Trennung vom Partner Trennung vom Partner
Geschrieben von Bonnie am 03.06.2017, 18:04 Uhrzurück

Unterschied außen und innen...

Ich kann Deine Lage sehr gut nachvollziehen. Aber ich glaube, der Kontaktabbruch ist für Dich schwer zu verkraften und in Deinem Fall vielleicht nicht die heilsamste Lösung.

Es gibt immer eine Verbindung zur eigenen Mutter, auf irgendeine Weise. Du hast zwar die äußere Verbindung fast gekappt, aber die innere längst nicht. Und wahrscheinlich funktioniert das für Dich auch nicht wirklich. Es gibt sicher Menschen, für die es die letzt Rettung und richtig ist, den Kontakt abzubrechen. Aber ich glaube, Du gehörst nicht zu ihnen.

Ich würde einen vielleicht ganz anderen Weg probieren als bisher. Du bist heute nicht mehr das bedürftige Kind, das Du früher warst und das die Mutter gebraucht hätte. Du bist eine starke erwachsene Frau. Versuche doch mal, ob Du Deine Mutter auf neue Wese, ohne jedes Bedürfnis, und auch ohne Groll anschauen kannst.

Wenn Du dann wirklich hinsiehst, erkennst Du vielleicht die kranke, gescheiterte und verlorene Frau, die sie ist. Die keine echte Freude kennt, und sich keine Hilfe suchen kann, weil sie gar nicht glaubt, dass sie es wert ist, dass es ihr besser geht. Und weil sie sich schämt, ihre Alkoholsucht einzugestehen. Auch vor sich selbst. Die stolz auf ihre Enkel ist, auch wenn sie sie nicht kennt.

Ich meine damit nicht, dass Du Mitleid haben sollst! Das musst Du nicht. Sieh einfach zum ersten Mal nicht von trauriger, gekränkter Warte aus auf sie, sondern von erwachsener, souveräner Warte aus. Wenn Du ihr Elend wirklich sehen kannst, brauchst Du nicht mehr aus Angst vor Deinem eigenen Kindheits-Schmerz den Kontakt mit ihr zu meiden!

Wenn Du Dich dagegen mit innerer Härte von Deiner Mutter abzuschneiden versuchst, fügst Du Dir vielleicht auch selbst viel Leid zu, weil Eure Beziehung ungelöst bleibt. Und weil Du eigentlich gar kein harter Mensch bist.

Wenn Du Deine Mutter innerlich wirklich loslassen kannst, also kaum noch Groll auf sie hegst, dann kannst Du äußerlich Kontakt zu ihr haben, ohne Schaden zu nehmen. Selbst wenn sie dann schwierig ist. Nicht viel Kontakt, und mit viel innerer Distanz auf Smalltalk-Ebene, aber ein bisschen. Keinen tiefgehenden, aber einen gelassenen - ohne Enttäuschungen, weil es keine Erwartungen an sie gibt.

Dies würde sich auch für Deine Kinder indirekt lohnen. Sie spüren natürlich, dass es unnormal ist, den Kontakt zu seiner Mutter abzubrechen. Sie können sich das bei sich selbst nicht wirklich vorstellen, und es verunsichert sie, dass Du das tust, auch wenn sie nicht darüber sprechen.

Vor allem aber weil DU unter der ungelösten und schwierigen Situation leidest, würde ich den neuen, souveränen und mitfühlenden Blick einfach versuchen. Für Dich selbst! Und dann schauen, was passiert. Vielleicht ist etwas Kontakt dann möglich, vielleicht auch nicht. Aber der neue Blick würde sicher helfen, dass Du aus der Kindrolle, in der wir ja oft ein Leben lang feststecken, heraus in die souveränere Erwachsenenrolle kommst.

LG

 

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