NAG-Hasi
Hallo Melanie, Schön, mal wieder von dir zu hören. Anlässlich des nahenden ersten Geburtstags unserer Zwerge, was ich dich schon immer fragen wollte: Wie hat die Schwangerschaft, Entbindung und das Mama-Sein deine Einstellung als Hebamme verändert? Ich meine, da ist man ja eigentlich "Experte fürs Mama-werden und Mama-sein", schmunzelst du jetzt über manche Tipps und Sprüche, die Gebärenden/Müttern gegeben hast? Was wirst du zukünftig anders machen? Hast du dich als Mama sofort "sicher" im Umgang mit deinem Baby gefühlt? Ich musste ein paarmal dran denken, denn eine Physiotherapeutin hat mir erzählt, dass sie es schrecklich findet, wenn sie hinter Leuten läuft, die irgendwie "schief" sind und sie dann überlegt, was die haben. Ich kann in keinem Auto sitzen, ohne die Krise zu kriegen, mir fehlt da das "Laienauge" um mich einfach dran zu erfreuen. Eine Zahnärztin guckt wahrscheinlich allen auf die Zähne usw. Wie geht es dir damit? Würde mich einfach mal interessieren, du musst aber nicht Antworten, wenn du nicht möchtest. LG Hasi
Hallo Hasi
JAAAA! Absolut! Es hat viel verändert.
Unter Geburt gab es bei mir schon ein paar Momente, in denen ich dachte, dass ich das demnächst garantiert besser machen werde.
Erstens: Meine Hebamme hatte relativ starkes, schweres Parfum aufgelegt.... Hat mich zum Kotzen gebracht
Furchtbar! Habe ich bisher zwar nie gemacht, werde ich aber wohl auch nie.
Zweitens: Mein Mann und ich waren - gefühlt - eine lange Zeit alleine. Ich hatte mir eine Hausgeburt mit 1:1 Betreuung gewünscht. Und die ist im KH natürlich überhaupt nicht gegeben.
Drittens: In manchen Situationen habe ich mich einfach entmündigt gefühlt und vom Personal wurde Hektik verbreitet, obwohl kein Grund dazu war.
Viel Schlimmer fande/finde ich aber manche Tipps, die auch ich in meinem Wochenbett erhalten habe. Frauen, die ich jetzt betreue, haben in der letzten Schwangerschaft teilweise soooo veraltete Ratschläge bekommen. Das hat mir einfach auch wieder gezeigt, wie wichtig es ist, sich stetig fortzubilden.
Praktische Tipps für den Alltag kann ich momentan natürlich geben. Da merkt man häufig auch, dass die Frauen sehr dankbar sind. Und wenn es nur darum geht, wo man günstige, gute Still-BHs bekommt
In mancher Hinsicht finde ich es mit meinen eigenen Erfahrungen nun aber auch etwas schwieriger. Ich habe meine Schwangerschaft und Geburt als etwas sooo wunderschönes erlebt. Dementsprechend kann und will ich es nicht verstehen, wenn Frauen sich eine Einleitung zwei Wochen vor dem Termin wünschen, weil "sie es psychisch nicht mehr packen" oder wenn Frauen ohne triftigen Grund einen Kaiserschnitt wünschen.
Verstehst du was ich meine? Ich muss/müsste tolerant sein und meine Toleranz in manchen Fällen nicht nur heucheln. Nein, ich weiß nicht, warum manche Frauen von vornherein nicht stillen möchten, denn meine Stillbeziehung ist dermaßen befriedigend und ich hoffe, mein Kind stillt sich noch lange, lange nicht ab.
Im Freundes- und Bekanntenkreis finde ich es aber auch schwierig. Viele fragen mich, bevor sie die eigene Hebamme oder gar den Kinderarzt fragen. Klar, auf manche Fragen gibt es eine einfache Antwort; aber wie soll ich beantworten, warum das Kind meiner Freundin nicht genügend zunimmt. Natürlich könnte ich mir ein Bild davon machen; allerdings ist das keine Sache von 5 Minuten am Telefon. Dafür muss ich mir das Kind anschauen, etwas über die SS, Geburt und Wochenbett wissen. Ich muss mir den "Speiseplan" oder eine Stillmahlzeit ansehen. Viele Bekannte rechnen dann mit einem "Fingerschnipp" und dem Ende des Problems. So leicht ist es aber leider nicht.
Und man darf auch in seinem Umfeld nicht zu viel preisgeben. Wenn ich erzähle, dass ich mein Kind ständig trage, noch stille (nachts teilweise noch sechs Mal) etc. haben die Leute häufig Angst an eine "Ökotante" zu geraten. Voll belämmert! Als würde ich die Eltern zu anderen Eltern machen!
Und selbstverständlich war ich am Anfang auch nur Mama! Und bin es immer noch!
Wahrscheinlich bin ich beim kleinsten Huster viel aufgeregter und nervöser als du Zweifach-Mama!
Das Stillen, Ernährung im Allgemeinen, Pflege etc. ist mir natürlich leicht von der Hand gegangen.
Trotz allem hatte ich aber auch ein Baby, welches viel geweint hat und ich mir auch keinen Rat wusste.
Fandet ihr es alle wichtig, dass eure Hebamme selbst bereits geboren hat???
Liebe Grüße, Melanie
Hallo meseve.
Ja, ich fand es wichtig, dass meine Hebamme bereits ein Kind hat und auch gestillt hat - auch wenn man deren Schwangerschaft/Geburt/Kind nicht mit anderen vergleichen kann, so finde ich, dass man Tipps besser annehmen kann, wenn die Frau auch praktisch Ahnung von dem hat, was sie mir erzählt.
LG elfchen
(Ps: Wo gibt es denn die günstigen guten Still-BHs?
)
Hallo Melanie, Danke für deine ausführliche, ehrliche Antwort! Wegen deiner Frage: ich habe bei einer KH-Besichtigung eine vielleicht 20-jährige Hebamme kennengelernt, auch noch mit einer Super quietschigen, aufgeregten Stimme. Da hab ich zu meinem Mann gesagt: "Wenn ich die erwische, erschieß mich bitte!" Ist fies, klar, jeder muss mal anfangen, aber so richtig Vertrauen hätte ich zu einer so jungen Hebamme, die selbst noch keine Kinder hat, nicht. Ich habe mich für ein kleines Kreiskrankenhaus entschieden, wo alle Hebammen 30+, fast alle selbst Mütter, sind. Bei der ersten Entbindung hatte ich eine sehr sehr nette Hebamme, dann kam der Schichtwechsel und es kam eine, die als erstes zu mir meinte: "Jetzt stellen Sie sich nicht so an, ich hab auch schon 3 Kinder geboren, so schwer ist das nicht!" Aha - danke fürs Gespräch! Vielleicht nicht ganz die geeignete Ansprache für eine panische Erstgebärende... Aber Zweifel an ihrer Kompetenz hatte ich nicht. Meine Wochenbetthebamme, die ich mir selbst ausgesucht habe, ist 10 Jahre älter als ich und hat zwei Kinder, 11 und 14. Für mich perfekt, denn sie hat mir einiges an Erfahrung voraus und ist aber auch noch nicht so alt, um in diese "mütterliche" Schiene zu verfallen (oder von mir so wahrgenommen zu werden). Für mich muss eine gute Hebamme aber auch nicht unbedingt eine "Freundin" sein, sondern ein Profi, der sich auf meine Wünsche einstellen kann. Wenn ich ein Haus bauen will, suche ich mir einen Architekten, der meine Wünsche im physikalischen und gesetzlichen Rahmen umsetzen kann und das möglichst noch in angenehmer Atmosphäre. Wenn ich auf Glas und Stahl stehe, sollte dabei keine Öko-Erdhöhle mit Plumpsklo bei rauskommen. So ist es auch als Hebamme: Sie sollte als Profi auf die Eltern eingehen und dafür sorgen, dass medizinisch und in Sachen Kinderpflege alles passt. Bei allem anderen muss man sehen und die Eltern einfach unterstützen, egal ob Stillen, Tragen oder eben nicht. Meine Hebamme wusste auch schon immer, dass sie mir nicht mit Kügelchen kommen braucht... Wenn du diesen Eindruck vermitteln kannst, wirst du auch nicht als "Öko-Tante" abgestempelt!