Violett 466
Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med. Wahn, ich hätte gerne Ihre Einschätzung zur Einführung von Erdnuss bei meinem 8,5 Monate alten Sohn. Bei ihm besteht eine Unverträglichkeit auf Kuhmilcheiweiß; bereits auf kleinste Spuren reagiert er mit Blut im Stuhl. Seine ältere Schwester hat außerdem eine Erdnussallergie. Ich selbst habe deshalb während der gesamten Schwangerschaft und auch bisher während der Stillzeit keine Erdnüsse gegessen. Mit unserem Kinderarzt haben wir bereits besprochen, dass mein Sohn Erdnuss eingeführt bekommen soll. Nun frage ich mich, wie der allererste Kontakt mit Erdnuss bei ihm am sinnvollsten erfolgen sollte: Wäre es sinnvoll, dass ich zunächst selbst eine kleine Menge Erdnuss esse und er das Allergen zunächst in sehr geringer Menge über die Muttermilch bekommt? Und erst anschließend würde ich ihm direkt eine kleine Menge Erdnussmus geben. Oder ist es aus allergologischer Sicht besser bzw. sogar empfehlenswert, direkt mit einer kleinen Menge Erdnussmus zu beginnen, sodass der erste Kontakt unmittelbar über den Mund erfolgt? Mir geht es insbesondere darum, ob der Umweg über die Muttermilch bei einem Kind mit familiärer Erdnussallergie und seiner eigenen Vorgeschichte sinnvoll oder eher unnötig ist bzw. ob dadurch irgendwelche Nachteile entstehen. Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Offenbar besteht bei Ihrem Sohn ein familiär bedingtes erhöhtes Allergierisiko, nicht unbedingt nur gegen Erdnuss, sondern vielleicht auch später gegen Allergene aus Innenräumen oder der Außenluft. Ich empfehle einen Allergie-Bluttest, der gegen Ende des ersten Lebensjahrs (10-12 Monate) schon Sensibilisierungen und Allergie-Risiken aufzeigen kann, also aussagekräftig ist. Getestet werden sollten: IgE Antikörper gegen Kuhmilch, Ei, Soja, Erdnuss. Eventuell Nuss-Mischung. Sollte sich kein positiver Test ergeben, so kann im Rahmen einer normalen Säuglingsernährung auch Erdnuss (Butter etc.) ohne Probleme eingeführt werden. Ob eine frühe Einführung größerer Erdnuss-Mengen möglicherweise präventive Effekte hat, ist derzeit noch Gegenstand klinischer Studien. Experimente mit dem Umweg über die Muttermilch sind durchaus intelligent und originell, ich würde sie in der eigenen Familie aber nicht empfehlen. Gruß, Ulrich Wahn
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