Hallo liebe Community, geht es noch jemandem nach dem zweiten Kind so oder bin ich einfach komplett ungeeignet für zwei Kinder? Meine Tochter ist jetzt 6 Wochen alt und ich habe aktuell das Gefühl, komplett unterzugehen. Ich liebe beide Kinder wirklich über alles, aber ich empfinde seit Wochen kaum Freude, sondern eigentlich fast nur noch Stress, Reizüberflutung, Schuldgefühle und Überforderung. Mein großer Sohn ist 2,5 Jahre alt und seit der Geburt seiner Schwester wie ausgewechselt. Er ist deutlich lauter geworden, überdrehter, hat viele Wutanfälle, provoziert viel, beißt wieder, ist extrem anhänglich und gleichzeitig oft kaum regulierbar. Gleichzeitig verstehe ich ihn total. Sein ganzes Leben hat sich verändert. Vorher hatte er mich praktisch für sich alleine und plötzlich hängt ständig ein Baby an Mama. Und trotz allem liebt er seine Schwester wirklich sehr. Er küsst sie, schaut nach ihr, möchte bei ihr sein und ist oft erstaunlich geduldig mit ihr. Gerade deshalb zerreißt mich die Situation emotional oft so sehr, weil ich merke, dass er eigentlich einfach selbst kämpft. Mein Mann kann sich zwar jederzeit auch mal zurückziehen und seinem Hobby, dem Zocken, nachgehen, was ich ihm grundsätzlich auch gönne. Gleichzeitig bleibt aber im Alltag trotzdem sehr viel an mir hängen. Natürlich spielt er mit unserem Sohn oder übernimmt Dinge, aber oft habe ich das Gefühl, dass die Hauptverantwortung dauerhaft bei mir bleibt und ich selbst nie wirklich abschalten kann. Wir hatten darüber schon oft Gespräche und dann wird es kurzfristig besser, aber irgendwann rutschen wir wieder in alte Muster zurück. Gleichzeitig habe ich ihm gegenüber oft ein schlechtes Gewissen, weil er Vollzeit arbeitet und ich ihm seine Freiräume eigentlich auch lassen möchte. Aber der Alltag ist momentan einfach trotzdem unglaublich schwer. Ich habe oft das Gefühl, dass ich morgens schon aufwache und mein Nervensystem sofort auf Alarm geht. Selbst Kleinigkeiten eskalieren momentan innerlich sofort bei mir. Ich merke generell, dass mich aktuell ALLES überfordert. Irgendetwas klappt nicht, jemand diskutiert mit mir oder beide Kinder brauchen gleichzeitig etwas und mein Körper reagiert sofort mit Stress. Ich habe das Gefühl, dauerhaft unter Strom zu stehen. Gleichzeitig hängt die Kleine gefühlt 24/7 an meiner Brust. Sie schreit abends zum Glück gar nicht so extrem viel, möchte aber dauerhaft stillen und dockt ständig an und ab. Zusätzlich pumpe ich noch ab, weil ihr Gewicht anfangs und teilweise auch jetzt noch nicht optimal ist. Parallel dazu läuft der komplette Alltag natürlich trotzdem weiter: Krippe, Termine, Haushalt, Essen planen, kochen, aufräumen, Katzen versorgen usw. Mein Mann hatte die ersten zwei Wochen nach der Geburt Urlaub und hat sich da wirklich viel um unseren Sohn gekümmert. Auch jetzt spielt er viel mit ihm und übernimmt am Wochenende oft die Mittagsrunde mit dem Auto, damit der Große schlafen kann. Trotzdem bleibt im Alltag gefühlt wahnsinnig viel an mir hängen und ich merke auch, wie schwer es mir fällt, wirklich Verantwortung abzugeben. In der Anfangszeit hat mein Mann unseren Sohn abends komplett übernommen und ins Bett gebracht. Mittlerweile verschiebt sich das aber irgendwie still und heimlich wieder mehr zurück zu mir, auch weil unser Sohn oft wieder unbedingt Mama möchte. Gleichzeitig hängt die Kleine abends dauerhaft an mir und ich habe oft das Gefühl, zwischen beiden Kindern zerrieben zu werden. Wenn ich mit beiden Kindern im Schlafzimmer sitze, eskaliert es oft komplett. Die Kleine möchte stillen, mein Sohn wird wild oder laut oder möchte Aufmerksamkeit und ich merke richtig, wie ich innerlich irgendwann einfach nicht mehr kann. Danach fühle ich mich oft wie die schlimmste Mutter überhaupt. Dazu kommt leider noch, dass ich nach meinem ersten Kind eine Wochenbettdepression hatte und deshalb aktuell auch wieder therapeutisch angebunden bin. Vielleicht beobachte ich mich deshalb auch so extrem kritisch, aber ich habe ständig Angst, wieder in etwas hineinzurutschen. Vor allem abends wird es oft schlimm. Sobald Ruhe einkehrt, fange ich an zu grübeln und mich zu fragen, ob wir überhaupt ein zweites Kind hätten bekommen sollen. Und dieser Gedanke macht mir unglaubliche Schuldgefühle. Nicht weil ich meine Tochter nicht liebe — ich liebe sie wirklich sehr. Aber ich habe oft das Gefühl, dass ich meinem Sohn nicht mehr gerecht werde und gleichzeitig auch mich selbst komplett verliere. Ich wollte immer eine geduldige, liebevolle Mama sein, ein sicherer Hafen. Stattdessen habe ich aktuell oft das Gefühl, nur noch zu ermahnen, zu korrigieren, gereizt zu sein oder einfach nur funktionieren zu müssen. Gleichzeitig weiß ich eigentlich, dass mein Sohn gerade selbst unglaublich kämpft und mich wahrscheinlich besonders braucht. Ich empfinde kaum noch Leichtigkeit. Ich rede gefühlt den ganzen Tag nur noch in Rollenspielen, beim Einkaufen oder in der Krippe mit anderen Menschen und ansonsten existiere ich eigentlich nur noch für Bedürfnisse anderer. Und das Schlimmste: Ich habe ständig Angst, dass mein Sohn sich irgendwann ungeliebt oder verdrängt fühlt, obwohl ich wirklich alles versuche, ihm Aufmerksamkeit und Nähe zu geben. Bitte ehrlich: Wird das irgendwann wieder leichter? War euer erstes Geschwisterkind auch so extrem in der Umstellung? Und ging es jemandem psychisch nach dem zweiten Kind ähnlich? Ich glaube, ich brauche gerade einfach das Gefühl, mit all diesen Gedanken und Gefühlen nicht alleine zu sein.