Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse

Kindergesundheit

Kinderarzt Dr. med. Andreas Busse

   

Antwort:

Mein Sohn stinkt nach Fischessen

Ich glaube nicht, dass dein Sohn krank ist, im schlimmsten Fall hätte er dies hier, aber das ist soooo selten, ich glaub' nicht, dass er darunter leidet:

Trimethylaminurie
(auch: Fischgeruchskrankheit)
... bei welcher Ihr Körper einen stechenden Fischgeruch absondert.

Trimethylaminurie ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der Ihrem Körper das Enzym fehlt, welches Trimethylamin abbaut, jene Verbindung, die dem Fisch seinen wohlbekannten Geruch verleiht. Ihr Körper produziert Trimethylamin, wenn er Cholin (das sich in Nahrungsmitteln wie Eiern, Leber und Sojabohnen findet) und Trimethylaminoxid (charakteristischer Bestandteil von Fisch) umsetzt. Wird dieses in der Leber nicht richtig abgebaut, sammelt es sich im Körper an und wird schließlich in Urin, Schweiß und Atem abgesondert. Daher der durchdringende Fischgeruch.
Bei manchen Betroffenen schwanken die Symptome in ihrer Intensität je nach den vorherrschenden Umständen (Stressniveau und Ernährung). Bei anderen ist der Geruch anhaltend gleich stark. Trimethyl­aminurie scheint bei Frauen häufiger aufzutreten als bei Männern.

Prognose
Abgesehen vom Geruch ist an der Krankheit eigentlich nichts Beängstigendes. Zugegeben, es ist nicht ganz einfach, den Geruch zu ignorieren. Aber wenn es Ihnen gelingt, ist die Krankheit wirklich nicht so schlimm.

Es kann sein, dass die Krankheit über andere verborgene Symptome verfügt. Obschon die Trimethylaminurie eine sehr alte Krankheit ist, die man seit mindestens ein paar Jahrhunderten kennt, wird sie von der Medizin erst in den vergangenen paar Jahrzehnten ernst genommen, das heißt, man forscht noch immer daran. Es besteht ein gewisser Verdacht, dass das fragliche Enzym (Flavin-abhängige Monooxygenase 3) auch notwendig ist, um bestimmte Substanzen und Wirkstoffe – Antidepressiva und Nikotin zum Beispiel – abzubauen, was bedeuten könnte, dass jemand, der an Trimethylaminurie leidet und solche Substanzen zu sich nimmt, deren Nebenwirkungen (wie Übelkeit, Schwindel und eine Herabsetzung des sexuellen Verlangens) in stärkerem Maße empfinden wird, beziehungsweise Nebenwirkungen aufweist, die man bislang nicht kennt.

Prävention
Trimethylaminurie ist die Folge eines ererbten fehlerhaften Gens oder einer genetischen Mutation. In beiden Fällen gibt es keine Möglichkeit, sie zu verhindern. Sie kann allerdings auch durch eine Leber- oder Nierenerkrankung oder durch die Einnahme großer Mengen des Bodybuilder-Präparats L-Carnitin zustande kommen.

Behandlung
Trimethylaminurie lässt sich nicht heilen, dem fauligen Geruch kann man allerdings begegnen, indem man die Ernährung sorgsam überwacht. Nahrungsmittel, bei deren Abbau Trimethylamine entstehen, sollte man meiden oder nur in sehr geringen Mengen zu sich nehmen. Dazu gehören Eier, Leber, Sojabohnen, Weizenvollkornprodukte und Salzwasserfische. Niedrig dosierte Antibiotika und eine konsequente Hygiene unter Verwendung von Seife mit geringem ph-Wert können ebenfalls hilfreich sein.

Lieben Gruß,
Pia-Lotta

von Pia-Lotta am 02.08.2009, 10:33 Uhr

 
Unten die bisherigen Antworten. Sie befinden sich in dem Beitrag mit dem grünen Pfeil.
Die letzten 10 Fragen an Dr. med. Andreas Busse
Mobile Ansicht

Impressum Über uns Mediadaten Nutzungsbedingungen Datenschutz Forenarchiv

© Copyright 1998-2021 by USMedia.   Alle Rechte vorbehalten.