il200875
Sehr geehrter Herr Dr. Busse, wir sind etwas verunsichert. Heute fanden die Kinder auf dem Spielplatz eine offensichtlich geschwächte Fledermaus, die wir zwischenzeitlich in einer Box haben und sie morgen dem Nabu übergeben. Die Kinder (es waren einige) haben das Tier mit der bloßen Hand aufgenommen und gestreichelt. Von einem Biss oder Kratzern haben wir nichts mitbekommen, können diese aber auch nicht gänzlich ausschließen. Nun machen wir uns Gedanken wegen einer möglichen Fledermaustollwut-Exposition. Halten Sie in diesem Fall sicherheitshalber eine PEP für angeraten? Vielen Dank für Ihre Einschätzung!
Liebe I., bitte lassen Sie das umgehend beim Arzt klären. Auch bei nicht blutenden, oberflächlichen Kratzer oder Hautabschürfungen, Lecken oder Knabbern an der nicht intakten Haut durch eine Fledermaus sollte unbedingt eine Tollwutimpfung erfolgen. Alles Gute!
Krümeli
Laut Stiko-Empfehlung ist bei jedem Kontakt mit einer Fledermaus eine PEP mit aktiver und passiver Immunisierung durchzuführen. Wenn es mein Kind wäre, hätte ich sofort (innerhalb 24 h) auf eine vollständige PEP bestanden und würde dir (und den anderen Eltern) dringend raten, schnellstmöglich eine Klinik (der Kinderarzt hat den Impfstoff evtl. nicht vorrätig) aufzusuchen und diese nachzuholen. Zumal es dieses Jahr in Deutschland schon Fälle von Fledermaustollwut gab und das Tier offensichtlich geschwächt war. Viele Grüße
Muschelnudel
Auf jeden Fall. Beim Tropen Institut(Google) kann man euch sagen wo ihr die PEP bekommt.
il200875
Nach Rücksprache mit Hausarzt, Kinderarzt, dem Tropeninstitut der Charité und der Mitarbeiterin der Wildtierstation des NaBu ist eine PEP nicht nötig. Ein Biss wäre, laut verschiedener Aussagen, nicht unbemerkt geblieben. Das Tier war bei der Abgabe beim NaBu unauffällig, nicht aggressiv und lediglich geschwächt.
Muschelnudel
Ich finde da hast du richtig gehandelt, und kannst jetzt beruhigt sein.
il200875
Nach einem weiteren Telefonat mit den Experten beim Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) scheint das Risiko in der Tat sehr überschaubar zu sein. Ohne einen tatsächlichen Biss, den man definitiv spüren würde, ist das Risiko 0. Selbst bei einem Biss ist das Risiko aufgrund der niedrigen Durchseuchung bei Zwergfledermäusen (0,2%) zwar gegeben, aber nicht sehr hoch. Der Experte vom FLI empfahl, im Falle, dass die Fledermaus in der Pflegestelle des NaBu doch sterben sollte, diese dann untersuchen zu lassen und bei positivem Befund eine PEP einzuleiten. Das sei zeitlich dann immer noch im Rahmen. Er meinte, man müsse nicht gleich mit Kanonen auf Spatzen schießen.
Krümeli
Super, das klingt gut. Ja, ich hätte auch geraten die Fledermaus auf jeden Fall beim Nabu 10 Tage zu beobachten und im Falle von Symptomen/ dem Tod des Tieres die PEP zu machen. Kommt ja auch noch drauf an, wo ihr wohnt. Im Norden treten mehr Tollwutfälle auf und in Zwergfledermäusen gibt es auch nur wenige Nachweise, da sind andere Arten mehr betroffen.
il200875
Wir wohnen in Baden-Württemberg, was das Risiko noch einmal reduziert. Ich denke, es sollte alles gut sein…
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