Frage im Expertenforum Medikamente in der Schwangerschaft an Dr. med. Wolfgang Paulus:

MSM, Chondroitin und Glycosaminglycane

Dr. med. Wolfgang Paulus

Dr. med. Wolfgang Paulus
Facharzt und Leiter der Beratungsstelle für Reproduktionstoxikologie an der Universitätsfrauenklinik Ulm

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Frage: MSM, Chondroitin und Glycosaminglycane

schütze79

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Sehr geehrter Herr Dr Paulus, Ich bin endlich nach zwei Aborten wieder Schanger in der 9SSW. Jetzt habe ich meine Gelenksprodukte wegen der Schwangerschaft abgesetzt. Leider haben sich damit auch die Schmerzen wieder eingestellt. Ohne Bandge geht fast nichts. Darf ich vielleicht MSM nehmen? Von Chondroition wird abgeraten oder? Wie ist das ab der 13 SSW? Vielen Dank für Ihre Hilfe!


Dr. Wolfgang Paulus

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Methylsulfonylmethan (Dimethylsulfon) ist eine schwefelhaltige Verbindung, die in vielen tierischen und pflanzlichen Organismen und damit auch in der menschlichen Nahrung vorkommt. Die Substanz wird als Nahrungsergänzungsmittel für Menschen und Tiere angeboten, um einen Mangel an Schwefel im Organismus auszugleichen. Es werden ihr Effekte gegen entzündliche Reaktionen, Schmerzen, Erkrankungen der Gelenke und des Stützapparates, Verdauungsbeschwerden, Harnwegserkrankungen, Allergien und Autoimmunerkrankungen zugeschrieben. Da die Eiweißzufuhr hierzulande als hoch gilt, erscheint die ergänzende Gabe von schwefelhaltigen Verbindungen wie Dimethylsulfon nicht notwendig. Bei ausgewogener Ernährung gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis für einen Nutzen des Nahrungsergänzungsmittels (Gallagher et al 2015). Unter oraler Applikation von Dimethylsulfon beobachtete man in Tierversuchen mit graviden Ratten unter Dosen von 50, 500 bzw. 1000 mg/kg/d während der Organogenese keine Zunahme angeborener Anomalien bei den Nachkommen (Magnuson et al 2007). Studien zur Anwendung in der menschlichen Schwangerschaft liegen nicht vor. Der Aminozucker Glucosamin kommt in Mucoproteinen and Mucopolysacchariden physiologischerweise vor. Fruchtschädigende Wirkungen konnten bei Mäusen und Kaninchen nicht festgestellt werden. Bei Chondroitin handelt es sich um einen Mucopolysaccharidbestandteil des Knorpels. Eine Injektion von 1 ml 2% Chondroitin führte bei trächtigen Mäusen zu einem Anstieg von Gaumenspalten und Schwanzanomalien (Kamei 1961). Verabreichte man Mäusen bzw. Ratten die Substanz in einer Dosis von 5000 mg/kg oral, beobachtete man keine Zunahme angeborener Anomalien (Hamada 1972). Systematische Untersuchungen in der menschlichen Schwangerschaft liegen für die genannten Substanzen leider nicht vor.


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