Nutzerin-2022
Sehr geehrter Herr Dr. Heininger! Da ich hier im Forum immer wieder gelesen hatte, dass es am Besten sei, sein Kind zum frühestmöglichen Zeitpunkt impfen zu lassen, damit es frühestmöglich geschützt ist, und da wir in einer Großstadt in Österreich, wo Masern immer wieder vorkommt, wohnen, haben wir unseren Sohn mit genau neun und zwölf Monaten MMR-impfen lassen. (In Österreich ist die Impfung lt. Impfplan ab neun Monaten vorgesehen, wobei die zweite im Abstand von mind. drei Monaten erfolgen soll.) Ich dachte, dadurch sei er so gut wie sicher geschützt. Nun ist der in Österreich verwendete Impfstoff aber leider M-M-RvaxPro, und bei diesem steht in der Fachinformation, dass die erste Impfung nur 68,2% bis 76,1% (95%-KI) der im Alter von neun Monaten Geimpften gegen Masern schützt und bei nachfolgender zweiter Impfung im Alter von zwölf Monaten nur 92,3% bis 96,4% (95% KI), was weit von den rund 100% bei der mit Priorix erzielten Impfung entfernt ist. In der Fachinformation steht sogar, "Kinder von 9 bis 12 Monaten Immunogenitäts - und Sicherheitsdaten zeigen, dass M-M-RvaxPro Kindern im Alter von 9 bis 12 Monaten gemäß offiziellen Empfehlungen verabreicht werden kann oder wenn ein früher Impfschutz für notwendig erachtet wird (z. B. für Kinder in Tagesstätten, in Ausbruchssituationen oder bei Reisen in Regionen mit hoher Prävalenz von Masern). Solche Kinder sollten im Alter von 12 bis 15 Monaten erneut geimpft werden. Es kann eine weitere Dosis eines Impfstoffs mit einer Masern -Komponente gegeben werden, falls die offiziellen Impfempfehlungen dies vorsehen." sowie "Nach 2 Impfungen betrug die Seroprotektionsrate gegen Masern 94,6 % bei einer Verabreichung der ersten Dosis im Alter von 9 Monaten, verglichen mit 98,9 % bei einer Verabreichung der ersten Dosis im Alter von 12 Monaten (das Studienziel für Non-inferiority wurde nicht erreicht)." Ich habe nun Sorge, dass mein Sohn zu den 4-8% gehören könnte, die aufgrund der schlechten Impfwirkung bei Impfung in dem frühen Alter nicht geschützt sind. Und da die Impfung ja lebenslang wirken soll und keine Auffrischungsimpfung vorgesehen ist, würde ich Sie gerne um Ihre Einschätzung ersuchen, ob es sinnvoller wäre, eine dritte Impfung verabreichen zu lassen (die hierzulande leider nicht standardmäßig vorgesehen ist) oder unseren nun 2,5 Jahre alten Sohn einer Blutabnahme auszusetzen, um Masern-Antikörper bestimmen zu lassen und erst darauf basierend die Entscheidung einer etwaigen dritten Impfung zu treffen. Die Blutabnahme wäre freilich großer Stress, aber eine nicht notwendige Impfung mit einem Lebendimpfstoff sollte man wohl besser auch vermeiden? Unser Sohn kommt im Herbst in den Kindergarten und spätestens dann wird er regelmäßig in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, weshalb mir ein sicherer Masernschutz wichtig ist. Wir haben auch eine jüngere Tochter, bei der sich uns nun die Frage stellt, ob wir sie auch mit neun und zwölf Monaten impfen lassen sollen (damit sie eben mit 70%-iger Wahrscheinlichkeit schon im Alter von knapp über neun Monaten geschützt ist) oder ob es klüger wäre, zuzuwarten und sie erst mit elf und vierzehn Monaten impfen zu lassen, weil dann lt. Fachinformation die Schutzwirkung nach der zweiten Impfung bei 96,4% bis 99,1% anstatt der nur 92,3% bis 96,4% liegt. (Der Impfstoff Priorix, der auch schon bei Impfung zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine sehr gute Schutzwirkung erzielt, ist in Österreich wohl leider nicht erhältlich und stellt daher keine Option dar.) Ich freue mich auf Ihre Antwort, herzlichen Dank im Voraus!