Geheimnisse des Lebens Lesen Sie hier, was Mütter und Großmütter aller Kulturen uns über Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt überliefert und hinterlassen haben. Empfängnis Traditionellen Kulturen glauben, dass Frauen durch die Natur schwanger werden. Wenn eine junge Frau zufällig ein Stein oder Fels berührt, huschet ein Kindlein in sie hinein. Manchmal braucht die zukünftige Mutter nur ein Fröschlein oder ein Häschen zu Gesicht bekommen, aus Versehen eine Mücke schlucken oder ein Fisch essen. Auch beim Baden oder Wasserschöpfen kann sie ein Kind empfangen. Denn Wasserstellen galten im archaischen Denken als das Geschlecht der großen Göttin, der Urmutter. Nach der norddeutschen Sage bringt der Storch Adebar durch den Schornstein die Kinder. Er hat sie vorher aus den Sümpfen gefischt. Auch hieß es, dass ein Mädchen, das sich unter einem Obstbaum ausruht, bald Mutter wird. Schwangerschaft Es heisst, dass in der frühen Schwangerschaft die Kinderseele leicht den Bauch verlassen und die Mutter umschweben kann. Dabei geht sie richtig auf Abendteuer. Die kleine Seele tanzt mit Schmetterlingen, spielt mit Vögeln und freut sich an Blumen. Und wenn die Mutter erschrickt, dann huscht sie schnell wieder in den warmen Bauch zurück. Es ist dieses Umschweben, das den werdenden Müttern ihre strahlende Anmut verleiht. Wer hat noch nie bemerkt, wie gerne Schmetterlinge schwangere Frauen umflattern? Oder Vögel nahe herbeikommen? Geburt Früher rief man zur Geburt die Nachtfrau, die oft die eigene Großmutter war. Sie öffnete Türen und Kästen, löste Schuh- und Schürzenbänder und knotete Seile und Stricke auf, damit sich das Kindlein nicht an der Schwelle verstrickt oder steckenbleibt. Wenn das Kind falsch lag, drückte und massierte sie den Bauch, bis die Lage richtig war. Auch wenn der Vater bei der Geburt nicht anwesend war, so war er doch ganz einbezogen, denn er schickte der Frau viel Kraft und Energie. Heute noch liegen die Amazonasindianer tagelang nach der Geburt erschöpft in der Hängematte. Nach der Geburt Nach der Geburt umschritt die Hebamme dreimal das Baby und beschaute es. War es gesund, so hob sie es auf. Das Wort Hebamme stammt aus dem althochdeutschen Hevanna, was soviel wie Hebe-Ahnin bedeutet. Danach badete sie es und setzte es auf den Schoss des Vaters. Dieser nannte das Kind beim richtigen Namen, den er meistens zuvor schon geträumt hatte. Die Hebamme bekam als Dank Eier, Mehl, Flachs und andere nützliche oder symbolträchtige Gaben. Bei einigen afrikanischen Völkern pflanzt der Vater die Nabelschnur des Neugeborenen zusammen mit einem Baumsteckling hinter dem Haus. Das Bäumchen wird besonders liebevoll gepflegt und bleibt für immer mit dem Kind verbunden. Auch in Europa gibt es immer noch solche Bräuche. Bei Hausgeburten wird oft noch das vom Blut rosa gefärbtes Badewasser unter den Rosenstock geschüttet. Damit das Kind rote Backen bekommt. Vielerorts wird noch immer ein Geburtsbaum - eine Linde, Eiche, Apfel-, oder Birnbaum - gesetzt. Goethes Großvater pflanzte zum Beispiel einen Birnbaum bei der Geburt des kleinen Wolfgang.