Frage im Expertenforum Kinderarzt an Dr. med. Andreas Busse:

Clostridien-Sporen im Essen (lang)

Frage: Clostridien-Sporen im Essen (lang)

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Hallo Herr Dr. Busse! folgenden Artikel hab ich in der Zeitung gelesen und ich muß sagen, er hat mich sehr verunsichert: Clostridien-Sporen im Essen können Säuglinge rasch töten Botulismus kann Ursache für plötzlichen Kindstod sein / Angebrochene Babynahrung sollte möglichst schnell verbraucht werden MAGDEBURG/WÜRZBURG (nsi). Bauchlage, schwere Decken, rauchende Eltern - das sind bekannte Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod. Die Ursache für den unerwarteten Tod eines Kindes kann jedoch auch eine ganz andere sein: etwa Nahrung, die mit Clostridien kontaminiert ist. Der Tod von knapp zwei Jahre alten Zwillingen schien verdächtig: Die beiden Mädchen waren nicht mehr aus dem Mittagsschlaf erwacht. Plötzlicher Kindstod? Bei der Obduktion der beiden Kinder entdeckten die Pathologen massive Schleimhautverdickungen und -rötungen im Bereich des Dickdarms. Außerdem wiesen sie Clostridium difficile und dessen Toxin im Stuhl der Mädchen nach. Im Haushalt stießen die Ärzte auf Babynahrung, die mit Clostridien kontaminiert war. Offenbar war sie nicht frisch verwendet worden. Das Ergebnis der Obduktion: Vermutlich hat Botulismus durch die belastete Nahrung den Tod herbei geführt, berichten Dr. Gerhard Jorch und Dr. Dagmar Fischer vom Zentrum für Kinderheilkunde der Universität Magdeburg (Klinische Pädiatrie 2004, 216, 31). Um Botulismus bei Babys zu vermeiden, rät Fischer, angebrochene Babynahrung möglichst sofort zu verfüttern. Alternativ kann auch ein Teil, etwa aus einem noch ungeöffneten Glas, für die Mahlzeit entnommen und der Rest im Kühlschrank gelagert werden - jedoch höchstens einen Tag lang. Selbstgekochtes sollte mindestens zehn Minuten durchgekocht werden - aber möglichst nicht in der Mikrowelle, so Fischer zur "Ärzte Zeitung". Ein Löffelchen voll für Mama, eines fürs Kind ist ebenfalls tabu: Den Löffel fürs Baby sollte die Mutter nicht in den Mund nehmen. Säuglingsbotulismus wird als Ursache für einen plötzlichen Kindstod unterschätzt, berichtet Dr. Ulrike Bartram von der Universitätskinderklinik in Würzburg (Klinische Pädiatrie 2004, 216, 26). In Studien aus Deutschland und anderen Ländern wurden bei 15 bis 30 Prozent der unerwartet gestorbenen Säuglinge Clostridien sowie Botulinumtoxin in Darm und Leber nachgewiesen. Bei den Kindern fand sich das Toxin im Darm teilweise in so hohen Konzentrationen, daß eine Clostridien-Infektion als Todesursache wahrscheinlich war. Bei plötzlichem Kindstod sollte daher auch an Botulismus gedacht werden, so Bartram. Der mikrobiologische Nachweis von Clostridien oder deren Toxin sei allerdings nur ein indirekter Hinweis auf eine klinische bedeutsame Toxinwirkung, da es auch asymptomatische Verläufe gebe. Daß Säuglinge besonders empfindlich auf die Erreger reagieren, liege daran, daß sie noch wenig Clostridien-hemmende Gallensäuren im Darm haben, erläutert die Ärztin. So können über die Nahrung aufgenommen Sporen auskeimen und das Toxin im Körper produzieren. Bei Erwachsenen müsse jedoch bereits genügend Toxin über die Nahrung aufgenommen werden, damit es zu Botulismus kommt. Denn bei ihnen können die Erreger im Darm in der Regel nicht überleben. Nun meine Fragen dazu: 1: Haben Sie davon auch schon etwas gehört? Wenn ja, wie sind Ihre Erfahrungen? 2: Wie lange ist der plötzlicher Säuglingstod eine Gefahr? Bisher dachte ich nur so ca. ein Jahr? 3: Kann man eine Botulismusinfektion an irgendetwas erkennen, oder erst, wenn's schon zu spät ist, so wie bei den Zwillingen? 4: Bisher hab ich Botulismus/Clostridien mur mit Honig in Verbindung gebracht, können sich diese Erreger auch in normalen Gläschen bilden, oder nur wenn Honig drin ist? 5: Sollte dann evtl. auch länger als 1 Jahr auf Honig verzichtet werden, wenn die Kinder darauf so anfällig reagieren? Ich weiß, das waren jetzt sehr viele Fragen auf einmal, deshalb vorab schonmal vielen Dank für die Zeit, die Sie dafür aufwenden!! Viele Grüße!


Dr. med. Andreas Busse

Dr. med. Andreas Busse

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Liebe Z., vor allem die Häufigkeit halte ich eher für deutlich überschätzt. Nichts desto weniger sollte man natürlich genau die aufgeführten Ratschläge befolgen, was die Aufbewahrung von angebrochenen Gläschen angeht. Und das nicht nur wegen der sicher seltenen Clostridien sondern wegen aller Arten von Keimen, die sich in Lebensmitteln vermehren und gerade Babys rascher als Erwachsene in Gefahr bringen können. Grund zur Panik bei der eigentlich selbstverständlichen Haushaltshygiene bsteht aber sicher nicht. Alles Gute!


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