Ohne den Partner zur Geburt

Ohne den Partner zur Geburt?

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"Natürlich gehe ich mit!": Heute ist es für viele Männer selbstverständlich, ihre Partnerin zur Geburt des Babys zu begleiten. Manchmal trauen sich deshalb Männer, die das nicht möchten, kaum das zu sagen.

Umgekehrt zögern Frauen, ihrem Mann zu sagen, dass sie lieber eine andere vertraute Person als Beistand hätten. Und schließlich gibt es ja auch Frauen, die schon die Schwangerschaft ohne den Vater des Kindes bewältigen, weil die Beziehung nicht gehalten hat.

In all diesen Fällen ist es sehr sinnvoll, wenn die werdende Mutter sich in Ruhe überlegt, wer sie denn zur Geburt begleiten soll. Da haben Sie heute volle Freiheit, das Kreißsaal-Team freut sich, wenn Sie sich so wohl wie möglich fühlen. Überlegen Sie also einfach mal, wer Ihnen bei der anstrengenden Geburtsarbeit Kraft und Energie geben kann. Das könnte zum Beispiel eine Freundin, Ihre Schwester oder auch Ihre Mutter sein. Setzen Sie sich beim Planen nicht unter Druck: Es ist besser ehrlich zu sich selbst zu sein, als danach zu gehen, wer unbedingt dabei sein will.

Ebenso wichtig ist, dass Männer ehrlich sind, wenn sie nicht mitkommen wollen. Denn dann können sie ihre Partnerin nicht so unterstützen, wie diese das braucht. Das erlebe ich als Hebamme durchaus immer wieder. Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Geburt, bei der ein Mann seine Frau - natürlich ohne das zu wollen - eher verunsichert als gestärkt hat. Das Paar war im Kreißsaal und die Wehen wurden immer stärker. Die Frau tat sich manchmal schwer damit, sie gut zu veratmen. Sie und ihr Mann waren aufgeregt, es war ihr erstes Kind. Und es kann schon mal geschehen, dass eine Frau für eine Weile vom Geschehen überrumpelt wird. Außerdem kommt jede Frau unter der Geburt an ihre Grenzen, auch das ist normal. Gerade in solchen Momenten sind dann die Unterstützung durch den Partner sowie dessen motivierende Worte gefragt.

Hier war es allerdings anders. Der Mann sagte immer wieder: "Ich weiß, du hast Schmerzen, und ich weiß auch, wie schlimm das ist." Oder "Ich weiß nicht, ob wir das schaffen!" Seine Worte zogen die Frau nur noch weiter runter, sie kam mit den Wehen immer schlechter zurecht. Vor dem Kreißsaal wartete eine vertraute Verwandte. Wir schlugen dem werdenden Vater vor, sich doch mal einen Kaffee zu holen. Ihre Verwandte würde seiner Frau solange zur Seite stehen. Kaum war die Verwandte bei ihr und sagte ein paar aufmunternde Worte, konnte die Frau besser atmen. Sie kam auch mit den stärker werdenden Wehen zurecht. Wir fragten sie, wen sie denn nun im Kreißsaal haben wolle? Ihre Blicke gingen zu ihrer Verwandten. Ich sprach mit dem werdenden Vater, fragte ihn, ob das auch für ihn okay sei. Das war es. Sobald das Kind in unserer Frauenrunde auf die Welt gekommen war, holten wir seinen Vater. Und die frisch gebackenen Eltern waren überglücklich, obwohl der Papa nicht alles miterlebt hatte.

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