Elternforum Rund ums Kleinkind

Suche Erfahrungen von Eltern von Kindern mit Autismus - Achtung lang

Anzeige Mittelohrentzündung
Suche Erfahrungen von Eltern von Kindern mit Autismus - Achtung lang

wundermama_22

Beitrag melden

Hallo Zusammen! Nun steht fest: Unser fast 5-jähriger Sohn befindet sich im autistischen Spektrum. Die Diagnose wurde Ende März gestellt. Für uns kam das nicht ganz überraschend, da wir es bereits vermutet hatten. Aktuell bekommt unser Sohn Frühförderung in der Kita sowie Logopädie, und perspektivisch wird noch eine spezifische Therapie hinzukommen. Im Moment beschäftigt mich vor allem das Thema Schule, auch wenn es eigentlich noch etwas Zeit hat (er wird nächstes Jahr im September eingeschult). Deshalb würde ich mich sehr über Erfahrungen von Eltern freuen, deren Kinder eine ähnliche Diagnose haben. Wir hatten weitere Termine im SPZ – einmal bei einem Kinderarzt und einmal bei der Psychologin, die die Diagnose gestellt hat. Die Einschätzungen waren teilweise so unterschiedlich, was mich etwas verunsichert hat. Der Kinderarzt hat sich viel Zeit genommen, einen guten Zugang zu unserem Sohn gefunden und meinte, dass standardisierte Tests bei ihm nur begrenzt aussagekräftig sind. Er hat den Eindruck, dass unser Sohn möglicherweise mehr Potenzial hat, als die Testergebnisse zeigen, und dass man individuell schauen sollte, wie man ihn am besten unterstützt. Die Psychologin hat sich stärker auf die bisherigen Testergebnisse gestützt und die Meinung des KiAs hat sie 0 interessiert. Außerdem hat sie im Gespräch mehrfach betont, dass sie unseren Sohn eher auf einer Förderschule sieht, vor allem wegen seiner aktuellen Schwierigkeiten in der Kommunikation (er spricht eher undeutlich und kann SmallTalks nicht führen, aber mit uns redet er wie ein Wasserfall) . Gleichzeitig bekommt er ja bereits gezielte Unterstützung durch Therapien (erst aber jetzt angefangen), sodass wir hoffen, dass sich dieser Bereich weiterentwickelt. Wir selbst würden uns aktuell eher eine Beschulung an einer Regelschule mit Schulbegleitung vorstellen. In unserem Ort gibt es auch eine Schule, die Erfahrung mit Kindern im Spektrum hat und bei der eine Schulbegleitung möglich wäre. Das hat sie komplett verneint Vielleicht noch als Kontext: Die Gespräche verliefen auch zeitlich sehr unterschiedlich – der Termin beim Kinderarzt dauerte fast zwei Stunden, während der Termin bei der Psychologin deutlich kürzer war, genauso hat der KiA bereits über 25 Jahre Erfahrung, die Psychologin - hat selber mir gesagt - hat nur paar Jahren.  Diese verschiedenen Eindrücke haben bei uns einige Fragen offen gelassen und beschäftigt mich einfach sehr. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wir überlegen tatsächlich ihn vielleicht ein weiteres Jahr in der Kita zu lassen. 


Mijou

Beitrag melden

Antwort auf Beitrag von wundermama_22

Hallo, hm, es eignet sich ja weder der Kinderarzt noch eine Kinderpsychologin dazu, eine Autismusspektrumsstörung zu diagnostizieren. Und ob das regionale SPZ das kann, hängt davon ab, wie groß es ist und ob dort wirklich auch ein Experte für diese Art der Störung arbeitet, was nicht immer der Fall ist. Die Diagnose wird nie in nur einem Termin gestellt, sondern in mehreren. Und nicht von einem Psychologen, sondern von einem Psychiater (= Arzt), der sich darauf spezialisiert hat. Solche Leute arbeiten in Kinder- und Jugendpsychiatrischen Ambulanzen mancher Kliniken sowie in speziellen Autismus-Zentren. Ich muss daher ganz ehrlich sagen, wenn es ums eigene Kind und dessen schulische Zukunft geht, würde mir das, was du von der Diagnosestellung berichtest, nicht ausreichen. Ich würde notfalls ruhig auch weit fahren, um mein Kind in einer echten Fachambulanz vorzustellen. Zum Thema Regel- oder Förderschule. Ich bin Lehrerin und kann hier vielleicht ein paar Denkanstöße geben. Trotzdem hängt es natürlich zuerst von der richtigen Diagnose ab, ob man dieses Thema überhaupt schon diskutieren sollte. Eine Schulbegleitung ist natürlich grundsätzlich prima. Ich habe selbst erlebt, wie gut Kinder sich mit eigener Begleitung oft entwickeln. Aber es ist schwierig, so etwas noch für mehrere Jahre zu bekommen. Denn es gibt hier zum einen einen riesigen Personalmangel. Vor allem aber plant die Regierung ja aus Kostengründen eine Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Die individuelle Schulbegleitung soll künftig nicht mehr finanziert werden, und es gibt dann auch keinen Rechtsanspruch mehr darauf. Es soll nur noch eine Begleitung für mehrere Kinder zuständig sein (Pool-Lösung). Und auch die muss man erstmal kriegen, weil es zu wenige gibt. Die normale "Inklusion" an der Regelschule (ohne Schulbegleitung) ist nicht zu empfehlen, ich persönlich sehe im Alltag, wie sie tagtäglich scheitert. Man kann als Lehrerin von der Zeit her nicht auf den Bedarf eines einzelnen Kindes eingehen. Es gibt heute in jeder Klasse meist gleich mehrere verhaltensauffällige Kinder, dazu kommen Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie, mit ADHS und weiteren Problemen. Schon das ist kaum zu leisten, denn wenn ich mich neben so ein Kind hocke, um ihm bei einer Aufgabe etwas länger zu helfen, wird die Klasse sofort laut und fällt mir auseinander.  Noch dazu sind wir Kollegen für Inklusionskinder nicht ausreichend bzw. oft sogar gar nicht ausgebildet worden. So etwas ist aber nur mit sehr guter Fortbildung plus zwei Lehrkräften im Raum zu leisten, wie es z.B. in Norwegen gehandhabt wird – beides haben wir in Deutschland nicht. Ich muss ganz klar sagen, viele Inklusionskinder kommen wirklich sehr zu kurz und würden auf einer Förderschule (die einen viel besseren Personalschlüssel hat), deutlich besser gesehen und gefördert. Leider wurden viele Förderschulen voreilig geschlossen. Ich kenne deinen Sohn nicht und kann daher nicht einschätzen, wie viel Förderbedarf er wirklich hat. Ich persönlich würde an eurer Stelle noch mal in ein Autismus-Zentrum gehen, denn eure Psychologin mit ihrer mangelnden Erfahrung (und dem falschen Beruf für eine solche Diagnostik) überzeugt mich überhaupt nicht. Und in so einem Zentrum, wo man dein Kind bei mehreren Terminen kennenlernt und einschätzt, würde ich auch besprechen, wie es mit der Beschulung aussehen könnte. Wenn dein Sohn tatsächlich einen recht hohen Förderbedarf haben sollte, würde ich vorab klären, ob er zuverlässig und sicher eine Begleitung bekommen und wie der zeitliche Rahmen dafür aussehen würde. Ob man euch also eine mehrjährige Begleitung (diese ist oft bis ins 3. Schuljahr oder länger nötig) zusagen kann. Auf keinen Fall würde ich ihn "allein" in die Regelschule schicken und mich auf die nicht wirklich funktionierende Inklusion verlassen. Liebe Grüße