Monatsforum Oktober Mamis 2012

Was ist euer Erziehungsziel?

Was ist euer Erziehungsziel?

NAG-Hasi

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Hallo Mädels, wir haben zur Zeit etwas Probleme mit der Großen, die gerade ihre Grenzen austestet, sie ist krank und ihr fehlt ihr geregelter Kita-Ablauf, aber manchmal bringt sie mich echt zur Weißglut und da fragt man sich schon, wie Erziehung in unserer Familie aussehen soll. Da musste ich wieder an eine Diskussion mit unserer Osteopathin denken. Ich hatte ihr erzählt, dass meine Schwiegeroma immer fragt, ob die Kinder "lieb" seien. Ich weiß immer gar nicht, was ich darauf Antworten soll, ein Baby kann eh nicht "lieb" oder "brav" sein (das macht mich auch immer ganz aggressiv wenn ich das in Beiträgen hier lese... ), denn es kann ja auch nicht absichtlich "böse" sein! Die Osteopathin meinte, früher war das eben das Erziehungsziel, "liebe" Kinder, die sich möglichst gut anpassen, eigene Ansprüche zurückstellen und sich am besten wie kleine Erwachsene verhalten. Heute sagen die meisten Eltern, sie wollten "glückliche" Kinder und lassen in der irrigen Annahme, die Kinder damit glücklich zu machen, alles durchgehen, kaufen alles, tun alles für ihre Kinder, setzen kaum Grenzen. Diese Kinder sind oft aber nicht "glücklich", weil sie spätestens in der Schule anecken, wenn nicht alle wie die Eltern nach ihrer Pfeife tanzen... Mein Ziel ist, dass meine Kinder zu selbstbestimmten Persönlichkeiten heranwachsen, die sich nicht verbiegen, die die sozialen Normen (z. B. Rücksicht nehmen) kennen und anwenden. Dazu werde ich sie auf keinen Fall schlagen, denn ich weiß noch, wie ich mich als Kind gefühlt habe, wenn mir meine Eltern den berühmten "Klaps auf den Po" gegeben haben: einfach nur gedemütigt! Ich kann mich noch erinnern, dass ich meiner Mutter von einer 5 in der 2. Klasse erzählt habe, als ich in der Badewanne saß, damit ich dafür nicht einen "Klaps" fange... Ich möchte, dass meine Kinder im privaten wie im beruflichen Leben zurecht kommen und eine Aufgabe finden, die sie ein Leben lang erfüllt und befriedigt, vielleicht auch "glücklich" macht. Als Mutter wünsche ich mir natürlich auch, dass sie mit dem Beruf, den sie wählen, über die Runden kommen und ich mir keine Sorgen um ihr finanzielles Auskommen machen muss. Ein bisschen egoistisch: natürlich wünsche ich mir auch Enkel! Ich denke, dass Kinder dazu auch mal das Recht haben müssen, sich "unglücklich" zu fühlen, weil sie z. B. sauer auf Mama sind, weil die die Gummibärchen an der Kasse jetzt nicht kauft. Das Gefühl, sich zu langweilen, gehört meiner Meinung nach auch zu einer normalen Entwicklung, ich möchte meine Kinder nicht ständig "bespielen" denn das tut ihnen nicht gut! Auch einen "RundumdieUhr-Fahrservice" werde ich nicht anbieten, das kann ich als Berufstätige Mutter nicht leisten und es schadet auch nicht, wenn man einen Busfahrplan lesen kann! Am Anfang habe ich Konrad (klar auch aus Freude über mein tolles Baby) immer aus dem Laufstall genommen, wenn er wach war, habe gesungen, getanzt, ihm verschiedene Tücher und Spielzeuge hingehalten, ihn zugequatscht.... Inzwischen weiß ich, das war ihm auch einfach zuviel. Manchmal liegt er eine Stunde wach in seinem Laufstall ohne sich zu beschweren, schaut seine Hände an oder übt, sich auf die Seite zu drehen. Manchmal beobachte ich ihn dann, aber selbst das scheint ihn zu stören... Wie wollt ihr das mit euren Kindern handhaben? Was ist euer Erziehungsziel? Habt ihr euch darüber schon Gedanken gemacht? Wendet ihr Erziehung an, die ihr von euren Eltern kennt, oder wollt ihr es ganz anders machen?


AnJen2012

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Antwort auf Beitrag von NAG-Hasi

also ich werde manches so machen wie es von meiner mama kenne.aber auch selber einfach machen aus dem bauch herraus..ich glaube das ist eine gute mischung.


Auraya77

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ja...als Erzieherin finde ich es auch ziemlich daneben wenn Kinder "lieb" sein sollen. Daß Kinder bewußt lügen geschieht erst mit 8 Jahren - vorher sind es Geschichten,die sie erzählen und die sie für echt halten. Oder die sie halt gern hätten. Sicher hat jeder eigene Schwepunkte in der Erziehung: Für manche ist es vielleicht wichtig,daß Kinder früh lernen,daß es eine Ellenbogegesellschaft ist,anderen daß die jeden gleich behandeln.... Mein Kind soll auch mal glücklich werden. Um Louis dabei zu helfen wollen wir ihn unterstüzen in allem,was er tun will (sofern das unsere Mittel nicht übersteigt) Wenn er also schwuler Friseur werden will und ihn das glücklich machen würde: Bitte,gern!!!! Ich will nicht,daß er Abitur macht,obwohl ich merke,daß er sich damit quälen würde.dann macht er halt nen guten Realschulabschluß! Er soll keinen supergut bezahlten Job haben wenn er dabei zu Grunde geht. Ich hoffe,ihr versthe mich. Ich will einen aufrichtigen,ehrlichen Menschen aus ihm machen der sag,was er denkt. Soziale Kompetenz geht immer mehr unter in der Erziehung. Es geht immer mehr um Förderung,um geistiche Reife,um Können und Wissen. das hängt mir zum Hals raus,darum gehen wir auch nicht zu Pekip oder was es nicht alles gibt. Erstmal soll er Kind sein dürfen.


Auraya77

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P.s. irgendwie schockt mich aber die Tatsache, dass so viele froh sind, wenn sie ihr Kind wieder abgeben können. Ich habe nur eins und kenne von daher nur die Seite der Erzieherin. Wenn dann die Eltern so gestresst aus einer Woche Urlaub mit ihrem Kind wiederkamen und sich "bei der Arbeit erholen "mußten...das waren Momente an denen ich micht sicher war,ob ich selbst eins möchte. Weil es ja wohl nicht schön ist mit Kind ...


NAG-Hasi

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Hallo Marion, Ich gehöre leider auch zu den Eltern, die mit ihren KIndern daheim manchmal "gestresst" sind. Das erste Jahr mit ihr daheim war Super entspannt, aber inzwischen ist sie aus der Kita soviel "Programm" gewöhnt, das kann ich zu Hause einfach nicht bieten!!! Im Sommer waren wir fast den ganzen Tag draußen, im Winter und mit Baby dazu, wo man auf Stillzeiten achten muss, ist es schwieriger. Deshalb kann unsere zweijährige inzwischen komplett den Geschirrspüler, die Waschmaschine und den Trockner anstellen, sie weiß, wo und was wir einkaufen, kochen und macht selber Fotos mit unserer alten Kamera etc. denn nach 10 min Kneten muss was Neues her... Da beneide ich manchmal die Leute, die arbeiten gehen, auch!


Auraya77

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Natürlich! Jetzt verstehe ich das absolut! Wenn ich mir vorstelle,daß ich jetzt auch noch ein älteres Kind hätte.... aber im Kiga ist oft so,daß gerade die Kinder,von denen die Mutter daheim ist,am meisten da sind. Und oft kommt es einem echt abgeschoben vor. Da kommt auch keiner und holt das Kind mal früher - ganz im Gegenteil.ich hab immer Verständins (auch wenn die Eltern 2 Wochen frei haben und das Kind dennoch von Öffnung bis zum Schluß da sind) daß man auch mal Dinge ohne Kind erledingen muß/will. Aber kann man denn nicht MAL sein Kind dann um 3 oder 4 holen statt immer erst um 5 (oder gern noch später.da muß man dann auch noch Überstunden schieben). ich denke auch jetzt noch: Das 2. Kind kommt ja nicht plötzlich vom Himmel gefallen. mann kan sich darauf einstellen. Einmal hat eine Frau angerufen,die brauchte dringend einen Platz. Ich: "Ich kann Ihnen aber keinen geben. Ich kann Sie auf die Warteliste setzen,mehr geht nicht." Sie dann gleich: "Ja,ich kriege in 3 Monaten ein 2. Kind,wo soll ich denn der 1. hintun?????Soll ich etwa alle beide daheim haben?????????????" Ja..... Und selbst wenn beide Eltern daheim sind weil der Vater Elternzeit hat dann sind die ersten Kinder trotzdem da! Ihr seht: das ist für mich ein Reizthema nehmt's mir nicht übel. Ich will hier keinen angreifen oder verurteilen. Ich kenne eben nur die andere Seite


Ele85

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Ich frage mich immer, wer den eigentlich behauptet das Kinder immer ihre Mama wollen und brauchen? Zuhause sein ist nicht immer das Beste und Schönste für ein Kind... Meine Große will gar nicht den ganzen Tag bei mir sein, das langweilt sie. Sie braucht Austausch unter Gleichaltrigen und seit sie im Kiga ist hat sie unheimlich viel gelernt. Das kann ich ihr als Mutter und Erwachsene nicht beibringen, denn ich bin kein Kind mehr. Seither kann sie zuhören, stillsitzen, Geschichten anhören, sich konzentrieren, ausdauernd Spielen und auch mal was zu Ende bringen. Das war vorher undenkbar. Man darf Muttersein nicht mit Erzieherin sein verwechseln, das ist nicht das selbe. Ich hole sie auch nicht früher ab (13h), den sie braucht den Abschluss im Kiga (Schlusslied singen, gemeinsam anziehen und rausgehen...). Wenn ich sie ausnahmsweise früher hole wenn was ansteht dann ist sie knatschig. Wenn man "nur" ein Kind hat ist noch vieles einfach und unlogisch, was Mehrfachmütter tun. Ich würde es mir nicht erlauben etwas zu kritisieren was ich selbst zwar nicht verstehen kann aber auch noch nicht erfahren habe. Wenn du eine zickige, trotzige Dreijährige (und ein Stillbaby) zu Hause hast, die wegen jedem und alles einen Wutanfall bekommt, dann bist du einfach nur unheimlich froh wenn es einen Kiga gibt in dem sie auf ihre Kosten kommt (da ist sie immer ein Lämmchen). Die Bilderbuchmamis gibt es nur bis das Geschwisterchen kommt. Dann weicht oft die notwendige Praxis den guten Vorsätzen. Da kann ich auch ein Lied von singen. Wenn ich unseren Erzieherinnen mal ein Homevideo präsentieren würde mit Vikis Ausrastern würden die ungläubig den Kopf schütteln. Kinder sind...so verschieden und auch ihr Verhalten! Du kannst nicht davon ausgehen dass die lieben hilfsbereiten Kinderleins aus deinem Kiga das auch zuhause sind. Da wachsen ihnen Hörner und sie geben alles Und ich finde bevor man als Mutter gewisse Grenzen überschreitet weil man bis zur Weißglut getrieben wird, ist es besser die Kinder im Kiga zu lassen. Und ja, davon kann ich auch berichten. Meine Große hat mich so gereizt dass ich mit erhobener Hand vor ihr stand und mich noch rechtzeitig bremsen konnte indem ich den Raum verlassen habe. Es ist nicht einfach Mama zu werden und Mama zu sein. Ich werde auch nach 12 Monaten wieder arbeiten weil es mir gut tut und somit auch meinen Kindern. Man hat auf Arbeit einen anderen Anspruch, man fühlt sich wieder wie ein Mensch der Gesellschaft und nicht wie ein Außenstehender an dem die Welt vorüberzieht. Wenn man seinen JOb mag, geht man gerne dahin zurück und mir hat die Zeit während der Arbeit auch immer gut getan. Aber das muss und soll jeder für sich selbst und seine Familie entscheiden dürfen ohne sich Vorwürfen ausgesetzen zu müssen. Und grad als Erzieherin sollten die Motive warum und wieso ein Kind im Kiga ist, nicht Grund zur Verurteilung der Eltern sein. Sorry für die Themaabweichung


Safija2012

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Hallo Hasi, ich werde es ähnlich handhaben wie Du. Den Kindern Liebe geben heisst nicht, dass man sie nach Strich und Faden verwöhnen muss. In erster Linie möchte ich für mein Kind da sein, es soll sich auf mich verlassen können und ich möchte ihm eine wichtige Stütze und Leitlinie im Leben sein. Mir ist z.B. heute noch mit 30 die Meinung meiner Mutter bei bestimmten Lebensfragen sehr wichtig und ich möchte gerne, dass sich mein Sohn auch jederzeit an mich wenden kann, auch noch im Erwachsenenalter. Wichtig ist mir auch Grenzen zu setzten, was, meiner Meinung nach immer mehr verloren geht (meinen Beobachtungen zu Folge). Wenn ich mich an die Physiopraxis erinnere, wo ich gearbeitet habe, wurden leider den wenigsten Kindern ihr Grenzen deutlich gemacht, da wurde rumgetobt und in andere Behandlungsräume reingeschaut, ohne, dass nur eine Bemerkung der Erziehungsberechtigten kam, WIR mussten dann neben der Behandlung der Mutter noch ihr Kind in die Schranken weisen und das zeugt für mich von mangelnder Erziehung. Zum Thema Berufstätigkeit : ich fand es toll, dass meine Mutter immer für mich da war, wenn ich aus der Schule kam stand ein warmes Mittagessen auf dem Tisch, es war eine Mutter da, die mir zuhörte, wenn ich vom anstrengenden oder lustigen Schultag erzählte, sie war da, wenn ich mal wieder heulend vor den Matheaufgaben sass... . Heutzutage reicht aber eben ein Gehalt alleine nicht mehr aus, deswegen werde ich 2 Jahre zu Hause bleiben und muss dann auch wieder ran, aber nur halbtags, so dass ich trotzdem für meinen Sohn da sein kann, wenn er mich braucht. Für mich war das in meiner Kindheit die Stütze schlechthin und das möchte ich so weitergeben, im Rahmen, der uns in der heutigen Zeit gegeben ist. Dafür verzichte ich gerne auf ein Haus, grosse Urlaube und ein teures Auto. LG


blubb12

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Unser Erziehungsziel sind auch selbstbewußte, rücksichtsvolle Kinder. Und der Anspruch "selbstbewußt" beinhaltet per se natürlich schon, dass wir kein "liebes" Kind wollen. Ich bezeichne meine Söhne immer als pflegeleicht, lieb wäre mir jetzt nicht unbedingt in den Sinn gekommen. Der Große weiß, was er will, es ist aber bereits möglich, Kompromisse mit ihm zu finden, wenn es meinen Ansprüchen völligen entgegen läuft. Es gibt recht wenige Sachen, die ich rigoros verbiete, und dann auch immer nur mit Begründung (in der S-Bahn Füße vom Sitz, da andere ja nicht auf dreckigen Sitzen sitzen möchten, oder auch Benehmen in Wartezimmern, eingschränkter Süßigkeitenkonsum, da er schon Karies hat usw.). Der Große geht auch in die Kita, aber ihn vor 16:15h abholen zu wollen hat meistens keinen Sinn, da wehrt er sich mit Händen und Füßen dagegen, da meist seine Kumpels noch da sind. Am schlimmsten ist es, wenn sie gerade auf dem Weg in den Garten oder in den Sportraum sind und er nach Hause muss. Von daher komme ich selten früher. Aber er ist "schon" drei und geht seit über zwei Jahren. Am Anfang haben wir ihn auch immer zwischen halb drei und halb vier abgeholt. Im Gegensatz zu offenbar einigen anderen Eltern genießen wir allerdings die Zeit, wenn die Kita geschlossen ist oder wir abends nach Hause kommen. Wir fühlen uns nicht von unseren Kindern gestresst, auch wenn sie einen natürlich mal ordentlich reizen können. Aber bei längeren Kitapausen, wie jetzt zum Beispiel, vermisst unser Sohn seine Freunde und die Einrichtung. Er fragt schon immer, ob heute wieder Kita ist und unterhält sich beim spielen auch wieder verstärkt mit seinen Kitakumpels.