Frage im Expertenforum Kinderarzt an Miriam Althoff:

5jähriger wird nicht sauber

Frage: 5jähriger wird nicht sauber

Luvanir

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Hallo Frau Althoff, wir haben große Schwierigkeiten mit dem Sauberwerden. Im Juli wird unser Sohn 6 Jahre alt. kurz vor dem 3.Geburtstag haben wir tagsüber die Windel abgelegt. Das hat auch ca 3 Monate bis zum Eintritt in den Kindergarten (davor war er in der gleichen Einrichtung in der Krippe) sehr schnell und sehr zuverlässig geklappt.    Es gab dann zunächst immer mehr Unfälle. Zunächst pinkelte er sich mal ein, dann immer häufiger. Dann war auch das große Geschäft wieder in der Hose. Das haben wir fast zwei Jahre mit Laxbene (wahrscheinlich unnötig) behandelt. Meistens klappt es jetzt, wobei er praktisch nie von sich aus geht sondern nur aus der Routine heraus. Es gibt Phasen mit weniger Pipi Unfällen (1-2 am Tag) und zahlreichen Unfällen (ca 8-12). Unfallfreie Tage sehr selten mal dazwischen.    Wir sind daher auch schon länger beim Urologen in Behandlung. Protokolle wurden geführt, viele Gespräche... wirkliche Befunde liegen nicht vor. Funktionale Blasenentleerungsstörung als Ausschlussdiagnose. Er ist sonst völlig normal entwickelt.   Jetzt seit drei Monaten der Versuch mit einer Biofeedbacktherapie mit dem Mikti 2. Auch ohne Effekt.  Windel will er tagsüber nicht mehr. Also waschen wir viel und langsam will ich das Haus auch nicht mehr verlassen. Es ist halt sehr unangenehm wenn er einfach bei anderen auf den Boden pinkelt. An die Einschulung will ich noch gar nicht denken.... Nachts wäre es ohne Windel absolut chancenlos. Häufig laufen diese auch noch aus. Müssen also ohnehin auch da schon viel waschen. Wenn wir es ohne versuchen, müssen wir 3x das Bett neu beziehen...das Thema hat aber keine Priorität.  Ich weiß nicht mehr weiter. Wir haben alles versucht. Die Biofeedbacktherapie war die letzte Hoffnung. Es belastet seit zwei Jahren die Familie enorm. Alle wissen es besser und wir sind wohl einfach schlechte Eltern. Bei allen anderen Kindern klappt es ja auch... Er ist ein lieber Junge und hat (noch) viele Freunde. Aber das wird sicher auch über kurz oder lang schwierig werden, wenn er immer alles vollpinkelt. Mobbing ist da ja vorprogrammiert. Und bei Freunden wird er irgendwann auch nicht mehr zu Besuch kommen dürfen.    Laut Urologe ist es normal, dass es bei manchen Kindern halt so läuft. Das hilft uns aber nicht weiter. Bis zur Einschulung müssen wir das ja in den Griff bekommen. Manchmal braucht er in einer Stunde drei Hosen- das wäre in der Schule ja gar nicht möglich.    gibt es noch irgendeine Möglichkeit der Behandlung? Medikamente? Bei einer Kinderpsychologin stehen wir seit einem Jahr auf der Warteliste...


Miriam Althoff

Miriam Althoff

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Hallo Luvanir, ich verstehe gut, dass das ein sehr belastendes Thema ist. Schlechte Eltern sind Sie auf keinen Fall! Es klingt so, als würden Sie Ihrem Sohn viel Raum für seine Wünsche geben (dass er z.B. ohne Windel rumläuft). Die ganze Wascherei und in der Öffentlichkeit Einnässen etc. stelle ich mir für alle Parteien sehr nervenaufreibend vor! Hut ab also vor Ihrer Geduld und Ausdauer! Dass etwas organisches dahintersteckt, halte ich für unwahrscheinlich, da es ja immer wieder klappt und es auch eine Zeit lang am Stück geklappt hat. Zudem sind Sie ja bereits beim Urologen in Abklärung gewesen. Ich könnte mir eher vorstellen, dass sich durch den Wechsel in den Kindergarten, wo vielleicht viel los war, eine blöde Situation eingeschlichen hat. Dass es beim Wechsel im Kindergarten oder Schule zu Rückfällen kommt, ist normal, dass es so lange dauert, ist aber natürlich sehr ungewöhnlich. Nachts ist die Reife sehr unterschiedlich, wie schnell es klappt. Hier spielen auch unter anderem Hormone eine Rolle. Hier kann man ggf. medikamentös ansetzen. Manche Kinder schlafen auch einfach sehr tief. Das kann man z.B. mit einer Klingelhose behandeln. Wie Sie sagen, ist die Nacht aber erstmal zweitrangig. Erstmal sollte es tagsüber verlässlich klappen. Und hier halte ich die Kinderpsychologie für eine gute Anlaufstelle. Haben Sie mal mit ihm darüber gesprochen, wieso er nicht auf die Toilette gehen möchte? Vergisst er es einfach? Will er das Spiel nicht unterbrechen? Fühlt er sich auf dem Klo nicht wohl? Klappt es problemlos, wenn Sie ihn regelmäßig erinnern und schicken? Haben Sie es mit Toilettensitzen, Hockern etc. versucht? Auf der Toilette Hörspiele anhören oder Bücher lesen? Haben Sie mal besprochen, wie er sich mit dem Einnässen, vor allem in der Öffentlichkeit, fühlt? Haben Sie besprochen, ob im Kindergarten etwas vorgefallen ist? Wie klappt es denn dort? Wird er geschickt oder auch ständig umgezogen? Wird er ausgelacht? Es gibt auch tolle Kinderbücher zu diesen Themen! Meine Tochter wollte z.B. eine Weile ihr großes Geschäft weder in der Windel noch auf der Toilette verrichten und hatte entsprechend mit Verstopfung zu kämpfen. Wir haben unendlich viel darüber gesprochen und Bücher gelesen, Belohnungssysteme eingeführt (haben Sie das schon versucht?) etc., bis dann zum Glück recht schnell der Knoten geplatzt ist. Sie war da aber auch noch nicht mal 3, insofern hatten wir auch keinerlei zeitlichen "Stress". Den kann ich bei Ihnen zwecks Einschulung bestens verstehen. Besprechen Sie es gerne auch nochmal mit Kinderarzt und Urologen und telefonieren sie nochmal die Psychologen ab. Ich drücke die Daumen und wünsche Ihnen weiterhin viel Geduld und Ausdauer! Schöne Feiertage und viele Grüße!


Luvanir

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Danke für die Antwort. Leider haben wir schon alles versucht. Belohnungssystem haben wir recht schnell ausprobiert damals, hatte keinen Effekt. Auch ein späterer erneuter Versuch nicht. Bücher schauen, Filme schauen, darüber sprechen... auch. Er weiß an sich ganz genau wie alles geht und erzählt das auch stolz und interessiert, aber setzt es nicht um. Verschiedene Töpfchen, Hocker, Aufsätze haben wir durch. Hörbuch, Bilderbuch, sogar IPad haben wir versucht. Damit bleibt er länger sitzen, aber es hat keinen positiven Effekt.    Nicht ansprechen und freundlich bleiben, wieder Windeln an, Windeln nur nach Wunsch, Windeln komplett weg, Trainingshöschen, schimpfen, nicht schimpften, erinnern, Sachen selbst ausziehen und wegräumen lassen - wir haben alles durch und jeden Ratgeber dazu gelesen. Jeder Erzieherin hat was Neues versucht, jeder Bekannte den nächsten tollen "Ratschlag" gehabt...  In über zwei, bald drei Jahren hat man viel Zeit und Versuche durch - nichts hatte einen positiven Effekt. Und jeder der es sieht muss es natürlich kommentieren, weil es bei seinem Kind so easy war.  im Kindergarten muss er sich  umziehen wenn er nass ist. Manchmal 1-2x am Tag, manchmal deutlich häufiger. Ausgelacht wird er wohl nicht, aber natürlich ist es ihm zwischenzeitlich sehr unangenehm und er versucht es zu verbergen. Zu Hause geht er manchmal alleine sich umziehen, meistens müssen wir ihn schicken weil er sich nicht umziehen will.    Auf Toilette schicken (nach Zeit, nach Anzeichen, nach...) haben wir und auch der Kindergarten versucht. Er geht dann ungern und ist zuverlässig 5min später nass. Das hat auch zu keiner Verbesserung geführt. Deswegen musste er im Kindergarten auch recht lang wieder Windeln tragen, die Erzieherinnen möchten ihn mit 5 aber auch dazu nicht mehr zwingen.    Wenn wir ihn fragen, warum er einnässt, dann sagt er, dass er es nicht merkt und auch nicht merkt wenn er nass ist. Das können wir aber ausschließen, weil es ja auch phasenweise klappt. Und nass bedeutet manchmal auch wirklich bis an den Bauchnabel und einschließlich Haussschuhe. Das muss er merken. Insgesamt macht er eher dicht, wenn wir darüber reden wollen.  Wir sind völlig ratlos. Die Kinderärztin hat den Psychologen empfohlen, aber da bekommen wir keinen Termin und sie meinte auch, dass das eher kein Fall für sie ist. Der Urologe sieht noch keinen dringenden Handlungsbedarf und empfiehlt Windeln... Der Leidensdruck ist immens. Wir machen uns wirklich große Sorgen um ihn - um die Einschulung aber auch um die soziale Eingebundenheit. Wir haben Angst, dass er dadurch über kurz oder lang sozial völlig isoliert wird. Und in der Schule wird das natürlich massiv Probleme machen, wenn er mehrfach am Schultag einnässt. Oder wieder Windeln trägt (Mobbing). Ihm ist es sehr unangenehm, er lügt, versucht es zu verbergen etc. Offensichtlich leider er auch darunter. Und natürlich merkt er, dass es uns stresst und er ist ein angepasstes, liebes Kind und möchte es auch richtig machen.   


Mumpel

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Hallo! Wollt ihr zum Paychologen oder zum Psychiater? Ich würde es auch mal Psychiater probieren, vielleicht steckt ja sowas wie ADHS o.Ä. dahinter?  Und habt ihr Ergotherapie ausprobiert? Vielleicht gibt's ein Problem mit der Konzentration/Aufmerksamkeit oder der Wahrnehmung?  Nicht alle Psychologen/Psychiater führen eine Warteliste. Bei manchen gibt's einen Aufnahmestopp, und wenn wieder Kapazitäten frei sind, gibt es Neuaufnahmen, bis es wieder voll ist. Vielleicht kannst du nochmal rumtelefonieren und hast irgendwann Glück, schneller einen Termin zu bekommen. Bei unserem KJP sind alle 4-5 Monate für ca. 3 Wochen Neuaufnahmen möglich und dann wieder Aufnahmestopp bis alle neuen Patienten abgearbeitet sind (Diagnostik).  Mein Sohn hatte bis 4 Jahre immer die Windel, obwohl er aufs Klo hätte gehen können. Ich brauchte mal ne Urinprobe für den Kinderarzt und das hat er problemlos gemacht. Aber zunächst nur das eine mal. Einige Wochen später ist er dann zumindest zuhause aufs Töpfchen gegangen. Mit 5 Jahren ist er schließlich auch in der Kita auf Toilette gegangen. Der letzte große Meilenstein war dann das "selber abwischen", da hat er sich zuerst auch extrem geweigert. Irgendwann hat er das dann aber auch gemacht! Die guten Ratschläge kenne ich auch!  Alles Gute!


Luvanir

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Danke für deine Antwort. Wir wollten zum Psychologen. Er hat sonst wirklich keinerlei Auffälligkeiten, daher hatten wir bisher das Thema Psychater nicht im Blick. Es gibt im Umkreis nur einen Kinderpsychologen, ich weiß gar nicht wo der nächste Kinderpsychiater wäre. Wir wohnen sehr ländlich. Aber ich werde mich danach erkundigen.  Ergotherapie werde ich beim Kinderarzt ansprechen. Vllt. Können wir da mal ein Rezept bekommen.    Danke auch für deinen Erfahrungsbericht.


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