CB
Sehr geehrter Herr Dr. Brügel, meine Tochter ist 4,5 Jahre alt und kommt nächstes Jahr, einige Tage nach ihrem 6. Geburtstag, in die Schule. Seit einem halben Jahr interessiert sie sich sehr für Buchstaben und hat ganz viel gefragt. Da ich ihre Neugier nicht bremsen wollte, habe ich natürlich immer geantwortet. Nun hat sie sich das Lesen selbst beigebracht, erst große Buchstaben, jetzt alle. Sie kann problemlos alles lesen. Sie liest viel selbst, wir lesen viel vor, wir haben viele Übungshefte für Vorschulkinder und Schulanfänger. Auch Rechnen kann sie schon im 10er-Raum. Sie interessiert sich eigentlich für alles und macht sich viele kluge Gedanken. Nun haben wir ihr die Anton-App gezeigt, da gibt es einen Vorschulblock. Es macht ihr Spaß, aber die Übungen sind viel zu einfach, sie möchte nun die Übungen für die 1. Klasse machen. Mein Mann sagt, wir sollten sie machen lassen und nicht bremsen, wenn sie lernen möchte. Ich bin etwas zwiegespalten, denn ich habe Bedenken, dass sie sich dann in der 1. Klasse langweilen wird. Ich weiß, dass diese Kinder häufig dann auch im Verhalten negativ auffallen können, da würden wir ihr doch keinen Gefallen mit tun. Sie ist kognitiv definitiv weiter als manches Kind in der 1. Klasse, emotional aber definitiv nicht. Wie ist da denn Ihre Meinung dazu? Sollen wir sie fördern oder lieber ein wenig bremsen? Vielen Dank für Ihre Einschätzung! Viele Grüße CB
Guten Morgen CB da startet mein Tag ja gleich mit einer richtig guten Frage: ich kann Ihre Bedenken sehr gut verstehen und doch ist meine erste klare Aussage: bremsen ist keine gute Idee bzw. ich finde es einfach unrealistisch für den Alltag. Wenn ein Kind, egal auf welchem Feld, vorankommen will, dann ist das toll und dann sollten wir als Eltern schauen, dass wir das unterstützen und begleiten. Und dann wird man nächsten Sommer einfach schauen müssen wo ihr Kind kognitiv (und emotional steht) und ggf mit der Schule Absprachen treffen, dass sie zum Beispiel zusätzliche Aufgaben erhält. Ganz im Endeffekt muss ggf natürlich auch an Hochbegabung gedacht werden, aber Sie haben jetzt ja irgendwann auch noch die U9 Vorsorge und können da dann ja auch mit Ihrem Kinderarzt/Ihrer Kinderärztin nochmals darüber reden. Ich finde es jedenfalls gut wie fürsorglich und genau Sie auf Ihr Kind schauen und tatsächlich ist es bei den kognitiv sehr raschen Kindern ja oft so, dass sie emotional eben noch nicht so weit sind und dann ist es toll, wenn Eltern dies auch im Blick haben und realistisch einschätzen können. Daher wäre mein Fazit: Kind machen lassen wonach es verlangt und weiter mit einem so fürsorglichen Blick begleiten und die emotionale Entwicklung im normalen Alltag unterstützen. Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende Ralf Brügel