Elternforum Rund ums Baby

ich bin erschrocken

ich bin erschrocken

MissRanya

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Wie viele Menschen (gerade hier im Forum) mit körperlicher Gewalt groß geworden sind. Diese eine besagte Freundin aus Kindheitstagen (die viel verprügelt und gedemütigt usw) wurde,das war (und ist) für mich absolut gruselig und es schien mir,als sei das eher selten. Es scheint aber wohl doch sehr oft vorzukommen. Diese besagte alte Freundin ist zu ihrem Sohn mittlerweile ähnlich. Das finde ich ganz schlimm. Ich habe schon oft versucht,das Gespräch zu ihr zu suchen oder ihr Hilfe anzubieten. Scheinbar ist sie blind für ihr Verhalten. Oder wie lässt es sich erklären? Sie hat soooo gelitten als Kind. Vieles hat sie sogar verdrängt,woran nur ich mich erinnern kann. Ich frage mich,in wie weit ich ihr helfen kann. Sie sieht ihre Fehler nicht ein. Wahrscheinlich wäre Kontakt zum Jugendamt angebracht,oder ? Hmm Sorry für das Gedanken-Wirr-Warr


desire

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Hast du denn schon mit ihr persönlich gesprochen? Wenn nein würd ich das als erstes mal tun bevor ich das Jugendamt einschalte....ihr aber auch klar und deutlich sagen DASS ich es tue wenn sie sich nicht zusammenreisst.


MissRanya

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Ich habe schon öfter das Gespräch gesucht. Sie blockt bisher knallhart ab und verharmlost alles. Werde wohl noch einen letzten Versuch starten und -wie du sagst- ihr klar sagen,dass ich weiter gehe,wenn es sein muss. Echt traurig. Ihr Mann ist auch mit Prügel groß geworden O-Ton "Es hat mir nicht geschadet und ich hatte es verdient" Puuuh...


mf4

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Hat noch keinem geschadet? Trifft auf einige vielleicht zu, den meisten schadet es. Genutzt hat es sicher bei den wenigsten. Ich wollte immer, dass meine Kinder nicht aus Angst vor mir "gehorchen" (doofes Wort). Ich hab das getan, war zu Hause nicht aufmüpfig. Habe außerhalb Dampf abgelassen.


Kolkrabe

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ist kein bekanntes Phänomen bei missbrauchten Menschen. Ebenso das, was man "gelernt" hat, weiter zu geben. Helfen kann man niemandem der keine Hilfe braucht. Und selbst wenn sie erkennen sollte dass sie Hilfe braucht, kann das nur ein Therapeut leisten. In wie weit das Jugenamt "eingreifen" muss lässt sich ja von hier nicht beurteilen.


MissRanya

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Um mal ein paar Beispiele heraus zu greifen... 1) Mutter gibt 3,5jährigem eigenes Handy zum Spielen. Wir waren zu Besuch und stolz zeigt er mir das Teil. Und die Kamerafunktion. Und seine tollen Fotos. Irgendwann "Und das ist Mama nackt" ups... Sie wollte direkt das Handy haben,hat ihrem Sohn aber nicht gesagt,aus welchem Grund. Er hat das als Spiel aufgefasst und hat das Handy in einer Art Balgerei nicht hergeben wollen. Plötzlich holt sie aus und schlägt ihn mitten ins Gesicht. Dem Jungen fällt das Handy aus der Hand. 2) Junge (4) möchte nicht das im TV sehen,was Mutter nebenbei laufen hat. Er quengelt und macht Krach. Mutter schreit ihn an,er soll endlich Ruhe geben. Holt aus. Schlägt mit voller Wucht auf seinen Oberschenkel. Junge verstummt. Kurz danach "Mama ich hab dich lieb". Und sie" Brauchst gar nicht schleimen. Außerdem,hab ich Zucker am Arsch oder warum bist du jetzt plötzlich so lieb zu mir?!"


mf4

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Schlagen, diese Ablehnung und Wortwahl und danach bettelt das Kind um Liebe... reicht schon um nicht länger zu warten... finde ich. WAS hast du getan in diesem Moment?


Kolkrabe

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das ist ein Problem der Mutter. Du kannst ihr auch nicht helfen. Sieh es mal so: Deine Eltern schlagen Dich und sagen Dir dabei "Das bist Du selber SCHULD! DU hast mich soweit gebracht!" Diese Aussagen lassen sich beliebig erweitern. Was passiert? Das Kind denkt es hat es verdient. Bekommt das Kind diese negative Aufmerksamkheit, "lernt" das Kind das Schläge in Ordnung sind. (Beobachte mal dass die Kinder deiner Freundin sicher oft "Mist" bauen. Nur dann werden sie "wahrgenommen". So lange sie Schreie und Schläge bekommen, bekommen sie Aufmerksamkeit. Sie werden darauf trainiert.) Dieses Kind wird dann erwachsen. Was soll das Kind weitergeben? Es fühlt sich schuldig, das Selbstbewusstsein ist zerstört. Es hat keine Liebe kennengelernt, und sehr oft können diese Menschen keine "Nähe und Liebe" zulassen. Dieses Kind denkt unbewusst "Ich bin nicht liebenswert. Wenn mir jemand sagt dass er mich liebt, dann gehe ich. Am Ende wird er mich sowieso verlassen. Ich bin immer verlassen worden. Ich bin wertlos!" Und dieses "Kind" bleibt ja in dem Erwachsenen. Ein Anteil von uns ist eben dieses Kind. Hinzu kommt dass Kinder diesen Erwachsenen eben auf der "Kinderebene" ansprechen. In solchen Momenten kommt dann die "unaufgearbeitete" Wut hoch. Es ist ein Teufelskreis. Sehr viele dieser traumatisierten Menschen sind entweder in "lieblosen" Ehen "gefangen", oder haben sehr oft wechselnde Partner. Diese Menchanismen muss man erkennen. Wahrnehmen. Erst dann kann man handeln. Das Jugendamt? Das wäre eine gute Idee. Es wird so aussehen dass diese Kinder vermutlich noch mehr leiden. Dass die Mutter sich angegriffen fühlt, denn eigentlich ist sie auf der Suche nach "Familie", die sie als Kind nicht hatte. Sie muss aber erkennen dass der Wunsch "ich möchte endlich eine Familie" ein anderer ist als dann eben selber eine Familie zu gründen. Verstehst Du was ich meine? Im Fernsehen sieht man junge Frauen, die oft "unbedingt" Kinder möchten. "Ich möchte eine Familie" sagen sie dann. Weil das "Kind in ihnen" eine "Eltern"-Familie sucht, beschützt werden möchte. Das ist alles verständlich. Aber diese Seifenblase platzt dann, denn das was sie eigentlich SUCHEN müssen sie dann GEBEN. So lange sie es nicht "einsieht", so lange kannst Du ihr nicht helfen. Du kannst den Kindern helfen. Lass Dich beim Jugendamt beraten.


MissRanya

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Antwort auf Beitrag von mf4

Ich habe den Jungen getröstet und ihr zu verstehen gegeben,dass das nicht geht. Vor dem Kind wollte ich keine hitzige Diskussion starten. Nachdem eine Stunde vergangen war,hab ich nochmal das Gespräch gesucht. Habe sie gefragt,ob alles in Ordnung bei ihr ist oder ob sie jemanden zum reden braucht,da sie doch bestimmt nicht immer so unangebracht reagiere. Aber ich wurde abgeschmettert,dass alles iO sei. Er sei selber Schuld. Sie habe die Faxen dicke. Und es ginge mich einen Sch.. an. Da habe ich ihr gesagt,dass sie in Ruhe darüber nachdenken soll. Und dass man das nicht darf. Auch wenn es ihr Kind ist. Und sie soll nochmal an ihre eigene besch.. Kindheit zurück denken. Danach war es lange Zeit ruhig. Sie hat aber auch den Kontakt zurück geschraubt. Ich habe auch noch mal das Gespräch mit ihrem Mann gesucht (bester Freund meines Mannes). Aber er sieht das alles nicht so eng. "War vielleicht etwas streng. Aber der Junge hört keinen Deut. Scheint so schlimm ja nicht zu sein,sonst würde er daraus lernen" Habe immer wieder durch die Blume Tipps gegeben . Auch schon klar gesagt,das geht nicht. Aber wirklich fruchten tut es nicht.


mf4

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Antwort auf Beitrag von MissRanya

Traurig... es gab mehrer Versuche, sie halten es für normal, wollen nichts ändern, das Kind ist und bleibt schuldig. Ich denke man sollte jetzt etwas tun und nicht mehr abwarten. Ist doch egal, wenn sie weiß, wer sie angezeigt hat.


mf4

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Antwort auf Beitrag von MissRanya

Mich würde mal interessieren, ob in meiner Generation viele Kinder so groß geworden sind. Darüber hat man ja nicht gesprochen. Heute macht man das öffentlich, ist das Opfer, früher hielt man das für normal. Ich hatte nie Kinder bei mir zu Hause und durfte auch fast nie zu anderen. Mir fehlt da total der Einblick. Ich nehme an du fragst, weil diese Freundin offenbar sichtbare Folgen hat oder die Kinder Hilfe brauchen. Bei 1 kannst du nichts machen, wenn sie nicht will... bei 2 würde ich im Ernstfall auch nicht zögern das anzuzeigen, wenn sie es nicht rafft.


desire

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Antwort auf Beitrag von mf4

ich weis nicht genau welche Generation du bist mf4 aber ich hab letztens eine Doku gesehen dass bis in die 90er hinein Prügelstrafe und überhaupt Gewalt in der Familie als völlig normal angesehen wurden. Ich habe ein paar Grundschulkameraden wiedergesehen und jeder berichtete mir von Schlägen zuhause...ich bin Jg. 79. Es wurde, wird noch als zu normal angesehen...auch wenn die grössere Öffentlichkeit sich empört wenn Kinder geschlagen werden....viele halten sich zurück, mischen sich nicht ein...geht uns ja nix an.


mf4

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Antwort auf Beitrag von desire

Ich bin 49 Jahre alt. Ich denke nicht, dass jeder geschlagen worden ist und kaum was durfte was andere dürfen. Das war wohl eher ein ausgeprägtes Macht-Ding. Ich meine nicht den berühmten Klaps. Der war leider normal. Ich rede schon von mehr.


Littlecreek

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Ich denke, dass gerade die Verdrängung das gefährliche ist. Sehe ich bei meinem Bruder. Er verdrängte vieles, bezeichnete meine Erzählungen als Lügen. Er fing auch an, seine Kinder zu schlagen und er trank. Meine Schwägerin hat das einzig Richtige getan und sich getrennt, nachdem er kein Einsehen hatte und zu einer Therapie nicht bereit war


Dezemberbaby2012

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Antwort auf Beitrag von MissRanya

Liebe MissRanya, hab auf den anderen Post unten nicht geantwortet, weil ich nicht gerne so halböffentlich drüber rede. Da ich aber jetzt gesehen habe, WARUM du gefragt hast, will auch ich dir noch antworten: Ja, bei uns waren Schläge an der Tagesordnung. Auch Kleiderbügel wurden auf uns "zerschlagen", wir bekamen Essensentzug (ohne Abendessen im dunklen Zimmer ins Bett), wir wurden verbal niedergemacht. Die Kindheit war die Hölle. Meine Schwester ist Pastorin geworden ;-) und ich habe bis heute eine massive Angststörung. Noch immer wache ich nachts manchmal mit Alpträumen wegen dieser Zeit auf. Vor ca. 10 Jahren, nach einer Therapie habe ich meine Eltern schriftlich damit konfrontiert. Sie haben mir nie geantwortet, nur mit meiner Schwester darüber geredet, die trotz allem noch Kontakt zu ihnen hatte (Pastorin ;-) ).Sie nannten das ihr gegenüber dann "preussische Erziehung" und standen bis zu ihrem Tod dahinter. Sie haben einfach nicht eingesehen, was sie angerichtet haben. Vielleicht ist es eine Erklärung, dass meine Mutter noch im Krieg geboren war, als Kind dann zu Kriegsende geflüchtet, ich glaube sie war deshalb psychisch krank. Trotzdem, sie hätte ihr Verhalten irgendwann hinterfragen müssen, sich Hilfe holen, zumindest im Rahmen meines Briefes nach all den Jahren drüber nachdenken sollen und sagen: Ja, das war ein Fehler damals. Das hat sie aber nie gemacht. Und mein Vater, nach dem Krieg geboren, hätte damals der Sache Einhalt gebieten müssen, wenigstens als wir ihn später als Teenager deshalb fast anflehten. Nein, mein Vater hat nochmal zugeschlagen, wenn er aus der Arbeit kam und wir etwas "angestellt" hatten. Keinerlei Einsicht. Ich habe wahrscheinlich auch deshalb lange Zeit keine Kinder haben wollen. Wahrscheinlich habe ich mir einfach nicht zugetraut, eine liebe Mami zu sein. Jetzt ist unser kleiner Schatz da und ich weiss, dass ich ganz anders bin. Ich versuche alles zu tun, die Fehler früherer Generationen nicht zu wiederholen. Und das fällt mir nicht mal schwer. Ich liebe meinen Kleinen über alles und er wächst mit viel Liebe und Verständnis auf. Bitte, bitte hilf dem kleinen Sohn deiner Freundin! Es ist wirklich auch nach Jahren und Jahrzehnten oft schrecklich, mit so einer Kindheitserfahrung zu leben. Berate dich mit dem Jugendamt, wenn du kannst. Ich wünschte, jemand hätte sich damals "eingemischt". Vielleicht kannst du den Jungen auch mal ab und zu für einen Tag zu dir holen? Das macht auch schon viel aus, dass er sieht: Da ist jemand, der mich so nimmt wie ich bin, wo ich mich entspannen kann, weil ich nicht plötzlich aus dem Nichts heraus angeschrien/geschlagen werde. Deiner Freundin könnte eine Trauma-Verhaltenstherapie helfen, aber nur wenn sie selbst es will und nur bei einem guten (!) Therapeuten. Vielleicht magst du ihr mal das Buch "Vergiftete Kindheit" von Susan Forward schenken? Vielleicht konfrontiert das Buch sie etwas mit ihren verdrängten Gefühlen/Erinnerungen, falls sie es wirklich liest. Darauf könnte man dann aufbauen. Mich hat es damals sehr bewegt. Auf dem Gebiet der Traumatherapie und der Beschäftigung mit dem "inneren Kind" sind vielleicht auch Bücher von Luise Reddemann für sie interessant. Danke, dass du dir soviel Gedanken um dieses Kind (und deine Freundin) machst! Liebe Grüße!


Dezemberbaby2012

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Antwort auf Beitrag von Dezemberbaby2012

Hallo nochmal, hab grad gesehen, DU hast ja unten gar nicht gefragt, das war ja mf4! Ändert aber nichts an der Sache, dass ich es super finde, dass du dem kleinen Sohn deiner Freundin helfen willst! Nochmal liebe Grüße!