Die optimale Ernährung von Frühchen

Mama liegt mit Baby schlafend im Bett

© fotolia, Svetlana Fedoseeva

Frühchen fehlen die Speckpölsterchen, die termingerecht geborene Kinder in den letzten Wochen im Mutterleib zulegen. Dadurch haben Frühgeborene nichts, wovon sie zehren können. 

Deshalb ist eine optimale und auf die besonderen Nährstoffbedürfnisse des Kindes ausgelegte Ernährung für Frühchen besonders wichtig.

Frühgeborene benötigen vom ersten Lebenstag an sehr viel Energie: Atmen, Saugen, Schlucken, Verdauen, Wachsen - das alles kostet Kraft. Um ihnen den anstrengenden Start ins Leben zu erleichtern, benötigen Frühchen sehr hochwertige, kalorienreiche und dabei leicht verdauliche Nahrung, denn sie kommen ohne Reserven zur Welt und ihre Entwicklung verläuft schneller als die von reif geborenen Kindern. Muttermilch ist für die Entwicklung des Kindes, seinen empfindlichen Verdauungstrakt und sein Immunsystem ideal. Sollte ein Mangel an Muttermilch herrschen, gibt es heute auch sehr gute Fertignahrungen.

Ernährung von extremen Frühchen

Stillen ist für alle Babys die optimale Ernährung, weil Muttermilch zu jeder Zeit genau die Nährstoffe liefert, die das Baby benötigt. Das gilt auch für Frühgeborene. Frühchen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, sind kaum fähig selbstständig zu atmen, zu schlucken oder zu saugen. In diesen Fällen bekommen die Kinder die Milch mit einer Magensonde verabreicht. Mediziner sprechen dann von einer enteralen Ernährung. Dadurch sparen die Babys wertwolle Energie, die sie zum Wachsen benötigen.

Sehr unreife Babys werden zunächst intravenös ernährt. Sie bekommen die Nahrung durch eine Infusion direkt ins Blut verabreicht. Diese Ernährungsform nennt man in der Medizin parenterale Ernährung. Das gibt dem kleinen, unreifen Darm Zeit, sich an die Nahrung zu gewöhnen. Außerdem verliert das Baby keine wertvolle Energie für den anstrengenden Verdauungsvorgang. Allerdings ist es immer das Ziel, dass auch diese Babys so schnell wie möglich lernen, selbst zu trinken.

Muttermilch wird für Frühchen angepasst

Frühchen haben keine Energievorräte wie reif geborene Babys. Sie können Energie- und Eiweißmangel nicht durch ihre Speckpölsterchen ausgleichen. Gleichzeitig haben die schnell wachsenden Frühchen einen besonders hohen Kalorienbedarf. Um die Kinder bestmöglich zu versorgen, wird die abgepumpte Muttermilch für sehr kleine Frühchen häufig mit Nährstoffen angereichert.

Solche Nahrungszusätze enthalten zusätzlich Eiweiß, Zucker, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine und ergänzen damit die Muttermilch optimal in ihrer natürlichen Nährstoff- und Schutzfunktion. Nachdem der Energiebedarf der Frühchen je nach Geburtsgewicht und Geburtszeitpunkt sehr unterschiedlich ist, kann man die Nahrung mit Hilfe dieser Zusätze optimal an die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder angepasst werden. Studien bestätigen den Erfolg: Babys, die mit angereicherter Muttermilch ernährt werden, sind schneller in der Lage, ihr Wachstumsdefizit auszugleichen.

Eine fachgerechte Anreicherung der Nahrung ist sehr wichtig, um die Entwicklung des Kindes zu fördern und mögliche Folgeschäden so gering wie möglich zu halten. Frühgeborene können aufgrund ihrer Unreife manche Aminosäuren nicht umsetzen und einzelne Fettsäuren nicht selbst bilden. Die Folgen können u. a. Defizite in der Gehirnentwicklung und eine verminderte Sehschärfe sein.

Muttermilch ist das Beste

Muttermilch ist leicht verdaulich und schont damit den kleinen, noch unreifen Darm. Durch ihre besonders hohe Konzentration an Immunglobulinen erhält das Baby einen Teil der Abwehrstoffe, die es normalerweise noch während der Schwangerschaft von der Mutter mitbekommen hätte. Auf diese Weise hilft Muttermilch das empfindliche Immunsystem der Babys zu stärken.

Sogar für extrem früh geborene Kinder hat die Natur vorgesorgt: Mütter, deren Babys vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen, bilden für ein paar Wochen eine ganz spezielle "Frühgeborenenmilch". Diese Milch enthält deutlich mehr Eiweiß, Fettsäuren, Vitamine, Spurenelemente und Abwehrstoffe als die Milch von Müttern reifer Babys. Um den ursprünglichen Entbindungstermin herum gleicht sich die Zusammensetzung der Milch dann auf natürliche Weise wieder an die normale Neugeborenen-Milch an.

Neben den hochwertigen Nährstoffen liefert Muttermilch noch viele weitere Vorzüge: Sie ist leicht verdaulich und wird deshalb von Babys optimal vertragen und verwertet. Sie stimuliert das Wachstum, fördert die Reife des Darms und unterstützt den Aufbau der Darmflora. Sie fördert die intellektuelle Entwicklung und die Sehkraft. Gleichzeitig schützt sie das Baby vor den bei Frühgeborenen besonders gefürchteten, schweren bakteriellen Infektionen wie Blutvergiftung, Harnwegsinfekten und Darmentzündung. Frühgeborene, die mit Muttermilch ernährt werden, benötigen deutlich weniger Antibiotika und werden im Durchschnitt zwei Wochen früher aus der Klinik entlassen, als rein mit Flaschenmilch ernährte Babys.

Möglichst gleich nach der Geburt abpumpen

Vor allem das "Kolostrum" - die erste, dickflüssig-gelbliche Milch, die die Mutter in den ersten drei Tagen nach der Geburt bildet - bietet einen besonderen Schutz vor Infektionen und ist für Frühchen deshalb besonders wertvoll. Gerade in den ersten hektischen Tagen nach einer Frühgeburt hat die Mutter aber meistens nicht die Zeit und Muße, die sie zum Stillen bräuchte. In manchen Fällen liegt die Mutter sogar in einer anderen Klinik, weit weg von ihrem Baby. Sorgen und Ängste bestimmen den Tag. Hier ist es sehr wichtig, dass sowohl die Schwestern wie auch der Vater die Mutter in ihren Stillbemühungen bestärkt und unterstützt.

Am besten ist es, wenn Sie gleich in den ersten Stunden nach der Geburt anfangen, Milch fürs Baby abzupumpen, um den Milchfluss sobald wie möglich in Gang zu bringen. Aber auch wenn das versäumt wurde, ist es später noch möglich das Baby zu stillen. Frühgeborenen sind etwa ab der 35. Lebenswoche kräftig genug, um den komplizierten Saug-Schluck-Vorgang zu bewältigen und können gestillt werden. Wenden Sie sich am besten an eine erfahrene Hebamme oder Stillberaterin, die Ihnen helfen kann und Sie beim Stillen Ihres Kindes unterstützt.

Frühgeborenen-Nahrung

Sollte keine Muttermilch zur Verfügung stehen, können Babys auch mit spezieller Frühgeborenen-Nahrungen ernährt werden. Diese Spezialnahrung enthält einen erhöhten Gehalt an Eiweiß, Mineralstoffen - vor allem Calcium und Phosphor für die Knochen -, Vitaminen und Spurenelementen. Nach dem Vorbild der Muttermilch ist sie mit probiotischen Bifiduskulturen angereichert, die das Immunsystem unterstützen und das Wachstum einer gesunden Darmflora anregen. In der Regel empfehlen Kinderärzte, dass Frühchen wegen ihres erhöhten Nährstoffbedarfs bis zu einem Gewicht von etwa 5000 Gramm weiterhin diese besondere Frühgeborenen-Spezialnahrung erhalten sollen. Fragen dazu können Sie gern unserem Kinderarzt und Frühgeborenenexperten PD Dr. med. Axel Hübler und Team stellen.

Zwiemilch-Ernährung

"Zwiemilch"-Ernährung bedeutet, dass ein Baby entweder abwechselnd mit Muttermilch und Fertignahrung gefüttert wird oder nach dem Stillen an der Brust noch ein Fläschchen bekommt. Gerade bei Frühchen kann das sehr sinnvoll sein, weil die Mutter durch reines Abpumpen oft nicht die Menge an Milch erreicht, die das Baby mit seinem erhöhten Energiebedarf benötigt.

Wenn man zwischen Muttermilch und Fläschchennahrung abwechselt, nimmt man der Mutter den Leistungsdruck, "nicht genügend Milch zu haben". Diese Angst kann zur Folge haben, dass die Milchmenge der Mutter noch weiter zurückgeht. Die Mutter kann entspannt weiter stillen oder abpumpen und das Baby bekommt seinen Anteil an wichtigen Immunstoffen aus der Muttermilch. Die hochkalorische Fertignahrung unterstützt zusätzlich das Wachstum des Babys.

Alles übers Stillen von Frühchen und die Haltbarkeit von Muttermilch finden Sie in den Stilltipps für Frühchen-Mütter oder in unserem Rund-ums-Baby Stillbereich.

Zuletzt überarbeitet: Februar 2019

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