Mitglied inaktiv
Hallo, Ihr 2 beiden, ich komme ja ein wenig spät daher, unsere lieben Mithibblerinnen haben zum Teil schon sehr gute Argumente geliefert und Euch anscheinend auch schon beruhigen können. Trotzdem möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben. Den Gedanken "Ein Baby - aber nicht um jeden Preis" habe ich hier im Forum ja auch schon öffentlich gemacht. Gerade auch die Angst vor Krebs lässt mich nicht los, das ist aber allgemein eine ziemliche Phobie meinerseits, weiss ich auch. Ich fand und finde es einfach ganz furchtbar, dass wir durch die Einnahme von zusätzlichen Hormonen das Risiko eingehen, uns krank zu machen, obwohl wir ursprünglich doch gesund sind. Das "schlagende" Argument, das Hedi-Linn auch wieder aufgegriffen hat, ist, dass wir auf so viele verschiedene Weisen Krebs bekommen können (u. a. sei das Risiko auch grösser bei Frauen, die nicht stillen... sind wir also alle von betroffen, die noch gar keine Kinder haben...) und einfach mit der Gefahr leben müssen. Täglich und ganz unabhängig vom Kinderwunsch. Und ich denke, hier ist noch niemand, der es in irgendeiner Form übertrieben hat. Wir stehen alle am Anfang der KiWu Behandlung, haben nicht 20 IUIs und 20 IVFs hinter uns (ich übertreibe absichtlich). Und gezwungenermassen oder freiwillig legen wir alle auch ab und an eine Zwangspause ein. Ich denke, das ist alles im Rahmen des Vertretbaren. Sonst würden unsere Ärzte das bestimmt alles auch gar nicht machen. Zum Thema "künstliche Befruchtung - unmoralisch", so sehr mich die dumme Jule auch geärgert hat, ist es wirklich das ERSTE MAL gewesen, dass ich sowas gehört habe. Das sind Ansichten aus dem finstersten Mittelalter, und Dany hat ja auch geschrieben, dann sind wir "jahrelangen Pillen-Schluckerinnen" ja auch schon ewig unmoralisch, darauf kommt's nun also auch nicht mehr an... ;-) Und wisst Ihr, müssen wir unseren Kindern eigentlich wirklich erzählen, wie sie entstanden sind? Also, ganz genau im Detail? Meine Eltern haben mir auch nie einen "Schlafzimmerbericht" geliefert. Ich weiss, dass meine Mama 9 Monate auf ihre Schwangerschaft warten musste (= absolute Norm, wie wir heute wissen), und das reicht mir. Ich werde meinen Kindern (je nachdem, WIE es nun klappt) bestimmt erzählen, wie verzweifelt ich war, dass sie nicht vorher kommen wollten. Und dass es medizinische Hilfe gibt und gab. Aber soooo genau müssen sie das doch auch gar nicht wissen und vor allem muss es dann auch nicht aus der Familie raus - eventuellen Hänseleien oder bösen Angriffen wie von Jule wird dann der Riegel vorgeschoben. Und last but not least, liebe Veronika. Ja, ein Risiko besteht, und das weisst Du. Ein Risiko für ein behindertes Kind besteht aber bei JEDER Familie, und es ist dann wirklich Deine und die Entscheidung Deines Mannes, wie Ihr damit umgeht. Ich kann für mich leider nicht bedingungslos sagen, dass ich damit gut umgehen würde - einfach, weil ich noch nie vor der Entscheidung gestanden habe. Gerade die Trisomie 21 ist aber nun wirklich nicht die "schlimmste vorstellbare Behinderung", ganz im Gegenteil: Marion hat ja schon geschrieben, dass mongoloide Kinder oft besonders liebenswert sind. Das Risiko würde mich jedenfalls nicht davon abhalten, es auf eine Schwangerschaft ankommen zu lassen - auch mit 39. Man wächst mit seinen Aufgaben. - Und schliesslich, die "was-wäre-wenn" Gedanken sind wirklich müssig. Was wäre, wenn morgen Krieg herrscht, wenn eine Naturkatastrophe hereinbricht,... Zuviel denken und stöbern ist wirklich nicht gut... Wir müssen nur wieder lernen, ein bisschen mehr auf unseren Bauch zu hören. Einen lieben lieben Gruss von Bettina
Hallo, Du liebe Maus, soooo ein langer Text! Und dazu kann ich nur sagen: Du hast mal es mal wieder auf den Punkt gebracht. Woher wußtest Du nur, daß mich auch der Gedanke beschäftigt hat, ob man seinem Kind später mal erzählt, wie es "entstanden" ist? Aber wie Recht Du hast, ich habe ebenfalls keine Ahnung, wann und wie ICH entstanden bin. Normal, natürlich, denn L. Brown als erstes Retortenbaby (huh, was für ein Wort) ist ja erst 1978 geboren :o) Spaß beiseite, dieser ganze schwere Weg zeigt wirklich einmal mehr, wie sehr wir uns unser Kind wünschen. Und das ist mehr, als manche Kinder von ihren Eltern behaupten können! Diese Kinder verurteilt dann aber keiner. Die werden lapidar als "Unfall" mit einem schmunzeln abgetan. Stellt sich die Frage, ob es mir als Kind besser geht, wenn ich weiß, das meine Eltern alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um mich im Arm halten zu dürfen, oder ob ich als Unfall notgedrungen hingenommen wurde... Liebe Grüße, Marion
Stimmt, Marion, ich fände es als Kind auch weit weniger lustig, als "Unfall" entstanden zu sein als nach einer künstl. Befruchtung. Meine allerälteste Freundin war übrigens so ein "Unfall". Wohlgemerkt, mittlerweile von ihren Eltern genauso geliebt wie ihre beiden älteren Brüder. Aber so ein, zwei Sprüche hat ihre Mutter meiner Mutter gegenüber damals schon gebracht, dass das ja wirklich schlecht gekommen sei und sie keine Kinder mehr gewollt hatte... harter Tobak. Und was heutzutage schon "normal" ist (im Vergleich zu 1978, wo das Retortenbaby eine Sensation war), ist später, wenn unsere Kinder gross sind, bestimmt erst recht gang und gäbe. Die Medizin entwickelt sich, vielleicht wird Frauen wie uns in 20 Jahren schon viel besser und schneller geholfen. So dass unsere Kinder sich ganz bestimmt nicht "schämen" müssen, nicht beim Matratzen-Robben entstanden zu sein. Wirklich, so ein Quatsch! ;-) Ein dickes Küsschen von Bettina
du hast ja recht... aber es stimmt einen schon nachdenklich. vorallem habe ich mir nie darüber sorgen gemacht... mein denken war leider - so etwas passiert nur den anderen - nicht mir- nie... und jetzt ist das alles eingetroffen, ich werde nicht schwanger, ich muss hilfe in anspruch nehmen-dass hätte ich mir nie gedacht noch vorstellen können. und ich kann´s noch gar nicht glauben bzw. es manifestiert sich nicht der gedanke eine künstl.bef.... dabei bin ich ja gerade in ersten phase mit hormonbest. untersuchungen in der kiwu-klinik. trotzdem will es mir nicht den kopf.. und glaube allen ernstes noch - einfach so schwanger zu werden - ich hab doch wirklich auch einen knall... die frage mongolides kind-ja-nein kann ich mir noch gar nicht stellen-nicht weil ich nicht ss bin sondern weil ich ein kind im bekanntenkreis kenne und ehrlich gesagt würde ich bzw. wir das nicht verkraften. letztendlich bleibt mal das kind übrig und was passiert dann mit ihm? heim etc. nee, damit könnte ich nicht leben-lieben könnte ich es schon-hört sich krass an... naja-meine stimmung ist wie das wetter bei uns. regen/schnee/windig/kalt... genauso abwechslungsreich einmal so und einmal so. ich glaube heute laufe ich nicht "rund" wie mein mann zu sagen pflegt. lg und bussal veron
Liebe Veronika, es zeugt von Deiner Reife und Deiner Ehrlichkeit, dass Du Dich mit dem Thema Behinderung schon jetzt und noch ganz unschwanger auseinandersetzt. Wie Du weiss ich eben auch nicht, wie ich später mal reagieren werde, sollte ich ein behindertes Kind bekommen. Zumindest werden wir uns dieselben Fragen stellen, die wir uns auch jetzt schon stellen: WARUM ICH, warum wir? Der liebe Gott hat bestimmt einen Plan für uns, und eines Tages werden wir das auch alles verstehen. Aber es bringt zum momentanen Zeitpunkt einfach nichts, wenn wir jetzt schon die Hunde verrückt machen. Einen dicken Kuss von Bettina P. S. Wie Du hätte ich mir auch NIE vorstellen können, dass das alles mal so lange dauert. Aber um aufs Thema zurückzukommen, ich warte lieber ein bisschen länger, bleibe aber gesund. Und bekomme dafür ein gesundes Baby. Oder: lerne Geduld. Oder: profitiere länger von mir und meinem Mann als "Paar", bevor wir "Eltern" werden. Wie gesagt, zu irgendwas wird das alles schon gut sein. Und wenn es einfach nur unser Schicksal war, dass wir übers Internet sehr liebe Freundschaften gewonnen haben... ;-)
Ich denke eher, wenn die Kinder mal nachfragen sollten, wie sie entstanden sind, dann kann man guten Gewissens sagen, daß sie absolute Wunschkinder waren. Das ist das einzig wichtige für ein Kind! Wo und wie genau es entstanden ist, darum machen sich nur Erwachsene, aber Kinder keinen Kopf, glaube ich zumindest. ;-) LG, Melanie