Frage im Expertenforum Kinderwunsch an Dr. med. Friedrich Gagsteiger:

Progesteronmangel?

Frage: Progesteronmangel?

happy.23

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Guten Tag Dr. Gagsteiger, ich bin aktuell in der 4 SSW. ( 3+5 )  Ich habe Endometriose und habe mein erstes Kind dank einer IVF. Nun sind wir das erste Mal auf natürlichem Wege schwanger geworden, in der 1. SS hatte ich einen Progesteronmangel und musste 2x 200mg Progesteron nehmen. Nun hatte ich seit gestern Mittag bis heute Morgen leichte Schmierblutungen, die Farbe kann ich schwer definieren, rot/braun. Dazu leichte Krämpfe die habe ich aber schon seit Tagen. Könnte das noch eine Einnistungsblutung sein? Oder kann das ebenfalls ein Progesteronmangel sein? Ich habe gestern Abend noch 1x200mg Progesteron genommen und nun ist die Blutung wie gesagt seit heute Morgen weg. Meinen FA Termin habe ich erst am 22.2 da man vorher wahrscheinlich nichts im Ultraschall sieht? Würden Sie die Dosierung mit 200mg Progesteron beibehalten oder auf 400mg? Vielen Dank!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,   vielen Dank für Ihre Nachricht und die sehr präzise Schilderung Ihrer Situation.    1. „Einnistungsblutung“ – realistisch betrachtet Ich persönlich halte eine klinisch sichtbare Einnistungsblutung für eher unwahrscheinlich. Die Einnistung selbst ist ein mikroskopischer Prozess, bei dem es zwar zu minimalen Kapillarverletzungen kommen kann, diese Blutmengen sind jedoch in der Regel so gering, dass sie äußerlich gar nicht bemerkt werden.   Was umgangssprachlich häufig als „Einnistungsblutung“ bezeichnet wird, ist in der Praxis deutlich häufiger:   eine hormonelle Instabilität der frühen Lutealphase oder eine unzureichende Progesteronwirkung auf die Gebärmutterschleimhaut     Insofern passt eine sichtbare Schmierblutung – gerade mit bräunlich-rötlicher Färbung – deutlich besser zu einer Progesteron-abhängigen Schleimhautreaktion als zu einer echten Einnistungsblutung.       2. Progesteron als wahrscheinlichste Ursache Ihre Vorgeschichte spricht klar dafür:   bekannte Endometriose Progesteronmangel in der ersten Schwangerschaft frühe Schmierblutung Verschwinden der Blutung nach Progesteroneinnahme   Das alles passt sehr gut zu einer funktionellen Gelbkörperschwäche, wie wir sie gerade in sehr frühen Schwangerschaftswochen häufig sehen – insbesondere nach Endometriose oder vorausgegangener IVF.   Wichtig dabei: Das ist keine seltene oder dramatische Diagnose, sondern meist eine vorübergehende Feinabstimmungsstörung, die sich unter Progesteron sehr häufig stabilisiert.   3. Frage zum Schwangerschaftstest (sehr wichtig)   Darf ich Sie fragen, wann genau der Schwangerschaftstest erstmals positiv war?   Hintergrund:   Ein Urintest ist in der Regel erst ab etwa 4+0 SSW zuverlässig deutlich positiv sehr frühe, schwach positive Tests davor können:   biologisch noch unsicher sein oder (selten, aber wichtig!) durch extern zugeführtes hCG verfälscht werden   Das betrifft insbesondere Situationen wie:   Auslösespritze (hCG) bestimmte Stimulationsprotokolle oder kürzlich zurückliegende Behandlungen   Falls kein hCG von außen gegeben wurde und der Test jetzt eindeutig positiv ist, ist das natürlich sehr beruhigend. Falls doch hCG im Spiel war, wäre eine Verlaufskontrolle des hCG-Wertes sinnvoll.   4. Progesterondosierung – 200 mg oder 400 mg?   In Ihrer Konstellation würde ich nicht zögerlich sein.   200 mg Progesteron vaginal kann ausreichend sein bei Blutung, Vorgeschichte und Endometriose ist jedoch 400 mg täglich (z. B. 2×200 mg vaginal) absolut gängige Praxis Progesteron ist in dieser Dosierung unschädlich für die Schwangerschaft ein „Zuviel“ ist hier nicht zu befürchten   👉 Pragmatische Empfehlung: Bis zum ersten Ultraschalltermin die Dosis auf 400 mg täglich erhöhen, um maximale Stabilität zu schaffen. 5. Ultraschalltermin Der Termin am 22.02. ist sinnvoll gewählt. Vorher sieht man häufig noch nichts Verlässliches, was eher zu Unsicherheit führt. Entscheidend ist: Verlauf der Symptome Blutung bleibt weg Schmerzen nehmen nicht zu   Zusammenfassung Eine echte Einnistungsblutung halte ich für eher unwahrscheinlich Die Schmierblutung passt besser zu einer progesteronabhängigen Schleimhautreaktion Das Sistieren der Blutung unter Progesteron ist ein gutes Zeichen Eine Dosierung von 400 mg Progesteron vaginal täglich ist medizinisch gut vertretbar Der zeitliche Abstand bis zum Ultraschall ist sinnvoll, aber die Wartezeit wird nicht so einfach. Wichtig wäre zu wissen: Wann war der Schwangerschaftstest erstmals positiv und gab es zuvor hCG von außen? Wir drücken Ihnen die Daumen!  


happy.23

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Guten Tag Dr. Gagsteiger,   vielen Dank für die beruhigenden Worte! Meine 1. SS war durch eine IVF, diese ist natürlich und spontan entstanden, ohne Medikamente vorher, also auch kein HCG. Der 1. Tag meiner letzten Periode war der 17.12.25. Das 1. Mal leicht positiv habe ich am 8.01.26 getestet, hier war ich 3+0. Seitdem werden meine Tests täglich stärker, das sollte ein gutes Zeichen sein, oder? Wenn die Blutung unter 200mg aufgehört hat dann sollte es ja dem Baby nicht geschadet haben, oder?   Darf ich dann auch 2x200mg Progesteron abends einnehmen oder müssen diese verteilt über den Tag sein?   Vielen Dank!


Dr. Friedrich Gagsteiger

Dr. Friedrich Gagsteiger

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Guten Tag,   vielen Dank für die Rückmeldung und die sehr klaren Angaben – das hilft bei der Einordnung sehr.       1. Schwangerschaftstest-Verlauf     Ja, das ist ein gutes und wichtiges Zeichen.   erster leicht positiver Test an 3+0 (allerdings ungewöhnlich früh) seitdem tägliche, kontinuierliche Testzunahme kein externes hCG, da spontane Konzeption   Das spricht für einen physiologischen Anstieg des körpereigenen hCG. Ein solcher Verlauf ist deutlich aussagekräftiger als ein einzelner Test und spricht klar für eine intakte Frühschwangerschaft zu diesem Zeitpunkt.   2. Schmierblutung unter 200 mg Progesteron – Schaden fürs Baby? Nein, das hat dem Embryo sehr wahrscheinlich nicht geschadet.   Ganz im Gegenteil: Schmierblutungen in dieser frühen Phase entstehen fast immer an der mütterlichen Schleimhaut sie sind Ausdruck einer unzureichend stabilisierten Endometriumreaktion nicht einer embryonalen Schädigung   Dass die Blutung unter 200 mg Progesteron sistiert ist, zeigt: die Schwangerschaft spricht gut auf Progesteron an die Situation war funktionell und gut auffangbar   Das ist ein beruhigendes Zeichen.   3. Progesteron-Dosierung: Zeitpunkt und Aufteilung Beides ist möglich – medizinisch entscheidend ist die Gesamttagesdosis, nicht die exakte Uhrzeit.   Optionen: 2×200 mg vaginal verteilt (z. B. morgens + abends) → gleichmäßigere Spiegel, klassische Vorgehensweise 400 mg vaginal abends auf einmal → ebenfalls gut möglich, vor allem praktisch und gut verträglich   Viele Frauen bevorzugen die Abendgabe, da:   weniger Ausfluss tagsüber entspannter Schlaf sehr gute lokale Wirkung über Nacht   👉 Kurz gesagt: Sie dürfen problemlos 2×200 mg gemeinsam abends einnehmen. Wenn Sie sich mit einer Aufteilung wohler fühlen, ist das genauso in Ordnung.   4. Wie lange Progesteron?   Typischerweise:   mindestens bis 8.–9. SSW oft bis 10.–12. SSW, wenn es Sicherheit gibt oder früh Blutungen bestanden Das kann später individuell angepasst werden.   Zusammenfassung Der hCG-Verlauf ist klar positiv und stabil Die Blutung war sehr wahrscheinlich progesteronbedingt Das Sistieren unter 200 mg spricht für eine gute Reaktionslage Dem Baby hat die kurze Blutung nicht geschadet 400 mg Progesteron vaginal, auch komplett abends, ist völlig in Ordnung      


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