Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

was würden Sie denn an meiner stelle machen?

Frage: was würden Sie denn an meiner stelle machen?

Mitglied inaktiv

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Hallo Herr Dr. Bluni, ich habe eine spezielle frage zum Cerclage Pessar, wo sich bis jetzt alle Ärzte ziehmlich bedeckt gehalten haben: Also so in der 29. Woche hatte ich ab und zu einen harten Bauch, aber nicht schmerzhaft, zu merken nur, wenn man die Hand drauf gelegt hat, dass er so richtig hart war, allerdings doch recht oft, so mindestens 20 mal am tag. Trat auf, seit das Baby nicht mehr in Querlage sondern mit Kopf unten auf dem Muttermund lag. Beim Gyn erwähnte ich das so nebenbei, da der Muttermund auch etwas weich war, legte er mir rein prophylaktisch ein Cerclage Pessar. Ab dem Zeitpunkt hatte ich das gefühl, dass es nicht nur ab und zu ein harter Bauch war, sondern ziehmlich viel strärker, jedenfalls bekam ich bei dem harten Bauch plötzlich auch schlecht luft. 2 Tag später hatte ich dann plötzlich nachts alle 5 Min so wehen, dass ich dabei kaum mehr luft gekriegt habe und auch so angst, dass ich ins kh bin. (die mich dann gleich bis zur 32. woche mit wehenhemmern etc. dabehielten). muttermundwirksam waren die wehen aber zum glück nicht, der muttermund ging sogar bei der geburt dann extrem schlecht auf und war laut hebamme so hart, dass sie meinte der geht eh nie auf. Geburt war ca in der 36 +0 woche (1 woche nachdem das pessar rausgenommen war). grund: fruchtblase geplatzt bei fast geschlossenem muttermund, davor aber keine auffälligen regelmäßigen schmerzhaften wehen. (partusisten auch noch nicht abgesetzt). jetzt wünschen wir uns wieder ein baby, ich habe aber sehr angst, dass es noch früher kommen könnte. was würden sie mir raten, falls ich wieder SS bin, mir wieder prophylaktisch ein cerclage pessar legen lassen? (das empfielt mein Frauenarzt, er meinte nur wegen dem pessar wäre ich so weit gekommen). oder könnte das pessar die ursache für die frühgeburt gewesen sein (weil muttermund gereizt, die starken wehen fingen ja erst direkt nach dem legen an) oder weil infektion durch das pessar? (das vermuteten manche ärzte in dem krankenhaus wo ich war, sagten es aber nicht so direkt). die einzige etwas deutlichere antwort die ich auf nachfragen bekommen hatte war die, dass die meinungen zum cerclage pessar umstritten sind. aber nicht wesshalb das pessar umstritten ist. (würde mich interessieren um besser entcsheiden zu können). könnten sie mir dazu vielleicht etwas sagen oder raten? zu meiner vorgeschichte: -leider ziehmlich viele faktoren für frühgeburt: -hyperemesis bis zum 5 monat, bis 3 monat so stark, dass ich nicht mal mehr was trinken konnte, lauter vomex infusionen, 1 monat krankenhaus -schmierblutungen bis in 4. monat -startgewicht (vor hyperemesis) 50kg, bei 1,65m -stress (jobverlust durch schwangerschaft) und umzug. herzlichen Dank für ihre mühe + beste grüße Julia


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Julia, 1. zur Frage einer prophylaktischen Cerclage/Muttermundverschluss gibt es mittlerweile in der Fachwelt eine relativ einhellige Meinung: Dank immer kritischerer Indikationsstellung ist die Cerclagefrequenz innerhalb weniger Jahre von fast 10 % auf 1-2% gesunken. Therapeutisch sind nurmehr echte isthmocervicale Insuffizienzen (Gebärmutterhalsschwächen) eine Indikation. 2.Die Meinungen in der Fachwelt über den Sinn und die Effektivität eines solchen Cerclagepessars gehen sicher weit auseinander. Da die Indikationen für eine operative Cerclage (Verschluss des Muttermundes) mittlerweile sehr streng gestellt werden; man hier also im Gegensatz zu früheren Zeiten sehr zurückhaltend geworden ist, bleibt bei Situationen, in denen es zu einer Verkürzung des Gebärmutterhalses mit drohender Frühgeburtlichkeit kommt, noch die Option, hier einen sog. Cerclagepessar einzulegen. Es ist sicher so, dass dieser Ring in den heutigen Zeiten nicht mehr allzuviele Anhänger in der Fachwelt hat und diese insofern diesen Pessar nicht einhellig beherzigen, dennoch gibt es einige Vertreter, die diese Maßnahmen in gewissen Situationen empfehlen und auch fördern. Hier kann die Entscheidung von Arzt zu Arzt variieren. Das hängt dann auch mit der jeweiligen, individuellen Erfahrung zusammen. Wenn man in der Datenbank der Medizin sucht, findet man nicht viel (ich habe nach 30 Minuten ganze zwei Artikel von 1990-2000 gefunden) und in einer Übersichtsarbeit wird der Effekt eines solchen Pessars als postitiv und gute Alternative zur Cerclage angesehen. Hier ist dann immer eine Abwägung notwendig hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen, wie Fremdkörpergefühl und Ausfluss. Das Pro & Contra kann die Frau dann am besten mit der ortsansässigen Entbindungsklinik besprechen oder auch ihrem behandelnden Frauenarzt oder Frauenärztin. 3. dass hierdurch eine Frühgeburt begünstigt wird, ist wohl eher unwahrscheinlich. 4. die Vorgeschichte stellt sicher ein erhöhtes Risiko für das erneute Auftreten vorzeitiger Wehen inklusive der Frühgeburtlichkeit dar, wobei man dieses zahlenmäßig nicht allgemein gültig benennen kann. Wichtig bei einer Folgeschwangerschaft ist sicher neben der ausreichenden Aufklärung und Information durch den behandelnden Frauenarzt oder Frauenärztin auch das Gespräch über mögliche und sinnvolle Präventivmaßnahmen & Diagnostik: Dazu gehören die Ausschaltung von Risikofaktoren wie Rauchen; Ausschluss bakterieller Besiedlungen der Scheide, ph-Wert-Kontrollen, die prophylaktische Einnahme von Magnesium und der frühzeitige Ausschluss einer vorzeitigen Wehentätigkeit und eine Verkürzung des Gebärmutterhalses gemessen im vaginalen Ultraschall. VB


Mitglied inaktiv

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Herzlichen Dank für ihre Antwort, das hilft mir schon sehr weiter, dass Sie es für sehr unwahrscheinlich halten, dass dieser Ring eine Frühgeburt auslösten könnte. Dann scheint der Ring also tatsächlich so unbekannt, denn ich hatte auch nciht mehr gefunden. Für mich gab es keine spürbar negativen Nebenwirkungen des Rings (Sex war ja eh schon veboten, da stören konnte er also nicht), Ausfluss hatte ich auch schon vorher, gespürt habe ich von dem Ring wirklich gar nichts, war so als wäre er nicht da. Das mit der PH Kontolle ist eine gute idee, das wurde nämlich gar nie gemacht. (Rauche nicht, bakterielle Infektion war nicht vorhanden, einzig partusisten hatte ich sehr spät bekommen, magnesium eh fast von anfang an, weil davon hyperemesis etwas besser wurde, also kaum was was man tun kann, deswegen die frage wie sinvoll der ring als zusätzlich mögliche phrophylaxe... nochmal herzlichen Dank für Ihre mühe Julia


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