Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel für Gemüsemuffel?

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel für Gemüsemuffel?

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Die Erbsen werden an den Tellerrand geschoben, Karotten aus der Suppe gefischt und bei Spinat wird die Nase gerümpft - manche Kinder mögen Gemüse nicht so gern. Viele Mamas und Papas sind dann in großer Sorge und fragen sich: Bekommt unser Kind überhaupt genügend Vitamine?

Vor allem jetzt, wenn sich die Infekte wieder häufen, möchten Eltern sicher gehen, dass Ihr Nachwuchs bestmöglich vor allen Krankheitserregern geschützt ist - da kommt das Angebot an Brausetabletten mit Vitamin C, Bonbons mit Kalzium, Fischölkapseln oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln gerade recht. Aber können diese Mittel tatsächlich so einen großen Beitrag für eine gesunde Ernährung des Kindes leisten?

Vitamin-Präparate - teuer und überflüssig

Nein, normalerweise können Eltern ruhigen Gewissens darauf verzichten, Sohn oder Tochter mit Nahrungsergänzungsmitteln zu füttern. Der Nutzen dieser Produkte ist derzeit wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Auch wenn die Werbung den Eindruck erweckt, dass die Kinder erst mit den zusätzlichen Mitteln richtig gesund leben. Nährstoffzugaben sind nur sinnvoll, wenn der Kinderarzt tatsächlich einen entsprechenden Mangel diagnostiziert hat. Dann wird der Fachmann selbstverständlich ein wirksames Produkt verschreiben und diese Gabe ist dann auch empfehlenswert.
Auch die speziellen Präparate, welche die Fluor- bzw. die Vitamin D-Versorgung in den ersten Lebensjahren sicherstellen sind hier nicht gemeint.

Liegt kein besonderer Mangel vor, sind die freiverkäuflichen Dragees, Pillen und Pülverchen, die in Drogerie- und Supermärkten, Apotheken und Online-Shops angeboten werden, überflüssig. Sie sind kein Ersatz für eine vitaminreiche und abwechslungsreiche Kost. Außerdem sind die Produkte meist teurer als frische Lebensmittel.

Durch die Verpackung wirken die Konzentrate oft, als sei der gesundheitsfördernde Einfluss gewiss - aber Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht wie Arzneimittel einer Zulassungspflicht. Sie müssen zwar registriert sein beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und aus gesundheitlichen Gründen muss eine empfohlene tägliche Verzehrsmenge angegeben werden, aber der Verbraucher sollte nicht meinen, das Präparat sei in jedem Fall ein wertvolles Lebensmittel. Davon scheinen viele Eltern fälschlicherweise auszugehen: Bei einer Online-Befragung unter 1400 Eltern gaben 60 Prozent der Befragten an, dass sie ihren Kindern schon mal Vitaminpillen, Sirups oder Kautabletten kaufen. Jeder Zweite davon, gibt sie seinem Kind täglich.

Manche Mittelchen enthalten laut einer Untersuchung durch Stiftung Warentest sogar Vitamine in Überdosis und nicht empfohlene Mineralstoffe. Bei einem Test von 23 Nahrungsergänzungsmitteln für Kinder kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass immerhin 10 Präparate überdosiert sind. Nur fünf Produkte sind mit Einschränkungen geeignet, sie enthalten keine kritischen Mineralstoffe, keine Überdosis Vitamine. Kinder benötigen die Präparate nicht, aber die Mittel schaden auch nicht - so das Fazit.
Das Resultat basiert auf den Empfehlungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) für die tägliche Nährstoffzufuhr für Kinder. Nach diesen Richtlinien sollten Kinder Mineralstoffe wie Zink, Kupfer, Mangan und Eisen gar nicht extra bekommen. Im Essen würde genug davon stecken, so das BfR. Jedoch folgen die Hersteller dieser Empfehlung nicht, viele Produkte enthalten Mineralstoffe satt.

Obst und Gemüse in den Speiseplan mogeln

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit frischen und gesunden Lebensmitteln bringt wesentlich mehr für die Versorgung des Sprösslings: Obst und Gemüse sättigen besser als Vitaminpillen und beugen durch die geringe Kaloriendichte Übergewicht vor. Am Familientisch, wenn die Eltern sich ebenfalls am Rohkostteller bedienen, wird sich das Kind früher oder später daran orientieren und das Verhalten von Mama oder Papa nachahmen. Einerseits lernt das Kind so den bewussten Umgang mit Lebensmitteln, andererseits kann es ein natürliches Geschmacksempfinden entwickeln. Darüber hinaus sind Obst und Gemüse insgesamt preiswerter, als würden die Nahrungsergänzungsmittel nach den Empfehlungen der Hersteller eingenommen.

Frisches Obst und Gemüse sollte in kleinen Portionen mindestens fünf Mal täglich auf dem Speiseplan stehen. Durch eine normale, ausgewogene und frische Küche können die Kinder absolut ausreichend versorgt werden: In Getreide, Obst und Gemüse stecken vielerlei verschiedene Nährstoffe und Ballaststoffe, Milch und Milchprodukte liefern Kalzium, Vitamin D und Jod wird durch Fisch zugeführt, Magnesium und Eisen durch Vollkornprodukte - ein Kind ist mit einer gesunden Mischkost ausreichend versorgt.

Bei Kindern, die Obst und Gemüse nicht so gern mögen, ist aber auch die Phantasie des Kochs oder der Köchin gefordert, hier sind besondere Tricks gefragt: Für Gemüsemuffel müssen die Lebensmittel eben gut versteckt werden in Aufläufen, Suppen, Soßen etc. Obst wird besonders verführerisch serviert beispielsweise stückchenweise auf Spieße gesteckt oder auch mal als Obstsaft. Weitere Anregungen dazu finden Sie auch hier.

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