katja.12249
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, folgender Sachverhalt: 02.2025 Geburt per geplanten Kaiserschnitt (mit Blutverlust von 2,5 l) aufgrund von Plazenta praevia totalis 2020 EileriterSS mit Laparaskopie (Ein Eilter wurde durchgeschnitten.) 2019 Spätabort mit Ausschabung aufgrund von Anenzephalie 2013 Spontangeburt Ich habe weiteren Kinderwunsch. 1. Ich habe nachgelesen, dass es bei der Planung einer weiteren SS aufgrund des Kaiserschnittes ratsam sein kann, die Narbe bzw. ihre Höhe oder Dichte im Ultraschall (bei einer Feindiagnostik) untersuchen zu lassen und zu schauen,ob sich eine .Isthmozele gebildet hat. Stimmt es so? Muss man dann zur Feindiagnostik gehen oder reicht der normale Ultraschall aus? 2. Würden Sie mir vielleicht aufgrund meiner Vorgeschichte weitere Untersuchungen empfehlen? Die Eileiterdurchlässigkeitsprüfung war unauffällig. 3. Reicht es,nach dem KS 12 Monate abzuwarten? Manche Quellen empfehlen 1,5 Jahre zu warten. 4. Darf mein Mann beim Kinderwunsch ab und an ein Glas Bier trinken? Oder ist ratsam, für ihn komplett auf Alkohol zu verzichten? Vielen herzlichen Dank und alles Gute für Sie. Beste Grüße Julia
Hallo Julia, vielen Dank für Ihre ausführliche Schilderung. Gern gebe ich Ihnen eine klare, praxisnahe Einschätzung zu Ihren Fragen. 1. Kontrolle der Kaiserschnittnarbe / Isthmozele – reicht ein normaler Ultraschall? Ja, die Beurteilung der Kaiserschnittnarbe ist bei Kinderwunsch sinnvoll, insbesondere nach einem großen Blutverlust und einer Plazenta praevia. Eine Isthmozele (Nischenbildung in der Narbe) kann den Zyklus beeinflussen und theoretisch das Risiko einer narbennahen Schwangerschaft erhöhen. Ein normaler vaginaler Ultraschall reicht in den allermeisten Fällen aus. Für eine besonders exakte Beurteilung empfehle ich eine US-Diagnostik um den Eisprung herum – da kann die Narbe am besten beurteilt werden. Zur Feindiagnostik (DEGUM II/III) müssen Sie dafür nicht zwingend. Wenn Ihr/e Gynäkologe/in geübt ist, ist das ausreichend. Aber bei unklaren Befunden → Feindiagnostik. 2. Weitere Diagnostik aufgrund Ihrer Vorgeschichte Sie haben eine komplexe, aber gut strukturierbare Vorgeschichte: Plazenta praevia totalis → erhöhtes Risiko in einer Folgeschwangerschaft, aber kein absolutes Wiederholungsrisiko. Spätabort 2019 wegen Anenzephalie → meist eine zufällige, nicht wiederkehrende Fehlbildung. Trotzdem empfehle ich: Folsäure bereits vor der Schwangerschaft in hoher Dosierung (800–1000 µg/Tag) oder mit Ihrem Arzt die Gabe eines 5 mg-Folsäurepräparats zu besprechen – insbesondere, wenn es weitere Risikofaktoren gibt. Eileiterschwangerschaft 2020 → trotz unauffälliger Durchgängigkeitsprüfung besteht ein etwas erhöhtes Rezidivrisiko (ca. 5–10 %). → Empfehlung: Sofort frühe Ultraschallkontrolle bei bestätigter Schwangerschaft, um eine erneute Eileiterschwangerschaft auszuschließen. Sinnvolle Zusatzdiagnostik vor einer neuen Schwangerschaft Nicht alles ist zwingend, aber medizinisch sinnvoll: TSH, fT4, TPO-AK (Schilddrüse) – häufig übersehen, aber wichtig. Vitamin D – gut einstellen (Ziel 30–50 ng/ml). Progesteronphase (2. Zyklushälfte) optional prüfen. Gerinnungsdiagnostik ist nicht zwingend, da Ihre Fehlgeburt eine Fehlbildung war – aber manche Frauen möchten sie dennoch einmalig abklären lassen. Ultraschall Uterus / Narbe wie oben. Mehr wäre in Ihrer Konstellation in der Regel nicht erforderlich. 3. Abstand nach Kaiserschnitt: 12 Monate oder 1,5 Jahre? Der aktuelle Stand: Medizinisch empfohlen: mindestens 12 Monate Abstand. Viele Experten raten 12–15 Monate, besonders nach komplizierten Kaiserschnitten. Nach 2,5 Litern Blutverlust würde ich persönlich eher 12–15 Monate empfehlen, weniger wegen der Narbe, sondern wegen der vollständigen körperlichen Regeneration. Aber es hängt auch von Ihrem Lebensalter ab. Zur Einordnung: Die meisten Risiken (Narbenschwäche, Plazentationsprobleme, Frühgeburtlichkeit) sinken nach 12 Monaten ohne Schwangerschaft bereits deutlich ab. Sie sind also mit 12 Monaten bereits im sicheren Bereich, aber 15 Monate sind eine „Luxusvariante“ der zusätzlichen Vorsicht. 4. Darf Ihr Mann beim Kinderwunsch Alkohol trinken? Ja – in Maßen. Für ein gelegentliches Glas Bier oder Wein (1–2 Getränke pro Woche) gibt es keine Hinweise auf Schädlichkeit und es beeinflusst die Spermienqualität nicht relevant. Was man vermeiden sollte: regelmäßiger Konsum (täglich) mehr als 2–3 alkoholische Getränke pro Anlass exzessiver Konsum am Wochenende Alkohol wirkt dosisabhängig. Gelegentlicher, moderater Genuss → keine Hinweise auf Schädlichkeit. Zusammenfassung für Sie Narbe: Normaler vaginaler Ultraschall reicht. Feindiagnostik nur bei unklaren Befunden. Weitere Diagnostik: Schilddrüse, Vitamin D, evtl. Progesteron; ansonsten keine großen Baustellen. Wartezeit: 12 Monate ausreichend, 15 Monate ideal. Alkohol Mann: gelegentlich, kein Komplettverzicht notwendig. Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihren Weg. Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
katja.12249
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiger, vielen lieben Dank für Ihre ausführliche Antwort und sogar eine Zusammenfassung! Die haben mir sehr geholfen. Alles Liebe und Beste für Sie. Beste Grüße Julia
Liebe Julia, ganz herzlichen Dank für Ihr schönes Feedback – ich freue mich wirklich sehr, dass ich Ihnen helfen konnte. Wenn Sie möchten, würden ein paar freundliche Worte auf Google/Google Maps unserer Praxis BestFertility eine große Freude machen. Viele Patientinnen orientieren sich daran, und es unterstützt uns in unserer Arbeit. Alles Liebe für Sie! Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
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