Ich möchte meine Erfahrungen teilen in der Hoffnung, so viele Frauen wir möglich zu erreichen und zu informieren, denn leider werden den betroffenen Frauen ihre Möglichkeiten meistens verschwiegen. Leider habe ich am 20.03.26, am Ende der 18. Schwangerschaftswoche, bei einem Kontrollbesuch von meiner Gynäkologin erfahren, dass die Herzchen meiner Zwillinge aufgehört haben, zu schlagen. Ich war am Boden zerstört und wurde sofort ins Krankenhaus geschickt ohne zu wissen, was mich dort erwartet: man wollte die Geburt einleiten. Ich war völlig schockiert und habe mich geweigert. Mir wurde gesagt, dass es alternativlos sei, für die Trauerverarbeitung das beste und für meinen Körper am schonendsten. Ein Kaiserschnitt käme nicht in Frage, da es eine zu große Op wäre. Ich habe mich bevormundet gefühlt und bin erstmal über das Wochenende nach Hause gegangen, um im Internet nach Alternativen zu recherchieren. In Holland (und wie ich später herausfand, auch in Berlin) ist eine operative Entfernung unter Vollnarkose (D&E – Dilatation und Evakuation) bis mindestens zum Ende der 22. Schwangerschaftswoche möglich, ohne, dass es Schnitte oder Verletzungen gibt. Als ich montags die Ärzte um Informationen über den Eingriff bat, wurde mir gesagt, dass es unmoralisch sei, da die Kinder nicht im Ganzen herausgeholt werden. Außerdem würde der Muttermund gewaltsam aufgebrochen werden, was zu erheblichen Verletzungen führen würde, dass ich danach Schwierigkeiten haben könnte, wieder schwanger zu werden und dass ich zudem anschließend ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko haben würde. Die stille Geburt wäre durch die großzügige Verabreichung von Schmerzmitteln angeblich schmerzfrei. Ich wurde nicht nur massiv unter Druck gesetzt und mir wurde Angst gemacht, um mich zur Einleitung der Geburt zu drängen, sondern all diese Aussagen entsprechen nicht der Wahrheit. Ich habe mich weiterhin geweigert und mich trotzdem für den Eingriff entschieden. In der Klinik in Holland bekam ich sehr kurzfristig einen Termin. Insgesamt war ich ca. 5-6 Stunden dort. Ich bekam nach einem Gespräch und einer Ultraschalluntersuchung ein Medikament, das den Muttermund weich macht und keine Schmerzen verursacht hat. Nach einer Stunde bekam ich eine 20-minütige Vollnarkose und konnte eine weitere Stunde danach, nachdem ich etwas zu essen bekommen hatte, die Klinik verlassen. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schmerzen oder sonstige Nebenwirkungen. Die Mitarbeiterinnen der Klinik waren allesamt sehr einfühlsam. Der Eingriff ist in Holland Routine, risikoarm und nachweislich schonender für den Körper als eine stille Geburt, die häufig mehrere Tage dauert, da der Körper noch nicht bereit dazu ist, schmerzhaft ist und zudem anschließend oft noch eine Ausschabung unter Vollnarkose durchgeführt werden muss, da Gewebereste zurückbleiben. Mir ging es sofort besser und ich bin sehr froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Meine Krankenkasse hat die Kosten für den Eingriff, bis auf 50€ Bearbeitungsgebühr, vollumfänglich übernommen. Ich hatte damit argumentiert, dass eine stille Geburt traumatisch für mich wäre und zudem mit erheblich höheren Kosten verbunden ist. Ich habe mich mit verschiedenen Beratungsstellen in Verbindung gesetzt und habe bei verschiedenen Trauergruppen mit anderen betroffenen Frauen gesprochen, die allesamt nichts von dem Eingriff wussten, da er verschwiegen wird. Es gibt eine erhebliche Anzahl an Frauen, die unter den Folgen einer stillen Geburt leiden und die sich für den Eingriff entschieden hätten, wenn sie davon gewusst hätten. In den Ländern, in denen die D&E routinemäßig angeboten wird (wie in Holland oder den USA), entscheiden sich nachweislich die meisten Frauen dafür. Deshalb möchte mich dafür einsetzen, dass Frauen besser über ihre Möglichkeiten aufgeklärt werden, nicht bevormundet werden und selbst entscheiden dürfen, welchen Weg sie gehen und wie sie ihre Trauer verarbeiten möchten, denn nicht jede Frau verarbeitet Trauer gleich. Frauen sollten ein Mitspracherecht über ihren Körper bekommen. Ein Kaiserschnitt sollte zu einem späteren Zeitpunkt nicht komplett verwehrt werden (wird er zum Glück nicht überall), auch, wenn die Risiken hierbei höher sind, als bei einer stillen Geburt. Nach entsprechender Aufklärung sollte jede Frau selbst entscheiden dürfen, ob sie bereit ist, die höheren Risiken auf sich zu nehmen. Schließlich werden bei Schönheitsoperationen ja auch unnötige Risiken in Kauf genommen, ohne, dass dies verweigert wird. Ich wünsche allen Frauen, die das gerade durchmachen müssen, von Herzen viel Kraft. Bitte bleibt in euren Kommentaren friedlich und respektiert jeden Weg. Herzliche Grüße