Verzweifelte1984
Hallo Herr Dr. Grewe, ich hoffe, ich darf Sie noch einmal anschreiben. Ich hatte in der Vergangenheit schon oft Fragen zu meinen Eizellen (LH sinkt unter Verwendung von Menogon) und zuletzt zum LH-Anteil im Pergoveris vor Ovitrelle Fragen gestellt. Nun geht es leider um meinen Mann. Mein Mann hat seit mehreren Jahren immer mal wieder Nierensteine. Diese haben jedoch bisher keine chronischen Probleme verursacht, sondern immer "nur" akute Symptomatiken/Nierenkoliken, wenn sie festsaßen. Seit ca. 6-12 Monaten hat mein Mann nun auch rezidivierende Harnwegsinfekte (festgestellt über Bakterien im Urin und Urinkulturen). Es begann mit einem Harnwegsinfekt im Herbst letzten Jahres, dann erneut zu Weihnachten und dann seit Februar eigentlich alle 1-2 Monate. Die Abstände wurden immer kürzer. Antibiotika wurde mehrfach gewechselt (Cotrim forte, Cefpodoxim, aktuell Levoflox). Seit ca. 4 Wochen flammt die Entzündung sofort dann wieder auf, wenn er das Antibiotikum für 1-2 Tage absetzt. Es geht ihm dann richtig schlecht, er bekommt hohes Fieber und es werden dann auch wieder neue Bakterien (E Coli) im Urin gefunden. Es wurde parallel dazu vor ca. 5 Wochen ein Nierenstein von 10 mm Größe entdeckt. Da auch dort ein akuter Harnwegsinfekt bestand, konnte der Stein nicht entfernt werden, sondern es wurde eine Harnleiterschiene gelegt. Diese soll in ein paar Tagen entfernt werden, wenn auch der Nierenstein entfernt wird. Nun zu meiner eigentlichen Frage: Leider hatte ich gerade mit einer hochdosieren Spritzenstimulation für eine Selbstzahler-ICSI/IVF begonnen, als mein Mann mit Nierenkolik ins Krankenhaus kam. Wir haben uns dann mehrfach beim Urologen und auch Kiwu-Zentrum erkundigt, ob die Harnleiterschiene oder aber das Antibiotikum ein Problem für die anstehende IVF/ICSI sein könnten. Alle Behandler waren sich einig, dass - sofern mein Mann Antibiotikum einnimmt und kein akuter Infekt vorliegt - weder die Harnleiterschiene, noch der Nierenstein o.ä. ein Problem für unsere Kiwu-Behandlung sind. Wir hatten damit gerechnet, dass das Spermiogramm ggf. nicht mehr im WHO-Normbereich ist, wie es sonst immer war, sonder ggf. schon eine leichte Verschlechterung stattgefunden hat wegen der unterschiedlichen Probleme. Für den Fall wollten wir eine ICSI statt IVF. Nun habe ich das Spermiogramm gesehen, dass am Tag der PU erstellt wurde und bin völlig schockiert. Das ehemals normwertige Spermiogramm, welches laut Ärzte ja durch Harnleiterschiene und Antibiotikum kaum beeinflusst sein sollte, sah nun so aus: Volumen: 6 ml Konzentration: 1 Mio Spermien pro ml Beweglichkeit A: 1 % Beweglichkeit B: 1 % Beweglichkeit C: 1 % Beweglichkeit D: 97 % Für ICSI konnten vereinzelt bewegliche Spermien gefunden werden. Meine Frage wäre nun an Sie: Welche Untersuchungen sollten bei meinem Mann noch gemacht werden, um der Ursache für diese massive Spermienverschlechterung auf den Grund zu kommen? Gibt es möglicherweise noch eine andere Ursache, die sowohl die ständigen Harnwegsinfekte als auch dieses katastrophale Spermiogramm erklärt? Der Nierenstein wird doch wohl kaum der Grund sein? Könnten ggf. auch ein Problem mit der Prostata, den Nebenhoden, Hoden, Samenleitern der Grund für all das sein? Also, dass der ursprüngliche Harnwegsinfekt sich noch auf andere (Geschlechts-)Organe ausgebreitet hat und deshalb auch immer wieder kehrt? Oder kann das nicht sein, weil die genannten Antibiotika dagegen hätten helfen müssen (er hat das Antibiotikum immer 10 Tage eingenommen - dann abgesetzt und ggf. erneut begonnen)? Haben Sie noch andere Ideen, was man untersuchen könnte? Über eine Antwort würde ich mich sehr, sehr freuen! LG
Hallo, das Spermiogramm ist ja tatsächlich deutlich eingeschränkt, bei einer ICSI werden Sie aber dennoch sehr gute SS-Chancen haben, da sich ja gut bewegliche Spermien gefunden haben. Auch ich bin der Meinung, dass die Antibiotika und auch die HL-Schienen keinen Einfluss auf das SG haben, dennoch ist eine Verschlechterung der Parameter unter den genannten Umständen aus meiner Sicht keine Überraschung: Wenn es dem Körper schlecht geht, und dies muss man ja unterstellen, "denkt er als Allerletztes daran, sich zu reproduzieren". Der mit den Symptomen einhergehende Stress könnte die zentralen Hormone reduziert haben und die Einschränkung des SGs erklären. Hier könnte man evtl. einmal LH und FSH bestimmen lassen. Um eine Infekt-bedingte Ursache auszuschließen ist es auch möglich, eine Bakterienkultur aus dem Spermiogramm anzulegen. Wurde so etwas gemacht? Wurde Ihr Mann noch einmal von einem Andrologen untersucht? Insgesamt hört sich die Situation mit den rezidivierenden Infekten ja wirklich nicht gut an und ich würde diese definitiv zeitnah und vollständig abklären lassen. Viele Grüße Christoph Grewe
Verzweifelte1984
Oh, wow! Herzlichen Dank für Ihre so ausführliche und wirklich hilfreiche Antwort! Ihre Erklärung bezüglich der herunterregulierten Reproduktionsfähigkeit in Bezug auf die Vorrangigkeit der Infekte klingt sehr einleuchtend und nachvollziehbar. Die Idee mit der Bakterienkultur aus einem Spermiogramm ist super - ich wusste gar nicht, dass so etwas geht. Das wurde bisher nicht gemacht. Bisher war auch das einzige Spermiogramm, welches erstellt wurde seit den Infekten, am Tag der PU im Kinderwunschzentrum. Mein Mann war in den letzten Jahren bei mehreren Urologen, ob diese ebenfalls Andrologen waren, weiß ich jedoch nicht. In jedem Fall wurden die Spermien in dieser Zeit nie von den Urologen untersucht (sonst hätten wir ggf. schon eine Vorwarnung gehabt). Die Urologen haben lediglich immer wieder Urinproben genommen und Ultraschalluntersuchungen durchgeführt - von welchen Organen weiß ich jedoch nicht. Der Nierenstein wurde schließlich im CT entdeckt, allerdings im Krankenhaus im Rahmen des Nierenkolik-Notfalls. Soweit ich weiß, wurden beim Spermiogramm im Kiwu-Zentrum auch "lediglich" die für die ICSI relevanten Parameter bestimmt (also Spermienmenge und Beweglichkeit). Leukozyten oder andere Werte aus dem Sperma wurden nicht bestimmt. Ich habe irgendwo gelesen, dass man aus der Verflüssigungszeit oder aber einem "Stoff", der von der Prostata in das Ejakulat abgegeben wird, ggf. auf Probleme mit der Prostata schließen kann. Wissen Sie, was hier konkret untersucht werden müsste, ggf. auch aus der Spermienflüssigkeit? Oder ist das die besagte Kultur, von der Sie sprachen? Die Ärzte forschen aktuell eigentlich nur in Richtung Nierenstein und sagen, dieser könnte ggf. auch die Ursache für die rezidivierenden Infekte sein. Ich selbst bin ehrlich gesagt nicht so überzeugt, ob das wirklich die einzige Ursache ist, denn in all den Jahren mit Nierensteinen hatte mein Mann nie solche starken Probleme und wiederkehrenden Infekte wie in der letzten Zeit. Meine Vermutung wäre wie gesagt eher, dass sich der Infekt von den Harnwegen noch weiter ausgebreitet hat und ggf. nicht lange genug/vor allem durchgehend genug antibiotisch behandelt wurde. Was konkret sollte ein Androloge mit dieser Vorgeschichte (neben der Spermienkultur) ggf. noch untersuchen um andere Ursachen (als nur den Nierenstein) sicher ausschließen zu können? Viele Grüße und danke, dass Sie so lange Texte überhaupt lesen!
Hallo, in Bezug auf die Untersuchungsinhalte durch den Andrologen bin ich leider etwas überfragt. Bezüglich Ihrer Frage die Prostata betreffend: Es gibt ja neben den eigentlichen Spermiogrammparametern noch sicher 15 weitere Untersuchungen, die am Sperma durchgeführt werden können. So kann z.B. der Gehalt an Fructose etc. gemessen werden. Welche Parameter hier zur Überprüfung der Prostata genau relevant sind, weiß aber auch der Androloge besser, als ich. ;) Viele Grüße Christoph Grewe
Verzweifelte1984
Ok, vielen Dank für Ihre Ehrlichkeit! Dann fragen wir den Andrologen, haben so aber zumindest schon mal ein paar Indizien und Ideen, was wir überprüfen lassen sollten. Vielen Dank noch einmal und alles Gute auch für Sie!
Ähnliche Fragen
Sehr geehrter Herr Dr. Nassar, nun hat sich herausgestellt, dass mein Mann eine Infektion hat (Sperma ist zu zähflüssig und 3-4 verschiedene Bakterienstämme wurden identifiziert). Er wird aktuell mit Augmentin im Ciprobay behandelt. Nun stellt sich die große Frage, ob er mich damit angesteckt haben könnte? Er hat das sicher schon im letzten Z ...
Sehr geehrter Herr Dr.Gagsteiger! Ich und mein Mann versuchen seit ca einem Jahr ein 2tes Kind zu bekommen. Durch einen Zufallsbefund sind wir bei meinem Mann (30 Jahre) auf einen Östrogenmangel gestoßen (Arzt diagnostizierte Osteoporose). Ist mein Mann trotz dieses Mangels (Gespräch im Krankenhaus hat er im September zur Behandlung des Mangels) ...
Hallo, wir haben nächste Woche unsere erste Künstliche Befruchtung (IVF) bzw. und mein Mann nimmt seit Gestern Antibiotika Clarithromycin HEC-Pharm 500mg. Hat das einfluss auf sein Sperma oder wird wenn es klappt das Kind davon irgendwelche Folgen haben?
Sehr geehrter Herr Dr. Grewe. Ich habe eine Frage einfach interessehalber. Was passiert eigentlich bei dem unwahrscheinlichen Fall, wenn eine Frau in der frühesten Schwangerschaftszeit – also bei Befruchtung, Einnistung, erste Woche nach positivem Test herum – eine Listeriose-Infektion hat. Ist das überhaupt möglich, dass in diesem frühen Zeitr ...
S.g. Frau Sonntag! Mein Mann hat innerhalb kurzer Zeit (1Woche) 2 Mal Blut abnehmen lasse. Einmal davon war der Progesteron Wert und der Östrogenwert sehr niedrig. Könnte das Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben? Und was wären eventuelle Behandlungsmöglichkeiten? Lg
Sehr geehrte Frau Professor van der Ven, nach drei Impfungen bin ich momentan zum zweiten Mal akut an Corona erkrankt. Der Verlauf ist mild. Was bedeutet dies für den Kinderwunsch?Gibt es Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit? Sind meine Chancen, schwanger zu werden nach Erholung von der Infektion vermindert? Erhöht sich das Fehlgeb ...
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Dorn, ich und mein Mann haben Kinderwunsch. Mein Mann nimmt aber zurzeit Solifenacin 5 mg ein und wissen nicht ob das Medikament Nebenwirkungen haben kann(Fehlentwicklung, Frühgeburt etc). Seine Urologin meinte, es wäre kein Problem. Das wäre nur der Fall, wenn die Frau das einnimmt. Meine Frage an Sie, kann ...
Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Sonntag, ich und mein Mann haben Kinderwunsch. Mein Mann nimmt aber zurzeit Solifenacin 5 mg ein und wissen nicht ob das Medikament Nebenwirkungen haben kann(Fehlentwicklung, Frühgeburt etc). Seine Urologin meinte, es wäre kein Problem. Das wäre nur der Fall, wenn die Frau das einnimmt. Meine Frage an Sie, kann er d ...
Sehr geehrter Herr Dr. Grewe, ich und mein Mann haben Kinderwunsch. Mein Mann nimmt aber zurzeit Solifenacin 5 mg ein und wissen nicht ob das Medikament Nebenwirkungen haben kann(Fehlentwicklung, Frühgeburt etc). Seine Urologin meinte, es wäre kein Problem. Das wäre nur der Fall, wenn die Frau das einnimmt. Meine Frage an Sie, kann er d ...
Sehr geehrte Frau Finger, mein Mann und ich wollen gern ein zweites Kind. Kann sich der Alkoholkonsum eines Mannes vor der Zeugug auf die Genetik (nicht die Qualität) des Spermiums auswirken und beim Ungeborenen Genschäden bzw. Organschäden verursachen? Wenn der Mann dabei am Wochenende beim Ausgehen trinkt (Bier & Wein, kein "Be"trinken) u ...