Spermien-Mangel im Ejakulat Bringt Tamoxifen den Hoden in Schwung? MT-Bericht GRAZ - Im Zeitalter von Retortenbabys gerät die medikamentöse "Zeugungstherapie" beim Mann ins Hintertreffen. Erst wenn ICSI & Co. versagt haben, erinnert man sich gern an sie. Dabei haben bestimmte Pharmaka immer wieder positive Effekte gezeigt – allerdings ohne dass dies hieb- und stichfest belegt wäre. Findet sich eine klare Ursache dafür, warum ein Mann keinen Nachwuchs zeugen kann, steht natürlich die Kausaltherapie an erster Stelle. Für Patienten mit hypogonadotropem Hypogonadismus kommen GnRH, rekombinantes FSH, HCG und HNG in Betracht. Urogenitale Infektionen sowie Erektions- und Ejakulationsstörungen packt man ebenfalls medikamentös an der Wurzel. Schlappes Sperma im Visier Bei Männern mit "idiopathisch" schlechtem Ejakulat hat man bereits diverse Mittel ausprobiert, z.B. Kallikrein, Pentoxyfillin und Antihistaminika. Auch Tamoxifen und Antioxidanzien gibt´s im Angebot; diesen Substanzen schreibt man u.a. zu, bestimmte schädigende Umwelteinflüsse auf Testes und Spermien quasi rückgängig zu machen. Die Datenlage ist allerdings widersprüchlich: Manche Studien verbuchten gute Erfolge, andere wiederum nicht. Das liegt womöglich daran, dass man über die "idiopathische Subfertilität" noch zu wenig weiß und daher die Indikationen der einzelnen Medikamente nicht scharf genug definiert waren, meinte Dr. F. M. Köhn, Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, München, beim III. Grazer Andrologie-Symposion. Welch beeindruckende Erfolge man in Einzelfällen erzielen kann, zeigt eine Kasuistik, die Professor Dr. G. Haidl, Androloge an der Universitätshautklinik Bonn, präsentierte: Schon seit fünf Jahren versuchte ein 34-Jähriger, mit seiner Frau ein Kind zu zeugen. Wiederholte Spermiogramme zeigten eine Azoospermie, eine IVF war von anderen Kliniken abgelehnt worden, weil die Frau zu dick sei. Nach neun Monaten schwanger Die Bonner Kollegen fanden bei der Spermaanalyse ebenfalls nur spärliche "Gestalten" (0,1 Mio./ml) sowie deutliche Entzündungszeichen, zudem stellten sie eine Varikozele fest. Diese wurde operativ beseitigt und der Mann antientzündlich mit Doxycyclin und Diclofenac behandelt. Prompt stieg die Spermienzahl innerhalb von drei Monaten auf 2,8 Mio./ml an, die Entzündung blieb aber weiterhin massiv. Dann erhielt der Patient zusätzlich Tamoxifen (zweimal 10 mg/d), was zu einem weiteren Anstieg auf 9 Mio./ml führte. Nach insgesamt neun Monaten Therapie wurde die Frau des 34-Jährigen endlich spontan schwanger. Auf einen Versuch ankommen lassen Zugegeben, diese Behandlung entsprach nicht dem Anspruch der "evidence-based medicine", räumte Prof. Haidl ein. Doch den hält er in solchen Fällen auch für ziemlich praxisfern. Streng genommen müsste er seinen Patienten mit idiopathischer Subfertilität nämlich sagen, dass er ihnen mangels wissenschaftlicher Untersuchungen konservativ gar nichts anzubieten hat. Aber, so der Kollege, "wir wollen den Patienten jetzt helfen, eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg zu erzielen". Außerdem kommen viele Patienten erst dann, wenn Gynäkologe bzw. Reproduktionsmediziner ihr Pulver schon verschossen haben. Nach der vierten ICSI soll´s dann der Androloge richten, egal ob evidence-based oder nicht. Er vertritt die Ansicht, dass bis zum Vorliegen neuer Studien rationale Therapieansätze auf etwas niedrigerem Evidenz-Niveau durchaus berechtigt sind – sofern sie auf sorgfältiger, standardisierter Diagnostik aufbauen. Die spontane Schwangerschaft der Frau ist dabei nicht das alleinige Ziel. Angestrebt wird auch die verbesserte Spermaqualität, um möglichst einfache Verfahren der assistierten Reproduktion durchführen zu können. Die Hand-in-Hand-Arbeit mit den Gyn-Kollegen ist also erwünscht! Wie Antihistaminika Spermien mobil machen GRAZ – Was die Antihistaminika betrifft, so hat ein Team um Dr. Köhn eine heiße Spur aufgenommen. Bekanntlich können im Hodengewebe von Männern mit idiopathischer Sterilität vermehrt Mastzellen im Bereich der Tubuli seminiferi nachgewiesen werden. Die Forscher konnten nun an gesunden Ejakulaten zeigen, dass das Mastzellprodukt Tryptase die Beweglichkeit der Spermatozoen konzentrationsabhängig deutlich beeinträchtigt, wie Dr. S. Weidinger, ebenfalls Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, München, berichtete. Zwar gibt es bislang noch keine genauen Daten zur Tryptasekonzentration in Tubuli seminiferi oder Nebenhoden. Aber hier könnte der Schlüssel zur Wirksamkeit von Antihistaminika bei männlichen Zeugungsproblemen liegen.