Mitglied inaktiv
Hallo, meine liebe Monika, ach je... ich bin immer noch so untentschlossen. Dein Posting war total süss, danke schön. Weisst Du, als Du geschrieben hast, dass ein von uns adoptiertes Kind doch ein "enormes Glück" hätte, mich zur Mama zu haben, musste ich direkt schlucken. Ich habe zu Anfang meiner diversen "Pflichtlektüren" ein Buch gelesen von einer in Chile adoptierten Französin, die heute, mit 25, ihre Eltern anklagt, ihr eben diesen Satz ständig vorgehalten zu haben. Das Buch heisst "Dis merci - tu ne connais pas la chance d'avoir été adoptée" (Sag danke - Du weisst ja gar nicht, welches Glück Du hast, adoptiert worden zu sein). So dankbar sind die Kinder nämlich mitunter gar nicht. Ein anderes Beispiel habe ich auch letztens gelesen: stell Dir vor, Du bist 3 Jahre alt und lebst in einem Waisenhaus in Nürnberg, weil Deine Eltern Dich nicht aufziehen können oder wollen. Eines Tages kommt ein Ehepaar aus Südafrika und nimmt Dich mit zu sich nach Hause. Von einem Tag auf den anderen musst Du Dich von den Menschen trennen, die Du kennen- und liebengelernt hast. Deine Pflegemutter, Deine kleinen Freunde und Freundinnen. Ihr seid praktisch 1 Tag und 1 Nacht unterwegs, um letztlich in einem kleinen afrikanischen Dorf anzukommen, wo Dich eine 20köpfige Familie und sämtliche anderen Dorfbewohner mit einer riesigen Überraschungsfeier begrüssen. Du verstehst weder die Sprache, noch kommst Du mit den Bräuchen und Sitten dieses fremden Landes klar. Deine neue Mutter zieht Dir Deine Jeans und Dein T-Shirt aus und kleidet Dich von nun an in der traditionnellen Kleidung des Dorfes. Du weisst nicht, woraus der Brei besteht, den sie Dir zu essen gibt, aber er schmeckt Dir überhaupt nicht. Es ist sehr heiss, und die ersten Nächte schläfst Du überhaupt nicht. Nach 3 Tagen kommt ein deutschsprechender Sozialarbeiter in das Dorf, nimmt Dich auf seinen Schoss und fragt "Bist Du glücklich?" Mich hatte dieses - natürlich fiktive - Beispiel total berührt. Weisst Du, die ganzen Adoptionsorganisationen weisen ja auch immer darauf hin, dass eine Adoption nicht dazu "erfunden" wurde, um kinderlose Paare glücklich zu machen und zu ihrem Wunschkind zu verhelfen. Sondern ausschliesslich zum Wohle des Kindes. Deshalb dauert das zum Teil ja auch so lange, bis es letztlich klappt - weil zunächst erst einmal alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit das Kind in seinem Land bleibt. Und deshalb bin ich halt auch so zweifelnd. Wie kommen wir dazu (also, mein Mann und ich), ein Kind aus seinem natürlichen Umfeld zu reissen? Wer garantiert uns denn, dass wir wirklich so tolle Eltern sind? Die mit allen möglichen psychischen Problemen des Kindes umgehen können, die absolut damit klarkommen, wenn das Kind später seine leiblichen Eltern suchen möchte, die keine Angst vor den vielen bürokratischen Hürden haben? Au weia. Kein Wunder, dass ich das Dossier bisher noch nicht in Angriff genommen habe, oder? Nachdenkliche Grüsse von Bettina
Hey Bettina, was sind denn das für negative Gedanken und Zweifel die ich da lese ???? Natürlich wärt ihr tolle Eltern ! Ich verstehe, dass du dir sehr viele Gedanken & sorgen darüber machst. Aber es gibt doch auch SO VIELE positiven Beispiele. Darüber schreibt keiner ein Buch. Dann geb ich Dir jetzt mal eins ! Mein Kollege hat mit seiner Frau vor nun ziemlich genau 4 Jahren ein Kind adoptiert. Ihnen wurde gleich gesagt, dass es lange dauern würde und sie vorher schonmal Kinder in Pflege nehmen sollten. Das haben sie auch getan. Zusätzlich mußten sie zu Elternkursen, Vorträgen usw. Er sagt, dass war teilweise ganz schön anstrengend. Zumal leibliche Eltern vorher keine Kurse bestehen müssen. Aber es hat sich gelohnt ! Die Kleine ist total goldig und der Sonnenschein der ganzen Familie. Die Mutter wollte das Kind nicht haben, das stand für sie schon vor der Geburt fest. Sie hatte bereits 3 Kinder, die alle im Heim gelebt haben, weil sie kein geregeltes Leben (wie es so schön heißt) geführt hat. Die Kleine hat es 1000 mal besser bei seinen Adoptiveltern ! Ich könnt Dir noch ganz viel berichten. Hab so einiges von ihm mitbekommen. aber ist bereits ganz schön lang geworden. Natürlich ist die Adoption nicht für kinderlose Paare "erfunden" worden. Aber oftmals haben die Kinder es bei einem Paar, welches sich ein Kind wünscht wesentlich besser, als bei den leiblichen Eltern, die sich garnicht für ihr Kind interessieren. Süße, Du darfst den Mut nicht verlieren. Die meisten adoptierten Kinder lieben ihre Adoptiveltern über alles und sind froh eine schöne Kindheit gehabt zu haben. GLG, Milkyway