Runden;
Ich bin alleinerziehend habe zwei Kinder ich kann mir dies und das nmicht leisten, der Sohnemann braucht dringend neue Winterstiefel, Tchibo hats i8m "Extra-billig- Sonderangebot, das kann sich der Mann/Frau untere Einkommensschicht gerade noch leisten, es ist eine ewige Krux.
Ich muss nur meiner Putzfrau zuhören. Der Mann arbeitete am Fließband als einfacher Arbeiter, Firma pleite Mann seit 2 Jahren AL sie hat vier Kinder und hat Putzstellen. Leben bescheidenst!
Da sie ein Kind hat das jünger ist als meine Tochter kann ich ihr wenigstens für dieses Kind, alte Kleidung von Isabella geben, doch die Größeren, da siehts wirklich so aus, das Zeug wird einmal gekauft, der Älteste bekommt alles neu ( aber nur billig oder second hand) und der Rest sie sagt immer Gott sei dank nur Jungs- die können das Zeug vom Bruder auftragen. Das Zeug wird nach unten durchgereicht. Das jüngste Kind ist ein Mädchen, die bekommt jetzt Isabellas Klamotten. ich hab ihr sogar versprechen müssen, sie " nicht zu vergessen" wenn ich wieder in München bin ( der Kleider wegen)
Und diese Frau ist nur ein Beispiel von vielen.
Nimm die 5 Mio AL in Dtl. die wirklich jeden Pfennig umdrehen müssen, die sind über "Schnäppchen "froh und ich glaube nicht, dass meine Putzfrau dabei an die Näherin in Bangladesh denkt, die hat ghenug Probleme damit, die Stromrechnung pünktlich zu bezahlen.
Bsp. Weihnachten hat sie sich von mit Christbaumschmuck ausgeliehen, da sie ihren auf dem Flohmarkt im Herbst verkaufen musste, weil damals brauchte sie jeden cent.
Als ich letzte Woche meinen Kühlschrank ausgemistet habe ( wir hatten alle Darmgrippe) fanden sich abgelaufene Joghurts und sonstiges Zeug, das habe ich alles in einer Kiste verstaut und wollte es wegschmeissen, da bat sie mich es behalten zu dürfen, ich hab mich richtig geschähmt es Ihr zu geben.
Solche Menschen haben leider kein Ohr ( was ich auch verstehe) für Probleme in Drittländer.
Die Menshen, die wir mit Appellen erreichen können, sind solche, die "ach kuck mal, das ist so günstig, ich brauchs zwar nicht, aber ich kauf´s jetzt mal!" zu Tchibo gehen. Oder was ist eigentlich mit KIK? Da kommen auch immer jede Menge Flyer, dass ich mich manchmal Frage, wie kann in der heutigen Zeit, wo alles so teuer ist eine Kinderkordhose für 7 € angeboten werden? Wahrscheinlich kommen die aus den selben Quellen.
Mein Problem ist: Wo setzt man am besten, am effektivsten an?
Ich bin einmal so vermessen zu sagen, dass 80% hier im Forum nicht auf solche Billigkäufe angewiesen sind, aber ich denke nicht, dass wir hier representativ sind.
Gruß Johanna

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Re: Tchibo Klamotten (&Co)

Antwort von maleja am 03.02.2006, 21:04 Uhr

Wenn nicht der Endverbraucher, wer dann?
Nur wir können was machen.
Bei Tchibo und Aldi-produkten ist es halt am schlimmsten.
Man könnte (anstatt zu boykottieren) die Hersteller fragen, wie denn die Bedingungne für ihre Arbeiterinnen sind.
Oder man weicht auf Bioartikel aus.

Und dann gibt es tatsächlich Marken oder Versandhäuser, die Wert darauf legen: Nike, Adidas, Levis und der Otto-Versand wurden im Schrot und Korn genannt. Und es wird bestimmt noch mehrere geben. Aber, wie gesagt, bei Tchibo und Aldi ist es halt am schlimmsten.

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@JoVi

Antwort von maleja am 03.02.2006, 21:05 Uhr

Guck doch mal, wer die Sachen bei Tchibo und Aldi einkaufen....
ich red doch gar nicht von solchen Fällen wie Deiner Putzfrau.

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.... und Kaffe und Schokolade ...

Antwort von Dreizwetschgen am 03.02.2006, 21:07 Uhr

Das ganze ist wohl leider nicht nur ein Problem von Kleidung!

Hat sich schon mal jemand Gedanken darüber gemacht wie z.b. Kaffeebauern ausgebeutet werden? Eine gute Alternative dazu ist z.B. Fairen Kaffee zu kaufen. Das gleich gilt für Schokolade etc. etc. etc.

Es gibt leider viel zu viele Sachen in Europa zu kaufen, bei deren Herstellung Entwicklungsländer ausgebeutet werden.

LG
dreizwetschgen

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Re: Tchibo Klamotten (&Co) ... absurd !! ..

Antwort von tequila sunrise am 03.02.2006, 21:14 Uhr

Das Schlimme an der ganzen Sache ist, dass man mit teureren Sachen nicht auf der sicheren Seite ist.Bei "made in Bagladesh" fällt mir eher Adidas oder Levi's ein. Und da legt man richtig Geld hin.
Alles total undurchsichtig. Scheiß-Globalisierung ;-)
LG
T

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Re: Tchibo Klamotten (&Co) ... absurd !! ..

Antwort von horrend am 03.02.2006, 21:57 Uhr

Genau. Das ist mir auch gerade eingefallen, weil ich nämlich schon vor einem Jahr nach dem Kauf einer Nike-Sporthose für Kleini staunte: Made in Bangladesh. Hohe Gewinnspannen, sag ich nur...

LG Ilona

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Re: @maleja, @tequila sunrise

Antwort von JoVi66 am 03.02.2006, 21:57 Uhr

@maleja, aber dann klär mich halt bitte auf, wer außer solchen die pfennigfuchsen müssen kaufen diese Billigprodukte? Du und ich nicht! Und jeder, der ein bisschen Einblick hat und die Hintergründe kennt auch nicht.
Ich bin auch ein Geizkragen, hab´s schon öfter erwähnt, aber von der anderen Sorte: es wird nur das beste gekauft ( heißt nicht immer teuerste) , aber das muss bei mir ne halbe Ewigkeit halten und tuts auch, was ich von einem TCM T-Shirt nicht gerade behaupten kann.
Hab einen ganzen Kleiderschrank voll Klamotten die meine Großmutter ( Schneiderin) meiner Mutter genäht hat und je nach Mode mal 50ger, 60ger, 70ger, wieder in ist. Die trag ich heut noch. Da ist noch keine Naht aufgegangen oder es hat den Stoff verzogen,. aber das ist ein Jovisches Kapitel :-))

@tequila, was hast du denn gegen die Globalisierung? Ich sehe in ihr auch sehr große Vorteile.

Gruß Johanna

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Doch Jovi

Antwort von maleja am 03.02.2006, 22:09 Uhr

ich liebe TCM Klamotten. Die sind qualitativ gar nicht so schlecht. Und vor allem sehen sie immer toll aus. Ichhabe sehr viel von Tchibo im Schrank. dabei kommt es mir aber nicht auf das Billig drauf an, sondern eben, dass sie doch recht hübsch sind. und meine Lieblings T-Shirts sind seit ca 5 jahren (immerdieselben, inzwischen völlig ausgefransten) Feinripp T-Shirts von Tchibo.

Aber damit ist nun Schluss. ich werde ab sofort nichts mehr kaufen.
hab schon zu Weihnachten Alternativprogramm zu Omi geschenkt. Sie: das Musikset von TCM, ich, eine Superrassel aus dem Weltladen. (ich glaub, da war sie etwas eingeschnappt)
Werde ihr aber auch sagen, dass sie mit Tchibo zeugs (ich und die Kinder kriegen seit jahren nichts anderes von ihr zum Geburtstag/Weihnachten als Haushaltssachen, Spielzeug, Klamotten von Tchibo) nicht mehr kommen brauch.

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Re: @maleja, @tequila sunrise

Antwort von tequila sunrise am 03.02.2006, 22:11 Uhr

hinter besagtem *sorry* Kraftausdruck steht ein Smiley. Ich bitte den auch mitzulesen ;-) (da ist wieder einer ;-))
Ich will jetzt hier keine Globalisierungs-Diskussion anfangen. Dazu bin ich viiieel zu müüüüde *gähn*
Das Thema ist eben ein Aspekt der Globalisierung, die wie jede Angelegenheit diesen Ausmaßes Vor- und auch Nachteile hat.
Nähen lassen unter unmenschlichen Bedingungen in Bangladesh und keiner kann es nachverfolgen - das ist eben ein Nachteil. Da müssten wir uns einig sein, denke ich :-)
Gute Nacht :-) !

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Re: eine Frage

Antwort von saulute am 03.02.2006, 22:16 Uhr

Wird es der Näherin in Bangladesh geholfen, wenn tSCHIBO die Fabrik dicht macht? Was gibt es für sie dann für alternativen andere Arbeit zu finden? Ist das Arbeiten dort nicht freiwillig?
Ich frage echt, weil ich keine ahnung habe. wenn wir anfangen nur haute couture oder Adidas, Nike und co. zu kaufen, helfen wir damit denn Menschen in der dritten welt? Hat Adidas bessere Arbeitsbedinungen?
Was ist mit H&M? Da werden Textilien teilweise auch in Bangladesh hergestellt?

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zu Nike etc

Antwort von maleja am 03.02.2006, 22:16 Uhr

natürlihc lassen die auch dort unten produzieren (wer tut das denn nicht mehr?), aber sie haben sich einer unabhängigen Kontrolleinrichtung angeschlossen, an denen sich auch Gewerkschaften und NIcht-Regierungsorganisationen vor Ort beteiligen.

Habe heute 10 Paar Socken für Leon gekauft. Zu einem Freundschaftspresi von 30 Euro. Deutsche Firma (Familienunternehmen), die auch noch in D produziert. Mein Mann: 30 Euro??? Und das ist ein Freundschaftsangebot????

Klar, 3 Euro für ein Paar Kindersocken ist nicht wenig. Aber doch noch im Rahmen, oder? Und außerdem lieben wir diese Socken. Mein GRoßer zieht seit ca 10 Jahren keine anderen mehr an.
(sind Sportsocken der Firma Raith)

Früher wären 6 Mark für ein hochqualitatives Paar Socken ganz normal gewesen. Und heute ist man "10 Paar zu 5 Euro" gewöhnt.

Wer behauptet eigentlich immer, dass das Leben teurer wirdß Ich hab echt das gegenteilige GEfühl. Ihc finde, es war selten so billig, wie zu dieser Zeit. Wir können uns doch alles leisten. Unsere Eltern konnten das nicht unbedingt.
Früher (zu Großeltern Zeiten) gabs auch nur eine Sonntagshose und eine für die Schule.

Wieviele Hosen haben Eure Kids im Schrank? Ich wüsste es nicht mal genau.

Grüße Silvia

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@Saulute

Antwort von maleja am 03.02.2006, 22:20 Uhr

Freiwillig? Bstimmt freiwillig. Die Alternative dazu wäre halt verhungern.

Nein, den Arbeiterinnen wäre bestimmt nicht geholfen. Denn sie sind auf diese Arbeit angewiesen. Aber wenn man Druck auf die Unternehmen macht, werden sie eventuell ihre Kontrollen verstärken. Denn auch Tchibo möchte nicht, dass dort Arbeiterinnen geschlagen und gequält werden. Sie machen sich nur keine Gedanken darüber.

Und Bangladesh ist nicht gleich Bangladesh. So wie ich geschrieben habe, gibt es wohl Kontrollen. Und es haben sich eben schon Firmen an diese Kontrollen angeschlossen. Aber es müssen eben mehr werden.

Um das geht es mir. Und wenn Tchibo beweisen kann, dass "Basic Apparels" menschenwürdig produziert, dann werde ich auch wieder ihre Produkte kaufen.

Grüßle Silvia

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Vor 16 Jahren noch....

Antwort von tinai am 03.02.2006, 22:22 Uhr

....standen die Leute im Osten an, wenn es Schlüpfer gab, weil es sonst keine Gelegenheit gab, welche zu kaufen.

Heute warten sie ein Jahr, stellen sich wieder an, um Schlüpfer bei Tchibo und Co. zu kaufen.

Das Preisargument ist schwach. Ich habe den Schrot-und-Korn-Artikel auch gelesen.

Was gehtuns denn die Wasserverschmutzung in China, Indien, Bangladesh, Kambodscha an? Die unwürdige Knechtschaft der dortigen Arbeiter? Wir streiken ja, weil wir statt 38,5 Stunden 40 arbeiten sollen und bis 67 Jahre.

Meine Erfahrung ist, dass die Aldi und Tchibosachen BILLIG sind, aber nicht preiswert und wenn ich sehe, wer hier aus unserem Wohlstandkindergarten seine Kinder bei H&M, Aldi und Co. einkleidet, dann dürfte der Teil, der sich wirklich nichts anderes leisten kann (dabei gibts massig Second-Hand-Märkte, auf denen man echt tolle Sachen findet), der geringste sein.

Früher hatten wir ein Paar Handschuhe, heute haben alle Kinder 3-4, weil eins für den Kindergarten und eins für zu Hause und eins für......

Ich weiß, das ist überzogen, aber der pro-Kopf-Textilverbrauch ist in den letzen Jahren in schwindelnde Höhen gestiegen. Brauchen wir wirklich mehr oder konsumieren wir nicht einfach mehr?

Meine Großmutter, die zwei Weltkriege mitgemacht hatte und wirklich sehr becheiden leben musste, sagte immer: Um was billiges zu kaufen, haben wir zu wenig Geld.

Gruß vom Moralapostel
tina

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@tinai

Antwort von maleja am 03.02.2006, 22:25 Uhr

Schön geschrieben....

apropos streiken, was ich Dich heute eh noch fragen wollte: was machst Du denn am Montag mit Deiner Kleinen? Bist Du denn nicht auf Eure Kita angewiesen? Oder dürfen die nicht streiken?

Grüßle Silvia, die beim "Streik" sofort an Dich gedacht hat

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Re: zu Nike etc

Antwort von horrend am 03.02.2006, 22:25 Uhr

Bei mir ists leider umgekehrt. Ich konnte mir früher ganz viel leisten. Heute nur noch wenig. Aber Dumpingpreise gibts natürlich auch. Aber was für eine Qualität dazu. Zum Wegschmeissen...

LG

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Re: Achso, Sohnemann hat ca. 12 Paar Hosen...

Antwort von horrend am 03.02.2006, 22:27 Uhr

...Sommerhosen eingeschlossen. Ist das viel oder wenig...??? Na für ihn reichts...

LG

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@maleja

Antwort von Jake94 am 03.02.2006, 22:29 Uhr

Aber gibt es denn eine Liste oder ähnliches, wo man nachlesen kann, welche Klamotten und z.B. auch Spielzeug man guten Gewissens kaufen kann?

LG
Kerstin

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@maleja

Antwort von tinai am 03.02.2006, 22:30 Uhr

Das ist ja süß, dass Du an mich denkst....

Meine Kinder gehen inzwischen in eine katholische Einrichtung 100m von uns. Die streiken nicht.

Aber ich habe im Moment sowieso den Betreuungsgau und da würde mich ein bestreikter Montag auch nicht mehr beeindrucken....

Wird bei Euch gestreikt?

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Erst sind die Arbeitsplätze in Deutschland weggefallen...

Antwort von tinai am 03.02.2006, 22:42 Uhr

..die gesamte Deutsche Textilindustrie verschwand innerhalb von rund 15 Jahren, Geblieben sind sehr wenige, wie Trigema. Auf der Schwäbischen Alb gab es viele arbeitgebende mittelständische Betirebe für Web- und Wirkwaren, Konfektion, Spinnen, Färberei etc. Nicht nur die Arbeitsplätze sind weg, sondern auch das Wissen um die Technik.

Auch in Fernost gibt es die gleiche Entwicklung. Die Textilindustrie zieht von Bangladesh inzwischen weiter nach Kambodscha, Vietnam. Auch Indien wird langsam zu teuer.

Wenn Adidas einen sozialpreis dafür erhält, dass es keine Unter-14-Jährigen beschäftigt und die wöchentliche Arbeitszeit 60 Stunden nicht übersteigt, kann sich vorstellen, wie die Realität dort aussehen mag. Ein Schelm, der dann noch an Subunternehmer denkt.

Durch den Wegfall der Quote, stieg die Textilproduktion in China um 20%. Der Markt wurde erneut durch billige Importe überschwemmt. Uns Deutschen kann es wurscht sein, zuminest in der Textilindustrie geht deswegen kein Arbeitsplatz mehr verloren.

Aber die Textilindustrie in den baltischen Ländern, in Rumänien (obwohl auch schlimme Bedingungen), in der Türkei etc. leidet empfindlich!

Der Lauf der Zeit. Der Verbraucher will billig, billig, billig. Fleischskandal oder Schuldknechtschaft für billig hergestellte Klamotten.

Irgendwann werden wir lernen, dass wer Indisch bezahlen möchte, nicht auf Dauer Deutsch verdienen kann!

Gruß Tina

PS. Vor 1-2 Monaten war darüber ein ganzseitiger Artikel in der Stuttgarter Zeitung. Veröffentlichungen nehmen zu, aber ich habe nicht den Eindruck, dass es irgendwen wirklich interessiert. Die Diskussion belehrt mich zumindest im Ansatz eines besseren.

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@tinai

Antwort von maleja am 03.02.2006, 22:59 Uhr

Ich habe vergessen nachzufragen. Aber ich kann es mir nicht vorstellen. Bei unserer Verwaltung käme das einer Kündigung gleich.

Ach, dann seid Ihr gar nicht mehr in dem Kinder-Mütter Zentrum (ich vergesse den Namen immer)? Ich war immernoch nicht dort. Eine Freundin, die bei Schorndorf wohnt, will sich ja mit mir da schon seit längerem treffen. Wäre halt schön die Mitte zwischen uns. Jetzt, wenn´s dann irgendwann mal wärmerwird, werden wir es aber hoffentlich schaffen.

Grüßle Silvia

P.S. Wieso Supergau?

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doch Tina

Antwort von maleja am 03.02.2006, 23:07 Uhr

und wenn es solche Menschen wie wir sind. Die breite Masse wirst wahrscheinlih ceh nicht erreichen. Wenn ich an ein Postingim hauptforum denke, wo sich eine beschwert hat, dass das Päckchen Hackfleisch beim Lidl nun nicht mehr 1,49 sondern 1,65 kostet ("Hey, es wird alles teurer, so eine Unverschämthiet..."), da dreht sich mir nicht nur der Magen um. Mein Kilo hackfleisch liegt bei ca 12-15 Euros. Und ich gebs sehr gerne aus. Esse es nicht so oft, wie diese Frau ("ich muss so billig einkaufen, denn wir essen sehr viel Hackfleisch..."), aber dafür mit Genuss.

Und ich habe nach wie vor die Hoffnung, dass sich die Werte wieder ändern. Man kann es schon ein wenig feststellen. Früher gingen nur die Exoten und Müslis in Bioladen. Inzwischen findest Du einen sehr guten Querschnitt durch die Gesellschaft dort an. Nein, die 1,49 Euro zahlenden Lidl Einkäuferin nicht. Aber die wird sich wahrscheinlihc leider nie ändern.

Ja, und irgendwann haben es alle verstanden, dass wir für unseren Geiz teuer zahlen müssen. Aber dann wird es zu spät sein (das wäre nun wahrscheinlihc die realistischere Einschätzung).

Bei uns in der Stadt gehen z.B. auch so gut wie alle Einzelhandelläden kaputt. Warum? Es fahren alle nach Sifi zu Ikea, H&M und Co. Qualität wird nicht mehr anerkannt. Und wenn doch, gibt es sie hier schon nicht mehr. Dann fährt man halt nach Stuttgart, dort gibt es dann alles.

Traurig, aber wer hat einen Plan, wie das aufzuhalten ist?

Grüßle Silvia

P.S. So, hab mich ganz schön widersprochen, gell?

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Re: Tchibo Klamotten (&Co)

Antwort von Moneypenny77* am 04.02.2006, 11:55 Uhr

Mich würde mal interessieren, wie die, die bei ALLEM "politisch korrekt" einkaufen, das bezahlen???

Mein Mann verdient wirklich sehr gut, aber natürlich nicht so viel, daß wir es uns leisten könnten, nicht preisbewußt einzukaufen. Die Tatsache, daß ich Fleisch nur beim Metzger kaufe, Gemüse und Obst nur beim Bauern, keinen Bock auf Lidl und Aldi habe hat schon allein zur Folge, daß wir für Lebensmittel und Co sicher 100 € mehr im Monat ausgeben, als "nötig" wäre. Die Klamotten meines Mannes sind berufsbedingt teuer, weil maßgeschneidert.

Für die Kinder habe ich sehr viele Tchico-Klamotten, eben WEIL gut und billig und auch für mich, seit ich nur noch Alltagstaugliches brauche und keine Business-Kleidung mehr.

Würde ich jetzt anfangen, bei den Klamotten auch für uns auf teure, aber dafür "weiße" Kleidung umzusteigen bezweifle ich, daß auch nur noch 1 € im Monat für die Altersvorsorge für uns bzw. Ausbildung der Kinder übrig bliebe.

Natürlich bin ich für eine Herstellung unter menschenwürdigen Bedingungen, aber einen Endverbraucher-Boykott gegen alles und jedes können wir uns schon nicht grundsätzlich leisten und, ohne das arrogant zu meinen, dann können es viele, viele andere auch nicht!

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moneypenny

Antwort von vallie am 04.02.2006, 13:21 Uhr

danke für dein posting, ich sehe das nämlich ganz genauso.
wir haben wirklich genug geld zur verfügung, aber nicht zum saufüttern und ich kann und will es mir schlichtweg nicht leisten, weil ich für mich und meine familie andere dinge für wichtiger erachte !!!

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