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Frühchen - Forum für frühgeborene Babys

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Geschrieben von sunnydani am 08.03.2021, 12:14 Uhr

Dieses wehmütige Gefühl...

Ich kann dich sehr gut verstehen und ja, ich bin schon auch hin und wieder wehmütig.

Wehmütig, dass ich keine einzige, schöne Schwangerschaft hatte und nie eine Schwangerschaft "genießen" konnte und alles so machen wie andere.
Wehmütig, dass ich keine Schwangerschaft ohne KH-Aufenthalte hatte und doch auch viele Sorgen immer wieder eine Rolle gespielt haben.
Wehmütig, dass die Schwangerschaft nicht bis zum Schluss ging und ich meine Zwillinge viel zu früh bekommen musste und ich ihnen ihren Kampf und alles, was dazu gehört, nicht abnehmen konnte.
Wehmütig, dass zwei meiner vier Kinder nicht bei mir sein dürfen und ich aber so gerne gesehen hätte, wie sie aufwachsen. Ich hätte gerne miterlebt, wie meine Zwillinge zueinander sind und wie sie gemeinsam groß werden. Wenn ich also andere Zwillinge sehe, werde ich wehmütig, auch wenn ich es jedem gönne, dass er gesunde, reife Kinder hat und ich froh bin, dass mein Tim es geschafft hat, aber sein Zwillingsbruder fehlt unglaublich.
Genauso bin ich wehmütig, wenn ich daran denke, dass er es so schwer hatte und sich sein Leben so hart erkämpfen musste und ich weiß, dass er ganz bestimmt ganz gesund wäre, wenn er nur etwas später auf die Welt gekommen wäre.
Wehmütig, dass wir eben keine unbeschwerte Babyzeit hatten, sondern dass wir monatelang in der Ungewissheit lebten, wie es weitergeht, dass wir ein Baby gehen lassen mussten und uns mit Dingen auseinander setzten mussten, mit denen man sich als frischgebackene Mutter im Normalfall nicht beschäftigen muss und wehmütig, dass es eben dann auch nicht ganz normal war, wie bei allen anderen, sondern dass der Alltag eben von Therapien, Förderungen, Übungen und vielen Arztterminen geprägt war/ist.

Also es ist einfach ein Wechselbad der Gefühle, die man da hat und an den meisten Tagen nimmt natürlich die Freude und die Dankbarkeit oberhand, dass mein Tim da ist, dass er sich trotz seiner vielen Diagnosen so toll entwickelt (denn er hätte auch komplett behindert sein können und stattdessen überrascht er jetzt alle Ärzte und ist ein richtiger Sonnenschein, der schon alles selber schaffen will) und einfach das Wissen, dass wir die schlimmste Zeit überstanden haben. Aber dann gibt es eben auch die Momente, in denen ich traurig und wehmütig bin, weil ich eben auch gerne gehabt hätte, dass beide Zwerge es schaffen und dass beide komplett gesund sind.

Deine Gefühle sind also vollkommen normal. Man hat eben seine Wünsche und Vorstellungen, wie man es gerne hätte, man malt sich vieles aus, wenn man schwanger ist und dann kommt die Frühgeburt dazwischen und alles kommt anders, als man es sich gedacht hat.

Anfangs habe ich einfach funktioniert und erst als ich mit Tim zu Hause war, der ganze extreme Stress der ersten Monate abgefallen ist und sich schön langsam der Alltag eingestellt hat, habe ich gemerkt, dass mir die ganze Zeit doch mehr nachhängt und mich doch mehr mitnimmt, als ich mir zuerst eingestehen wollte und ich zuerst gedacht habe.
Und die Ungewissheit ist einfach am schlimmsten, aber man muss dennoch versuchen das Positive zu sehen. Wenn deine Tochter keine schlimmen Komplikationen hatte und es ihr auch jetzt gut geht, sie sich toll entwickelt, dann wird sie sicher keine Folgeschäden davon tragen.
Mein Kleiner hatte von Anfang an Komplikationen und sein Leben hing über viele Wochen am seidenen Faden. Es gab haufenweise Berg- und Talfahrten und ich wusste an keinem Tag, was mich am nächsten erwartet und das über Monate. Diese Ungewissheit hat mich auch damals wirklich sehr, sehr fertig gemacht und es hat lange gedauert, bis ich dann begriffen habe, dass die Lebensgefahr nun endlich vorbei ist und ich nicht mehr jeden Tag Angst haben muss, dass auch mein kleiner Tim mich wieder verlässt.

Wichtig ist nur, dass man gut auf sich hört und das bemerkt und dann eben versucht diese Wehmut oder diesen Wunsch, den man hatte, der nicht in Erfüllung ging, nicht Überhand nehmen zu lassen und alles da hinein zu interpretieren und dass man sich dennoch an all den Dingen erfreuen kann, die die Kleinen mit sich bringen.
Hast du jemanden, mit dem du darüber sprechen kannst?

Und ob dein Baby nörgelig oder fröhlich ist, muss auch damit nichts zu tun haben.
Mein Großer war am längsten von meinen Kindern in meinem Bauch, er kam bei 36+4, und dennoch war er ein sehr nörgeliges, unruhiges Baby.
Mein Kleiner, der bereits bei 25+2 kam und einen irrsinnig schweren Start hatte, war dennoch immer ein ruhiges, zufriedenes, fröhliches Baby und ist auch jetzt ein sehr sonniges Kleinkind. Das kann also durchaus auch am Charakter des Kindes liegen und muss nicht unbedingt mit den Erlebnissen zu tun haben.

Ich wünsche dir alles Liebe!

 
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