petra
Sehr geehrter Herr Dr Gagsteiger, ich nehme seit kurzem die Vaginalzäpfchen Cyclogest und habe große Sorge hier etwas falsch zu machen. Meine Fragen wären hierzu: Wenn ich mich im Intimbereich ca 1 Stunde vor Einführen der Zäpfchen mit einer Waschlotion auf einem Waschlappen wasche, kann dies zu einem Wirkverlust der Zäpfchen führen durch ggf Kontakt des Zäpfchen mit Resten der Waschlotion? Und wie lichtempfindlich sind diese Zäpfchen müssen sie dauerhaft dunkel gelagert werden oder ist eine Aufbewahrung in der Originalverpackung auch in einem normal beleuchteten Raum im Regal in Ordnung? Vielen Dank und freundliche Grüße Petra
Guten Tag, vielen Dank für Ihre Nachricht – Ihre Sorgen sind absolut nachvollziehbar, und ich kann Sie gleich zu Beginn beruhigen: Bei der Anwendung von Cyclogest kann man im Alltag fast nichts „falsch“ machen. Ich beantworte Ihnen Ihre Fragen gern. 1. Waschen im Intimbereich vor der Anwendung – kann das die Wirkung beeinträchtigen? Nein. Wenn Sie sich eine Stunde vorher mit einer milden Waschlotion im äußeren Intimbereich waschen, beeinträchtigt das die Wirkung von Cyclogest nicht. Wesentliche Punkte: Cyclogest wird vaginal tief eingeführt, also dort, wo keine Waschlotionreste mehr hingelangen. Selbst wenn minimale Rückstände im äußeren Bereich vorhanden wären, hat das keinen Einfluss auf die Aufnahme des Progesterons. Progesteronzäpfchen lösen sich im warmen Scheidenmilieu auf – das funktioniert unabhängig davon, ob Sie sich zuvor gewaschen haben.Sie machen also alles richtig; Ihre Sorgfalt ist eher „überkorrekt“, aber nicht schädlich. 2. Lichtempfindlichkeit der Zäpfchen – wie sollten sie gelagert werden? Auch hier kann ich Sie beruhigen: Cyclogest ist nicht empfindlich gegenüber normalem Raumlicht. Die Zäpfchen sind in Blisterverpackungen, die bereits vor Licht und Feuchtigkeit schützen. Eine Lagerung in der Originalverpackung im Regal, in einem normal beleuchteten Raum, ist völlig unproblematisch. Sie müssen nicht extra dunkel gelagert werden. Wichtig ist lediglich, die Zäpfchen nicht über 25 °C zu lagern. Normale Zimmertemperatur ist perfekt. Zusammenfassung für Sie ✔ Waschen 1 Stunde vorher → kein Problem, kein Wirkverlust ✔ Raumlicht → unschädlich, Originalverpackung reicht völlig ✔ Cyclogest ist ein sehr robustes Medikament in seiner Anwendung ✔ Sie können es ganz entspannt weiter einnehmen Mit den besten Grüßen und alles Gute für Ihren Zyklus Dr. Friedrich Gagsteiger
petra
Sehr geehrter Herr Dr Gagsteiger, ich hätte eine weitere Frage: leider hat sich wieder kein Embryo eingenistet nach Transfer (Tag 3 Embryo). Wir hatten bisher noch nie eine Blastozyste uns wurde immer geraten, den Embryotransfer bereits vorher durchzuführen, es haben auch immer nur wenige Embryonen überlebt (bisher drei gescheitert Embryotransfers nach ICSI). Die Zeit nach dem Embryotransfer ist immer mit hoher psychischer Belastung verbunden genauso wie die Zeit nach dem negativen Testergebnis. Wir fragen uns nun, ob wir beim nächsten Versuch auf eine Lang-Kultur bestehen sollen mit der Hoffnung auf eine Balstozyste und dem Gedanken, dass wenn der Embryo es außerhalb der Gebärmutter nicht bis Tag 5 schafft, dies auch in der Gebärmutter nicht besser ist. Gibt es hier eine Empfehlung? Lieber Transfer Tag 3 oder warten bis Tag 5 (auch wenn nur ein Embryo überhaupt überlebt hat)? Mit freundlichen Grüßen und vielen Dank für die Unterstützung Petra
Guten Abend, es tut mir sehr leid, dass auch dieser Transfer nicht erfolgreich war. Dass sich nach mehreren Behandlungszyklen Enttäuschung, Erschöpfung und eine große psychische Belastung einstellen, ist absolut verständlich. Ihre Überlegungen sind sehr reflektiert – und sie betreffen eine der zentralen, aber auch schwierigsten Fragen in der Reproduktionsmedizin. Ich möchte Ihnen die Frage Tag-3-Transfer versus Blastozystentransfer (Tag 5) noch einmal in einem zusammenhängenden, ehrlichen Gesamtbild beantworten. Tag 3 oder Tag 5 – was ist grundsätzlich der Unterschied? Der Gedanke hinter der Blastozystenkultur ist klar und nachvollziehbar: Ein Embryo, der es bis Tag 5 schafft, hat statistisch eine höhere Einnistungswahrscheinlichkeit pro Transfer. Das stimmt auch – pro Transfer. Deshalb empfehlen viele Zentren bei guten Voraussetzungen den Blastozystentransfer. Was spricht für den Blastozystentransfer (Tag 5)? bessere biologische Selektion höhere Einnistungsrate pro Transfer bessere Synchronisation mit der Gebärmutter weniger Transfers mit sehr geringer Erfolgsaussicht falls eine Blastozyste entsteht, ist das ein sehr gutes prognostisches Zeichen In großen Patientenkollektiven mit vielen Embryonen ist das klar von Vorteil. Was spricht in Ihrer Situation eher für einen Tag-3-Transfer? Sie beschreiben: bisher keine einzige Blastozyste insgesamt wenige Embryonen mehrere Tag-3-Transfers nach ICSI, leider ohne Erfolg In genau solchen Konstellationen sehen wir in der Praxis häufig: Embryonen, die es im Labor nicht bis Tag 5 schaffen sich aber in der Gebärmutter dennoch einnisten könnten Die Gebärmutter ist biologisch ein hochoptimiertes Umfeld, das kein Labor vollständig ersetzen kann. Daher gilt ein wichtiger Grundsatz: Bei geringer Embryonenzahl ist ein früher Transfer (Tag 2–3) oft sinnvoller, als das Risiko einzugehen, am Ende gar keinen Transfer mehr zu haben. Ein negativer Transfer ist emotional schwer – kein Transfer, weil kein Embryo Tag 5 erreicht, wird von vielen Paaren als noch belastender erlebt. Ein ganz entscheidender Punkt: Die Qualität des Labors Dieser Aspekt wird selten offen angesprochen, ist aber medizinisch hochrelevant: 👉 Die Empfehlung Tag 3 oder Tag 5 hängt nicht nur vom Embryo ab, sondern auch vom Labor. Eine erfolgreiche Langzeitkultur bis Tag 5 erfordert: exzellente Kulturmedien hochstabile Inkubatoren viel Erfahrung der Embryolog:innen konstante, reproduzierbare Laborergebnisse Was man in der Praxis beobachtet: Sehr erfahrene, leistungsstarke Labore empfehlen häufiger die Blastozystenkultur weil sie wissen, dass ihre Tag-5-Raten stabil sind Labore mit weniger sicheren Langkulturergebnissen raten häufiger zum Tag-3-Transfer um das Risiko zu vermeiden, dass kein Embryo mehr für einen Transfer übrig bleibt Beides kann medizinisch gut gemeint sein – aber es macht einen Unterschied für die Strategie. Es ist daher völlig legitim, im nächsten Gespräch zu fragen: Wie hoch ist Ihre Blastozystenrate im eigenen Labor? Wie häufig kommt es bei wenigen Embryonen vor, dass kein Transfer mehr möglich ist? Würden Sie mir bei gleicher Ausgangslage klar zu Tag 5 raten, oder eher nicht? Ein gutes Zentrum kann diese Fragen offen und ohne Ausweichen beantworten. Gibt es einen sinnvollen Mittelweg? Ja – und der ist oft sehr klug: Wenn mehr als ein Embryo vorhanden ist: einen an Tag 3 transferieren einen – wenn möglich – weiter kultivieren Oder vorab festlegen: Wenn sich bis Tag 4 eine sehr gute Entwicklung zeigt, warten wir – sonst Transfer. Das vermeidet ein starres „Alles-oder-nichts“ und gibt Ihnen eine reale Chance. Ein weiterer wichtiger Gedanke Wenn wiederholt keine Blastozysten entstehen, sollte man nicht nur die Transferstrategie ändern, sondern auch prüfen: Stimulationsprotokoll Reifung der Eizellen Qualität der Spermien (z. B. DNA-Integrität) Timing der Auslösung Lutealphase und uterine Faktoren Manchmal liegt die Lösung eine Ebene vor dem Transferzeitpunkt. Mein ehrliches Fazit für Sie Ihre Überlegung ist medizinisch absolut nachvollziehbar In Ihrer Vorgeschichte würde ich nicht pauschal auf Tag 5 bestehen Ein individualisierter, flexibler Plan ist meist sinnvoller Und ganz wichtig: 👉 Ein Embryo, der es im Labor nicht bis Tag 5 schafft, ist nicht automatisch nicht lebensfähig. Wenn Sie möchten, können Sie mir gern noch Alter, Embryonenzahlen und Qualitätsangaben nennen – dann kann ich Ihnen eine noch gezieltere Einschätzung geben. Mit herzlichen Grüßen und großem Respekt für Ihre Stärke Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
petra
Sehr geehrter Herr Dr Gagsteiner vielen Dank für Ihre schnelle, differenzierte, ehrliche und einfühlsame Antwort, die mir sehr weitergeholfen hat. Ich werde diese Fragen beim nächsten Termin in der Klinik stellen. Gerne teile ich Ihnen noch ein paar mehr Informationen mit. Ich bin 35 Jahre (beim 1. Versuch noch 34 Jahre), mein Mann ist 36 Jahre. Mein Mann hat OAT Syndrom (zudem Hashimoto mit L thyroxin behandelt und Thalassämie mit Hb bei ca 11, nicht behandelt) und ich einen Hormonmangel und daher seit meinem 16. Lbj. keinen Spontanzyklus (Z.n. Anorexie und Bulimie). 1. ICSI Versuch (Pergoveris zunächst 200 dann runter bis auf 125) und Garnirelix: 9 Eizellen gewonnen, davon 7 reif und 5 befruchtet --> drei laufen lassen (zwei davon sind stehen geblieben) --> Tag 4 (weil Tag 5 Sonntag) eine eingesetzt (7 zeller, hier wurde uns die Qualität nicht mitgeteilt) --> Fehlversuch Dann hatten wir noch zwei eingefroren, davon ist eine stehen geblieben, es wurde dann eine morula eingesetzt am tag 5 (hat sich langsam entwickelt daher keine Blastozyste an Tag 5, es hieß damals keine "AAA Qualität" weil langsam entwickelt) --> Fehlversuch Wir haben dann die Klinik gewechselt für den zweiten Versuch, da wir uns nicht so gut betreut gefühlt haben. Allerdings war hier das Ergebnis noch schlechter: 2. ICSI (hier dauerhaft Pergoveris 150 und Garnirelix, wobei man sich einzig am Behandlungsplan der vorherigen Klinik orientiert hat) 10 Eizellen gewonnen, davon nur 5 reif, davon 2 befruchtet , eine ist stehen geblieben, die zweite am Tag 3 eingesetzt (auch 7-Zeller, Schulnote 2) --> Fehlversuch Mein AMH Wert ist bei 6 ng/ml. Wir sind langsam sehr verzweifelt, da der letzte von der Kasse teil-finanzierte Versuch ansteht und daher für jeden Rat/Impulse dankbar, was man ggf nochmal verändern/ausprobieren könnte. Mit freundlichen Grüßen Petra
Guten Tag, vielen Dank für Ihre sehr offene, klare und vertrauensvolle Schilderung. Ich kann gut nachvollziehen, wie belastend diese Situation für Sie beide ist – insbesondere, wenn bereits mehrere Versuche hinter Ihnen liegen und nun ein letzter teilfinanzierter Anlauf bevorsteht. Ihre Verzweiflung ist absolut verständlich, und zugleich ist es gut, dass Sie jetzt noch einmal innehalten und strategisch überlegen möchten, was man gezielt verbessern kann. Ich möchte Ihre Situation zunächst einordnen und dann konkret und strukturiert auf mögliche Stellschrauben eingehen. 1. Einordnung Ihrer Ausgangslage (realistisch, aber nicht hoffnungslos) Alter & Eierstockreserve Mit 34–35 Jahren liegen Sie altersmäßig noch in einem Bereich, in dem gute Chancen bestehen. Ein AMH von 6 ng/ml spricht für eine sehr gute ovarielle Reserve – quantitativ haben Sie also kein Problem. Hauptthemen, die sich durchziehen Aus Ihrer Schilderung ergeben sich drei wiederkehrende Punkte: Hoher Anteil unreifer Eizellen (v. a. im 2. Versuch) Geringe Befruchtungsrate trotz ICSI Langsame Embryonalentwicklung / frühes Stehenbleiben Diese Konstellation ist typisch für funktionelle Reifungsprobleme der Eizelle, oft in Kombination mit: hypothalamisch-hypophysärer Vorgeschichte (bei Ihnen sehr relevant), suboptimalem Stimulations- oder Trigger-Timing, und zusätzlich eingeschränkter Spermienqualität (OAT). 👉 Wichtig: Das ist kein Ausschlusskriterium für eine Schwangerschaft, aber es erfordert ein feiner abgestimmtes Vorgehen als ein „Standardprotokoll“. 2. Sehr wichtiger Punkt: Ihre hormonelle Vorgeschichte Dass Sie seit dem 16. Lebensjahr keinen Spontanzyklus hatten (hypothalamische Amenorrhö nach Anorexie/Bulimie), ist aus meiner Sicht ein zentraler Schlüssel. Auch wenn heute Gewicht, Essverhalten und Alltag stabil sind, bleibt oft: eine veränderte LH-Pulsatilität, eine verzögerte oder asynchrone Eizellreifung, und eine erhöhte Rate an zytoplasmatisch unreifen Oozyten. Das erklärt sehr gut: warum bei vielen Follikeln relativ wenige reife Eizellen gewonnen wurden, warum sich Embryonen oft langsamer entwickeln, und warum die Ergebnisse zwischen den Zyklen stark schwanken. 👉 Das ist behandelbar, aber nicht mit einem Schema „wie beim letzten Mal“. 3. Konkrete Ansatzpunkte für den nächsten (entscheidenden) Versuch A) Stimulationsstrategie überdenken (nicht einfach wiederholen) Beide Versuche waren relativ ähnlich (Pergoveris + Antagonist). Bei Ihrer Vorgeschichte würde ich ernsthaft prüfen: Optionen, die Sie ansprechen sollten: etwas längere, ruhigere Stimulation ggf. niedrigere Startdosis, langsamer Aufbau Ziel: bessere Synchronisation, nicht maximale Follikelzahl Manchmal ist „weniger Druck“ besser für die Reifung. B) Trigger-Strategie: ein ganz entscheidender Punkt Bei Reifungsproblemen ist der Auslösezeitpunkt oft kritischer als gedacht. Fragen, die Sie stellen sollten: Wurde nur mit hCG ausgelöst oder kombiniert? Wurde ein Dual Trigger (GnRH-Agonist + hCG) erwogen? Wurden viele Follikel punktiert, aber leer oder unreif? 👉 Ein Dual Trigger kann bei Frauen mit hypothalamischer Vorgeschichte die endgültige Reifung der Eizellen deutlich verbessern. C) Befruchtung & Laborstrategie Bei OAT + schwankender Eizellqualität kann man diskutieren: Calcium-Ionophor zur Aktivierung nach ICSI (nicht Standard, aber bei niedriger Befruchtungsrate eine Überlegung) sehr engmaschige Embryo-Morphokinetik (falls Time-Lapse vorhanden) Auch wichtig: konsequent Blastozystenkultur anstreben, wenn sich genügend Embryonen entwickeln → nicht jede Morula ist „schlecht“, aber die Selektion hilft langfristig D) Endometrium & Timing nicht vergessen Auch wenn Sie darüber nichts Auffälliges berichten: Bei hormonellem Mangelhintergrund lohnt es sich zu fragen: Ist die Progesteronexposition optimal getimt? Ist die Lutealphase wirklich ausreichend unterstützt? Manchmal liegt der Engpass nicht nur am Embryo, sondern am Zusammenspiel. 4. Ganz wichtig: Ihre Prognose realistisch einordnen Trotz aller Rückschläge: Ihr Alter ist günstig Ihr AMH ist sehr gut Sie können Embryonen erzeugen Es gab keine Hinweise auf komplette Entwicklungsblockaden Das bedeutet: 👉 Ihre Chance ist nicht verbraucht, aber der nächste Versuch sollte bewusst individualisiert sein – nicht „der gleiche Versuch in einer anderen Klinik“. 5. Wie Sie gut in das nächste Gespräch gehen Ich würde Ihnen raten, gezielt folgende Punkte anzusprechen (gerne auch schriftlich vorbereitet): Einschätzung der Eizellreifung über beide Zyklen hinweg Anpassung von Stimulations- und Triggerstrategie Optionen zur Verbesserung der Befruchtungsrate Klare Strategie für Embryokultur und Transferzeitpunkt. Ein Punkt, den ich ausdrücklich ansprechen möchte: Wenn Sie mit den bisherigen Kinderwunschkliniken nicht vollständig zufrieden waren – sei es in Bezug auf Betreuung, Kommunikation oder Individualisierung der Behandlung –, dann scheuen Sie sich bitte nicht, für den jetzt anstehenden, besonders wichtigen Versuch die bestmögliche Klinik in Ihrer erreichbaren Region auszuwählen. Gerade bei komplexeren Konstellationen wie der Ihren ist es entscheidend, dass: Stimulations- und Triggerstrategie nicht schematisch, sondern wirklich individuell geplant werden, Labor und ärztliches Team Erfahrung mit Eizellreifungsstörungen und hypothalamischer Vorgeschichtehaben, und Ihre bisherigen Zyklen nicht nur dokumentiert, sondern kritisch analysiert werden. Ich würde Ihnen daher sehr empfehlen, sich – auch unabhängig von einem eventuellen Klinikwechsel – eine fundierte Zweitmeinung speziell zum Stimulationsprotokoll und zum Trigger-Timing einzuholen. Aus Ihrer Schilderung ergibt sich durchaus der Eindruck, dass hier noch relevantes Optimierungspotenzial besteht und dass bisherige Protokolle eher übernommen als neu gedacht wurden. Eine gute Zweitmeinung kann: neue Perspektiven eröffnen, Sicherheit für den nächsten Schritt geben, und verhindern, dass der letzte teilfinanzierte Versuch mit einem „suboptimalen Setup“ durchgeführt wird. 👉 Das ist kein Zeichen von Misstrauen, sondern ein verantwortungsvoller, kluger Schritt in einer Situation, in der jeder Versuch zählt. Sehr geehrte Petra, Sie dürfen verzweifelt sein – aber Sie müssen die Hoffnung nicht aufgeben. Ihr Weg ist steiniger als bei manchen anderen Paaren, aber er ist medizinisch nachvollziehbar und nicht aussichtslos. Entscheidend ist jetzt, dass der letzte Versuch nicht „routinehaft“, sondern maßgeschneidert erfolgt. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. Friedrich Gagsteiger
petra
Sehr geehrter Herr Dr. Gagsteiner, ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen danken kann, eine so klare Einordnung unserer Situation habe ich bisher noch in keiner Klinik bekommen, vielen vielen Dank ich nehme hier sehr viele wichtige Impulse für unseren nächsten Termin in der Klinik mit. Eine weitere Sorge von mir betrifft die Einnahme der Folsäure. Ich nehme nun schon seit 1,5 Jahren ein 800μg Folsäure Präparat (zuerst Femibion Babyplanung dann Folio Basic 1). Ich dachte, das wäre das richtige, da ich mich ja in der "Kinderwunsch/Babyplanung" befinde. Nun habe ich von meiner Frauenärztin erfahren, dass diese Präparate eigentlich dafür gedacht sind, den Folsäure Spiegel innerhalb kurzer Zeit zu erhöhen. Ich habe nun große Sorge, dass ich mich mit der Einnahme über den langen Zeitraum überdosiert hat und dies einer möglichen (hoffentlich bald eintretenden) Schwangerschaft bzw. dem ungeborenen Kind schaden könnte. Sollte ich das Folsäure Präparat lieber für einige Zeit absetzen, um die Werte ggf. wieder zu normalisieren? Sollte ich sicherheitshalber den Blutspiegel von Folsäure bestimmen lassen? Wie verhalte ich mich, falls ich wirklich einen zu hohen Folsäure Wert im Blut habe? Sollte der nächste ICSI Versuch dann lieber etwas hinausgezögert werden bis sich der Blutwert wieder normalisiert hat? Zudem ist in diesen Präparaten ja auch Iod, Vitamin B12 und Vitamin D enthalten, die ja ebenfalls wichtig sind, sollte ich diese dann lieber als separate Präparate zu mir nehmen und die Folsäure ein wenig pausieren? Ich danke Ihnen sehr für die Unterstützung, ich bin aktuell bezüglich allem sehr unsicher und es hilft mir sehr, dass ich hier Antworten auf diese sehr quälenden Fragen erhalte. Mit freundlichen Grüßen, Petra
Guten Tag, vielen Dank für Ihre sehr offenen Worte. 1. Haben Sie sich mit 800 µg Folsäure überdosiert? Kurz und klar: Nein. Die Einnahme von 800 µg Folsäure über 1,5 Jahre ist nicht gefährlich, weder für Sie noch für eine zukünftige Schwangerschaft. Ein paar wichtige Fakten zur Einordnung: Die empfohlene Folsäuremenge bei Kinderwunsch liegt je nach Leitlinie zwischen 400 und 800 µg täglich. 800 µg gelten ausdrücklich als sicher, auch bei längerer Einnahme. Eine echte „Überdosierung“ mit klinischer Relevanz tritt erst bei mehreren Milligramm täglich (z. B. >5 mg)über längere Zeit auf – das ist bei Ihnen nicht der Fall. Die Aussage Ihrer Frauenärztin, diese Präparate seien „nur für eine kurze Aufsättigung gedacht“, ist so pauschal nicht korrekt. 2. Kann ein hoher Folsäurespiegel schaden? In der wissenschaftlichen Datenlage gilt: Ein hoher Folsäurespiegel im Blut ist nicht mit Fehlbildungen oder Entwicklungsstörungen assoziiert. Es gibt keine Evidenz, dass ein erhöhter Folsäurespiegel: die Einnistung verschlechtert die Embryonalentwicklung beeinträchtigt das Risiko für Fehlgeburten erhöht Was gelegentlich diskutiert wird, ist lediglich: dass sehr hohe Folsäuremengen einen Vitamin-B12-Mangel maskieren können – aber genau deshalb ist in Ihren Präparaten Vitamin B12 enthalten, was dieses Risiko praktisch ausschließt. 3. Sollten Sie den Folsäurespiegel im Blut bestimmen lassen? Das ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich. Sinnvoll kann eine Bestimmung sein, wenn: es Sie beruhigt ohnehin Blut abgenommen wird man den Gesamtstatus (z. B. Folsäure + Vitamin B12) erfassen möchte Wichtig zu wissen: Ein hoher Wert allein hat keine therapeutische Konsequenz, solange keine extremen Dosierungen eingenommen wurden. Es gibt keinen Zielwert, unter den man „erst wieder kommen muss“, bevor man schwanger werden darf. 4. Müssen Sie die Folsäure pausieren oder den ICSI-Versuch verschieben? Ganz klar: Nein. Es gibt keinen medizinischen Grund, einen ICSI-Versuch wegen der Folsäureeinnahme hinauszuzögern. Auch ein theoretisch erhöhter Blutwert wäre keine Kontraindikation für eine Schwangerschaft oder Behandlung. Ein „Absetzen zum Normalisieren“ ist nicht notwendig. Wenn Sie sich wohler fühlen möchten, wäre ein möglicher Kompromiss: Reduktion auf 400 µg Folsäure täglich → das ist für Kinderwunsch und frühe Schwangerschaft vollkommen ausreichend. 5. Sollten Sie Folsäure, Jod, Vitamin B12 und D trennen? Das können Sie tun – müssen Sie aber nicht. Medizinisch sinnvoll ist: Jod (meist 150–200 µg/Tag, sofern keine Schilddrüsenerkrankung dagegen spricht) Vitamin D nach Spiegel (häufig 1.000–2.000 IE/Tag) Vitamin B12, insbesondere bei vegetarischer Ernährung oder langer Folsäureeinnahme Wenn es Ihnen Sicherheit gibt, ist ein möglicher Weg: ein Präparat mit 400 µg Folsäure plus ggf. separate Einnahme von Jod und Vitamin D Aber auch Ihre bisherige Kombination ist absolut vertretbar und sicher. 6. Das Wichtigste zum Schluss Bitte nehmen Sie das ganz bewusst mit: Sie haben alles richtig gemacht. Ihre Vorsorge war verantwortungsvoll, nicht schädlich. Sie haben keine Chance verspielt und Ihrem Körper nicht geschadet. Ihre Sorgen entspringen Fürsorge – nicht einem Fehler. Gerade in der Kinderwunschzeit geraten viele Frauen in eine Spirale aus Selbstzweifeln und Kontrolle. Medizinisch gesehen gibt es dafür in Ihrem Fall keinen Anlass. Mit herzlichen Grüßen Ihr Dr. Gasteiger
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