Schwanger - wer noch?

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Geschrieben von Streuselchens, 11. SSW am 19.08.2020, 20:33 Uhr

Fehlgeburt mit Cytotec - Meine Erfahrung

Hallo ihr Lieben,

ich war in der 11. Woche und hatte heute meine "Fehlgeburt" und möchte hier meine Erfahrung mit Cytotec erzählen, da ich finde, es gibt zu wenig Berichte dazu. Achtung, wird lang.

Zu meiner Geschichte... Am 2. Juni hatte ich meine letzte Periode und habe am 6. Juli positiv getestet. Die Schwangerschaft kam unerwartet. Unerwartet, weil wir es gerade 2 Mal versucht haben und wir, aufgrund meiner langen und sehr unregelmäßigen Zyklen, nicht davon ausgegangen sind, dass es so schnell klappen würde :) Dennoch haben wir uns sehr gefreut. Bei einer Kontrolle am 16. Juli wurde festgestellt, dass noch kein Embryo zu sehen ist (6./7. SSW). Da aber noch alles möglich sei, wurde mir geraten noch ein bisschen zu warten. Am 20. Juli hatte ich Blutungen und bin wieder zum Arzt. Hier konnte man noch immer kein Embryo sehen. Ich habe Progesteron, Magnesium und Bettruhe verschrieben bekommen und sollte nochmal warten.
Egal, wie sehr man versucht positiv zu denken, setzt man sich auch schon automatisch mit einer Fehlgeburt auseinander. Der nächste Termin war am 11.08. und bis dahin wurde mein Nervenzirkus immer größer. Abzuwarten und keine Gewissheit zu haben ist das Schlimmste. Ich habe viel geweint. Ich habe mich aber auch versucht, damit abzufinden. Ich habe mir immer wieder eingeredet, dass es einen Grund hat, wieso es nicht klappen könnte.

Am 11.08. war dann "der Termin". Ich hatte in der Zwischenzeit gemerkt, dass sich was getan hat. Ich hatte irgendwann dazwischen richtig starke Übelkeit gehabt, welche ich sonst nicht hatte. Außerdem haben vor allem nachts meine Brüste sehr weh getan.
Bei der Untersuchung kam raus, dass sich ein Embryo entwickelt hatte, allerdings blieb es irgendwo zwischen Woche 7 und/oder 8 stehen. Es war kein Herzschlag zu sehen. Da ich viel Zeit hatte, mich damit auseinanderzusetzen, war ich bei meiner FÄ sehr gefasst. Sie war sehr lieb zu mir und etwas irritiert, dass ich so gefasst war.
Sie hat mich über die weiteren Schritte aufgeklärt und hat sich sehr viel Zeit dafür genommen.

Die Möglichkeiten waren -
1. Abwarten, bis es von selbst abgeht. Laut FÄ sah es eher so aus, als würde es ein bisschen länger dauern. Da ich seit dem 16. Juli in Ungewissheit gelebt habe und ich nicht wusste, ob es passiert und wenn ja, wann es passiert, wollte ich das nicht nochmal haben.
2. Ausschabung - ich habe viel darüber gelesen und für mich wäre dies (erstmal) keine Option gewesen. Ich wollte die Vollnarkose nicht, ich wollte diese "Ruhepause" danach nicht etc.
3. Cytotec - ein Medikament, welches Wehen auslöst und die FG einleitet. Kurz hierzu - ich bin keine Ärztin, noch kenne ich mich gut damit aus. Ich kann nur von meiner Erfahrung reden und jeder muss diese Entscheidung für sich selbst tragen!!! Bitte informiert euch genau und redet mit den Ärzten darüber.
Cytotec wird, wenn ich das richtig verstanden habe, bei Magenprobleme/Geschwüre eingesetzt. Irgendwann hat man festgestellt, dass dieses Medikament Wehen auslöst. Weshalb es nun auch dafür eingesetzt wird. In Deutschland ist es hierfür (noch) nicht zulässig. In einigen anderen Länder schon. D.h., wenn man sich dafür entscheidet, muss man unterschreiben, dass man darüber Bescheid weiß – (Off-Label- Medikament -bitte googeln). Ich hatte mich bereits darüber informiert, allerdings findet man nicht so viele Erfahrungsberichte darüber. Dennoch war es für mich war die einzige Option.
Im KH wurde ich über die Nebenwirkungen aufgeklärt - starke bis zu stärksten Unterleibsschmerzen, starke Blutungen, Durchfall, Übelkeit, Schüttelfrost und Fieber. Wenn man merkt, dass es gar nicht mehr geht oder man selbst merkt, dass irgendwas nicht stimmt, sollte ich nochmal ins KH gehen. Achja, ganz wichtig, man darf die ersten 24 Stunden nicht allein zu Hause sein!! Üblicherweise sollte in den 1-4 Stunden die Blutung losgehen. Auch hier kurz die Info - jede Frau, jede SS, jeder Körper ist anders, d.h. was als „üblicherweise“ gilt, muss nicht für jede Frau so gelten.

Gesagt, getan!!

Am 13.08. um ca. 18:30 Uhr habe ich vier Tabletten (ich glaube à 200mg) vaginal eingeführt. Ich habe während meiner Periode immer sehr starke Schmerzen, sodass ich nicht einmal arbeiten kann, daher hatte ich bereits sehr viele Schmerzmittel zu Hause und war darauf vorbereitet (dachte ich).
So ca. 30 min später hatte ich auch schon ein leichtes Ziehen im Rücken. Da aber bei sowas auch die Psyche eine große Rolle spielt, habe ich das eher darauf geschoben :D 1,5 Stunden waren die Schmerzen schon etwas stärker. Ich hatte eine halbe Stunde vor der Einnahme von Cytotec bereits eine Ibu 600 und Buscopan eingenommen (das war auch so mit der FÄ abgeklärt). Die Schmerzen wurden immer mehr und ich bin gefühlt alle 15-20 min auf Toilette wegen Durchfall. Ab 22:00 Uhr lag ich bereits auf dem Boden, weil sich alles verkrampft hatte. Ich habe mir die nächste Ibu reingeworfen. Die Verkrampfung wurde immer schlimmer. Es war nur ein einziger durchgehender Krampf. Es hatte sich nicht einmal kurz aufgelöst, um aufatmen zu können. In der Zwischenzeit wurde mein Durchfall doller, Übelkeit und Schüttelfrost kamen auch dazu. So gegen Mitternacht war auch mein Freund ratlos. Ich lag nur noch auf dem Boden und habe geweint und geschrien. Ich bin starke Schmerzen gewohnt, aber das war gefühlt 100-mal stärker. Zur Info- bis dahin hatte ich noch keine Blutung.
Mein Freund hat mich eingepackt und wir sind ins KH. Ziel war es, andere und vielleicht stärkere Schmerzmittel zu bekommen. Im KH waren die Ärztinnen super nett zu mir und ich wurde so schnell es ging untersucht. Die Assistenzärztin saß über 10 min bei mir und hat mich getröstet. Ich habe dort intravenös nochmal Paracetamol und Buscopan bekommen. Außerdem hatte ich durch meinen Durchfall viel Flüssigkeit verloren, deshalb habe ich dort auch noch was bekommen. Die Ärztin war ehrlich zu mir und meinte, dass sie leider nicht viel machen kann, denn das gehört dazu. Es gibt Frauen, die merken fast gar nichts und es gibt diese Fälle, wo die Schmerzen einfach nicht auszuhalten sind.
Nach 1,5 Stunden sind wir wieder nach Hause und gegen 4 Uhr konnte ich für zwei Stunden schlafen. Am nächsten Morgen ging gegen 8 Uhr meine Blutung los. Ich hatte die dicksten Binden zu Hause und war froh, dass es losging. Zur Info – man sollte nur Binden verwenden. Die Blutung war nicht stark und nach einer Stunde vorbei. Auch die Schmerzen waren nicht mehr da. Bis gestern hatte ich auch nur Schmierblutungen. Jede Frau, die bereits eine „natürliche Fehlgeburt“ zu Hause hatte, weiß, wie sehr man blutet und was alles rauskommt. Das war bei mir nicht so und wusste, ok, irgendwas stimmt nicht. Am Montag bin ich nochmal zu meiner Ärztin und siehe da, mein Körper wollte sich wohl noch nicht von der SS verabschieden. Das war für mich sehr belastend. Bitte versteht mich nicht falsch, aber seit dem 16. Juli habe ich eine Ungewissheit, muss mit einer FG rechnen und jetzt wollte ich es einfach nur noch weghaben. Nicht einmal, dass hat funktioniert Ich habe nur noch geweint.

Gestern (18.08.) war ich wieder im KH und habe mir nochmal die Cytotec Tabletten geben lassen. Mit dem Hinweis von der FÄ, dass wenn es dieses Mal nicht funktioniert, es ausgeschabt werden muss. Ich habe die Tabletten gegen 22:30 Uhr, also kurz vor dem Schlafen gehen genommen, sodass ich evtl. ein paar Schmerzen verschlafe. Es waren wieder 4x 200mg, die ich vaginal einführt habe. Ich bin gegen 2 Uhr wach geworden und habe gemerkt, dass sich was tut. Die Schmerzen waren mit Schmerzmittel gut auszuhalten. Dieses Mal hatte ich auch kaum Nebenwirkungen gehabt. Gegen 5 bin ich nochmal eingeschlafen und gegen kurz vor 7 mit Wehen und Blutungen aufgewacht. Die Wehen wurden immer doller und gegen 9 Uhr war es vorbei. Ich habe währenddessen viel ausgeschieden, unter anderem auch meine Fruchthöhle (glaube ich ). Es ist glitschig und sieht aus wie Leber. Es gibt Frauen, die das Auffangen und Einschicken, um es untersuchen zu lassen. Es gibt Frauen, die das Auffangen und Begraben. Und es gibt Frauen, wie mich, die das Auffangen, es sich anschauen und dann die Toilette runterspülen. Wenn ich das so schreibe, klingt das richtig hart. Aber ja, so war es.
Gegen 10 Uhr habe ich wieder Wehen bekommen, starke Wehen, das ging so eine Stunde, bis ich glaube, die Plazenta ausgeschieden habe. Es war größer als die Fruchthöhle und sah aus wie Leber. Ich hatte noch ca. eine Stunde Nachwehen und die waren schrecklich. Irgendwann bin ich ganz erschöpft und kraftlos eingeschlafen. Seitdem habe ich noch Schmerzen, als würde ich meine Tage bekommen. Ich blute noch aber nicht so viel. Ich bin gespannt, ob und was sich die nächsten Tage so tut.

Ob ich mich beim nächsten Mal wieder für Cytotec entscheiden würde? Ja, wahrscheinlich schon. Trotz aller Schmerzen und Qualen tat es mir gut zu sehen, dass ich bzw. mein Körper in der Lage war es selbst auszuscheiden. Natürlich hoffe ich, dass es in Zukunft nicht mehr zu einer FG kommen wird. Die ganze SS war physisch wie auch psychisch doch sehr belastend für mich. Ich brauche Zeit, um mich davon erholen zu können. Daher werden wir es in den nächsten paaren Monaten erstmal nicht mit einer erneuten SS versuchen. Zumal sich meine Zyklen wieder einpendeln müssen. In der Regel kann es bis zu 6 Wochen bis die nächste Periode kommt.

Ich hoffe, dass mein Beitrag, bei der einen oder anderen Entscheidung behilflich sein kann

 
2 Antworten:

Re: Fehlgeburt mit Cytotec - Meine Erfahrung

Antwort von Schneeglöcken am 19.08.2020, 23:19 Uhr

Nach Beiträgen wie deinem habe ich gegoogelt, als ich letztes Jahr in derselben Situation war.
Ich hatte ebenfalls eine FG mit Cytotec, nach MA.
Glücklicherweise hatte ich keine Schmerzen, von einem ganz leichten Ziehen abgesehen.
Allerdings, auch bei mir zog es sich über mehrere Tage.
Ich hatte am 27. 3., mittags. 3 Tabletten oral eingenommen. Hatte danach Durchfall und Schüttelfrost, sonst tat sich nichts. Erst gegen 19 Uhr Abends bekam ich eine stärkere Blutung und gebar die Fruchthöhle.
Danach, bis auf Schmierblutungen, wieder Ruhe.
Am 29. 3. Termin bei meiner FA. Es sind noch Reste in der Gebärmutter, es ging noch nicht alles ab, ich solle noch einige Tage abwarten.
Am 1. 4. bin ich morgens aufgewacht, mit stärksten Blutungen und über den Vormittag kam dann noch alles was bei einer FG eben so kommt. Danach war es überstanden.
Ich hoffe, niemals mehr eine FG zu haben, aber wenn, würde ich es wieder mit Cytotec versuchen. Ich bin sehr froh, um eine Ausschabung herum gekommen zu sein.

Fühl dich mal gedrückt, es tut mir sehr leid, dass du diese Erfahrung auch machen musstest.
Nimm dir die Zeit die du brauchst um dieses Erlebnis zu verarbeiten.

Solltest du dich doch dazu entscheiden, es mit einer erneuten Schwangerschaft schon früher wieder versuchen zu wollen, kann ich dich nur ermutigen: ich habe damals oft gelesen, dass es nach einer FG besonders schnell wieder klappen soll, weil der Körper quasi noch auf "schwanger" eingestellt ist und auch aus eigener Erfahrung kann ich es mittlerweile bestätigen.

Alles Gute für dich

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Re: Fehlgeburt mit Cytotec - Meine Erfahrung

Antwort von Arie85 am 20.08.2020, 13:28 Uhr

Dein Beitrag könnte von mir sein.
Auch meine FG Ende 2018 habe ich zu Hause mit Cytotec ertragen.
Meine Schmerzen waren ebenfalls unerträglich. Ich war leider nicht so "vorbereitet" wie du, sondern habe meinen Schmerz mit Alkohol ertrinken wollen.
Mein Mann konnte sich meinen Zustand nicht mehr ansehen und hat mir dann sehr viele Schmerzmittel gespritzt (er ist Arzt).

Psychisch hatte ich im Anschluss sehr lange Probleme. Selbst heute noch wenn ich daran denke.
Es hat dann 9 Monate gedauert, bis ich wieder Schwanger war. Ich denke auch das war auf meine Psyche zurückzuführen.

Wenn ich nochmal in so einer Situation wäre, ich weiß nicht was ich machen würde.

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