Elternforum Rund ums Baby

Neid ist ein doofes Gefühl

Neid ist ein doofes Gefühl

Marie1989

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Ich muss mir mal ein paar Gedanken von der Seele schreiben und erhoffe mir vielleicht einige Anstupser, damit ich nicht weiter so viel negatives denke.  Zunächst mal hat es lange gedauert, bis ich überhaupt schwanger wurde inkl. Fehlgeburt. Meine Schwangerschaft war dann eine Katastrophe (Intensivstation mit Beatmung, Nierenprobleme, Schmerzen bis zum Ende) Mit unserem Baby ist zum Glück alles gut gegangen. So, nun ist er knapp 6 Monate alt und was soll ich sagen.. Ich bin eigentlich nur genervt, gestresst, übermüdet. Er schreit so viel.. erst Kolliken, dann schon Zähne, beim osteopathen wurden viele Blockaden fest gestellt. Und halt einfach allgemeine Unruhe des Kleinen. Ich weiß, dass manche Babies einfach viel nörgeln oder weinen und trotzdem frage ich mich, : warum trifft es immer uns so schwierig? Ja, es gibt viel schlimmeres, das weiß ich und deswegen schäme ich mich auch für solche Gedanken. Aber ich beneide alle, die eine leichte Schwangerschaft hatten und deren Babies so entspannt sind. Hinzu kommt, dass mein Mann selbständig in einer Branche ist, die Corona bedingt komplett flach liegt, also starke finanzielle Sorgen. Er hat einen anderen Job vorübergehend angefangen, wodurch er eigentlich fast nie zuhause ist. Ich sitze mit einem dauernd unzufriedenen Kind alleine zuhause, außer Spaziergänge ist nix möglich. Nicht mal ein normales Familienleben, denn mein Mann arbeitet auch am Wochenende. Ich fühl mich einfach nur noch unglücklich.


Yaraline

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Antwort auf Beitrag von Marie1989

Ich habe leider gerade nicht viel Zeit, daher nur kurz, aber es war mir wichtig dir zu antworten... du brauchst dringend jemanden, der dich mal entlastet... viele Frauen haben nach der Entbindung, nicht die Möglichkeit sich erstmal von der Geburt zu erholen und starten direkt voll durch...ein Baby alleine zu versorgen, ist unmöglich, weil es mehr als ein 24 Stunden Job ist...


Mitglied inaktiv

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Antwort auf Beitrag von Yaraline

Da schließe ich mich an, es gibt Anlaufstellen die Familien unterstützen. Ich denke das könnte dir gut tun oder hast du irgendjemandem der dich innerhalb der Familie unterstützen kann? Manchmal traut man sich ja auch nicht um Hilfe zu bitten.. Fühl dich ganz fest gedrückt.


User-1751036869

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Dem schließe ich mich auch an Du kannst auch mal versuchen, Kontakt zu anderen Müttern zu bekommen, damit du wenigstens mal jemanden hast mit dem du zusammen spazieren oder auf den Spielplatz gehen kannst Die üblichen Kurse wie pekip Krabbelgruppe usw. finden ja Moment wohl leider nicht statt Aber es tut so gut sich mit anderen Müttern mal zu treffen und sich auch mal über solche austauschen zu können Vllt gibt es ja Gruppen in deine Nähe über die du Kontakt zu anderen Müttern finden kannst


Inena

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Antwort auf Beitrag von Marie1989

Zunächst einmal, fühl dich gedrückt. Du tust mir wirklich leid Scham ist hier aber völlig unangebracht. Du bist einsam, wahrscheinlich an deiner Belastungsgrenze und dazu unglücklich. Und es ist völlig okay, sich so zu fühlen. Du hattest dir das mit Baby nach diesem steinigen Weg bestimmt ganz anders vorgestellt oder? Schon die Schwangerschaft nicht so traumhaft wie gewollt und jetzt das. Da kann man schon mal verzweifelt sein. Aber lass dir gesagt sein, es geht uns fast alles irgendwann mal so. Diese total einfachen Babys sind selten und selbst die haben ihre anstrengenden Phasen, die einen schlauchen. Aber irgendwie wird das immer ganz schnell wieder verdrängt und dann war das eigene Baby ja ach so pflegeleicht Man darf da jetzt etwas neidisch sein, aber das hilft einem ja auch nicht weiter. Such dir eine Entlastung. Hast du Eltern oder Schwiegereltern in der Nähe? Dein Mann muss doch nicht 24/7 arbeiten oder? Kann er nicht auch mal mitanpacken? Und immer dran denken, es wird bessere Zeiten geben Alles Gute


Fleurdelys

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Antwort auf Beitrag von Marie1989

Ich stimme den anderen zu und möchte noch hinzufügen: Wir sehen nur das, was an der Oberfläche ist. Du kannst der Meinung sein, dass andere es viel leichter haben als du und viel zufriedener sind. Oft stimmt das aber gar nicht, wir zeigen anderen ja nicht offen, wenn es uns nicht gut geht und tun so, als wäre alles okay. Wir befinden uns alle momentan in einer besonderen Situation, manche haben damit mehr Glück gehabt, andere weniger. Aber es geht bergauf, ihr habt die ersten 6 Lebensmonate jetzt „hinter euch“ (ich fand danach wurde es schon einfacher, zumindest bei uns; meine war auch lange Zeit keine 5 Minuten ruhig) und die Pandemie hat _hoffentlich_ auch bald mal ein Ende. Ich habe mich seit der Geburt meiner Tochter noch mit keiner einzigen Mutter getroffen außer meiner Schwägerin, wir machen nichts außer Spazierengehen und hin und wieder mal zu meiner Mutter fahren. Es kommen bald bessere Zeiten, und so doof es vielleicht klingt: Sieh es als eine Art Prüfung an, die dich stärker macht und dir unschätzbare Lebenserfahrung schenkt. Und bitte um Hilfe, wenn du sie brauchst, schäme dich nicht dafür. Es ist normal, überfordert zu sein, wenn man sich fast ganz allein um ein Baby kümmern muss. Alles Liebe!


misssilence

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Antwort auf Beitrag von Marie1989

Ich kenne dieses Gefühl von Neid. Unser Baby ist auch ein Schreibaby. Bei mir waren zum Glück nur die letzten drei Wochen der SS recht hart, davor lief es gut. Und obwohl ich somit bessere Voraussetzungen habe (und einen Mann, der sich mit mir alles teilt, auch Erwerbstätigkeit), bin ich manchmal neidisch auf diese pflegeleichten Babys. Ehrlich gesagt ist das aber gar nicht zu vergleichen mit diesen normalen anstrengenden Phasen, die jedes Baby hat. Mit einem Schreibaby bist du monatelang an deiner Belastungsgrenze, da gibt es nicht ein paar Tage oder gar Wochen, die einfach gut sind und man die Babyzeit genießen kann. Sie ist zäh und man ist nur fertig. Eine Bekannte hat zur mir Mal was gesagt, das mir sehr geholfen hat: diese Kinder bekommen nur Eltern, die das auch schaffen. Bei anderen Eltern würden diese Babys vielleicht tot geschüttelt oder vernachlässigt werden. Es ist aber bei dir, weil du es schaffst, dieses Wesen dennoch zu lieben und dich zu kümmern! Da denke ich oft dran. Und mit sechs Monaten gab es sicher schon ein paar schöne Momente, zB ein Lachen. Daran halten ich mich fest und denke an daran, wenn ich wieder das schreiende Kind stundenlang tragen musste. Natürlich wird es auch besser...unsere Maus ist seit einigen Wochen wie ausgewechselt (nun 8,5 Monate). Aber das nützt dir nix, denn diese Zeit kommt einem wie eine Ewigkeit vor. Für die Hilfe im Alltag, gibt es zB die "frühen Hilfen", googel Mal danach. Wir haben hier auch keine Familie und sind auf uns gestellt. Oder wäre es eine Option, dass du statt deinem Mann arbeitest? Elterngeld kann im voraus jederzeit geändert werden. Du machst auf jeden Fall einen extrem guten Job!


sunnydani

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Antwort auf Beitrag von Marie1989

Zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass es auch in Ordnung ist, wenn du mal neidisch bist. Jedes Gefühl sollte gefühlt werden dürfen, denn je eher man es annimmt, desto besser kann man auch daran arbeiten, wenn es ein schlechtes Gefühl ist. Ich verstehe dich auch, ich hatte selber keine einzige, komplikationslose Schwangerschaft und habe einiges mitgemacht und irgendwann gelangt man an einen Punkt, wo man sich denkt, warum trifft es mich gerade so? Warum klappt bei allen anderen scheinbar alles immer so viel einfacher und ich muss so um meine Kinder kämpfen? Mir hat es geholfen, dass ich mir dann jedoch immer gesagt habe, was doch bei uns alles positiv gelaufen ist, trotz mancher Umstände und dass ich mir eben gesagt habe, man weiß ja nicht, wie es bei anderen wirklich aussieht. Man zeigt so etwas nach außen ja nicht und würde mich jetzt nur jemand so sehen, würde er sich auch denken, ist doch alles in Ordnung bzw. eine kinderlose Frau, die liebend gern Kinder hätte, wäre vielleicht auch neidisch, weil ich zwei Kinder bei mir habe, was aber alles hinter uns liegt und was wir alles mitgemacht haben, sieht man so ja nicht. Und das zu bedenken, hat mir doch irgendwie geholfen. Ich muss zwar ehrlich sagen, richtig neidisch war ich eher nicht, sondern es war eher so ein Gefühl der Wehmut oder eben die Fragen nach dem Warum, die mich mehr gequält haben. Aber im Großen und Ganzen ist es ja fast dasselbe. Und hin und wieder kommt dieses Wehmutsgefühl auch bei mir immer noch auf, wenn ich kugelrunde Babybäuche sehe oder auch wenn ich irgendwo Zwillinge sehe, dass ich mir einfach denke, schade, dass es bei mir nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe und wie es eigentlich vorgesehen ist, dass meine Zwillinge nicht zusammen aufwachsen dürfen und dass es bei jedem Kind Herausforderungen zu meistern gibt/gab. Aber ich verscheue dieses Gefühl dann schnell, indem ich mich mit den Gedanken ablenke, dass ich bei meinem Kleinen dann doch sehr viel Glück hatte und es bei ihm auch weit schlimmer ausgehen hätte können und dieses Gefühl der Dankbarkeit, dass er sich so toll entwickelt und so ein fröhlicher Sonnenschein ist, trotz seiner Vorgeschichte und seinem schweren Start ins Leben, überdeckt dann mein Wehmutsgefühl. Vielleicht hilft es dir, wenn du mal mit jemandem darüber sprichst? Oder wenn du irgendwie jemanden findest und dir fixe Verabredungen in der Woche ausmachst, damit du nicht immer ganz allein bist? Ich wünsche dir, dass es dir bald besser geht und dass du einen Weg findest, wie die Situation für dich leichter zu meistern ist! Alles Liebe!