Nurmalsoeben
Nachdem der Thread unten wieder so ausgeartet ist, aber u. a. Begriffe wie "Probleme lösen" und "Entmenschlichung" fielen, würde mich interessieren, wie ihr nicht virtuell, sondern konkret mit folgender (fiktiver) Situation umgehen würdet: Auf einer kleinen lokalen Plattform (kann jetzt alles sein, Stadtteilforum auf Facebook, Leserbrief im Dorf- oder Stadtteilblättchen, lokale Telegram- oder WhatsApp-Gruppe o.ä.) erscheint ein Hilferuf eines homosexuellen Paars, das regelmäßig von einem anderen, heterosexuellen Paar in der Öffentlichkeit angepöbelt wird. Es fallen beleidigende Begriffe, und das Ehepaar (das ihr nicht persönlich kennt, das aber in eurer Nachbarschaft lebt) fühlt sich in der Situation bedroht. Nicht so sehr wegen der Wortwahl oder der Lautstärke, sondern wegen dem aggressiven Gebaren der Personen. Es handelt sich um einen öffentlichen Ort, das kann ein Dorfplatz, eine belebte Straße oder ein bestimmtes öffentliches Verkehrsmittel sein. Das pöbelnde Paar erkennen nach der Beschreibung einige in der Gruppe wieder, weil es regelmäßig durch Geschimpfe auffällt. Was würdet ihr auf diesen Hilferuf online antworten? Und (was ich noch interessanter finde) wie würdet ihr euch verhalten, wenn ihr so eine Situation live in eurem Wohnumfeld miterlebt? a.) Lieber schnell vorbeigehen, weil ihr Angst habt, dass es eskaliert b.) Etwa Deeskalierendes sagen, um den Betroffenen den Rücken zu stärken c.) Die Polizei verständigen, wenn ihr eine konkrete Beschimpfung mitbekommt d.) Sonstiges, nämlich...
Tatsächlich käme es für mich ganz persönlich darauf an, wer der Pöbler ist. PUNKT. Für mich ist leider Zivilcourage nicht mehr vorbehaltlos möglich, das mag auch daran liegen, dass ich in einer Großstadt wohne. Ist es zB ein deutsches Pärchen aus der Nachbarschaft, die dafür bekannt sind, dass sie sich verbal daneben benehmen, klassische Spinner eben, dann würde ich ein paar Worte dazu sagen. ( " Sie vergreifen sich hier ganz schön im Ton, Sie sollten überdenken, wie Sie anderen Menschen entgegentreten" so in der Art ). Bei strafrechtlich relevanten Aussagen würde ich durchaus auch die Polizei rufen. ABER: wäre das pöbelnde Pärchen aus anderer Kultur, müsste ich befürchten, dass er ein Messer dabei hat, oder viele Cousins mit Messern hat, oder minderjährige Familienmitglieder, die mir am Auto die Spiegel abtreten, DANN: sry müsste das Homosexuelle Pärchen leider alleine zurecht kommen. Bei Nachbarkeitsstreitigkeiten würde ich mich nicht einmischen. Ich gehe jedoch immer dazwischen, wenn Kinder betroffen sind. Hab mal ein Mädchen "gerettet" die von einem Teen immer wieder mit Schnee beworfen wurde, in die Jacke, in die Kapuze, mitten ins Gesicht, sie weinte schon - da bin ich dazwischen. Oder als letztens eine Kassiererin in meinem Supermarkt böse angepöbelt wurde. Bei sowas eben, da beziehe ich schon Position.
Hallo, zu allererst muss man natürlich sagen, dass das betroffene Paar zur Polizei gehen und Anzeige erstatten sollte. Beleidigung, Belästigung, Nötigung, üble Nachrede – es gibt da verschiedene Optionen je nach genauer Situation, die die Beamten einem dort auch erklären. Wenn ich selbst so eine Szene mitbekomme, gehe ich hin, spreche das homosexuelle Paar an und sage, dass ich mich als Zeugin zur Verfügung stelle, wenn sie das Pöbelpaar anzeigen möchten. Das Pöbelpaar würde ich ignorieren, mit solchen Menschen unterhalte ich mich nicht und gehe auch nicht auf irgendetwas ein, das sie sagen. Mich würde jetzt interessieren: Was ist die Motivation deines Szenarios? Schreibst du eine Haus- oder Facharbeit über Zivilcourage? Ist die Situation fiktiv? Oder gehörst du selbst zu dieser Nachbarschaft und möchtest dem betroffenen Paar gern helfen? Wenn du anderen solche persönlichen Fragen stellst, solltest du dich selbst bitte auch ehrlich outen und nicht herumeiern, gell. 😉 LG