Mitglied inaktiv
Hallo Herr Dr. Bluni, ich habe eine Frage zu Utrogestan: nach 2 FG wurden bei mir verschiedene Blutwerte getestet. Aufgrund einer Mutation im MTHFR-Gens, einer Schilddrüsenunterfunktion und einem Protein S Mangel habe ich Folsan, Jodid und ASS 100(letzteres soll ich erst nehemen wenn eine SS eingetreten ist) verschrieben bekommen. Mehr wurde nicht festgestellt und trotzdem soll ich ab dem ES 2x3 Utrogestan nehmen. Ich möchte aber nur sehr ungern diese Tabletten nehmen, bin froh das der Zyklus endlich wieder regelmäßig ist und das Progesteron könnte doch den normalen Verlauf des Zykluses beeinflussen? Kann ich mit dem Utrogestan denn nicht warten bis eine SS eingetreten ist oder sogar ganz darauf verzichten solange es in der SS zu keinen Zwischenblutungen kommt? Vielen Dank Daniela
Liebe Daniela, 1. .eine Mutation im MTHFR - Gen ( Methylentetrahydrofolat-Reduktase ) kommt in homozygoter Form bei rund 11 % der Bevölkerung vor und führt in der Regel zu einer Homocysteinämie (erhöhter Spiegel an Homocystein), die als Risikofaktor für venöse Thrombosen, Schlaganfälle und koronare Herzerkrankungen und gehäufte Fehlgeburten angesehen wird. Dieses muss bei der heterozygoten Form nicht der Fall sein; hier ist das Thrombose/Fehlgeburtsrisiko dann erhöht, wenn der Homocysteinspiegel erhöht ist. Im Zusammenhang mit einem erhöhten Homocysteinspiegel wird eine größere Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Neuralrohrdefektes genannt. Frauen, die ein erhöhtes Risiko für ein Kind mit einem Neuralrohrdefekt tragen, sollten bereits präkonzeptionell (vor Eintreten der Schwangerschaft ) bis zum Ende des I. Trimenons Folsäure in einer Dosierung von 5 mg pro Tag erhalten. Es wäre dann auch vor Ort zu besprechen, ob man diese Störung, die individuell eben unterschiedlich ausgeprägt sein kann, so einschätzt, dass man in einer Schwangerschaft auch Maßnahmen zur Verdünnung des Blutes ergreift. Hier ist es dann sehr ratsam entweder über den Frauenarzt /Frauenärztin mit einem Speziallaboratorium, das sich in der Diagnostik der Thrombophilien gut auskennt, oder über eine entsprechend erfahrene, klinische Einrichtung abzuklären, ob eine solche Schwangere schon von Beginn der Schwangerschaft an neben Kompressionsstrümpfen auch ein Mittel zur Blutverdünnung benötigt. Die prophylaktische Verabreichung niedermolekulare Heparine in der Schwangerschaft kann schon als recht sicher bezeichnet werden. Mögliche Nebenwirkungen unter einer solchen Therapie treten selten auf, sollten aber bedacht werden: es kann zum Abfall der Blutplättchen kommen oder Blutungen hinter dem Mutterkuchen, beim Kind sind keine negativen Folgen zu erwarten. 2. ine rein prophylaktische Substitution von eines Gelbkörperhormons, in der Absicht, eine frühe Fehlgeburt zu verhindern, ist in aller Regel nicht indiziert. Auch, wenn es nach wie vor häufig so gehandhabt wird, gibt es für den Sinn dieses Vorgehens keine harten wissenschaftlich bewiesenen Daten ("evidence based"), die das rechtfertigen würden. Allerdings ist dieses im Rahmen der Maßnahmen einer künstlichen Befruchtung sicher anders zu betrachten. Bitte sprechen Sie sich aus diesem Grund zum weiteren Vorgehen und der Bedeutung der Werte mit Ihrer behandelnden Frauenärztin/Frauenarzt ab. VB