Mitglied inaktiv
Hallo Ihr! Der Grund dafür, dass ich dieses Thema anschneide, ist das ich in einer für mich schwierigen Situation stecke. Ich arbeite im Moment auf einer Gynäkologischen Station, wo eben genau diese "Fälle" behandelt werden. Ich selber bin noch nicht so abgestumpft und werde es auch hoffentlich nie sein, wie der Rest der Schwestern. Mir geht da die Geschichte jeder einzelnen, die das durchmacht sehr nahe (auch, weil ich selbst fleißig übe und es nicht so Recht klappt. Meine Frage: Wie begegne ich den Frauen am besten? Schweigen, ansprechen, abwarten, so tun, als wären sie einfache "Kranke"(wir haben natürlich auch Brust Op´s etc.)? Ich möchte ihnen nicht zusätzlich weh tun und deshalb interessiert mich die Meinung von Betroffenen! Was für eine Behandlung und Betreuung habt Ihr erlebt, was habt Ihr vermisst, was war gut? Vielen Dank für Eure Antworten!
Hallo Vreni, ich finde es gut, daß Du Dich dafür interessierst. Also ich hatte eine FG in der 9. ssw. Es war unendlich schwer für mich, da ich das Kind sehr wollte. Ich lag bei der Ausschabung mit etlichen Abtreibungen zusammen. Fand ich so furchbar. ich hätte alle umbringen können, die so was tun (obwohl sie vielleicht alle ihre Gründe haben). Es kam eine nach der anderen dran, wie auf nem Fließband....schrecklich. Also schön fände ichs, wenn man mehr auf sollche Frauen eingehen würde, also nicht blöd rumquatschen oder so, aber vielleicht ein Händedruck, der die Anteilnahme spüren läßt, oder ein aufmunterndes Wort, wenn man losweint.... Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Glück beim Üben.... Wendi
Ein Patentrezept, wie man als Schwester damit umgehen sollte, gibt's sicher nicht. Manche Frauen sprechen nicht gern über die Sache, manche wünschen es sich aber vielleicht. Ich selbst hatte eine Ausschabung nach einer FG und fand es schade, dass die Schwester mich absolut neutral behandelt hat, jedesmal ruckzuck wieder draußen war und überhaupt nicht auf das Thema eingegangen ist. Ich hätte mir zwar keine großartige Aussprache gewünscht (dafür sind eher der Partner, die Freunde und Verwandten da, finde ich). Aber ein bissel mehr Herzlichkeit und die Frage, wie man mit der Sache zurecht kommt und ob man sich traurig fühlt, hätte mich gefreut. Wenn Du diese Fragen stellen würdest, wäre das prima. Du merkst dann ja schnell, ob die Frau darüber reden möchte mit Dir, oder nicht. Ich finde es gut, dass Du mit soviel Herz bei Deinem Beruf bist! Astrid
Hallo Vreni Es freut mich sehr, dass Du Dir als Krankenschwester Gedanken machst. Vor 2 1/2 Jahren war ich schwanger. Mitte der 17. SSW hat meine FÄ auf dem Ultraschall erkannt, dass mein kleines Mädchen an Anenzephalie leidet. Ich nehme an, Du weisst was das bedeutet. Das Kind hat absolut keine Ueberlebenschance ausserhalb des Mutterleibes. Alles sonst war o.k. Das keine Herzchen schlug und ich spürte auch bereits Kindsbewegungen. (War damals meine 2. Schwangersch.). Bis ich alle Papiere zusammen hatte, genetische Abklärungen hinter mir etc. dauerte es nochmals 5 Tage bis die SS unterbrochen wurde. Da war ich also bereits Mitte der 18. SSW. In dieser Zeit hiess es Abschied nehmen von meinem ungeborenen Kind. Es waren sehr traurige, belastende Tage. In der Klinik angekommen, wurden sogleich die entsprechenden Mittel verabreicht. Es dauerte eine Nacht und einen Tag, bis mein kleines Mädchen schlussendlich tot auf die Welt kam. Es war eine richtige Geburt mit Wehen. Diese "Wartezeit" empfand ich unglaublich belastend. Ich war die meiste Zeit alleine in meinem Zimmer. Die Schwestern kamen nur, wenns nötig war. Sie waren sehr freundlich und redeten belanglos mit mir. Ich war wie zu- geschnürt. Unfähig, über meinen inneren, riesengrossen Druck, meine Trauer und Ohnmacht zu sprechen. So redete ich eben genauso belanglos oder gar nicht. Hätte mich jemand mal gefragt, wie es mir (wirklich) geht. Ich glaube, ich hätte da schon viel von meiner Trauerarbeit leisten können. Ich kann Dir nur raten, versuch mit den Frauen zu sprechen. Viele sind einfach unfähig, sich von sich aus zu äussern. Ich hätte dies damals so sehr gebraucht..... Liebe Grüsse und viel Kraft in Deinem Beruf Hera
Ich finde Deine Einstellung super! Bitte wende Dich doch mal an das Hauptforum www.Schmetterlingskinder.de. Dort tauschen sich betroffene Frauen aus. Du kannst dort Deine Frage nochmal stellen. Die Frauen dort werden Dir sicher gerne antworten, da sie alle froh sind, sagen zu dürfen, wie sie möchten, daß man mit Ihnen umgeht bzw. wie sie sich gewünscht hätten, daß man während dieser schrecklichen Stunden mit ihnen umgeht. Dieses Tabu soll endlich gebrochen werden. Viel Grüße Kerstin
Hallo Vreni! Zuerst einmal muß ich Dir sagen, daß ich es schön finde, daß Du Dir darüber Gedanken machst. Das ist der erste Schritt. Ich selbst habe vor drei Jahren unsere Zwillinge in der 24. SSW durch einen vorzeitigen Blasensprung mit anschließender Infektion verloren. Ich lag von Freitag bis Montag morgen im KH. Die Ärzte haben versucht, die SS mit Partusisten intravenös zu halten. In der Zeit lag ich auf der Entbindungsstation, hatte aber ein Einzelzimmer. Sonntag morgen wurden die Wehen eingeleitet, und nachmittags kamen unsere Söhne tot auf die Welt. Danach kam ich auf die Gyn und bin am nächsten Morgen entlassen worden. Ich hätte mir in der Zeit mehr Verständnis erhofft, in der ich die wehenhemmenden Mittel bekam. Ich habe sie sehr schlecht vertragen und hatte höllische Angst. Ich mußte mich noch von einer Hebamme anfahren lassen, daß ich das aushalten müßte, schließlich wollte ich ja, daß meine Kinder leben!Auch konnte ich mit keinem über meine Ängste reden. Es war alles so medizinisch. Bei der Geburt hatte ich dann eine sehr nette Hebamme, die selbst schon ein Kind verloren hatte. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, daß mein Mann die ganze Zeit hätte bei mir bleiben können. Vor allem nachts habe ich mich verdammt einsam gefühlt. Ich habe dann mitbekommen, daß es die Möglichkeit gab, aber keiner hat mich gefragt. Ich wollte darüber reden, aber es war nur eine Schwester da, sich die Zeit genommen hat. Der Rest hat mich mehr oder weniger versorgt. Die erste Nacht mußte ich mit Dauer-CTG im Kreißsaal verbringen, und als Krönung habe ich am morgen kein Frühstück bekommen. Als ich endlich eins hatte, habe ich Bohnenkaffee bekommen. Und das mit Partusisten! Was mich wohl am meisten geärgert und verletzt hat, ist diese Gedankenlosigkeit! Sorry, ich glaube, ich habe mich jetzt auch ein wenig ausgek....! Aber vielleicht hilft es Dir ein wenig im Umgang mit Müttern. Rede mit Ihnen! Viele Grüße, Sandra
Hi Vreni! Ich arbeite auch auf einer Gynäkologischen Station und habe das gleiche Problem wie Du. Ich muß aber dazu sagen, das es allen Kollegen so geht und auch vielen Ärzten. Wir versuchen soweit es die Eltern möchten, mit ihnen zu reden und bieten auch Hilfe in Selbsthilfegruppen z.B. Glücklose Schwangerschaft e.v. an. Außerdem haben wir auch eine ganz tolle Sozialarbeiterin die mit den Eltern sehr hifreiche Gespräche führt. Ich habe selber mein erstes Kind in der 7 SSW verloren und habe jetzt einen Sohn von 17 Monaten. Ich gebe den Eltern einfach das Signal das sie mit mir reden können wenn sie möchten! Ich wünsche Dir und allen anderen hier im Forum das sie bald schwanger werden und sich ihr Traum endlich erfüllt!!! LG von Helke
Hallo Helke! Bei uns habe ich das gefühl, das es die Schwestern kaum interessiert, warum die Frauenb da sind, oder welches Schicksal dahintersteckt. Die sind durch die Arbeit in diesem Gebiet so hart geworden und lassen nichts mehr an sich ran, dass ich das schon erschreckend finde. Mich nimmt die Thematik einfach unheimlich mit und deshalb bin ich froh, wenn dert Einsatz vorbei ist. Auch von Selbsthilfegruppen haben die Frauen, die bei uns lagen nichts erzählt gekriegt und wenn überhaupt, dann vom Priester und nicht von uns(das ist zumindest der Eindruck, den ich bekommen habe! Dir auch ganz vielen Dank! Dein Posting zeigt, dass es auch andere Stationen gibt, die nicht nur beim "gesund" werden des Körpers helfen. VG Vreni