Elternforum Erster Kinderwunsch

Meine Gedanken...

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Hallo, vielen Dank nochmal für Eure lieben Postings. Worte zu finden, ist fast unmöglich. Es kann sich wohl niemand vorstellen, was in meinem Kopf im Moment vorgeht. Allein, daß Lena gehen mußte, ist schon nicht zu begreifen. Sie war aufgrund eines Geburtsfehlers geistig behindert. Am Montag stellte man einen Hirntumor fest, gestern rieten die Ärzte, die Maschinen abzustellen. Gestern abend erhielten wir den Anruf, daß man abgestellt hat. Die Eltern hatten sie auf dem Schoß und haben sie festgehalten, bis sie eingeschlafen ist. Kann man sich so etwas vorstellen? Zu all der Trauer kommen bei mir jetzt die Gedanken, ob ich wirklich ein Kind möchte. Vielleicht ist noch Zeit, die Notbremse zu ziehen. Ich möchte nie, nie sowas erleben. Aber wenn man Kinder hat, besteht wahrscheinlich das zukünftige Leben aus Sorgen und Ängsten über kleine und große Dinge. Ich frage mich, ob ich stark genug bin, das auf mich zu nehmen? Warum nimmt man das auf sich? Seine Kinder leiden zu sehen... Als nächstes kommt dann natürlich wieder die Geschichte mit der ICSI/humangen. Untersuchung hoch. Wir hatten uns ja entschieden, das nicht machen zu lassen. Aber jetzt... Ich zittere am ganzen Körper, es kommt wirklich ein Schlag nach dem anderen. Ich frage mich, wo ich die ganze Kraft hernehme. Und wo ich die Kraft hernehmen soll, Lenas Eltern und meine Schwiegereltern zu trösten. Ich weiß es nicht. Wir können nur alle füreinander da sein. Marion


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Liebe Marion es ist schön zu wissen, dass Du Deine Gedanken für uns in Worte verpackst und versuchst das erlebte "aufzuarbeiten". Ich glaube es hilft sehr über das was passiert ist zu reden und vielleicht fällt es einem sogar leichter dies mit "Fremden" zu tun. Ich finde es ist eine sehr starke Entscheidung die Lenas Eltern da getroffen haben und es gehört eine Menge Mut, Stärke und auch wenn es sich blöd anhört- Gottvertrauen dazu. Sie haben sich das bestimmt nicht leicht gemacht und ich bewundere es sehr. Wenn Du nicht mehr kannst (obwohl ich glaube, dass Du an dieser "Aufgabe" wachsen wirst und Sie Dich noch stärker macht)schreib uns (oder auch gerne mir persönlich) Wir sind auch dazu da Trauer zu teilen und zu helfen wo´s nur geht. In schweren Zeiten sind "Freunde" wichtiger denn je zuvor!! Gib Deinen Kinderwunsch nicht auf - ich bin der festen Überzeugung, dass da eine höhere Macht ist, die unsere Zeit auf Erden bestimmt - lasst Euch Zeit. Ich denke an Dich und schick Dir nochmal ganz viel Kraft für Dich und Deine Familie in der kommenden Zeit. Ich drück Dich Ganz liebe stille Grüße Simone


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ich kann Deine Ängste verstehen und nachvollziehen. Traurige Nachrichten, furchtbare Ereignisse, unfassbare Geschichten reissen einen natürlich immer runter. Wenn sich das ganze im eigenen Familienkreis abspielt, ist es noch einmal ganz etwas anderes. Ich glaube nicht, dass es etwas schlimmeres gibt, als sein eigenes Kind zu verlieren. Und das schreibe ich, obwohl ich selber noch keine Kinder habe (wie wir ja alle zur Genüge wissen). Du erinnerst Dich vielleicht noch an das 2jährige Kind der Freundin meiner Kollegin, das vor noch nicht allzu langer Zeit im Weiher der Grosseltern ertrunken ist? Diese Geschichte verfolgt mich auch immer weiter, obwohl ich die Familie nicht einmal kenne und das ganze nur über meine Kollegin erzählt bekomme. Aber weisst Du, Marion, furchtbare Geschichten wird es immer geben. Das Leben ist nicht einfach, es ist mitunter sogar sehr grausam. Ich muss wohl kaum die vielen Kriegsgebiete auf dieser Welt erwähnen, die Naturkatastrophen usw. Am 11. September 2001 habe ich gedacht, unsere Welt bricht zusammen. Sie ist aber bis zum heutigen Tag weitergegangen, und wir haben in der Zeit zum Glück einige sehr schöne Dinge erleben können. Ich glaube, in der heutigen Zeit und mit allem, was eventuell passieren könnte, ist es unmöglich, unser Leben und das unserer Kinder vorherzusehen. Wir können weder uns, noch unsere Familie vor dem Schicksal schützen. Jeder muss seine Last tragen, so schwer es fällt. Ich habe es mir aber seit ein paar Jahren zur Devise gemacht, nicht allzu sehr mit dem Schicksal zu hadern, sondern von einem Tag auf den nächsten zu leben. Das ist nicht immer einfach und soll andererseits auch nicht alle Träume im Keim ersticken. Aber wenn unsere Eltern zu Zeiten des Kalten Krieges oder unsere Grosseltern zu Zeiten des Krieges gedacht hätten, dass sie ihren Kindern keine sichere, gesunde Zukunft bieten können, dann wären wir alle heute gar nicht da. Und ich persönlich bin froh, dass ich am Leben bin. All das ist natürlich kein Trost in der momentanen Situation Deiner Familie. Ich möchte Dir aber sagen, dass Dein Leben weitergeht und niemand von Euch erwartet, dass Ihr Eure eigenen Ansprüche zurückstellt. Ich glaube wie Du, dass sich das Leben mit Kind grundlegend ändern wird. Wir dürfen uns aber von all den daraus resultierenden Ängsten das Leben nicht verderben lassen. Damit würden wir weder unserer Beziehung, noch uns selber und noch weniger unseren Kindern einen Gefallen tun. Ich drück Dich ganz doll. Bettina


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dazu findet man wirklich schwer... Liebe Marion, ich habs selber erst eben gelesen und bin zutiefst erschüttert. Auch ich musste vor 7 Jahren mit ansehen, als sich der kleine Leon mit nur 4 Monaten von meiner besten Freundin und ihrem Mann verabschiedete. Dies ist nun schon so lange her und doch so nah.... Ich verstehe Dich so gut, man macht sich wirklich zutiefst Gedanken und ist erstmal wie gelähmt. Mein Mitgefühl ist bei allen von Euch, ich kann Dir aber auch sagen, dass man Lena NIE vergessen wird, die Erinnerungen werden auch NIE verblassen und eines Tages kommt wieder ein Lichtblick. Meiner Freundin war es leider verwehrt, noch mal ein eigenes Kind zu bekommen, ein weiterer Schicksalsschlag, aber sie ist trotzdem heute Mama eines 6-monatigen Pflegebabys.....und sehr sehr glücklich. Leon ist immer noch bei ihr und wird es immer sein, so wird es Lena auch. In tiefem Mitgefühl, Sandra


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Liebe Marion, ich habe es erst jetzt gelesen, und ich kann dich wirklich verstehen. Deine Gedanken, Deine Gefühle usw. Aber ich glaube man sollte sich auch die Frage stellen. Ob die Eltern deiner Nichte auf sie verzichtet hätten, wenn man sie fragen würde. Oder ob sie es bereuen ein Kind bekommen zu haben? Ich glaube die Antwort wäre NEIN!! Und das ist es was zählt, was auch immer unseren Kinder sich in den Weg stellt, Krankheit usw. Wir werden sie lieben, sie werden uns lieben und das Gefühl im Herzen wird ein Gefühl sein, dass wir noch nie kannten. Ich glaube das es das Wert ist mit dem Risiko zu leben, dass etwas passieren kann. Es ist grausam das so ein kleiner Mensch nicht leben darf.... Aber ich glaube wirklich fest daran, daß Gott einen Plan hat, und er sich seine "besonderen Engel" schnell mal wieder zu sich holt. Marion, ich werde eine Kerze anzünden und ganz fest an Dich denken und an Deine Nichte und Ihrer Familie. Ich umarme Dich Veronika


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Hallo Marion! Ich weiß nicht, ob ich schon mal davon erzählt habe. Aber mein Bruder war nur ein Jahr älter als ich und ist im Alter von 21 Jahre gestorben. Er hatte eine Erbkrankheit, die lange unerkannt blieb. Er war nur immer etwas "grobmotorisch" und vielleicht bei vielen Dingen nicht so schnell wie andere Menschen. Seit er 12 war, trug er ein Korsett und hatte diverse Rücken-Operationen, mit 18 wurde dann der erste Tumor entdeckt, (das gehörte zur Erbkrankheit,) der dann auch bösartig wurde. Mit 21, nach unendlich vielen Therapien hat er dann einen weiteren Tumor in der Lunge nicht mehr verkraften. Das ganze ist jetzt 5 Jahre her. Nach seinem Tod habe ich lange und viel mit meiner Mutter gesprochen. So haben wir unsere Trauer besser verarbeiten können. Mein ältester Bruder hat viel in sich reingefressen und leidet noch immer darunter. In dem Gespräch kam es auch zu der Frage wie es wohl wäre, wenn man das alles vorher gewusst hätte. Und die Antwort war ganz klar: Genaus so!!! Wahrscheinlich hätte man ihm die letzten Chemos erspart und auch einiges anders gemacht. Aber alles in allem können wir doch dankbar sein für die Zeit, die wir mit einem geliebten Menschen verbringen durften! Ganz egal, wie schwer das Ende oder ein paar Momente zwischendurch auch waren, denn es waren auch unendlich viele glückliche Momente dabei! Gib dir und deiner Familie Zeit, alles zu verdauen. Dann kommt irgendwann auch die Zeit zum reden und verstehen. Meiner Mutter hat übrigens eine Selbshilfegruppe "Verwaiste Eltern" hier in der Nähe sehr geholfen. Falls du die Kontaktadresse zu gegebener Zeit haben möchtest, kann ich sie dir gerne geben. Liebe Grüße Silke