Silke Westerhausen

Eigenmächtiges Handeln einer Hebamme - Opioide verschwiegen

Antwort von Silke Westerhausen

Frage:

Ich habe am Freitag eine Einleitung der Geburt in einer großen Klinik erhalten. Gegen 23.25 wurden die Wehenschmerzen besonders stark. Die Hebamme bot mir eine “Schmerzinfusion” an.

Ich habe die Hebamme ausdrücklich gefragt, was in der Infusion, die sie legen will, genau enthalten ist, und insbesondere, ob das Mittel wehenverstärkend ist. Sie: “Das ist ausschließlich Buscopan. Es wirkt entkrampfend, was sich auf den Fortschritt der Geburt positiv auswirken kann, es hat aber keine Wirkung auf die Wehentätigkeit“.

Da ich Buscopan für wenig riskant für das Baby halte, wünschte ich diese Buscopan-Infusion, um die Wehen bis zu einer Muttermundöffnung von 3 cm (und gewünschter PDA) weiter auszuhalten. Ich habe das dann auch so gemacht, d.h. erst Buscopanlösung bis 3 cm und danach PDA bekommen und unter PDA (die PDA-Wirkung war nur 1 Stunde, dann kam das Kind) das Kind rausgepresst.

Im Nachgang vor Entlassung aus der Klinik hatte ich eine Abschlussuntersuchung beim Chefarzt. Zu diesem Zweck schickte mich eine Stationsschwester mit meiner Patientenakte rauf zum Chefarzt. Ich habe in die Akte reingeschaut und gesehen, dass mir seinerzeit - entgegen den ausdrücklichen Aussagen der Hebamme, die auch mein Mann bestätigen kann - eben gerade nicht reines Buscopan gegeben wurde.

Folgendes stand drin als Inhalt:
Schmerzinfusion 500 ml Jono + 2 Amp. Buscopan (entkrampfend) + 1 Amp.
Meptid + 1 Amp. Vomex angelegt. Aachycarde Phasen

Nun habe ich im Nachhinein in Erfahrung gebracht, dass Meptid ein Opioid (!) ist, das in den Blutkreislauf der Mutter und des Kindes gelangt.

Hätte ich das gewusst, dass mir jemand ein Opioid (!) verabreichen will, dann hätte ich dem NIEMALS zugestimmt.

Die Buscopan-Meptid-Lösung erfolgte um 23.25 Uhr.
Die Muttermundöffnung auf 3 cm war dann um 00.30 Uhr.
Die PDA lag um 01.05 Uhr und begann ca, um 01.20 Uhr zu wirken.
Mein Kind habe ich um 03.19 Uhr geboren.

Nun mache ich mir Sorgen. Welche Folgen kann die Verabreichung von Meptid bei dem o.g. Geburtsverlauf (sh. Uhrzeiten, Dosierungen) für mein Baby potenziell ausgelöst haben?
Was genau macht Meptid mit dem Baby? Was löst es aus?
Kann es insbesondere auch später zu Atmungsstörungen führen? Mein Kind hat zwar gute Apgar-Werte, jedoch finde ich, dass das Baby sehr hechelnd atmet und oft auch unregelmäßig.
Welche Risiken hat Meptid?
Was könnte mit meinem Kind schlimmstenfalls passiert sein?
Wie kann ich das klären? Nach welcher Untersuchung kann ich ggf. beim Kinderarzt sicherheitshalber fragen, um zu klären, dass meinem Kind keine negativen Folgen entstanden sind?

Zu welchen Zeitpunkten während der Wehen darf es gegeben werden (Einleitungsphase, Pressphase bzw. wie viele Stunden vor der Geburt ist es besonders bedenklich und wann ggf. völlig unbedenklich?)

Ist Meptid überhaupt geeignet, um Geburtsschmerzen zu lindern? Wie wirkt es auf die Mutter? Wie wirkt es auf das Kind? Welche Risiken bestehen für die Mutter? Welche Risiken bestehen für das Kind? Hätten Sie auch Meptid gegeben, wenn ohnehin später eine PDA geplant ist`?

Warum musste ich für die PDA langatmig aufgeklärt werden und meine Unterschrift war notwendig - für ein Opioid (!!!) mit drogenähnlicher Wirkung kann aber eine Hebamme ohne meine Unterschrift und während sie mich anlügt mir dieses Mittel einfach ins Blut leiten!!! Wo ist da der Schutz der Gebärenden? Wo ist die Aufklärung? Ist es üblich, die Mütter darüber nicht aufzuklären, was man in den Tropf gibt? Was kann man bei so einer Behandlung durch eine Hebamme unternehmen?

Gibt es eine Aufsichtsbehörde, die Beleg-Hebammen, die an einer Klinik fest eingeteilt sind, überwacht?

Vielen Dank im Voraus für Ihre Informationen

von Issi123 am 07.12.2017, 02:06 Uhr

 

Antwort auf:

Eigenmächtiges Handeln einer Hebamme - Opioide verschwiegen

Hallo,

Ihre Frage wurde von mir bereits beantwortet - ich ergänze die Antwort,doch diese Angelegenheit ist nicht über das Forum zu klären,da ich nicht bei der Geburt dabei war und die Geburtsakte nicht vorliegen habe.

Zu Ihren Fragen:

- Ihr Kind hat keine negativen Folgen durch die Meptidgabe.

- das Kind kann unbeeinflusst sein,oder etwas ruhiger werden, manchmal ist es im CTG sichtbar.

- später kommt es nicht zu Atemstörungen,da die Halbwertszeit nicht so lange ist.

- wenn der Apgar gut ist,ist alles okay.

- die Risiken von Meptid finden Sie im Beipackzettel - doch dies ist ja immer ein "kann,muss aber nicht"...

- mit Ihrem Kind passiert nichts ,da Meptid ein durchaus gängiges Schmerzmittel in der Anfangsphase der Geburt ist.

- Sie können dies mit der Hebamme klären,uU evtl noch gemeinsam mit dem CA.

- da das Mittel gängig in der Geburtshilfe ist gibt es keine Untersuchungen beim KIA explizit dafür und da gibt es auch nichts zu klären.

- beim ersten Kind in der Latenzphase und in dieser wurde es Ihnen auch verabreicht.

- ja, nocheinmal:Meptid wird während der Geburt angewendet und ist geeignet für Frauen,die die Wehenschmerzen stark empfinden.

- unter Umständen kann es bei der Mutter zu leichter Übelkeit führen,doch Ihre Hebamme gab ein Mittel in die Infusion,die diese Übelkeit verhindert.

- Bei Frauen ,bei denen die Zeit zur PDA überbrückt werden muss kann durchaus Meptid gegeben werden,wenn diese schon sehr stark unter den Wehen leiden und es für die PDA noch zu früh wäre.

- Bei der PDA werden Sie aufgeklärt,da durch das Legen mehr Risiken entstehen können,als durch die Gabe von meptid.Hier ist keine Unterschrift erforderlich,allerdings gehört eine Aufklärung dazu.by the way:lassen sie sich nicht durch das Wort "Opiat" irritieren,denn die meisten Schmerzmittel sind Opiate.

- man sollte die werdende Mutter aufklären,was ihr verabreicht wird - sprechen Sie mit der Hebamme,denn jeder macht Fehler und nur so kann sie ihren überdenken und in Zukunft anders handeln.

- eine "Aufsichtsbehörde" gibt es nicht und ist auch nicht notwendig - wir Menschen machen nun einmal Fehler - eine gute Kommunikation mit den Betroffenen führt meistens am ehesten zum gewünschten Ziel.

Grüße
Silke Westerhausen

von Silke Westerhausen am 07.12.2017

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