Mitglied inaktiv
Hallo Veron und alle anderen, Unerfüllter Kinderwunsch ist eine grausame Sache. Das ewige Warten, Hoffen und wieder enttäuscht werden zehrt an den Nerven. Ich weiß nicht, ob, wie und an wen Ihr glaubt. Ich bin Christin und Glaube an Gott. Das hilft mit meist sehr, vor allem wenn ich wieder mal eine neue Schreckensbot-schaft (die Fehlgeburt, die Myom-OP oder auch nur meine gehasste Mens) erhalte. Keine Ahnung, ob ich je mein eigenes Kind in den Händen halten darf. Ich will jetzt hier in dem Forum wahrlich nicht öffentlich rumevangelisieren, von daher klickt es bitte einfach weg, wenn es Euch nicht zusagt. Aber mir und vielleicht der einen oder anderen von Euch ist es ja vielleicht ein kleiner Trost. Der Evangeliumsrundfunk (www.erf.de) gibt täglich eine kleine Andacht zur Tageslo-sung heraus. Das ist die von heute, ich finde sie echt passend: Tageslosung vom 11.10.2006 Ich weiß, o Herr, dass es nicht in des Menschen Gewalt steht, seinen Weg zu bestimmen. Jeremia 10,23 Jesus sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Markus 14,36 Beim Nachdenken über die Bibelworte, die heute viele Christen durch den Tag be-gleiten, stand mir immer das Wort Fatalismus vor Augen. Fatalismus beschreibt der Duden als eine „völlige Ergebenheit in die als unabänderlich empfundene Macht des Schicksals“. Ich fragte mich: War es diese Haltung, die Jeremia sagen ließ: „Ich weiß, o Herr, dass es nicht in des Menschen Gewalt steht, seinen Weg zu bestimmen“? Sagte Jesus aus Fatalismus im Garten Gethsemane: „Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir: doch nicht, was ich will, sondern was du willst!“? Es klingt fatalistisch, beim näheren Hinschauen zeigt sich aber eine ganz andere Hal-tung und eine eigene Sicht der Situation. Auffallend ist ja zunächst, dass sowohl Je-remia als auch Jesus sich nicht einem blinden Schicksal oder einem unabänderlichen Verhängnis gegenübersehen, sondern dem lebendigen Gott. Vor ihm stehen sie mit allerhöchstem Respekt. Aber sie kennen ihn, sie wissen, wofür er steht. Das ist nie-mand, der mit Menschen spielt oder herzlos zuschaut, wie sie zugrunde gehen. Nicht von ungefähr redet Jesus gerade in dieser Situation Gott mit den Worten „Abba, mein Vater“ an. Auch in der tiefsten Not hält er daran fest, dass alles, was ihm widerfährt, an einem liebenden Vater vorbei muss, der auch die Möglichkeit hat, alles zu ändern. Das ist etwas völlig anderes, als einem blinden Schicksal ausgeliefert zu sein. Und das möchte ich von Jesus lernen, wenn ich mich auflehne gegen die unver-ständlichen und manchmal gar unzumutbaren Wege, die Gott Menschen führt. Doch im Glauben festzuhalten, dass auf der anderen Seite jemand ist, zu dem ich sagen kann: „Abba, mein Vater!“ Mit einem blinden Schicksal kann man hadern. Man kann es in Verzweiflung verfluchen, aber man kann nicht wirklich mit ihm reden. Für meine Ängste und Sorgen hat es keine Ohren, und die Bitte um Hilfe erreicht keinen wirkli-chen Adressaten. Es lässt mich allein, und ich kann mich nur treiben lassen, wo im-mer das Schicksal mich auch hin haben möchte. Ganz anders ist es, wenn ich weiß und glaube, dass auch das Schwere und Unver-standene an Gott vorbei muss. Darüber, dass es mir widerfährt, kann ich mich bei meinem Vater im Himmel beklagen. Ich kann ihm meine Angst und Sorge, meine Verzweiflung und Empörung ins Gesicht schreien. Und das ist nicht gegen die Wand geredet. Das kommt an und wird aufgenommen. Das möchte ich von Jeremia und Jesus lernen: Mich nicht in die Verbitterung zu ver-schließen, sondern auch mit der Verzweiflung zu Gott zu kommen. Wenn Jeremia und Jesus mir Vorbild sein sollen, wie man in schweren Stunden mit sich und seinem Erleben klar kommt, dann interessiert es mich, wie es ihnen denn damit ergangen ist. Bei Jesus sehe ich, dass sich eigentlich an der Situation nichts änderte. Unabänder-lich ging der Weg in das Leiden und zum Kreuz. Doch der Beter Jesus hatte sich verändert, und in königlicher Gelassenheit konnte er den Leuten entgegentreten, die ihn verhafteten. Das ist nicht Fatalismus, der sich alles bieten und alles mit sich machen lässt. Da hat jemand im Gespräch mit seinem Vater im Himmel zu einer Einwilligung gefunden, die trotz allem und unter Tränen Ja sagt. Ich lasse es nicht nur passiv mit mir machen, weil mir sowieso nichts anderes übrig bleibt. Nein, ich kämpfe mich durch, einmal und immer wieder in der Auseinandersetzung mit Gott aktiv den Weg zu gehen, den Gott bestimmt. Die Märtyrer und Glaubenshelden haben dies so vorgelebt. Ich tauge nicht zum Mär-tyrer, und ich habe nicht das Zeug zum Glaubenshelden. Aber wenn es darauf an-kommt, möchte ich, dass Gott mich vor dem stumpfen Fatalismus bewahrt und es mir mit seiner Hilfe gelingt, aktiv mit ihm seinen Weg zu gehen.