Dr. med. Stefan Kniesburges

Angst vor 2. Geburt nach Vaginalverletzungen bei 1.

Antwort von Dr. med. Stefan Kniesburges

Frage:

Sehr geehrter Herr Dr. Kniesburger,

mir wurde von Frau Höfel geraten, mich nochmal an Sie zu wenden. Meine 1. Geburt liegt nun 2,5 Jahre zurück und eigentlich wünschen wir uns ein zweites Kind, ich habe aber große Angst vor weiteren Verletzungen und einer möglichen Inkontinenz. Gleichzeitig traue ich mich nicht in ein Beckenbodenzentrum, weil ich irgendwie denke, dass es mir dazu "zu gut" geht und mein Unwohlsein nicht berechtigt ist, können Sie mir da vielleicht eine Einschätzung geben?

Mein 1. Kind wurde im Geburtshaus geborgen, wog 4200gr und war 55cm groß, Kopfumfang wurde am ersten Tag 35cm und am zweiten Tag 37cm gemessen. Ich selbst bin 1,65m groß und wiege normalerweise 60kg, zum Geburtstermin wog ich 74kg. Die Geburt an sich fand ich schön und genauso wie ich es mir gewünscht hatte. Leider habe ich in den letzten Minuten Verletzungen davon getragen. So wie ich das laienhaft verstanden habe, habe ich einen Dammriss 2. Grades (war kein Problem) und einen mittleren Schamlippenriss (sehr Schmerzhaft) und mein weiterhin bestehendes Problem: Ich bin rechts und links vom Damm den Geburtskanals hoch in zwei Rissen gerissen. Die Narben spüre ich und mein Scheideneingang ist anders geformt als vorher, die Scheide erscheint mir innen sehr sehr weit. Beim Sex fühle ich kaum noch was, denn der Scheideneingang ist vernarbt und innen ist alles so weit.

Direkt nach der Geburt konnte ich Blähungen gar nicht zurück halten und war kurz stuhlinkontinent, das ist wieder besser geworden. Beim schnell Laufen, hüpfen oder ähnlichem verliere ich tröpfchenweise Urin aber nur wenig. Lange hatte ich das Gefühl, mir fällt unten herum einfach alles raus, wenn ich nur eine Einkaufstüte hochgehoben habe, hatte ich das Gefühl es steht unten etwas aus meiner Scheide heraus. Über die Zeit habe ich mich an das seltsame Gefühl gewöhnt und es ist schon besser geworden. Ich war bei normaler Rückbildungsgymnastik und versuche regelmäßig Beckenbodenübungen zu machen, das Abstillen im 2. Lebensjahr hat vor allem geholfen seitdem fühlt es sich wieder fester an. Ich kann jetzt zwar nicht unbedingt Trampolin springen aber wieder fast normal so leben.

Mein Gynäkologe sagt, dass alles normal sei, und das es nunmal solche Veränderungen gibt wenn man ein Kind kriegt. Physiotherapie wollte er mir nicht verschreiben als ich 6 Monate nach der Geburt darum bat. Als ich 2 Jahre nach der Geburt nochmal Probleme beklagt habe, empfahl er öfter Sex und beim Sex mal anzuspannen so das ich den Beckenboden besser kennenlerne und trainiere... Diese Einschätzung verunsichert mich sehr.

von Luna2408 am 26.04.2020, 19:33 Uhr

 

Antwort auf:

Angst vor 2. Geburt nach Vaginalverletzungen bei 1.

Hallo,
die von Ihnen beschriebenen Beschwerden sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine geburtsbedingte Belastung des Beckenbodens durch das große Kind zurückzuführen. Ich denke nicht, dass die Geburtsverletzung hierbei eine große Rolle spielt. Nur selten die Belastungsinkontinenz lässt sich in der Regel gut durch regelmäßiges Beckenbodentraining behandeln. Auch wenn eine weitere Geburt eine erneute Belastung für den Beckenboden darstellt, ist dies aus medizinischer Sicht kein Grund von einer weiteren Schwangerschaft und vaginalen Geburt abzuraten.

von Dr. med. Stefan Kniesburges am 27.04.2020

Antwort auf:

Angst vor 2. Geburt nach Vaginalverletzungen bei 1.

Hallo! Ich bin per Zufall auf deinen Post gestoßen und wollte dir kurz antworten, weil ich sehr mit dir fühle. Mir ging es nämlich genau so. Ich hatte ähnliche Geburtsverletzungen und auch die Beckenbodenproblematik. Was ich dir aber wirklich ans Herz legen kann, ist, dich in einem Beckenboden-Zentrum vorzustellen. Unseres in Berlin ist so toll. Ich fühlte mich zum ersten Mal ernst genommen. Was mir noch geholfen hat, ist Cantienica-Beckenbodentraining und zwar in einer Gruppe, nicht allein die Übungen machen- weil man dort den Austausch mit den anderen hat.
In deinem Fall hast du 100% Anspruch auf Physiotherapie speziell für den Beckenboden. Habe ich auch gemacht. Und ich kenne auch diese Sprüche der Frauenärzte- habe mittlerweile den Arzt gewechselt.
Ich bekomme jetzt in 2 Monaten mein 2. Kind und habe zwar Angst vor den Verletzungen, denke aber, dass es für den Beckenboden nicht mehr so schlimm wird. Zitat einer Fachärztin aus dem Zentrum: Man kann so viele Kinder bekommen wie man will, nur das 1. nicht. Das heißt, dein Beckenboden weiß jetzt, was auf ihn zukommt und hat alles schon einmal erlebt.
Alles Gute für dich!

von Gr3ta am 09.05.2020

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