"Wechselmodell": Auf die Bedürfnisse
des Kindes achten

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© fotolia, Yuri Arcurs

Nach einer Trennung entscheiden sich Eltern heute oft für das "Wechselmodell". Dabei leben Kinder abwechselnd bei einem Elternteil. Das kann für alle Beteiligten gut funktionieren. Dreh- und Angelpunkt ist aber, ob das Kind sich dabei wohl fühlt. 

Auch nach der Trennung weiter gemeinsam Eltern sein - vielen Müttern und Vätern ist das heute sehr wichtig: Beide wollen ihr Kind betreuen und erziehen, statt Sohn oder Tochter nur ab und zu mal zu sehen. Daher wählen viele Eltern das "Wechselmodell"*. Es legt fest, dass Kinder abwechselnd für bestimmte Zeit bei der Mutter und beim Vater wohnen, zum Beispiel im Wechsel von 14 Tagen.

Ihr Kind soll sich sicher und geborgen fühlen

Grundsätzlich kann das die Bindung eines Kindes an seine beiden Elternteile stärken. Klar ist allerdings, dass sich die Eltern dazu auch nach der Trennung halbwegs gut verstehen müssen. Denn den Lebensmittelpunkt eines Kindes regelmäßig zu verlegen, ist nicht ohne. Das erfordert viele Absprachen, Vertrauen und Offenheit, um den Wechsel für das Kind möglichst harmonisch zu gestalten. Und genau darauf kommt es an: Ihr Kind soll sich sicher und geborgen fühlen. Und den regelmäßigen Wechsel zwischen zwei Lebensorten als geregelten Teil seines Alltags empfinden können. Genau deshalb schreiben die einschlägigen Gesetze vor, dass das Kindeswohl an erster Stelle zu stehen hat.

Auch Experten wie Psychologen und Kinderärztinnen betonen: Es ist sehr wichtig, dass Eltern gut überlegen, was wohl aus Sicht ihres Kindes die beste Lösung ist. Schließlich ist ihre Trennung an sich schon ein großer Einschnitt in seinem Leben. Weitere Veränderungen können Kinder dann zusätzlich verunsichern und weiteren Stress bedeuten. Sie erfordern auf alle Fälle gute Vorbereitung und liebevolle Begleitung. Das gilt umso mehr, je jünger ein Kind ist.
Für Kinder ist letztlich entscheidend, dass:

  • die neue Betreuungssituation ihnen Zugang zu beiden Eltern ermöglicht,
  • die getroffenen Regelungen ihnen nicht zu viel abverlangen.

Eine wichtige Voraussetzung für das Wechselmodell ist natürlich auch, dass ein Kind bisher eine gute Beziehung zu beiden Elternteilen hatte.

Sehr junge Kinder sind schnell überfordert

  • Ausnahmen bestätigen die Regel, aber: Bei Kindern unter drei Jahren ist es häufig besser, wenn sie überwiegend bei ihrer vertrauten Hauptbezugsperson leben. Also dem Elternteil, das sie bislang hauptsächlich betreut hat. Längere Trennungen, verbunden mit einem Wechsel der Wohnumgebung, überfordern junge Kinder schnell.
  • Es ist hilfreich, wenn die Wohnorte der Eltern nicht zu weit voneinander entfernt sind. Das erspart allen Beteiligten nicht nur zeitraubende Fahrerei bei jedem Wechsel: Sobald Kinder in die Kita oder die Schule gehen, müssen diese ja erreichbar bleiben. Außerdem wollen Kinder ihre Freunde sehen und besuchen. Diese sozialen Kontakte geben Ihnen zusätzlichen Halt.

Kinder haben das Recht, mitzureden

Kinder haben ein Mitspracherecht! Sobald das möglich ist, sollen sie auf altersgemäße Art dazu gefragt werden, was sie sich wünschen. Häufig ist das für Eltern und Kind nicht einfach. Es ist schwierig, als selbst beteiligte Person neutral zu bleiben. Und Kinder möchten natürlich kein Elternteil verletzen. Umso wichtiger ist es, dass Sie als Erwachsene sich Ihrer Verantwortung bewusst sind, auf die Bedürfnisse Ihres Kindes zu achten.

Tipp: Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind mit der Situation nicht zurechtkommt oder sich überfordert fühlt, ist externer Beistand oft sinnvoll. Wenden Sie sich ruhig an eine Erziehungs- und Familienberatungsstelle. Dort arbeiten erfahrene Fachkräfte, die Sie neutral und vertraulich beraten können. Diese Beratung ist in der Regel kostenfrei.

 

*In diesem Text geht es um grundlegende Informationen zum "Wechselmodell". Bei der individuellen rechtlichen Umsetzung im Einzelfall spielen viele weitere Punkte eine Rolle.

Zuletzt überarbeitet: Mai 2020

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