Die Austreibungsphase der Geburt

Die Austreibungsphase der Geburt

© fotolia, Jordan Edgcomb

Als Austreibungsphase bezeichnet man den Abschnitt des Geburtsvorgangs zwischen der kompletten Öffnung des Muttermundes und der vollständigen Geburt des Kindes.

Austreibungsphase: Der Weg durch den Geburtskanal

Die Austreibungsphase folgt der Eröffnungsphase, ist aber deutlich kürzer als diese. Bei Erstgebärenden kann die Austreibungsphase bis zu 2 Stunden dauern, bei Zweitgebärenden geht es häufig wesentlich schneller. Die Austreibungsphase beginnt, sobald die letzten Millimeter des Muttermundes geöffnet sind. In dieser Phase platzt, falls bisher noch nicht geschehen, die Fruchtblase. Man bezeichnet das als rechtzeitigen Blasensprung.

Bei vielen Frauen lassen die Wehen zu Anfang der Austreibungsphase noch einmal etwas nach - der Körper sammelt Kraft für die letzte, sehr intensive Phase der Geburt. Viele Frauen empfinden diese Periode als sehr anstrengend, aber trotzdem als erleichternd, da sie nun endlich selbst aktiv werden können. Durch die vollständige Öffnung des Muttermundes kann der kindliche Kopf tiefer ins Becken eintreten und löst damit bei der werdenden Mutter einen reflexhaften Drang zum Mitpressen aus. Die Austreibungswehen werden so durch Kraft der mütterlichen Bauchmuskulatur verstärkt.

Harmloses Geburtsgeschwulst durch die Austreibungsphase

Durch den Blasensprung entsteht eine Sogwirkung am Kopf des Kindes. Außerdem tritt durch die vollständige Öffnung des Muttermundes der kindliche Kopf immer tiefer ins Becken ein. Das Baby dreht dabei seinen Kopf, um auf dem Wege des geringsten Widerstandes durch den engen Beckeneingang der Mutter zu passen. Der Kopf steckt jetzt tief im Becken der Mutter, dadurch kann der Rückfluss des Blutes über die Vene am kindlichen Kopf erschwert sein. Das ist auch der Grund, weshalb es zu einer bläulich verfärbten Schwellung kommen kann, dem sogenannten Geburtsgeschwulst. Diese harmlose Schwellung bildet sich binnen weniger Tage nach der Geburt zurück.

Die Austreibungsperiode ist für das Kind die kritischste Phase während der Geburt. Dauert die Austreibungsphase sehr lange an, kann die Hebamme oder der Geburtshelfer einen Dammschnitt vornehmen, um den Druck auf den Kopf des Kindes zu verringern und die Austreibungsphase zu verkürzen.

Presswehen in der Austreibungsphase

Den letzten Teil der Austreibungsperiode bezeichnet man als Pressphase. Sie dauert beim ersten Kind etwa 30 bis 40 Minuten an, bei den folgenden Kindern ist sie meistens kürzer. In dieser Phase richtet sich zunächst der Kopf des Kindes auf der Beckenbodenmuskulatur so aus, dass er gut durch den Geburtskanals hindurch passt. Das Köpfchen drückt dabei auf den Enddarm der Mutter und löst damit einen sehr starken Drang zum Pressen aus. Dieses Gefühl ist so heftig, dass die werdende Mutter sich praktisch nicht dagegen wehren kann.

Kopfüber schiebt, beugt und dreht sich das Baby nun mit jeder Wehe immer weiter nach unten, bis es den Geburtskanal vollständig passiert hat. Mit einer oder zwei besonders kräftigen Presswehen erblickt zuerst das Köpfchen das Licht der Welt. Nachdem der Kopf des Babys geboren ist, folgt bei normalgewichtigen Babys mit der nächsten Wehe der Rumpf problemlos nach. Der Rumpf des Kindes hat normalerweise einen geringeren Durchmesser als der Kopf und kann sich außerdem einfacher dem Geburtskanal anpassen.

Das Baby ist jetzt auf der Welt, die Geburt gilt medizinisch gesehen aber noch nicht als beendet. Denn erst wenn die Nachgeburt, bestehend aus den Eihäuten und dem Mutterkuchen, komplett geboren ist, ist die Geburt abgeschlossen. Dieser allerletzte Teil der Geburt wird als Nachgeburtsphase oder auch Plazentaphase bezeichnet. Die Hebamme oder der Geburtshelfer prüft die Nachgeburt auf Vollständigkeit. Dies ist sehr wichtig, den bleiben Teile davon in der Gebärmutter zurück, kann es zu Infektionen kommen. Ist die Nachgeburtsphase abgeschlossen, beginnt das Wochenbett.

Zuletzt überarbeitet: Dezember 2018

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