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Die häufigsten Ursachen für Frühgeburten
und was man dagegen tun kann

Die häufigsten Ursachen für Frühgeburten und was man dagegen tun kann

Die Gründe für eine Frühgeburt können sehr unterschiedlich sein und nicht selten kommen mehrere Faktoren zusammen, wenn ein Baby nicht bis zum vorgesehenen Geburtstermin im Bauch der Mutter verbleiben kann.

Manchmal ist die Ursache leicht auszumachen und liegt auf der Hand, wie beispielsweise bei Mehrlingsgeburten. Oft genug setzen aber "aus heiterem Himmel" die Wehen ein oder die Fruchtblase springt, und der Auslöser dafür lässt sich nie wirklich herausfinden. Vor allem, wenn Sie sich noch ein weiteres Kind wünschen, macht es durchaus Sinn, sich mit den Gründen einer vorausgegangenen Frühgeburt auseinanderzusetzen. Viele Ursachen sind den Medizinern heute bekannt und in einigen Fällen - wenn auch leider nicht in allen - kann man etwas unternehmen, um die drohende Frühgeburt zu abzuwenden.

Medizinische Gründe

Es gibt Erkrankungen der Mutter, die das Risiko einer Frühgeburt erhöhen können. Dazu zählen z.B. schwangerschaftsbedingter Bluthochdruck ("Gestose", im Volksmund auch "Schwangerschaftsvergiftung" genannt) und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Herzfehler und Asthma. Gerade bei Schwangerschaftsdiabetes sollten die Werte häufig kontrolliert werden, weil sonst auch eine Schädigung des ungeborenen Kindes droht. Auch Fehlbildungen oder Veränderungen an der Gebärmutter, z.B. durch Myome, frühere Operationen, vorausgegangene Fehlgeburten oder Schwangerschaftsabbrüche können ein Auslöser sein. Außerdem können eine unzureichende Funktion des Mutterkuchens (z.B. auch bei Plazenta-Ablösung oder vorliegender Plazenta) oder eine Muttermundschwäche für das vorzeitige Ende der Schwangerschaft verantwortlich sein, sowie Erkrankungen oder Fehlbildungen des Babys.

Die häufigste Ursache: Vaginale Infektionen

Inzwischen weiß man, dass ein Großteil der Frühgeburten durch Scheideninfektionen verursacht wird - Experten schätzen fast 50 Prozent. Die Schwangerschaftshormone verändern das ursprünglich saure Scheidenmilieu, dadurch kommt es leichter zu bakteriellen Infektionen. Unbehandelt können sie zur Bildung von Prostaglandinen führen. Das sind die Hormone, die gegen Ende der Schwangerschaft die Wehen auslösen. Wenn die Infektion über den Gebärmutterhals auf die Eihäute übergreift, kann es zum Blasensprung und zur Infektion des Kindes kommen. Auch eine ansonsten harmlose Blasenentzündung kann in der Schwangerschaft vorzeitige Wehen auslösen. Man erkennt sie unter anderem am Brennen beim Wasserlassen, aber auch bei der Urinkontrolle bei der Vorsorgeuntersuchung.

Das Wichtigste: regelmäßige Kontrollen beim Frauenarzt

Die gute Nachricht ist, dass Ihr Frauenarzt gegen diese Infektionen etwas unternehmen kann. Bei der Schwangerschaftsvorsorge wird der Urin regelmäßig auf Bakterien untersucht, sowie bei Beschwerden auch die Scheidenflora. Deshalb ist es wichtig, dass Sie regelmäßig die Vorsorgetermine wahrnehmen. Zusätzlich gibt es inzwischen Testhandschuhe für Zuhause, mit denen man relativ einfach den PH-Wert in der Scheide selber messen kann. Man bekommt sie in der Apotheke oder auch über die Krankenkassen. Ein saures Scheidenmilieu hilft, die Bakterien abzuhalten. Vorbeugend können Sie selbst mit einem speziellen Gel oder Milchsäurebakterien für eine Verbesserung sorgen. Ein einfaches Hausmittel - von Zeit zu Zeit etwas Joghurt in die Scheide geben - kann ebenfalls helfen. Stimmen Sie diese Maßnahmen aber vorher immer mit Ihrem Arzt ab.

Wichtig ist aber auch, dass Sie Warnzeichen wie starken, eigenartig riechenden oder verfärbten Ausfluss ernst nehmen und zum Frauenarzt gehen. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, wenn Sie die Befürchtung haben, dass etwas nicht stimmt. Lieber einmal mehr kontrolliert als zu wenig! Weitere Anzeichen, bei denen Sie zum Arzt gehen sollten, sind Rückenschmerzen, in die Leisten ziehende Unterleibsschmerzen und jede Art von Blutungen.

Was kann man gegen eine vorzeitige Öffnung des Muttermundes tun?

Wenn sich der Gebärmutterhals zu früh verkürzt oder sich der Muttermund zu öffnen beginnt, kann das entweder an einer grundsätzlichen Muttermundschwäche liegen oder an vorzeitigen, muttermundswirksamen Wehen. Häufig wird der Arzt hier Ruhe und Magnesium verordnen. Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, muss in seltenen Fällen in der Klinik mit wehenhemmenden Mitteln versucht werden, die Geburt aufzuhalten oder zumindest hinauszuzögern. Bei einer drohenden Frühgeburt wird dann durch Cortison die Lungenreifung des Kindes gefördert, damit das Kind nach der Geburt alleine, ohne Hilfe durch Geräte gut atmen kann.

Bei Frauen die bereits mehrere Frühgeburten hatten, kann man durch eine Operation in frühen Schwangerschaftswochen den Muttermund durch Nähte unterstützen (sogenannte "Cerclage") oder ihn komplett verschließen ("totaler Muttermundverschluss"). Derartige Eingriffe werden jedoch nur in ausgewählten Fällen durchgeführt.

Das allerwichtigste Mittel bei vorzeitigen Wehen ist aber zunächst einmal Ruhe. Oft ist einfach Stress der Auslöser und die Lage beruhigt sich von selber, sobald die Schwangere sich eine echte Pause gönnt und sich schont. Nicht wenige Frauen haben nach vorzeitigen Wehen ihr Kind am Schluss noch übertragen! Magnesium wirkt ebenfalls wehenhemmend und entspannend. Manchmal kann auch die klassische Homöopathie helfen. Hier sprechen Sie am besten mit einer erfahrenen Hebamme oder einem Heilpraktiker.

Äußere Einflüsse - Das können Sie selber tun:

Übermäßigen Stress und starke psychische und körperliche Belastung sollten Sie während der Schwangerschaft soweit wie möglich vermeiden, weil dadurch auch mal vorzeitig Wehen ausgelöst werden können. Natürlich ist das oft leichter gesagt als getan, vor allem wenn zuhause noch ein oder zwei kleine Kinder herumturnen, die auf Mamas Arm wollen. Holen sie sich gegebenen Falls Hilfe, wenn Sie merken, dass körperliche und seelische Belastungen im Alltag zu Beschwerden führen. Auch bei beruflichem Stress sollten Sie rechtzeitig kürzer treten und sich notfalls krankschreiben lassen. Stark belastende Situationen wie eine Trennung oder dergleichen lassen sich natürlich nicht verhindern, aber oft hilft ein Gespräch mit einem Therapeuten. Wichtig ist, dass Sie sich helfen lassen.

Andere Risikofaktoren

Rauchen in der Schwangerschaft kann vielfältige Auswirkungen auf ein Kind haben. Eine davon ist ein stark erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Das Nikotin verengt die Blutgefäße und hemmt damit die Durchblutung des Plazenta, wodurch das Kind nicht mehr ausreichend versorgt wird. Wenn Sie es nicht alleine schaffen, mit dem Rauchen aufzuhören, sprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt.

Frauen unter 18 und über 35 haben statistisch gesehen häufiger Frühgeburten, ebenso wie stark untergewichtige oder übergewichtige Frauen. Auch eine kürzlich vorangegangene Frühgeburt oder Fehlgeburt erhöht das Risiko, weil der Muttermund seine Haltefunktion noch nicht wieder voll erfüllen kann. Hier raten die Ärzte oft, mit der nächsten Schwangerschaft wenn möglich noch etwas zuwarten Außerdem steht Paradontitis - also eine Entzündung des Zahnhalteapparates unter Verdacht. Hier kann man mit guter Zahnpflege vorsorgen.

Eine Besonderheit: die Mehrlingsschwangerschaften

Zwillinge, Drillinge und mehr kommen häufig ein paar Wochen zu früh auf die Welt. Die stärker gedehnte Muskulatur der Gebärmutter signalisiert eine weiter fortgeschrittene Schwangerschaft als es tatsächlich der Fall ist, und deshalb gehen die Wehen meist früher los. Zusätzlich werden die Babys am Ende oft nicht mehr optimal versorgt, und die Ärzte leiten die Geburt von sich aus ein. Vor allem die steigende Zahl von Mehrlingsgeburten - in Verbindung mit dem höheren Durchschnittsalter der Mütter - machen die Ärzte für die weiter anwachsende Zahl von Frühgeburten verantwortlich. Aber glücklicher Weise haben Frühgeborene heutzutage ja viel bessere Aussichten, unbeschadet groß zu werden, als in früheren Jahren.

Lesen Sie hier weiter...

von Maxi Christina Gohlke

Zuletzt überarbeitet: August 2016

   

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