Frage im Expertenforum Allergien, Asthma u. Atemwege an Prof. Dr. med. Ulrich Wahn:

Frage zur ersten Erdnuss-Exposition bei 8,5 Monate altem Säugling

Frage: Frage zur ersten Erdnuss-Exposition bei 8,5 Monate altem Säugling

Violett 466

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Sehr geehrter Herr Prof. Dr. med. Wahn, ich hätte gerne Ihre Einschätzung zur Einführung von Erdnuss bei meinem 8,5 Monate alten Sohn. Bei ihm besteht eine Unverträglichkeit auf Kuhmilcheiweiß; bereits auf kleinste Spuren reagiert er mit Blut im Stuhl. Seine ältere Schwester hat außerdem eine Erdnussallergie. Ich selbst habe deshalb während der gesamten Schwangerschaft und auch bisher während der Stillzeit keine Erdnüsse gegessen. Mit unserem Kinderarzt haben wir bereits besprochen, dass mein Sohn Erdnuss eingeführt bekommen soll. Nun frage ich mich, wie der allererste Kontakt mit Erdnuss bei ihm am sinnvollsten erfolgen sollte: Wäre es sinnvoll, dass ich zunächst selbst eine kleine Menge Erdnuss esse und er das Allergen zunächst in sehr geringer Menge über die Muttermilch bekommt? Und erst anschließend würde ich ihm direkt eine kleine Menge Erdnussmus geben. Oder ist es aus allergologischer Sicht besser bzw. sogar empfehlenswert, direkt mit einer kleinen Menge Erdnussmus zu beginnen, sodass der erste Kontakt unmittelbar über den Mund erfolgt? Mir geht es insbesondere darum, ob der Umweg über die Muttermilch bei einem Kind mit familiärer Erdnussallergie und seiner eigenen Vorgeschichte sinnvoll oder eher unnötig ist bzw. ob dadurch irgendwelche Nachteile entstehen. Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


Prof. Dr. med. Ulrich Wahn

Prof. Dr. med. Ulrich Wahn

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Offenbar besteht bei Ihrem Sohn ein familiär bedingtes erhöhtes Allergierisiko, nicht unbedingt nur gegen Erdnuss, sondern vielleicht auch später gegen Allergene aus Innenräumen oder der Außenluft.  Ich empfehle einen Allergie-Bluttest, der gegen Ende des ersten Lebensjahrs (10-12 Monate)  schon Sensibilisierungen und Allergie-Risiken aufzeigen kann, also aussagekräftig ist. Getestet werden sollten: IgE Antikörper gegen Kuhmilch, Ei, Soja, Erdnuss. Eventuell Nuss-Mischung. Sollte sich kein positiver Test ergeben, so kann im Rahmen einer normalen Säuglingsernährung auch Erdnuss (Butter etc.) ohne Probleme eingeführt werden. Ob eine frühe Einführung größerer Erdnuss-Mengen möglicherweise präventive Effekte hat, ist derzeit noch Gegenstand klinischer Studien. Experimente mit dem Umweg über die Muttermilch sind durchaus intelligent und originell, ich würde sie in der eigenen Familie aber nicht empfehlen. Gruß, Ulrich Wahn


Violett 466

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Vielen lieben Dank für Ihre Antwort. Ich hätte noch eine ergänzende Frage dazu. Bei meinem Sohn wurde bereits im Alter von etwa 3½ Monaten ein spezifischer IgE-Screen auf verschiedene Nahrungsmittel durchgeführt (u. a. Milcheiweiß, Soja, Hühnerei, Weizen und Erdnuss). Der Befund war damals unauffällig (CAP-Klasse 0). Wie bereits beschrieben, treten bei ihm dennoch gelegentlich (1-2 mal im Monat) weiterhin kleine Blutspuren im Stuhl auf, wenn ich vermutlich Spuren von Milchprodukte gegessen habe. Auch bei Soja reagiert er über die Muttermilch. Die Ernährungsberaterin hat uns empfohlen, die direkte Einführung von Kuhmilch beim Kind etwa im Alter von 10–12 Monaten zu versuchen mit der Milchleiter. Dazu würde ich gerne Ihre Einschätzung hören: Würden Sie empfehlen, mit 10 Monaten zunächst wieder Milch über meine eigene Ernährung einzuführen, um zu sehen, wie er darauf reagiert? Oder würden Sie aufgrund der weiterhin gelegentlich auftretenden Blutspuren eher davon abraten und direkt mit der geplanten Einführung beim Kind starten? Außerdem würde mich interessieren, wie Sie den damals negativen IgE-Befund auch im Zusammenhang mit der Einführung von Erdnuss bewerten. Vielen Dank für Ihre Einschätzung.


Prof. Dr. med. Ulrich Wahn

Prof. Dr. med. Ulrich Wahn

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Bei den Nahrungsmittelallergien, die sich im Säuglingsalter aufbauen, ist ein Bluttest mit 3-4 Monaten nicht ausreichend. Mit 9 - 12 Monaten bekommen Sie Hinweise auf eine aktuelle allergische Sensibilisierung, man wird es also leider wiederholen müssen. Bei Allergikern benötigt die Phase der Sensibilisierung oftmals Monate. 2. Die Blutspuren im Stuhl können ein Hinweis auf eine Unverträglichkeit sein, dies ist jedoch keineswegs sicher, da ganz unterschiedliche Auslöser weiter in Frage kommen. Meist liegt eine Allergie nicht vor. 3. Die Einführung von Kuhmilch ist bei negativem Blut-Test vernünftig. Sie als Mutter sollten dabei nicht einbezogen werden, ist doch die Präsentation von Milchallergenen über die Muttermilch zwar möglich, in Ihrem Fall aber nicht hilfreich. Es geht allein um Verträglichkeit in der "realen Welt". Gruß, Ulrich Wahn


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