Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Nochmal zu Cerclage

Frage: Nochmal zu Cerclage

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Guten Tag! War gestern wieder meine Zervixlänge abmessen, welche nun seit zwei Wochen 2 cm beträgt. Davor zwei Wochen 2,5 cm, davor drei Wochen 3,5 cm. Eine Scheideninfektion wurde ausgeschlossen. Auch Wehentätigkeit dürfte nicht der Grund sein, sondern der Arzt sagt, ich hätte eine Gebärmutterhalsschwäche. Lt. FA empfiehlt er keine Cerclage, da diese nur bis zur 28. Woche durchgeführt wird und es bei dieser unter Umständen zu Wehen oder Blasensprung kommen könnte. Ich bin seit 4 Wochen zu Hause in Liegeposition, außer zum Essen und fürs Bad und für Kleinigkeiten. Kann es bei dieser Schonung auch zu einer Frühgeburt kommen? Wodurch wird diese ausgelöst,wenn Anstrengung, Stress und eine Infektion ausgeschlossen werden kann? Ist ein Sandförmiger Trichter schlecht? Reicht eine Kontrolle alle zwei Wochen aus? Der Arzt meinte ja, ansonsten müsste ich zwischendurch ins KH. Ist dies ihrer Meinung nach notwendig? Ist keine Cerclage die richtige Entscheidung? Habe ich so überhaupt eine Chance zum ET zu kommen? Lieben Dank! 25+1 SSW


Dr. med. Vincenzo Bluni

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hallo, 1. physiologischerweise verkürzt sich der Gebärmutterhals gegen Ende der Schwangerschaft immer, was ein Zeichen dafür ist, dass sich die Gebärmutter auf die Geburt vorbereitet. Kommt es jedoch früh zu einer Verkürzung deutlich vor der 34. SSW, dann bedeutet dieses, je nach Ausprägung ein gewisses Risiko für eine Frühgeburt. Diese Verkürzung wird durch eine vorzeitige Wehentätigkeit hervorgerufen, wobei die genauen Entstehungsmechanismen bis heute nicht eindeutig geklärt sind. Eine bakterielle Besiedlung ist sicher nur eine Erklärung. Die Länge alleine lässt hier keine Rückschlüsse zu, ausser, dass man sagen kann, dass eine Länge von weniger als 2,5 cm mit einem erhöhten Risiko der Frühgeburt einhergeht und deshalb entsprechende Empfehlungen und Maßnahmen ausgesprochen werden. Man muss dieses aber immer im Gesamtzusammenhang sehen: Sehr hilfreicht ist hier, wenn man weiss, ob die Frau Beschwerden Kontraktionen oder gar Wehen hathat, ob sich Hinweise für eine Entzündung im Bereich der Scheide finden, die auch der Auslöser sein können oder ob sich im vaginalen US Hinweise auf eine weitere Verkürzung des Gebärmutterhalses finden. Unter entsprechender Schonung kann es hier zu einer Verbesserung der Situation kommmen. In der 26. SSW kann es aber bei deutlicher Verkürzung und Trichterbildung sinnvoll sein, dass ein Perinatalzentrum hinzugezogen wird, um die klinische Situation einschätzen zu lassen und das für die Patientin optimale Vorgehen abzustimmen. Dabei ist man eine Cerclage zunehmend kritisch gegenüber eingestellt: zur Frage einer prophylaktischen Cerclage/Muttermundverschluss gibt es mittlerweile in der Fachwelt eine relativ einhellige Meinung: Dank immer kritischerer Indikationsstellung ist die Cerclagefrequenz innerhalb weniger Jahre von fast 10 % auf 1-2% gesunken. Therapeutisch sind nurmehr echte isthmocervicale Insuffizienzen (Gebärmutterhalsschwächen) eine Indikation. Prophylaktische Cerclagen aus anamnestischer Indikation oder bei Mehrlingsschwangerschaften sind schon deshalb sehr kritisch zu betrachten, weil sie nicht zu einer Tragzeitverlängerung führen Eine Zervixinsuffizienz (Gebärmutterhals-Schwäche) im klassischen Sinn ist ein sehr seltener Befund. Bei unsicherer Entscheidungsgrundlage zeigen Studienergebnisse keine eindeutigen Vorteile einer Cerclage gegenüber abwartendem Verhalten. Ob Schwangere mit ultrasonographischer Verkürzung des Gebärmutterhalses oder einer Öffnung des inneren Muttermundes von einer Cerclage profitieren, lässt sich noch nicht abschließen beurteilen. Als einzige Ausnahme verbleiben noch Schwangere mit mehrfachen Frühgeburten in der Anamnese. Bei der Diagnose einer Gebärmutterhalsschwäche ist neben der transvaginalen Sonographie mit ihrer Verkürzung und Eröffnung der Cervix unbedingt immer auch die Konsistenz der Portio durch Vaginalpalpation zu beurteilen. Notfallcerclagen bei Cervixinsuffizienz mit Fruchtblasenprolaps sind nur bis zur 32. SSW indiziert. Gleichwohl ist das Komplikationsrisiko einer Cerclageoperation gering und besteht praktisch nur in minimalen Verlängerungen der Eröffnungsphase sowie einer leicht höheren Inzidenz von Cervixrissen. Frauenarzt 40, 5 (1999) 659 Insofern ist hier im individuellen Fall sicher das immer ausführliche Gespräch mit FA und Frauenklinik im Vorfeld sinnvoll, inwiefern eine Cerclage zu Prophylaxe einer vorzeitigen Muttermundseröffnung im individuellen Fall geboten ist unter Abwägung des Für und Wider. Dieses gilt auch für die Fragestellung, inwiefern eine prophylaktische Cerclage/Muttermundverschluss nach einer Infektion mit Fehlgeburt anzuraten ist. 3. unter der SChonung kann es gut sein, dass sich der Befund stabilisiert, wobei man dieses nur im Verlauf beurteilen kann. VB VB


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