SybilleN
Hallo! Gestern war ein Freund da - eigentlich wollte er uns nur kurz etwas reparieren. Blieb dann aber länger und hat uns von seinen Eheproblemen erzählt. Er und seine Frau haben 3 Jungs zwischen 1 und 9. Um es kurz zu machen: Ihm fällt auf, dass sie seit einigen Monaten jeden Abend 2-3 Gläser Wein braucht. Es gibt inzwischen keinen Abend ohne. Wenn er das vorsichtig anspricht ("Mir reicht heute ein Glas. Kommst du morgen gut raus, wenn du nochmal eins trinkst?") , wird sie ziemlich aggressiv und abweisend. Wie überhaupt wohl häufiger gegenüber ihm und den Kindern. Er hat ihr vorgeschlagen, zur Eheberatung zu gehen, was sie aber ablehnt, "weil ja keiner auf die Kinder aufpassen kann". Stimmt aber überhaupt nicht - beide Großeltern sind fit und in der Nähe und springen sonst auch gern ein. Er meint, allein kommt er nicht er nicht voran. Er will seine Frau nicht verlieren. Er macht sich ziemlich Sorgen, aber er und ich sind beide IT-ler - wir (und mein Mann) haben echt keine Ahnung, an wen man sich für Hilfe wenden kann? Habt ihr da Tipps? Es ist ja auch total wichtig für die Kinder, dass sie gut aufwachsen können. Danke schon mal!
Solange keine Einsicht da ist, ist es schwierig, vor allem von außen. Dem Ehemann würde ich ein Telefonat mit den Anonymen Alkoholikern empfehlen, bzw ähnlichen Stellen die sich mit dieser Problematik beschäftigen. Euch empfehle ich ein offenes Ohr und da sein, wann immer es möglich ist. Jedoch ist das für die betroffene Familie ein Muss professionelle Hilfe anzunehmen, das übersteigt Freundschaft, es können Coabhängigkeiten entstehen. Ich an eurer Stelle würde die Ehefrau tunlichst nicht ansprechen, um die Freundschaft nicht zu gefährden. Je nachdem wie Nahe ihr euch steht, aber weiterhin Freundschaft und Nähe anbieten und gewähren. Viel Glück bei diesem Drahtseilakt. Zusätzlich denke ich, ist es ein Ausdruck von Überforderung, Familienhilfe wäreda wohl ein Ansatzpunkt.
Vielen Dank! Ich sag ihm das, wenn ich ihn das nächste Mal sehe. Wenn ich ihm ne Messengernachricht schicke, könnte das blöd ausgehen.
Ohne Leidensdruck von ihrer Seite her ist da nichts zu machen. Sie muss erstmal selber ein Problem sehen und dann auch bereit sein, sich helfen zu lassen. Das vorab. Trotzdem gibt es die Möglichkeit, sich als Angehöriger an eine Drogenberatungsstelle zu wenden (google in deiner Stadt danach, hier in Süddeutschland ist das z.B. häufig Condrobs). Dort schaut man sich die Situation aus seiner Perspektive an und gibt wertvolle Tipps für den weiteren Umgang.
*aka Suchtberatung. Den Rest spar ich mir, das sollen die kompetenten Fachkräfte vor Ort machen, die auf den Fall zugeschnittene Maßnahmen ergreifen. Bin übrigens auch vom Fach ;)
Ich bin vom Fach. Grundsätzlich lässt sich sicher sagen, dass das eine denkbar schwierige Situation ist. Sie ist erwachsen und verfügt über einen freien Willen, den gilt es zu respektieren. Wichtig fände ich es, dass er sich ihr gegenüber klar positioniert und nicht um den heißen Brei herumeiert. Also nicht "mir reicht heute auch eins" sondern "mir ist aufgefallen dass Du täglich Alkohol trinkst und ich mache mir große Sorgen". Über Monate 3 Gläser Wein ist ja vielleicht schon kein schädlicher Gebrauch sondern schon eine Sucht. Er muss sich darüber hinaus überlegen, wie er sich verhält. Wenn er es toleriert, macht er sich zum Co-Abhängigen. Die Tatsache dass er sich Euch anvertraut hat zeigt ja, dass es ihn sehr zu belasten scheint. Ich würde ihm raten sich an eine Suchtberatungsstelle zu wenden. Vielleicht kann er sich dort beraten lassen und hilfreiche Hinweise erhalten. Vielleicht wäre sogar sie bereits, ein gemeinsames Gespräch dort wahr zu nehmen. Am Ende des Tages trifft jedoch sie die Entscheidung über ihren Alkoholkonsum. Seine Entscheidung wäre dann die, ob er unter diesen Umständen weiterhin an ihrer Seite bleibt oder als Voraussetzung für die Weiterführung der Beziehung Abstinenz oder zumindest eine Reduktion des Konsums fordert. Vielleicht gibt es ein gutes Vertrauensverhältnis zum Hausarzt und dieser könnte mit ins Boot geholt werden?
Genau so.. Bin nämlich auch "vom Fach". Das Problem in den meisten Fällen ist, dass die "Süchtigen" nicht ahnen, dass sie wirklich schon in dem Strudel sind. Sie bauen einen Zaun um sich auf und da kommt so schnell keiner durch. Und sie finden immer Ausreden, wieso es jetzt noch ein Glas Bier oder Wein sein muss. Die Kinder waren unausstehlich, Ärger im Job, sie brauchen es um durchschlafen zu können. Dann gibt es noch das andere Problem, dass gerade Wein oft nicht als Alkohol an sich angesehen wird. Wieviele Familien konsumieren Abends zum Essen ein gutes Glas Rotwein, oder zum Grillen einen Prosecco. Guckt man sich manche Sendungen oder Filme an, immer spielt Wein eine Rolle :-( An und für sich nix dagegen einzuwenden, aber wenn es dann irgendwann nicht mehr OHNE geht, ist es zu spät. Wir hatten auch einen Nachbarn, der trank jeden Abend seine 3 Flaschen "Feierabendbier" und meinte immer, er kann auch ohne, er ist kein Alkoholiker. Auf den Boden der Tatsachen kam er dann, als er eines Abends kein Bier mehr hatte und aggressiv wurde. Es muß fast immer irgendwas passieren, damit sich bei den Alkoholikern der Schalter im Kopf umlegt. Erste Anlaufstelle wäre daher wirklich erstmal eine Suchtberatungsstelle für den Mann. Es gibt auch manchmal Selbsthilfegruppen für Angehörige. Zwingen aufzuhören, das hat noch nie geklappt. Schlimmstenfalls wird heimlich weitergetrunken.
Zusätzlich zu den bereits gegebenen Tipps vllt auch mal Alternativen zum Weintrinkern finden Wenn er sagt, mir reicht heute Abend mal ein Glas Wein, da scheint es ja so zu sein, dass die öfter gemeinsam Wein konsumieren Wenn sie den Wein tatsächlich „braucht“ und es schon eine Sucht ist, wird das nichts mehr bringen Wenn sie aber noch in der Lage ist, den Alkoholkonsum zu steuern, dann sollte die Versuchung vllt mal reduziert werden (also wenn man ganz selbstverständlich jeden Abend sowieso eine Flasche aufmacht, dann fällt ihr das vllt schwer bei einem Glas zu bleiben) Dann lieber mal Traubensaftschorle, sonstige Saftschorlen, selbstgemachte Limonaden oder Eistees Alkfreies Bier, alkfreien Wein versuchen (also auch der Mann sollte dann auf sein Glas Wein verzichten, wenn jemand den Wein vor ihrer Nase trinkt, wird sie es nicht schaffen darauf zu verzichten)
Da hast du sicher recht. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist das bei ihm / ihnen auch eine Homeoffice-Folge: Da er weniger früh raus musste, haben sie abends häufiger Wein zusammen getrunken. Nur mit dem Unterschied, dass er generell weniger und es nicht (mehr) jeden Abend praktiziert.
Also- ich bin keineswegs vom Fach. Aber vorgestern habe ich Nachtcafe gesehen... und eine Frau bestätigte genau das . Ihr Mann war alkoholabhängig. Sie hat versucht ihm zu helfen, und zu helfen Das Problem ist... Einem Suchtmenschen kann man nur helfen , wenn ER selbst Hilfe will. Ansonsten macht sich der Partner Co-abhängig, und geht durch die Hölle- während der andere Teil weiterhin munter weitermacht. Also... sie scheint es ja bis jetzt nicht einzusehen. Es muss wahrscheinlich erst etwas passieren, bis sie es versteht. In dem Fall ( Nachtcafe ) stand auf einmal das Kind weinend vor ihr- und klagte ihr sein Leid. Da wurde sie wach- und trennte sich von ihrem Mann. Ich wünsche Deinem Freund viel Glück.
Mein Opa war Alkoholliker. Meine Oma hat nie auch nur Ansatzweise an Trennung gedacht.
Es eine Zeit lang extrem, als meine Mutter so 13 war. Es gab regelmäßig Zoff, Beschimpfungen an der Tagesordnung, Geschirr flog usw. Mein Opa drehte völlig durch.
Und meine Oma? Saß jeden Abend in der Küche, weinte, rechnete und wusste nicht, wie die Familie über die Runden bringen. Nahm noch einen Job an, hatte zeitweise drei Arbeitsstellen. Verdiente das Geld, was mein Opa in die Kneipe trug... Co-Abhängigkeit vom feinsten.
Oft stand meine Mutter vor meiner Oma und hat sie angefleht, dass sie sich trennt. Hat meine Oma nie gemacht...
Meine Tante(Schwester meines Vaters) versteckte damals im Mutter-Kind Heim(Alkohol war tabu!) ihren Alkohol im Spülkasten der Toilette. So konnte sie dann doch lange unbemerkt ihren Alkohol trinken, wenn sie auf Toilette ging. Und sie musste immer häufiger, daher flog es auch auf. Sie hatte allerdings keinen Partner.
Vielen lieben Dank euch allen! Ich hab bis heute nicht gewusst, dass man auch als Angehöriger zur Suchtberatung gehen kann! Gerne gebe ich ihm das beim nächsten Treffen weiter - das mit dem Hausarzt könnte auch ne gute Idee sein. Ich selbst werde mich hüten, da direkt was zu sagen. Ich hab da weder Ahnung noch Talent. Wir (also mein Mann und ich) trinken nie Alkohol, da fiel es uns schwer, eine Referenz zu finden, ob 3 Gläser täglich jetzt viel sind oder nicht. Alkohol zerstört leider nicht nur Zellen, sondern auch Familien. Und so wie er erzählt hat, ist das bei ihm leider auch gerade der Fall. Gerade für die Jungs muss das übel sein!
Er sollte eine Situation beobachten, wenn kein Wein da ist. Wie reagiert sie dann?
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