Frage im Expertenforum Schwangerschaftsberatung an Dr. med. Vincenzo Bluni:

Bitte um Rat 27. SSW

Frage: Bitte um Rat 27. SSW

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Lieber Dr. med. Bluni, ich leide zurzeit unter starken Stimmungsschwankungen aber auch Angst und habe wenig Antrieb und Interesse. Das macht mich total unzufrieden und manchmal auch wutig. Es ist belastend für mich aber auch für meine Familie. Ich möchte meine Schwangerschaft auch fröhlicher erleben.Ich nehme früh immer meine Neovin dann bekomme ich noch Eisentabletten 2 Stück wegen Eisenmangel und Magnesium. Meine Hebamme hat mir jetzt was homöopathisches mitgebracht Cimicifuga C5. Was könnte denn sonst noch helfen????


Dr. med. Vincenzo Bluni

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liebe Sassi, 1.auch, wenn man(n) es kaum glauben mag, die Facetten der Veränderungen der Frau in der Schwangerschaft und im Wochenbett, können sehr vielgestaltig sein und sogar soweit reichen, dass man überzeugt ist, dass es ein grundsätzliches Problem vorliegt, was es aber meist nicht ist. Ganz wichtig ist der offene Austausch über die Gefühle, das Gespräch mit dem Frauenarzt oder Frauenärztin, aber auch die Bereitschaft des Partners, sich dessen anzunehmen. Diese emotionalen Veränderungen führen in manchen Fällen eben auch zu einer gesteigerten Nervosität, einer geringeren Frustrationstoleranz und möglichen Überreaktionen Kindern oder dem Partner gegenüber. Auch ist eine gewisse Antriebslosigkeit und Abgeschlagenheit ist sicher keine untypische Erscheinung Mit der Muterrolle geht nun doch eine erhebliche Veränderung einher, die auch den Umgang mit solchen alltäglichen Stresssituationen nicht selten - zumindest temporär - verändert. Hier bedarf es manchmal einer recht langen Zeit bis die Frau sich in dieser neuen Rolle mit einer ganz anderen Beanspruchung, einem ganz anderen Tagesablauf, anderen Anforderungen in nicht unerheblichem Maße zurechtfindet und merkt, dass man hier auch entsprechend reagieren sollte. Dieses ist meist ein sehr komplexes Geschehen, bei dem neben den Veränderungen der Schwangerschaft auch psychosoziale Gründe eine erhebliche Rolle spielen, auch, wenn dieses für die Betroffen nicht primär so zu sein scheint. Erfahrungsgemäß legt sich dieses Problem nach der Entbindung oder auch nach dem Wochenbett. Der Tipp wäre in dem Fall, sich dessen erst mal bewusst zu werden, darüber zu sprechen und dann den Tagesablauf vielleicht umzugestalten, zu versuchen, in bestimmten Situationen anders zu reagieren. Dazu bedarf es manchmal eines richtigen Kampfes mit sich selbst. Autogenes Training kann dabei helfen, solche Situationen besser zu meistern. Allerdings sollte ist Ihnen hier auch zu empfehlen, mit der betreuenden Ärztin/Arzt zu sprechen, da die Abgrenzung gegenüber einer Depression schwierig sein kann und die Übergänge hier fließend sein können, was die Diagnose manchmal erschwert. IN einigen Fällen kann die begleitende Betreuung durch einen Psychotherapeuten sinnvoll sein. Eine Therapie mit Cimcifuga ist in der Schwangerschaft nicht zu empfehlen, da zu dessen Sicherheit keine Daten vorliegen. Darüber hinaus fällt die Behandlung solcher Veränderungen sicher nicht in den Kompetenzbereich der Hebamme und eine medikamentöse Therapie ist für sie nach dem Heilmittelgesetz eigentlich nicht zulässig. VB


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