Mitglied inaktiv
Sehr geehrter Hr. Prof. Michelmann, da mein Mann und ich seit einem Jahr vergeblich versuchen, schwanger zu werden, ließ er ein Spermiogramm machen. Heute konnte er telefonisch das Ergebnis erfragen, und nun der Schock: Er verfügt nur über eine Anzahl von 4 Mio. Spermien (anstatt 20), alle anderen Parameter sind aber laut Aussage des Urologen in Ordnung. Mein Mann leidet z.Zt. an einer akuten Sehnenscheidenentzündung, die schon einige Wochen anhält, sein Arm muss sogar eingegipst werden. Der Arzt empfahl nun ein Wiederholungsspermiogramm, sobald die Entzündung abgeklungen ist. Nun meine Fragen: 1) Was für einen Einfluss hat eine Entzündung dieser Art auf die Spermienanzahl? 2) Können wir noch hoffen, bei dem Wiederholungsspermiogramm ein "normales" Ergebnis zu erhalten? 3) Falls nein: Was würde das für unseren Kinderwunsch bedeuten? Der Gynäkologe vermutet bei mir eine leichte Gelbkörperschwäche. Vielen Dank für Ihre Antwort
Hallo Andrea, die extrem geringe Anzahl an Spermatozoen hat sicher nichts mit der augenblicklichen Entzündung zu tun. Wir wissen aber, dass die Ejakulatqualität sehr schwanken kann und deshalb ist es jetzt wichtig, dass sie tatsächlich erst einmal das Kontrollspermiogramm abwarten. Bestätigt sich das schlechte Ergebnis, dann bleibt ihnen höchstwahrscheinlich nur die intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion (ICSI) als Therapiemaßnahme. Ich würde mich dann möglichst schnell in einem Kinderwunsch-Zentrum zu einem Erstgespräch anmelden. Viel Glück!
Mitglied inaktiv
Hallo Hr. Prof. Michelmann, danke für Ihre schnelle Antwort. Diese hat mich tief getroffen und lässt die schlimmsten Befürchtungen wahr werden. Für mich ergeben sich nun eine Reihe von weiteren Fragen, für deren Beantwortung ich sehr dankbar wäre. 1.) Ich sehe ein, dass 4 Mio. Spermien im Vergleich zu 20 oder 160 Mio. als unterer bzw. oberer Normalwert eine extrem geringe Anzahl ist. Dennoch ist 4 Mio. für sich allein genommen doch eine große Zahl, wenn man bedenkt, dass nur ein einziges ausreicht, um eine Eizelle zu befruchten. Die Beweglichkeit der Spermazellen soll übrigens gut sein. Besteht nicht wenigstens eine geringe Hoffnung, dass es doch auf normalem Wege klappen könnte? Was spricht gegen eine IUI? 2.)Ich habe mich über die ICSI-Methode informiert und herausgefunden, dass in Deutschland aufgrund des Embryonenschutzgesetzes die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft pro Versuch bei 25% liegt, während im benachbarten Ausland, z.B. Belgien, die Wahrscheinlichkeit 45% beträgt. Viel sinnvoller erscheint mir nun, es direkt im Ausland zu probieren. Spricht irgendetwas dagegen? Haben Sie Adressen? Ich bin übrigens noch 29 Jahre alt.
Hallo Andrea, sie sollten jetzt wirklich erst einmal das Kontrollspermiogramm abwarten und dann weitere Entscheidungen treffen. Sie haben Recht: 4 Mio Spermatozoen/ml sind nicht wenig aber Tatsache ist, dass im Vergleich zu einem normal arbeitenden Hoden mit mindestens 20 Mio./ml etwas mit der Spermatogenese nicht in Ordnung ist. Man muss also davon ausgehen, dass auf Grund einer gestörten Spermatogenese auch die gebildeten Samenzellen nicht der Norm entsprechend. Seit Jahrzehnten ist bekannt, dass mit solch einer Samenzellzahl das Erreichen einer Schwangerschaft auf normalem Wege oder per IUI oder IVF sehr unwahrscheinlich ist. Aber in der Reproduktionsmedizin gibt es nichts was es nicht gibt. Ich habe alles schon erlebt, auch Schwangerschaften mit solch einem Spermiogramm. Aber das sind Ausnahmen auf die man sich nicht verlassen sollte. Es ist richtig, dass im Ausland auf Grund einer anderen Rechtslage die Schwangerschaften sehr viel höher sind. Die dort praktizierte Embryonenselektion erlaubt die Auswahl der qualitativ besten Embryonen für den Transfer (in Deutschland verboten). Der Nachteil einer Behandlung im Ausland ist, dass in den meisten Fällen die Kasse solch eine Behandlung nicht trägt.
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